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Veröffentlicht am 27.08.2025

Wilkins & Wilkins

Ein Mord im November - Ein Fall für DI Wilkins
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Im elitären College Barnabas Hall der Universität Oxford wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, ausgerechnet im Arbeitszimmer des Collegeleiters Sir James Osborne. Als Erster zur Stelle ist DI Ryan ...

Im elitären College Barnabas Hall der Universität Oxford wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, ausgerechnet im Arbeitszimmer des Collegeleiters Sir James Osborne. Als Erster zur Stelle ist DI Ryan Wilkins, der an diesem Tag seinen Dienst bei der Oxforder Kriminalpolizei antritt. Wilkins, der seine Kindheit und Jugend in einem abgewrackten Trailerpark in einer armen Gegend Oxfords verbracht hat, ist das Bildungsbürgertum vollkommen fremd und sowohl seine Umgangsformen als auch sein Kleidungsstil sind äußerst gewöhnungsbedürftig. Nach Oxford strafversetzt, eckt er mit seinem Verhalten gleich an seinem ersten Arbeitstag an, was eine Beschwerde bei seiner Chefin nach sich zieht.
Wie sich herausstellt, trägt sein Kollege denselben Nachnamen und Dienstgrad, was zu gehöriger Verwirrung führt. Allerdings könnten die beiden unterschiedlicher nicht sein. Während Ryan in Schlabberjogginghose und umgedrehter Basecap auftritt, legt Ray Wilkins, der selbst einen Abschluss der Universität Oxford vorweisen kann, größten Wert auf Markenkleidung und ein korrektes Auftreten. Konflikte sind vorprogrammiert.
Dieses Aufeinandertreffen der beiden DIs ist höchst amüsant zu lesen. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit sind sie kein schlechtes Team. Mit seinem unkonventionellen Ansatz und guten Gespür bringt Ryan sie auf so manche richtige Spur, während Ray bemüht ist, die verbalen Entgleisungen seines Kollegen auf ein Minimum zu begrenzen.
„Ein Mord im November“ ist fast 400 Seiten lang und mir war zu keiner Zeit langweilig. Simon Masons Schreibstil ist witzig und eloquent. Ich hoffe sehr, dass die beiden Folgebände, die auf Englisch bereits erschienen sind, auch in Deutschland verlegt werden. Von mir 5 Sterne und Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 09.08.2025

Welch ein liebenswertes kleines Einhorn!

Ein Einhorn namens Oktober
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Das kleine Einhorn Oktober kann es kaum erwarten, ein Jahr alt zu werden, denn – wie jeder weiß – entwickeln Einhörner dann ihre magischen Fähigkeiten. Doch sein Geburtstag kommt und geht, und Oktober ...

Das kleine Einhorn Oktober kann es kaum erwarten, ein Jahr alt zu werden, denn – wie jeder weiß – entwickeln Einhörner dann ihre magischen Fähigkeiten. Doch sein Geburtstag kommt und geht, und Oktober hat noch immer nicht entdeckt, worin seine magische Fähigkeit liegt. Zusammen mit seinem Freund Einhörnchen (der aussieht wie ein Eichhörnchen, aber ebenfalls ein kleines Horn besitzt), macht er sich auf die Suche…
„Ein Einhorn namens Oktober“ ist ein ganz besonders schönes Kinderbuch. Schon bei der Abbildung des kleinen Oktober auf dem Cover habe ich mich in dieses kleine Einhorn verliebt. Die Texte sind witzig und ideenreich und die Illustrationen unglaublich goldig. Das Buch ist perfekt für Kinder, die für reine Bilderbücher zu groß und für Bücher mit viel Text und wenig Illustrationen noch zu klein sind. Mein Enkel ist vier und er ist von diesem Buch genauso begeistert wie ich. Besonders angetan ist er von Einhorn Franzi, das sich (fast) unsichtbar machen kann. Ein Öhrchen bleibt witzigerweise immer sichtbar. Und natürlich von Oktober selbst, von dem er meinte, so einen lieben Freund hätte er auch gerne! Ich bin begeistert von diesem liebevoll gestalteten Kinderbuch, das ich inzwischen auch für die vierjährigen Zwillinge von Freunden bestellt habe.

