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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.11.2025

Schwestern verbunden durch die Zeit

Unbeugsam wie die See
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Als Lucy beim Schlafwandeln einen jungen Mann attackiert, der ihr ein Unrecht angetan hat, beschließt sie, zu ihrer Schwester zu fliehen. Auch Jess ist früher geschlafwandelt und Lucy erhofft sich Rat ...

Als Lucy beim Schlafwandeln einen jungen Mann attackiert, der ihr ein Unrecht angetan hat, beschließt sie, zu ihrer Schwester zu fliehen. Auch Jess ist früher geschlafwandelt und Lucy erhofft sich Rat oder zumindest ein offenes Ohr. Als sie dort ankommt, ist ihre Schwester jedoch nicht aufzufinden und Lucy hat sehr lebendige Träume von zwei Schwestern, die aus Irland mit einem Sträflingsschiff nach Australien überführt wurden. Je mehr sich Lucy mit Jess’ Vergangenheit auseinandersetzt, umso klarer wird, dass sie die gleichen mysteriösen Träume haben.

Das Buch hat sehr viele verschiedene sexistische Probleme aufgegriffen. Es geht um Gewalt gegenüber Frauen, Machtungleichgewicht und patriarchale Strukturen. Vor allem den Aspekt mit den Sträflingsschiffen und wie dort und später auf dem australischen Festland mit ihnen umgegangen wird, war sehr erschreckend, aber auch interessant beschrieben.
Das Element der Meerjungfrauen fand ich eine gelungene Metapher, weil sie zeigt, wie Frauen ihre Macht wiedererlangen. Sie war zum Teil sehr befreiend zu lesen, vor allem nach den Dingen, die diesen Frauen angetan wurden.
Das persönliche Leben von Lucy und Jess war zwar nicht schlecht, aber der uninteressanteste Teil des Buches. Ich hätte mir noch mehr Fokus auf die Gegebenheiten bezüglich der Sträflingsschiffe gewünscht.

Ein interessantes Buch, das ich durchaus empfehlen kann.

Veröffentlicht am 06.08.2025

Insekten in kleinsten Kosmen

Im Schatten von Giganten
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Im Buch geht es um Insekten und ihre vielen kleinen Lebensräume. Der Autorin ist wichtig, dass wir die Wertigkeit von Insekten anerkennen, die einen so wichtigen und großen Teil unseres Ökosystems stellen. ...

Im Buch geht es um Insekten und ihre vielen kleinen Lebensräume. Der Autorin ist wichtig, dass wir die Wertigkeit von Insekten anerkennen, die einen so wichtigen und großen Teil unseres Ökosystems stellen. Vor allem, weil sie nicht das beste Image haben im Vergleich zu anderen Tiergruppen.

Das Buch war nicht herausragend, aber es war interessant und es waren schöne, ausdrucksstarke Aufnahmen abgedruckt.
Es ist immer schön ein Buch zu lesen von einer Person, die leidenschaftlich bei ihrem Thema dabei ist. Die Autorin interessiert sich wirklich ausgiebig für Insekten und diese Einstellung kommt auch im Text rüber, was einfach super schön ist.
Das Buch war mir nicht spezialisiert genug, obwohl die Einteilung in die kleinen Biome cool war. Am besten hat mir “Das Leben in der Pfütze” und das letzte Kapitel, wo sie Mikrohabitate betrachtet, gefallen.
Ich würde mir wünschen, dass die Bilder dem Text besser zugeordnet sind. Die Bilder der Tiere, die im Text beschrieben wurden, waren teilweise nicht auf der gleichen Seite, sondern mehrere Seiten davor.
Generell ist es aber schön zu sehen, wenn sich Leute wie die Autorin für die Biodiversität einsetzen. Vor allem für die eher unbeliebten Teile unserer Tierwelt.

Das Buch ist toll, aber doch recht allgemein gehalten. Wer schon zwanzig Bildbände über Insekten hat, braucht diesen vermutlich nicht auch noch, für alle anderen ist es jedoch sehr empfehlenswert.

