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Veröffentlicht am 05.07.2025

The American Dream - Gratisessen für Millionäre

Gratisessen für Millionäre
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„Es war zwei Uhr morgens, sie befand sich immer noch im Büro und wartete darauf, dass Xerox kooperierte. Wäre sie nicht so müde gewesen, hätte sie es lustig gefunden, dass ein Kopierer automatisch die ...

„Es war zwei Uhr morgens, sie befand sich immer noch im Büro und wartete darauf, dass Xerox kooperierte. Wäre sie nicht so müde gewesen, hätte sie es lustig gefunden, dass ein Kopierer automatisch die Chance bekam, sich auszuruhen, die Praktikanten hingegen nicht.“

The American Dream, der verspricht, dass du es nach ganz oben schaffen kannst, wenn du nur hart genug arbeitest. Um diesen Traum geht es in "Gratisessen für Millionäre" von Min Jin Lee, übersetzt von Andrea Fischer.

Casey ist die Tochter koreanischer Einwanderer, die nach ihrem Princeton-Abschluss keinen Arbeitsvertrag in der Tasche hat und sich daraufhin mit ihren Eltern überwirft und auf sich allein gestellt ist. Wir begleiten Casey auf ihrem Weg, der mit einigen Stolpersteinen überrascht und dieses System zeigt, wie hart dieser Weg ist und auch die Frage stellt, ob das überhaupt Sinn macht.

Es geht um Rassismus, Sexismus und eine Reise zurück in die 90er (ihr wisst, diese Zeit, in der wir noch nicht 24/7 erreichbar waren). Ein Buch, das ich mir auch gut als Netflix-Serie vorstellen kann und eine gute Urlaubsbegleitung ist.

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Veröffentlicht am 05.07.2025

Gesunde Ernährung leicht gemacht

Nahrung fürs Leben - Das Kochbuch
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Dass gesunde Ernährung langweilig ist und nicht schmeckt, stimmt nicht, es ist nur nicht unbedingt so leicht, ins Tun zu kommen (wie so oft bei Verhaltensänderungen). Eine Frage ist: was soll ich da denn ...

Dass gesunde Ernährung langweilig ist und nicht schmeckt, stimmt nicht, es ist nur nicht unbedingt so leicht, ins Tun zu kommen (wie so oft bei Verhaltensänderungen). Eine Frage ist: was soll ich da denn kochen, was auch schmeckt?

Tim Spector beschäftigt sich schon ziemlich lange mit gesunder Ernährung, hat mehrere Bücher dazu geschrieben und sich jetzt gedacht, dass ein Kochbuch sinnvoll wäre, um auch die Theorie in die Praxis umzusetzen. Mit seinem Team von Zoe, einem Wissenschafts- und Ernährungsunternehmen hat der Professor für genetische Epidemiologie Rezepte entwickelt, die zu seinen sechs wichtigsten Ernährungsregeln passen und sie umsetzen.

Zuerst geht er auf diese einfachen Regeln ein, unterlegt sie mit wissenschaftlicher Forschung und erklärt, wie sie umgesetzt werden können. Dann kommt auch schon der Rezeptteil mit Frühstücksideen, Energieboostern, 15-Minuten-Gerichten, Salaten, Vorschlägen für Essen mit Gästen und und und.

Bei den Rezepten nennt er oftmals Alternativen für bestimmte Zutaten (nicht jede*r von uns lebt in London und kann alles an Zutaten vor Ort kaufen), es gibt ansprechende Fotos, an denen schon erkennbar ist, dass das mit Kochgrundkenntnissen zu schaffen ist. Es ist leicht nachzukochen und ich empfehle es gern!

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Veröffentlicht am 26.04.2025

Mutterliebe

zu lieben
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Ein ungewöhnliches Buch, eine „wahre“ Geschichte, vielleicht kein Roman, denn das Wort „Roman“ ist durchgestrichen, wie auch viele weitere Begriffe und ganze Sätze. Es gibt vorab eine Beschreibung von ...

Ein ungewöhnliches Buch, eine „wahre“ Geschichte, vielleicht kein Roman, denn das Wort „Roman“ ist durchgestrichen, wie auch viele weitere Begriffe und ganze Sätze. Es gibt vorab eine Beschreibung von „wahren“ aus dem Wörterbuch der Gebrüder Grimm. Ulrike Draesner hat das gut gewählt, ist „wahren“ ein vielseitiges Wort und kann verschieden genutzt werden. Für mich wahrt sie die Erinnerung an das Erlebnis, Mutter zu werden, sie hütet die Erinnerung daran und steigt somit schon vor Beginn des Buchs ein ins Erzählen ihrer Geschichte.

