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Veröffentlicht am 25.07.2025

Wer bin ich und was will ich?

Wedding People (deutsche Ausgabe)
7

Lila träumt von einer Traumhochzeit in einem Traumhotel. Sie hat die Feierlichkeiten dazu bis ins kleinste Detail durchgeplant, immerhin gehen sie eine knappe Woche. Logisch, dass da keiner dazwischenfunken ...

Lila träumt von einer Traumhochzeit in einem Traumhotel. Sie hat die Feierlichkeiten dazu bis ins kleinste Detail durchgeplant, immerhin gehen sie eine knappe Woche. Logisch, dass da keiner dazwischenfunken darf. Doch dann kommt Phoebe ihr mit ihrem Vorhaben in die Quere.

„Wedding People“ von Alison Epach ist ein Gegenwartsroman, bei dem ich wirklich Schwierigkeiten habe, zu sagen, was ich davon halte.
Liest man die Kritiken, mit denen dieser Roman beworben wird, steht dort „Absurd komisch und tief berührend“. Nach der Leseprobe hätte ich dem absurd komischen durchaus zugestimmt. Mit Witz, Ironie und vielleicht auch ein bisschen Sarkasmus begeisterte mich der Einstieg in die Geschichte. Eine gebildete Frau beschreibt die, ihr unbekannte, Hochzeitsgesellschaft beim Einchecken in einem Edelhotel und dies in einer Form, dass man die Szenen in Farbe vor Augen hat. Doch dann wurde es für mich schwierig. Hatte ich doch eine Geschichte erwartet, die zwar ernst ist, aber doch hin und wieder von Witz und Charme getoppt wird, entwickelte sich die Handlung für mich zu einer Art „Psychoroman“, extrem gesagt, zu einer kleinen Gesellschaftstudie. Die Handlung biegt ab zum Sinnieren über das Leben, „Wer bin ich eigentlich?“, „Was will ich?! und „Welche Menschen brauche ich, aus welchen Gründen, in meinem Leben?“. Es sind die Schilderungen einer oberflächlichen Hochzeitsgesellschaft, die eigentlich den inneren Kern der Familie und des Freundeskreises des Brautpaars bilden, die hier zum Nachdenken anregen und es sind so einige Äußerungen, die mich kopfschüttelnd zurückließen.

Es werden aber auch Themen behandelt, die in unserer Gesellschaft auch heute noch selten offen angesprochen werden, weil die Scham zu groß ist. So sind dies solch ernste Themen wie künstliche Befruchtung oder der Verlust der Ehefrau und der eigenen Mutter, aber auch die Erkrankungen einer nahestehenden Person. Das fand ich gut, weil es wirklich wichtig ist, einen offenen Umgang damit zu pflegen.

Ich habe mich aber auch schwer mit den beiden Protagonistinnen Phoebe und Lila getan. Phoebe ist ein außergewöhnlicher Mensch, der Zeit seines Lebens nur unter dem Einfluss der ihr nahestehenden Männer gelitten hat, obwohl sie ein besonders empathischer Mensch ist.
Lila wiederum wirkt wie das verwöhnte, reiche Kind, dem immer alle Wünsche von den Augen abgelesen wurden und die immer die Macht über die Entwicklungen in ihrem Leben haben muss, weil sie sonst den Halt verliert.
Ich gebe zu, ich habe mich mit beiden schwergetan, zumal gerade bei Phoebe Corona eine riesige Rolle spielte.

Alles in allem muss ich sagen, dass ich mehr von diesem hochumworbenen Buch erwartet hatte. Unter einer anderen Beschreibung, in der nicht Witz, Charme und Grandiosität erwähnt werden, wäre ich vermutlich anders an das Buch herangegangen und hätte eher Gefallen daran gefunden. So hat es leider meine Erwartungen nicht erfüllt. Wer sich jedoch gerne mit der Psychologie des Menschen beschäftigt, ist hier genau richtig. 
Von mir gibt es daher 3,5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 15.07.2025

Neuanfang in Hamburg

Elbnächte. Die Lichter über St. Pauli
0

Louise bewegt sich in der höheren Gesellschaftsschicht und genießt das rastlose Leben mit ihrem Ehemann Viktor. Als dieser eines Tages für tot erklärt wird, muss Louise ihr Leben umkrempeln und entdeckt ...