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Meisterin der Manipulation

Schattengrünes Tal
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Neben ihrem eigentlichen Job im Tourismusbüro der kleinen Schwarzwaldgemeinde Herzogsbronn kümmert sich Lisa um die Buchhaltung im Hotel ihres Vaters. Das Hotel hat seine besten Tage längst hinter sich, ...

Neben ihrem eigentlichen Job im Tourismusbüro der kleinen Schwarzwaldgemeinde Herzogsbronn kümmert sich Lisa um die Buchhaltung im Hotel ihres Vaters. Das Hotel hat seine besten Tage längst hinter sich, der Renovierungsstau ist offensichtlich. Momentan hat das "Alte Forsthaus" nur einen einzigen Gast, eine junge Frau namens Daniela, die ausgerechnet in dem beschaulichen Örtchen ein neues Leben beginnen will. Daniela tut Lisa leid, weshalb sie sich um sie kümmert, indem sie sie zu einer Chorprobe mitnimmt und ihr Leute vorstellt. Die schüchterne Daniela verwandelt sich schnell zu einer selbstbewussten Frau, die sich überall einzubringen weiß. Spätestens als Lisas Ehemann Simon seltsam auf Daniela reagiert, wird Lisa klar, dass Daniela nicht mit offenen Karten spielt und es kein Zufall ist, dass sie ausgerechnet in Herzogsbronn gelandet ist.
"Schattengrünes Tal"ist ein ungemein spannendes und fesselndes Buch. Nur das doch ziemlich plötzliche Ende fand ich etwas unbefriedigend. Im Übrigen könnte ich mir diesen Roman sehr gut als Film vorstellen, ein Psychodrama vor dem Hintergrund des Schwarzwalds! Ein wirklich lesenswerter Roman!

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Veröffentlicht am 29.06.2025

Gleichzeitig anspruchsvoll und sehr spannend

Löwen wecken
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Etan Grien arbeitet als Neurochirurg in einem kleinen Krankenhaus in der israelischen Wüste. Er wurde dorthin strafversetzt, nachdem er in Tel Aviv seinen Professor (zu Recht) der Korruption bezichtigte. ...

Etan Grien arbeitet als Neurochirurg in einem kleinen Krankenhaus in der israelischen Wüste. Er wurde dorthin strafversetzt, nachdem er in Tel Aviv seinen Professor (zu Recht) der Korruption bezichtigte. Etans Leben ist ereignislos, geradezu langweilig, bis er eines Nachts auf einer Spritztour einen Menschen überfährt. Das Unfallopfer ist ein eriträischer Flüchtling, dessen Verletzungen zu schwer sind, als dass er gerettet werden könnte. So trifft Etan die schwerwiegende Entscheidung, Unfallflucht zu begehen.
Am nächsten Tag steht Sirkit, die Frau des Eriträers, vor Etans Tür und erpresst ihn. Er soll im Gegenzug für ihr Schweigen Flüchtlinge nachts in einer Werkstatt ärztlich behandeln. So beginnt für Etan ein Doppelleben, denn er verschweigt seiner Frau den Unfall und dessen Folgen. Zwischen Sirkit und Etan entwickelt sich eine Art Hassliebe und mit der Zeit fühlen sie sich zueinander hingezogen.
Als Leser fühlt man die ganze Zeit die Gefahr, in die Etan sich begibt. Wie lange wird seine Frau die Geschichte von Doppelschichten im Krankenhaus noch glauben? Wird sie Etan verlassen und die Kinder mitnehmen? Wie lange hält Etan diese Doppelbelastung noch durch? Verkompliziert wird das Ganze noch dadurch, dass Etans Frau Kriminalbeamtin ist, die im Fall des toten Eriträers ermittelt.
Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das einen solchen Sog auf mich ausgeübt hat. Ich konnte es kaum aus der Hand legen, obwohl manche Passagen ziemlich ausschweifend und für die Geschichte unnötig waren. Die Autorin lässt viele philosophische Gedanken einfließen. Es ist ein ausgesprochen anspruchsvolles Buch, das einen interessanten Einblick in die Flüchtlingssituation in Israel gibt.
Ayelet Gundar-Goshen ist eine hervorragende Beobachterin, der man anmerkt, dass sie nicht nur Journalistin, sondern auch Psychologin ist. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Ein mutiger Schritt