Jeder Satz hat eine Bedeutung und ist nicht nur dahinerzählt. Es gelingt ihr von Anfang an die Stimmung und Unsicherheit zu beschreiben. Wie belanglos wirkt es, dass sie von Katzenzungen und ihrer Oma erzählt und zeigt doch damit dieses typische Verhalten in einer Situation, die einen Menschen emotional komplett überfordert, eine Art Schockzustand, in dem man noch funktioniert, aber nicht immer klar denken kann als Schutzmechanismus.

Was das Buch eindeutig auszeichnet – neben der Erzählkraft – ist das Teilen eines solchen Gedankens. Dieses Wünschen und gleichzeitig die Angst davor, dass es ganz anders ist als gedacht, dass man versagt, dass Kind nicht glücklich wird oder keine Bindung entsteht und was auch immer für Ängste es gibt. Ulrike Draesner legt keinen verdeckenden Schleier über ihre Gedanken, sie ist ganz direkt und teilt ihre Gefühle.

So gibt es die Momente kurz vor der Übergabe des Kindes auf Sri Lanka, wo feststeht, dass sich das Mädchen noch nicht an Ulrike Draesner gewöhnt hat und es nicht klar ist, wie es während der richterlichen Anhörung reagieren wird. Sie beschreibt auch das Gefühl des Unterlegenseins, denn Hunter, ihr Mann, scheint schon mehr von Mary akzeptiert zu werden. Als Lesende spüren wir wie es an der Autorin nagt, zumal die Zeit auf Sri Lanka das Paar nicht näher zusammen bringt.

Eine Adoption ist ein Prozess, der – wenn der Zeitpunkt da ist – eine Elternschaft im Zeitraffertempo bedeutet. Es ist eine kurze Vorbereitungszeit, auch wenn die zukünftigen Eltern sich schon viele Gedanken vorher machen, aber es ist ja immer diese Unsicherheit da, ob es eine Adoption geben wird. Und wenn dann plötzlich der Fall eintritt, geht alles holterdiepolter und das ganze Leben ist von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Doch wie entwickelt sich die Liebe der Eltern, in diesem Fall besonders die Mutterliebe? Der Körper bereitet nicht zehn Monate mit einer konstanten Erhöhung der Hormone vor, es ist ein etwas längerer Prozess, der gegenläufig zur Schnelligkeit der Verkündung der Nachricht und der Adoption ist.

Das Kind bringt eine Vorgeschichte mit und bei der Adoption eines Kindes, das ganz offensichtlich anders aussieht als die Eltern, kommen noch weitere Momente hinzu, mit denen das frischgebackene Elternpaar nicht gerechnet hatte. Es erkennt, dass sie bislang in der Blase der „Weißen Blindheit“ gelebt haben und entdecken jetzt „… das Deutschland der Blicke, die man abbekommt, wenn man mit einem andershautfarbigen Menschen an der Hand spazieren geht.“

Sie beschreibt, wie distanzlos und übergriffig das Kind oft einfach gefragt wird, wo es denn herkommt und dass die Großeltern überlegten, ob es denn ein wirkliches Enkelkind ist, so ein ein adoptiertes Kind. Es ist viel unbewusst zugefügter Schmerz in diesem Buch, der vielleicht denjenigen, die ihn zufügen, nicht bewusst ist.

Das Buch geht um die Adoption eines Mädchens aus einem anderen Land, aber das wäre zu einfach. Es geht darum, wie sich Mutterliebe, wie sich Elternschaft entwickelt. Wie wird man ein Elternteil, wie und wann beginnt man, sein Kind zu lieben? Woran macht man es fest? Und welche Fallstricke gibt es? Was ist mit der Bürokratie, was ist mit den Mitmenschen, was ist mit dem Päckchen Vorleben, das das Kind mitbringt? Zweifel sind immer dabei.

Ulrike Draesner beschreibt ihren Weg dorthin, ungeschönt in schönen Worten. Es ist ein gemeinsamer Weg mit dem Kind zusammen, denn auch das Kind oder besser besonders das Kind macht sich dadurch, dass es adoptiert wird, auch auf den Weg, in der Familie anzukommen und im besten Fall die Zuneigung zu erwidern, zu lieben.