Louise bewegt sich in der höheren Gesellschaftsschicht und genießt das rastlose Leben mit ihrem Ehemann Viktor. Als dieser eines Tages für tot erklärt wird, muss Louise ihr Leben umkrempeln und entdeckt dabei, mit wem sie eigentlich verheiratet war. An ihrer Seite ist dabei Ella, eine ehemalige Prostituierte, auf die sie durch Zufall trifft.
Außerdem trifft Louise auf Paul, einen ehemaligen Polizisten, mit dem sie gezwungenermaßen ein Geheimnis teilt. Aber auch Ella und Paul haben Berührungspunkte.

„Elbleuchten. Die Lichter über St. Pauli“ ist Band 1 der Reihe „Elbnächte“ von Henrike Engel.
Ist es nun ein historischer Roman oder eher ein historischer Krimi? Diese Frage habe ich mir während des Lesens des Öfteren gestellt. Ich würde eher sagen, ein Krimi.
Ich habe mich gerade zu Anfang richtig schwer mit diesem Buch gemacht. Alle drei Protagonisten, Louise, Ella und Paul werden vorgestellt, indem ihnen eigene Kapitel gewidmet sind, um die vorzustellen und das Buch einzuleiten. Ich habe jedoch sehr lange gebraucht, um die Verbindungen festzustellen und den roten Faden im Buch zu finden.
Vielleicht lag es aber auch am Design des ebooks, das doch recht unübersichtlich gestaltet war, indem ein Kapitel direkt in der nächsten Zeile nach dem vorherigen begann und es somit sehr unübersichtlich wirkte.
Auch hab ich mich mit Louise schwer getan, die die selbstbewusste Frau spielt, aber rundherum auf mich sehr naiv und weltfremd wirkte. Ella wiederum war da komplett anders und vor allem so lebenslustig, dass man es zwischen jeder Zeile gespürt hat. Auch wirkte sie viel einfühlsamer als die verwöhnte Louise.
Paul wiederum ist ein sehr stolzer Mann, was mir wirklich gefallen hat. Er ist zäh und hat Biss und sich nach seinen Niederschlägen immer wieder aufgerappelt. Vor allem seine Loyalität finde ich gut.
Es gibt hier mehrere kleinere Handlungsstränge, so sind dies Ellas Entscheidung und ihre Flucht, Louises Leben nach Viktors Ableben, die Entwicklungen nach dem Mord am Juwelier und die damit verbundene Entdeckung, die Entwicklungen um Mortimore Stackleton etc. Es sind also viele kleine Handlungsstränge, die sich entwickeln und zum Teil auch noch offen bleiben. Das wiederum finde ich nicht ganz so schlimm, da es noch einen weiteren Band geben wird. Dennoch sind es viele „Baustellen“, die hier entwickelt werden.

Fazit: Ein historischer Krimi, aus dem sich ein funktionierendes Trio entwickelt, welches vermutlich noch weitere Abenteuer vor sich hat. Viele kleine Ereignisse setzen hier eine Geschichte zusammen, um drei Personen mit absolut unterschiedlichen Hintergründen, die damit für Abwechslung stehen. Viele Entwicklungen, viele Personen und ein wenig fehlende Stringenz und damit für mich 3,5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.07.2025

Lokalpolitik

Ihr habt es gut, ihr habt ja mich
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Renate Bergmann, wie man sie kennt - frisch, fromm, fröhlich und vor allem nicht auf den Mund gefallen, knallt sie dem Bürgermeister doch glatt an den Kopf, dass sie bei der nächsten Kommunalwahl kandidieren ...