Strandgut
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Earlon „Bucky“ Bronco ist mit seinen siebzig Jahren ein physisches und psychisches Wrack. Gegen seine Hüftschmerzen nimmt er Opioide, die in den USA ja eine Zeitlang von den Ärzten wie Smarties verteilt ...

Earlon „Bucky“ Bronco ist mit seinen siebzig Jahren ein physisches und psychisches Wrack. Gegen seine Hüftschmerzen nimmt er Opioide, die in den USA ja eine Zeitlang von den Ärzten wie Smarties verteilt wurden und in kürzester Zeit zu Abhängigkeit führen. Seit Buckys Frau Maybellene vor einem Jahr gestorben ist, lebt Bucky sehr einsam, sein häufigster Kontakt ist der Verkäufer im Drugstore, wo er seine Rezepte einlöst.
In seiner Jugend schaffte Bucky ein One-Hit-Wonder, „Until the wheels fall off“. Seine Karriere nahm jedoch ein abruptes Ende und keiner kann sich inzwischen mehr daran erinnern, dass Bucky einmal eine vielversprechende Karriere vor sich hatte. Als er einen Brief vorfindet, in dem er dazu eingeladen wird, bei einem Musikfestival im britischen Scarborough aufzutreten, hält Bucky dies zunächst für einen Scherz. Er hat keine Ahnung, dass er im Norden Englands wie ein Star gefeiert wird und eine große Fangemeinde hat. Da Flug- und Hotelkosten, sowie ein großzügiges Honorar bezahlt werden, beschließt er, den Flug über den großen Teich zu wagen, zumal er die USA noch nie verlassen und auch das Meer noch nie gesehen hat. Was hat er schon zu verlieren?
In England wird er von der fünfzigjährigen Dinah in Empfang genommen, die ein großer Fan von ihm ist. Dinah ist mit einem Nichtsnutz von Ehemann verheiratet, ihr erwachsener Sohn verbringt die Nächte vor dem Computer und verschläft den Tag. So ist es für sie ein absolutes Highlight, Bucky während des Festivals betreuen zu dürfen. Bucky leidet zunächst unter Jetlag und Entzugserscheinungen, die er zu verbergen versucht. Lange Zeit ist nicht klar, ob er es überhaupt schaffen wird aufzutreten.
Für mich war „Strandgut“ das erste Buch von Benjamin Myers. Sein teilweise sehr poetischer Schreibstil und seine genauen Beobachtungen und Charakterisierungen der Personen haben mir sehr gut gefallen. In mancher Szene hatte ich das Gefühl, neben Bucky herzugehen, beispielsweise, als er nachts die dunklen Gänge des Hotels „Majestic“ erkundet, das seine Glanzzeiten längst hinter sich hat.
Im Übrigen möchte ich auch die hervorragende Übersetzung aus dem Englischen durch Werner Löcher-Lawrence erwähnen, ich habe schon lange kein so gut übersetztes Buch mehr gelesen!
Benjamin Myers ist mit „Strandgut“ ein wunderschönes, leises Buch über Freundschaft und Liebe, Verlust und Trauer, aber auch über den Mut, eigene Grenzen zu überwinden gelungen. Die Rückblicke auf Buckys Leben haben mich sehr berührt. Uneingeschränkte Leseempfehlung!

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