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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.05.2025

Ein Hoch auf Therapieerfolge

No Hard Feelings
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Penny hat Probleme. Probleme im Job, Probleme mit ihrem Freund und Probleme mit ihrem Körper. Bei allen anderen scheint einfach alles in Ordnung zu sein. Ihre Freunde haben tolle Beziehungen und tolle ...

Penny hat Probleme. Probleme im Job, Probleme mit ihrem Freund und Probleme mit ihrem Körper. Bei allen anderen scheint einfach alles in Ordnung zu sein. Ihre Freunde haben tolle Beziehungen und tolle Jobs oder zumindest einfach keine Probleme mit sich. Aber Penny nimmt sich fest vor, dass alles besser wird. In ihrem Job, bei dem sie nicht leidenschaftlich dabei ist, wird sie bestimmt eine Beförderung kriegen und ihr Freund, der sie eigentlich ausschließlich zum Sex einlädt, wird ihr auch bald zu Füßen liegen. Das weiß sie genau. Also bestimmt.

Das Buch zeigt einen sehr faszinierenden und meiner Erfahrung nach sehr realistischen Blick auf psychische Krankheiten. Man sieht Pennys Ängste, Gedankenspiralen und Selbstzweifel ganz genau. Auch wenn ich persönlich nicht ganz so selbstzerstörerisch bin, fand ich es sehr nachvollziehbar. Das Buch setzt sich sehr ehrlich und ungeschönt mit dem Thema auseinander. Was zwischendurch auch teilweise frustrierend ist, da Penny gefühlt immer wieder die gleichen Fehler macht. Letztendlich können wir aber ihre Therapieerfolge sehen, was sehr befriedigend ist. Dabei finde ich es auch schön, wie realitätsnah das Ganze ist. Penny wird nämlich nicht durch die Liebe erlöst und sie hat auch nicht eine plötzliche Eingebung, weswegen ihr ihr Leben plötzlich ganz leicht von der Hand geht. Stattdessen sieht man, dass es ein langer Prozess ist mit Rückschlägen, der sich aber langfristig einfach lohnt.

Das Buch ist sehr empfehlenswert für Leute, die psychische Ängste haben und sich einfach mal gesehen fühlen wollen und sonst natürlich auch für alle, die das vielleicht nicht so kennen, aber gerne etwas mehr nachvollziehen würden.

Veröffentlicht am 17.05.2025

Hochemotional und schockierend

Das Echo der Sommer
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Der See hat einst das Dorf verschluckt. Und heute tut er dies wieder. Der See war einst Rávdnás Freund, doch seit die Firma einen Damm gebaut hat, verschluckt er immer und immer wieder Rávdnás Zuhause. ...

Der See hat einst das Dorf verschluckt. Und heute tut er dies wieder. Der See war einst Rávdnás Freund, doch seit die Firma einen Damm gebaut hat, verschluckt er immer und immer wieder Rávdnás Zuhause. Sie versucht ihrer Tochter Iŋgá und ihrer Schwester Ánne, ein echtes Zuhause zu schaffen, das nicht wieder verschlungen wird. Leider stellen sich die Firma und die Behörden ihnen in den Weg. Ein lebenslanger Kampf beginnt.

Die Geschichte der Samen interessiert mich seit einiger Zeit, da ich es faszinierend finde, dass sie das einzige einheimische Volk Europas sind. Und genau wie die meisten einheimischen Völker, werden die Samen leider diskriminiert.
Dieses Buch beschäftigt sich damit. Es ist die fiktionalisierte Geschichte über die reale Stauung mehrerer Seen in Schweden. In unserem Buch ist es ein bestimmter See, der so angestaut wird, dass er die Dörfer der Samen flutet. Dabei können wir sehen, wie ihre Meinung außer Acht gelassen wird, wie ihrem Leben einfach wenig Bedeutung zugemessen wird und wie sie mehr oder weniger über den Tisch gezogen werden. Einfach nur weil sie nicht die dominante Bevölkerungsgruppe in ihrem Land sind. Ihnen wird vorgeschrieben, wie sie ihr Leben leben sollen, weil irgendwelche fälschlichen Annahmen über ihre Charaktere gemacht werden. Dabei können wir eine breite Palette der Auseinandersetzung mit ihrer Realität sehen. Wir sehen Leute, die sich in den Widerstand begeben, aber auch Leute, die sich klein machen und erschöpft und resigniert sind.
Die Beschreibungen im Buch sind dabei so aufwühlend und herzzerreißend, dass man sich wirklich fragt, wie nur irgend jemand so über andere Menschen denken kann.

Das Buch ist wirklich sehr emotional geschrieben und zeigt in seiner Spanne über fast ein ganzes Menschenleben sehr viele Ungerechtigkeiten auf, die die Samen über sich ergehen lassen mussten und die auch leider heutzutage noch geschehen.

Veröffentlicht am 16.04.2025

Schockierend

Beeren pflücken
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Im Buch geht es um Norma, die sich mit Albträumen herumschlägt, seit sie klein ist. Es gibt keine Fotos von ihr, auf denen sie jünger als fünf ist, ihre Haut wird dunkler im Sommer als die aller anderen ...

Im Buch geht es um Norma, die sich mit Albträumen herumschlägt, seit sie klein ist. Es gibt keine Fotos von ihr, auf denen sie jünger als fünf ist, ihre Haut wird dunkler im Sommer als die aller anderen Familienmitglieder und außerdem hat sie das Gefühl, eine andere Mutter und einen Bruder zu haben.
Im Buch geht es auch um Joe. Im August des Jahres 1962 verschwindet seine kleine Schwester Ruthie. Seine Familie gibt nie wirklich auf zu suchen und Joe, der in sich selbst den Schuldigen sieht, wird immer und immer wütender und verbaut sich damit das Leben.