Es ist kein Buch, das ich schnell gelesen habe. Zum einen gibt es diese Satzgebilde, die ich zwei-, dreimal oder noch häufiger gelesen habe und dann natürlich die Geschichte, die persönlichen Erfahrungen, das Teilen des Erlebten. Das hat ein bisschen gebraucht, um es auch zu verarbeiten und darüber nachzudenken, denn es ist schon sehr persönlich und es war nicht immer leicht, in so persönliche Bereiche hineinzulesen, zumal es auch um die Partnerschaft geht, die zerbricht. Es sind viele Gefühle und doch oder gerade deshalb ist es ein ganz wunderbares Buch über die Liebe, wie sie entsteht und wächst.

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Optimismus kann den Unterschied machen

The Bright Side
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Wie geht bzw. was ist und was kann Optimismus? Um diese und weitere Fragen dreht sich „The Bright Side Eine optimistische Geschichte der Menschheit“. Ein Buchtitel, der klingt, als ob er für die Herausforderungen ...

Wie geht bzw. was ist und was kann Optimismus? Um diese und weitere Fragen dreht sich „The Bright Side Eine optimistische Geschichte der Menschheit“. Ein Buchtitel, der klingt, als ob er für die Herausforderungen unserer Zeit geschrieben wäre, oder?

Diejenigen, die einen Ratgeber à la „Wie werde ich Optimist in 30 Tagen“ befürchtet haben, erleichtert aufatmen. Es geht tatsächlich darum, den folgenden Fragen auf die Spur zu kommen:

Was ist Optimus?
Was können die unterschiedlichen Formen bewirken?
Chancen / Gefahren?
Warum sind wir von Natur aus optimistisch?

Wir erfahren mehr über Ansätze von Leibniz, Voltaire, Schopenhauer, Kant und weiteren berühmten Denkern und welche Arten von Optimismus damit gemeint sind oder auch nicht. Der Autor fräst sich durch die Geschichte und die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, ohne dabei ausschweifend zu werden oder das Ziel zu vergessen.

Immer wieder geht er auch auf geschichtliche Ereignisse ein und wie es den Menschen gelungen ist, da wieder herauszukommen und zu überleben. Es geht nicht nur um wirklich Geschehenes, sondern er behandelt auch Erzählungen, Utopien und Dystopien und was sie zu bedeuten haben, wie zum Beispiel die tragische Geschichte von Ödipus. Welches Weltbild verbirgt sich dahinter?

Er thematisiert auch die Jetztzeit mit den großen Herausforderungen, die wir heute haben und wie sie unser Leben beeinflussen können und wie wir damit umgehen können.

Immer wieder geht es in „The Bright Side“ um die beste aller Welten, wie sie Gottfried Wilhelm Leibniz beschrieb und wir sie erschaffen können. Nichts ist fix und komplett rational und das ist auch nicht unbedingt nötig. Sumit Paul-Choudhury gibt nicht nur seine optimistische Einstellung weiter, sondern viele Denkanstöße, um die für die einzelnen Menschen passende Form des Optimismus zu finden und was Irrwege sein können.

Es ist ein Buch, dass auf jeden Fall Mut macht und die einzelnen Themenbereiche gut erklärt und für mich vieles erwähnt hat, was ich so noch nicht kannte. Ab und an musste ich es aus der Hand legen, es ist schließlich kein spannender Roman und da braucht es Zeit, um über das ein oder andere nachzudenken. „The Bright Side“ ist ein Buch, das ich immer mal wieder in die Hand nehmen werde, um noch einmal das ein oder andere nachzulesen und um mir Denkanstöße zu holen.

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Veröffentlicht am 05.01.2025

Eine Nicht-Liebesgeschichte

Eine Liebe
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„Als es dunkel wird, spürt sie, wie die Last auf sie stürzt, so schwer, dass sie sich setzen muss, um Luft zu holen.“

Mit diesem Satz beginnt Sara Mesa ihren Roman und beginnt gleich damit, der Geschichte ...

„Als es dunkel wird, spürt sie, wie die Last auf sie stürzt, so schwer, dass sie sich setzen muss, um Luft zu holen.“

Mit diesem Satz beginnt Sara Mesa ihren Roman und beginnt gleich damit, der Geschichte eine Richtung zu geben. Es ist Nats erste Nacht in ihrem neuen Zuhause, die einfach nur unbequem und voller schwerer Gedanken ist. War es richtig, in diesen Ort in dieses Haus zu ziehen? Was wäre wenn? Nats Gedankenkarussell beginnt hier auf der ersten Seite und wird sich das Buch über drehen.

