Spannende Welt und unterhaltsame Romance
Der Flammenkrieger - Die Chroniken von Atulis 1„Der Flammenkrieger“ ist der Auftakt der neuen High-Romantasy-Tetralogie von Sabine Schulter und entführt uns in eine Welt, in der die Elemente gegeneinander kämpfen, Vorurteile und uralter Hass die Reiche ...
„Der Flammenkrieger“ ist der Auftakt der neuen High-Romantasy-Tetralogie von Sabine Schulter und entführt uns in eine Welt, in der die Elemente gegeneinander kämpfen, Vorurteile und uralter Hass die Reiche trennen und das Schicksal der Völker auf schmalen Schultern lastet …
Yuri ist die Wasserpriesterin von Atulis und kennt nur das Leben im goldenen Käfig – abgeschottet von dem Volk, dem sie dient, von Wissen, das sie braucht, trainiert sie unermüdlich ihre Kräfte, um alsbald ihre Bestimmung erfüllen zu können: das Land vor dem Austrocknen, die Menschen vor dem Verdursten zu bewahren. Als dieser Tag plötzlich bevorsteht, ringt die junge Frau mit gemischten Gefühlen – Aufregung und Euphorie, Stolz und zugleich Angst wüten in ihr. Denn diese Mission führt sie hinter den schützenden Wall. In das Reich, das für die Hitze verantwortlich ist, HändlerInnen den Weg abschneidet; in dem Feuer und Grausamkeit über kargen Stein und Lava herrschen …
Aber alles kommt anders, als die Wasserpriesterin geglaubt hat, als die wenigen Überlieferungen vorhersagten … Noch bevor die Auserwählte und ihr Tross den ersten Anblick, der sich ihnen in feindlichen Gefilden bietet, verdauen können, wartet die nächste unschöne Überraschung auf sie. Von einem auf den anderen Augenblick ist Yurisha auf sich allein gestellt und läuft geradewegs in die Arme ihres Widersachers, der so gar nichts mit den Bildern der Aufzeichnungen gemein hat. Statt sie anzugreifen, schlägt ihr der Eisflammenkrieger einen Deal vor: Er bringt sie sicher zu ihrem Ziel, wenn Yuri sich der Schönheit von Kaschrett nicht entzieht.
Statt die größte Bedrohung für sein Volk auszulöschen, klammert sich Ranok an die Hoffnung auf Veränderung, an den Wunsch, eine Lösung zu finden, die keinen Tod bringt. Der Krieger reicht der Feindin die Hand, fällt KameradInnen und dem König in den Rücken, setzt alles, was ihn ausmacht, was ihm am Herzen liegt, auf eine Karte – nun liegt es einzig an Yuri: Wird sie seine Heimat in die Fluten stürzen?
Sabine Schulter schuf für ihre High-Romantasy-Serie „Die Chroniken von Atulis“ eine beachtliche Welt, die malerisch, mit all den Wundern und Tücken zur Geltung kam. Da aus wechselnder Perspektive erzählt wird, können wir Yuris Erstaunen, ihre Begeisterung und ihre Wertschätzung hautnah miterleben – und werden uns dadurch bewusst, wie selten wir uns die Zeit nehmen, uns unserer Umgebung wirklich gewahr zu werden.
Zugegeben, in vielen Momenten war ich der Priesterin nicht sonderlich zugetan, lebte sie doch bisher ohne Eigeninitiative, ohne hinter- oder nachzufragen. Auch im Verlauf blitzen Prinzessinnen-Attitüden, verbohrte Denk- und Sichtweisen auf. Beharrlich trainiert, an ihrer Bestimmung festzuhalten – trotz der Ungereimtheiten, die ihr im Laufe ihres Abenteuers förmlich ins Gesicht springen. Und doch sind da weiche Züge, Unsicherheiten und Zweifel, der immer größer werdende Zwiespalt und die Angst, zu enttäuschen, sich (falsch) zu entscheiden. Reue. Tonnenschwere Schuld.
Ranok hingegen ist – nun, hat da jemand Greenflag gesagt? Ja! Der Krieger ist weitsichtig und selbstlos, reflektiert und mutig. Mutig genug, um sein Leben für den Feind zu opfern, für eine Utopie zu kämpfen und sich zu verlieben …
Die romantische Entwicklung ist im Auftakt der Serie hauptsächlich ein Hintergrundrauschen, ein sachtes Vortasten und dagegen Ankämpfen. Und nichts anderes wäre hier passend. Im Verlauf warten so viele Hürden und Kämpfe, Flucht und Konflikte, Fragen, die nach Antwort verlangen, dass nur selten echte Ruhe einkehrt.
Bedrohungen und Ungewissheit gehören zur Story wie die atemberaubende Kulisse, Elementarmagie, gute Herzen und schlagfertiges Geplänkel. Beide Protagonisten wurden mit Tiefe gezeichnet, sodass sich Verstehen für die jeweiligen Reaktionen und Intentionen abzeichnet, sie wachsen auf ihrer gemeinsamen Reise, lernen voneinander.
Das Worldbuilding wurde mit Logik und greifbaren Details bestückt und auch das Mysterium um die Zwietracht zwischen Atulis und Kaschrett ist eine Komponente, die das Interesse aufrechterhält. Richtig toll war der tierische, oft rettende Sidekick – Ruufin –, die anderen Wesen – wie Shamira-Wölfe und flammende Löwen –, denen wir begegnen, und Shania und Ron – Ranoks treueste Freunde.
Jedoch empfand ich, dass sich viele der ausschweifenden Monologe im Kreis drehen, sich Zweifel und Abwägen wiederholen und die Storyline demnach Längen aufweist. Ebenfalls hätte ich mir insgesamt mehr Raffinesse im Stil gewünscht, wirkte es hier und da ziemlich … einfach und lasch. Trotz dieser Kritik, die nichts am Lesevergnügen oder der Aufregung ändert, bin ich gespannt, wie es nach DEM Cliffhanger weitergeht.
Fazit: Klare Empfehlung!