Veröffentlicht am 03.08.2025

Grausamkeit aus Mutterliebe

The Book Eaters
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Die Buchesser sind mysteriöse Kreaturen, die vom Sammler auf die Erde gesetzt wurden, um Informationen zu sammeln, indem sie Bücher essen. Ihre Gesellschaft ist vom Patriarchat geprägt. Sie verheiraten ...

Die Buchesser sind mysteriöse Kreaturen, die vom Sammler auf die Erde gesetzt wurden, um Informationen zu sammeln, indem sie Bücher essen. Ihre Gesellschaft ist vom Patriarchat geprägt. Sie verheiraten die wenigen Buchesserinnen, die es gibt, um die Erbfolge zu sichern und möglichst frei von Inzucht zu halten. In dieser Gemeinschaft wächst Devon auf. Zuerst als kleine Prinzessin, die aufgrund ihres Geschlechts niemals richtig Ärger bekommt. Nach ihrer ersten Hochzeit begreift sie jedoch, dass sie in einem goldenen Käfig lebt, die anderen Buchesser ihrer Familie sich aber nicht zu schade sind, auch Gewalt anzuwenden, wenn sie sich nicht fügt. Und fügen möchte Devon sich nicht, denn ihr Sohn wird als Gedankenesser geboren und diese werden entweder in absoluten Gehorsam gezwungen oder getötet. Sie wird ihren Sohn retten. Koste es, was es wolle.

Das Buch ist sehr düster. Das ist meiner Meinung nach wichtig zu wissen, da es düsterer war, als ich erwartet hätte, vor allem weil es keine Triggerwarnungen hat.
Dieser düstere Ton zieht sich durch das ganze Buch und wird beharrlich beibehalten. Trotz dessen fühlt es sich an keiner Stelle an, als wäre es nur so geschrieben, um die Leser zu schockieren. Stattdessen dient es dazu, die Kaltherzigkeit von Devons Welt herauszukristallisieren und zu zeigen, zu welcher Grausamkeit Devon aus Mutterliebe fähig ist.
Devons Charakter ist spannend. Sie ist nicht besonders sympathisch, aber wir erhalten einen guten Einblick, wieso sie ihre Entscheidungen auf die Art und Weise trifft, wie sie es tut. Ihre Entscheidungen sind berechnend und gar grausam, aber sie machen im Bild der Welt zu jeder Zeit Sinn.
Die Twists in der Geschichte fand ich gelungen. Auch wenn sie nicht absolut unvorhersehbar waren, haben sie der Geschichte immer eine ganz neue Dynamik gegeben.
Die Mythologie der Buchesser fand ich einzigartig. Es war mal etwas ganz Neues. Ich fand es auch gut umgesetzt, wie Buchesser eine ganz andere Moralvorstellung als die Menschen hatten, auch wenn die patriarchalen Strukturen ihrer Gemeinschaft sich wie das Extrem unserer heutigen Welt, vor allem mit Blick auf bestimmte Länder, angefühlt haben. Mir hat gefallen, über sie zu lernen, auch wenn ich mir vom Buch noch eine tiefgreifendere Betrachtung gewünscht hätte.

Insgesamt bietet das Buch eine gelungene, düstere Geschichte, von der ich mir persönlich noch ein bisschen mehr erhofft hätte.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasy
Veröffentlicht am 29.06.2025

Ruhe und Schlaf

Der Schlaf der Anderen
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Im Buch geht es um Janis, die in einer Schlafklinik arbeitet. Schon lange lebt sie entgegen des Tagesablaufs normaler Menschen und fühlt sich nicht mit ihnen verbunden. Eines Tages kommt Sina in die Klinik, ...

Im Buch geht es um Janis, die in einer Schlafklinik arbeitet. Schon lange lebt sie entgegen des Tagesablaufs normaler Menschen und fühlt sich nicht mit ihnen verbunden. Eines Tages kommt Sina in die Klinik, um ihre Schlafprobleme abzuklären und beide bilden eine zarte Freundschaft, die ihnen vielleicht aus ihrer überwältigenden Schlaflosigkeit hilft.