Das Buch behandelt in zwei Handlungssträngen das Leben von Norma und das Leben von Joe. Wir können parallel sehen, wie sich Joes Leben entwickelt und wie Norma immer wieder Unstimmigkeiten in den Geschichten ihrer Familie findet.
Es war sehr schockierend, das Buch zu lesen. Man ist Teil dieser furchtbaren Sache, die einfach einer Familie angetan wird. Die Art und Weise, wie der Schock und die Wut aus Joes Sicht mit den Ungereimtheiten, die Norma aufdeckt, verbunden wird, sorgt dafür, dass man auch selbst beim Lesen diese furchtbare hilflose Wut empfindet.
Das Buch ist sehr berührend und behandelt die Ungerechtigkeiten, die den Ureinwohnern Amerikas angetan wurden. Dabei ist die Schreibweise, wie dieses Schicksal dafür ausgewählt wurde, sehr gut gemacht. Denn auch wenn Norma nicht tatsächlich existiert hat, gab es unzählige Kinder, deren Vergangenheit ebenso ausgelöscht wurde.

Das Buch ist berührend, in der Art und Weise, wie es sich mit dem Rassismus auseinandersetzt, dem die Ureinwohner Amerikas ausgesetzt waren und sind, und ist sehr empfehlenswert.

Veröffentlicht am 26.03.2025

Wissenschaftlich aber zu autobiografisch

Das Zeitalter des magischen Zerdenkens. Notizen zur modernen Irrationalität
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Die Autorin nutzt das Buch, um der lesenden Person verschiedenste psychische Phänomene nahe zu bringen. Es geht vor allem darum, inwieweit das evolutionär bedingt ist, was uns in unserer digitalen Welt ...

Die Autorin nutzt das Buch, um der lesenden Person verschiedenste psychische Phänomene nahe zu bringen. Es geht vor allem darum, inwieweit das evolutionär bedingt ist, was uns in unserer digitalen Welt aber meistens nicht sehr viel weiterbringt, sondern eher behindert.

Das Buch behandelt viele verschiedene psychologische Phänomene, die auch sehr gut nachgewiesen werden. Ich fand es sehr spannend, dass man sich in einigen wiederfinden konnte und man diese Informationen benutzen kann, vielleicht etwas sensibler mit dem Internet zu agieren.
Ich habe ein wenig mit dem Schreibstil gehadert. Er ist nicht sehr ernst, sondern humorvoll übertrieben. Dabei sorgt das zum einen dafür, dass sich das Buch gut liest, zum anderen hätte ich mir einen etwas seriösere Herangehensweise gewünscht. Das Buch ist auch sehr viel autobiografischer, als ich jemals gedacht hätte. Dadurch erscheint das Buch sehr viel anekdotischer, als ich es mir gewünscht hätte.

Trotz des Schreibstil, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob er dem Buch dient oder eher schadet, enthält das Buch viele sehr spannende Fakten, bei denen man sich selbst vielleicht einmal zu oft wiederfindet. Ich werde mir auf jeden Fall andere Bücher der Autorin anschauen.

Veröffentlicht am 13.03.2025

Als das Weltall auf die Erde kam

Lyneham
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Das Weltall ist auf die Erde gekommen. Das letzte Überbleibsel der Menschheit ist nach Perm aufgebrochen. Ein Mond am anderen Ende des Sonnensystems. Ihre einzige Chance ist, dort noch einmal eine Zivilisation ...

Das Weltall ist auf die Erde gekommen. Das letzte Überbleibsel der Menschheit ist nach Perm aufgebrochen. Ein Mond am anderen Ende des Sonnensystems. Ihre einzige Chance ist, dort noch einmal eine Zivilisation aufzubauen. Doch das Ökosystem auf Perm ist seltsam und unfreundlich. Zumindest menschenunfreundlich. Es gibt jede Menge andere Kreaturen.
Die Familie Meadows ist unter den Überlebenden und nachdem sie auf Perm angekommen sind, warten sie sehnsüchtigst auf ihre Ehefrau und Mutter, die mit einem späteren Schiff ankommen sollte. Doch es häufen sich Hinweise, dass irgendetwas auf Perm nicht stimmt und die ursprünglichen Pläne über den Haufen geworfen wurden.

Dieses Buch war ausgezeichnet durchdacht. Die Scifi hat sich wirklich hochwissenschaftlich angefühlt und ich war fasziniert, was für ein ausgiebiges neues Ökosystem der Autor sich hier ausgedacht hat. Es war wirklich hochspannend, zu sehen, wie sich die Geschichte entwickelt und dabei gab es immer wieder Eröffnungen, die ich zwar nicht als Plottwists bezeichnen würde, aber deren Informationen so befriedigend in die Geschichte gepasst haben, dass es wirklich eine Freude war.
Es behandelt unter anderem auch die Klimakrise und wie das ein Auslöser dafür ist, diesen neuen Mond zu besiedeln. Dabei beschäftigt es sich auch damit, wie die Menschen das Klima und die Umwelt Perms verändern. Ich finde es dabei echt spannend, was sich der Autor gedacht hat, bei dieser vollkommen neuen Evolution und wie der Mensch da nun reinpasst oder halt nicht.
Das Buch war auf dem besten Weg eines meiner Jahreshighlights zu werden. Leider war das Ende nicht so befriedigend, wie ich es vom Rest des Buches gewohnt war. Wahrscheinlich ist es auch etwas schwierig, nach so einem hochkomplexen und gelungenen Worldbuilding einen angemessenen Abschluss zu finden. Trotzdem lässt es mich mit einem leicht bitteren Geschmack zurück.

Das Buch ist wirklich zu empfehlen für jeden, der komplexe und tief durchdachte Scifi mag.