Nat versucht am nächsten Tag mit dem Vermieter zu sprechen, da das Haus in einem desolateren Zustand ist als bei der Besichtigung, schafft es aber nicht, sich gegen ihn durchzusetzen und dies wird sich wie ein roter Faden durchs Buch ziehen. Der Hund, den er ihr andreht, ist das Gegenteil von dem, was sie sich vorgestellt hat, aber sie sagt nichts, sondern denkt nur darüber nach. Sie nennt den Hund Sieso, was Nichtsnutz, Spielverderber, Lahmarsch bedeutet. Doch sie versucht ihn, an sich zu gewöhnen und kümmert sich um ihn, auch wenn die anderen dies argwöhnisch betrachten.

Das ist etwas, was sofort auffällt. La Escapa ist ein so kleiner Ort, dass alle alles wissen, beobachten und nichts geheim bleibt. Gleichzeitig ist es auch ein wenig unheimlich wie Sara Mesa die Menschen beschreibt bzw. wie sie Nat die Menschen beschreiben lässt. Nat denkt in einer Tour über alles und jeden nach und interpretiert in alles etwas hinein, bezieht es auf sich.

Es ist kein leichter Start in diesem Ort. Der Garten ist vertrocknet, das Haus eine gammelige Bruchbude und bis auf Píter sind nur noch die Roma, die von den Dorfbewohnern argwöhnisch beäugt werden, nett zu ihr. Die Übersetzung will nicht recht vorankommen und es gibt immer wieder neue Probleme, aber auch minimale Fortschritte mit Sieso, auch wenn ihm am Ende eine tragische Rolle zufallen wird.

Was auffällt, ist die Tatsache, dass Nat nicht aufmuckt, sondern sich klein halten lässt und versucht, anders aus Schwierigkeiten heraus zu manövrieren. So pocht sie nicht darauf, dass der Vermieter ihr das Dach repariert, sondern lässt sich auf einen Handel ein, der ihr Leben letztendlich vollends aus dem Ruder laufen lässt. Und das zu beschreiben, gelingt der Autorin vorzüglich. Diese Überwindung, die es Nat kostet, um etwas zu tun, was ihr eine Dachreparatur einbringt und was daraus entsteht.

Diesen Übergang von einem reinen Geschäft zu einer exzessiven Beziehung, die keine wirkliche Beziehung ist, wird atmosphärisch unglaublich intensiv beschrieben, dass man beim Lesen mitten drin ist in Nats Gefühlen, in ihrem Kopf.

Nat denkt und denkt und interpretiert in alles etwas hinein und schottet sich gleichzeitig von der Außenwelt ab und lebt nur noch in einem kleinen begrenzten Radius. Alles dreht sich um diese eine Person und was sie mit ihr erlebt. Jede Bewegung, jedes Wort (und das sind wahrlich nicht viele) werden von ihr analysiert und interpretiert. Natürlich bleibt es im Dorf nicht unbemerkt, auch wenn Nat es denkt. Und sie lässt sich verunsichern, etwas das typisch ist für sie. Sie fühlt sich abgelehnt, hat Verlustängste und kann ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen.

Ich müsste spoilern, wollte ich das genauer beschreiben, und das möchte ich natürlich nicht. „Eine Liebe“ ist ein Buch, das sehr intensiv ist. Sara Mesa gewährt einem viel Einblick in Nats Kopf und in ihre inneren Qualen. Ihr Neuanfang, der nicht wirklich gelingt, ihr Gefühl, nicht wirklich Teil dieser Gemeinschaft zu sein und die Gesetze dieser Gemeinschaft, die nicht einfach sind, wenn man so strukturiert ist wie Nat. Sie hat nie gelernt, richtig für sich einzustehen und wirklich „aufzumucken“ und lässt sich leicht verunsichern.

Die Schmerzen, die Worte und auch das nicht Gesagte verursachen können, fallen bei Nat, der Meisterin des Gedankenkarussells, auf fruchtbaren Boden, ein Gegensatz zur kargen Landschaft. Am Ende drehen sich nicht nur die Gedanken immer schneller, sondern auch die Handlung verändert sich. Es passiert alles Schlag auf Schlag, als Leser*in ist man geradezu atemlos ob der Schnelligkeit.

Sara Mesa ist es gelungen, nicht nur eine Geschichte über eine Außenseiterin zu schreiben, sondern hat es geschafft, die kleinen Verwebungen, die ungeschriebenen Gesetze einer kleinen Dorfgemeinschaft mit ihren menschlichen Abgründen in eine ungewöhnliche Erzählung zu packen.

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