Die Autorin betrachtet ein spannendes Thema, das auch mir nahe geht. Schlaf ist schon immer etwas, das persönlich viel Anstrengung benötigt, während andere es eben “im Schlaf können”.
Das Buch beschäftigt sich damit, wie unsere Gesellschaft Schlaf betrachtet. Als etwas, das funktionieren muss, damit du morgen wieder arbeiten kannst. Als etwas, das man nicht in der Öffentlichkeit tun sollte, weil es bedeutet, dass die Person vom Schlaf überwältigt wurde. Diese Perspektive fand ich unheimlich spannend.
Das alles haben wir betrachtet, während wir die zarte und sanfte Freundschaft sehen konnten, die sich zwischen Janis und Sina entsponnen hat. Diese Freundschaft hat den beiden eine neue Perspektive und Kraft gebracht, die sehr motivierend zu sehen war.

Das Buch hat sich sehr tiefgreifend und sacht angefühlt und ich kann es jedem empfehlen, der sich auch nur ein bisschen von dem Thema angesprochen fühlt.

Veröffentlicht am 01.06.2025

Die ersten Frauen im All

Atmosphere
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Im Buch geht es um die ersten Weltall Missionen, bei denen Frauen mitfliegen durften. Unsere Hauptcharakterin ist Joan Goodwin, die eine der ersten Frauen auf einer eben jener ist. Wir sehen ihren Weg ...

Im Buch geht es um die ersten Weltall Missionen, bei denen Frauen mitfliegen durften. Unsere Hauptcharakterin ist Joan Goodwin, die eine der ersten Frauen auf einer eben jener ist. Wir sehen ihren Weg zur Astronautin und auch wie sie mit der neuesten Mission umgeht, die verspricht, zu einer Tragödie zu werden.

“Die sieben Ehemänner der Evelyn Hugo” ist eines meiner liebsten Bücher überhaupt. Es war so emotional, bewegend und beeindruckend zu lesen, dass es wirklich mein Herz erobert hat. Auch andere Bücher von Taylor Jenkins Reid habe ich gelesen. Auch wenn sie mir nicht so nah gegangen sind, war doch jedes einzelne ein wunderbares Stück Literatur.
Daher habe ich mich ausgesprochen auf dieses Buch gefreut. Vor allem der Fakt, dass es mal wieder queer wird, hat mich begeistert. Außerdem war das Thema genau mein Fall. Die Weltall Missionen fand ich schon immer faszinierend.
Das Buch beginnt mit Beschreibungen einer Mission im Jahre 1984, die wider Erwarten katastrophale Ausmaße annimmt. Das fand ich sehr gut gewählt, da man beim Lesen von der ersten Minute an total gefesselt ist. Die Beschreibungen dieser Mission werden unterbrochen mit der Geschichte, wie sich Joan auf ihre Stelle bewirbt, Astronautin wird und ihre TeamkollegInnen kennenlernt. In der Mitte des Buches wird dann wieder kurz mit einer Erzählung aus dem Jahre 1984 unterbrochen, die eine viel stärkere Wirkung hat, dadurch dass wir die TeamkollegInnen von Joan inzwischen kennenlernen durften. Danach geht es weiter mit der Geschichte zu ihrer Ausbildung und Beziehungsbildung bis zur Gegenwart, wo wir die Auflösung der katastrophalen Situation sehen.
Diesen Aufbau fand ich sehr gelungen, da er dafür sorgt, dass alle Informationen, die wir im Laufe des Buches erhalten, viel intensivere Gefühle auslösen.
Mir hat gefallen, wie explizit sich das Buch mit Diskriminierung von Frauen und Queerfeindlichkeit zum einen in der Zeitperiode aber auch vor allem bei der NASA auseinandersetzt. Der Subplot, wie Joan ihre Nichte großzieht und versucht, mit dem Charakter ihrer Schwester klarzukommen, war sehr gelungen.
Leider fand ich das Buch insgesamt irgendwie blasser und weniger ergreifend als andere Werke der Autorin. Ich weiß nicht, ob es an mir liegt, aber ich hatte das Gefühl, dass die hohe Emotionalität, die ich von ihren anderen Büchern gewohnt bin, hier zum Teil etwas zu kurz kam.

Das Buch ist trotz meiner kleinen Kritik ein sehr gelungenes Werk, das absolut lesenswert ist.