Renate Bergmann, wie man sie kennt - frisch, fromm, fröhlich und vor allem nicht auf den Mund gefallen, knallt sie dem Bürgermeister doch glatt an den Kopf, dass sie bei der nächsten Kommunalwahl kandidieren will und wer die rüstige Rentnerin kennt, weiß, dass sie zu ihrem Wort steht. Also stürzt sich Oma Nate mit Schwung, nem kräftigen Mokka und Korn in den lokalen Wahlkampf.

„Ihr habt es gut, ihr habt ja mich“ ist Band 21 der Reihe „Die Online-Omi“ von Renate Bergmann, hinter der sich wiederum Torsten Rohde versteckt.
Herrlich auffallend ist wie immer das typische Renate Bergmann-Cover und ihre schlagfertige Art, die von Erfahrung, Alter und dem regelmäßigen Stolpern in sämtliche Fettnäpfchen geprägt ist.
Kern dieses Band ist das Thema Lokalpolitik.
Ich bin erst vor Kurzem auf die Geschichten der Wahlberlinerin aufmerksam geworden und mag vor allem ihre belehrenden Ansprachen, die eher einen lustigen Touch haben und die damit verbundenen Nebensätze, die oft vor Lebensweisheiten so strotzen.
Doch dieses Buch fällt mir schwer, zu beurteilen. Vielleicht liegt es daran, dass das Thema mittlerweile zu präsent geworden ist, so viel Wahrheit darin steckt und man sich denkt, dass dies in so einem Buch, in dem man sich mal zum Abschalten verlieren möchte, nichts zu suchen hat. Aber gleichfalls muss ich, wie schon erwähnt, sagen, dass Renate Bergmann die Lokalpolitik in all ihren Facetten realitätsnah beleuchtet hat.
Es sind diese Verflechtungen in einem Dorf, die durch Vereine, die örtliche Feuerwehr oder Verwandtschaftsverhältnisse entstehen, die früher und heute erst recht, die Entwicklung eines Dorfes oder einer ländlichen Region prägen und genau diese werden hier, wenn auch manchmal sehr überspitzt, dargestellt. Doch manchmal sind mir die Überspitzungen und die Vorurteile doch ein bisschen zu viel geworden. Auch das Ende in Bezug auf den Wohnort und das ein oder andere Telefongespräch an dieser Stelle war mir zu wankelmütig.

Fazit: Wieder ein lustiger Ausflug in die Welt der Renate Bergmann, jedoch ist das Kernthema Lokalpolitik eher Geschmacksache, so wie es im Buch beschrieben wird. Ich denke dennoch, dass alle, die bisher Fans dieser ruppig-charmanten älteren Dame waren, ihr auch weiterhin gewogen bleiben sollten und dieses Buch lesen sollten.
Meinerseits gibts 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 02.07.2025

Innere und äußere Kämpfe

Bittersüße Träume
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Davide Campari träumt schon immer davon, Likörist zu werden und damit seinem Vater im Familienunternehmen nachzufolgen. Doch der hat andere Pläne für ihn.
Als Gaspare Campari überraschend stirbt, übernimmt ...

Davide Campari träumt schon immer davon, Likörist zu werden und damit seinem Vater im Familienunternehmen nachzufolgen. Doch der hat andere Pläne für ihn.
Als Gaspare Campari überraschend stirbt, übernimmt seine Frau das Unternehmen und damit ergeben sich auch innerhalb der Familie neue Wege.

„Bittersüße Träume - Die Geschichte der Familie Campari“ von Silvia Cinelli erzählt in ihrem Buch, wie Gaspare Campari begann und Davide Campari das Unternehmen später immer weiterentwickelte.
Auffällig ist dieses Buch vor allem durch sein Cover, dass sommerlich frisch aufwartet und den bittersüßen Titel aufgreift.
Es gibt zwei Handlungsstränge - Der eine handelt von Gaspare Camparis Anfänge als Sohn in einer Großfamilie, der sich von unten hocharbeitet und der andere handelt von Davide, dem Sohn, der alles wollte, es nicht bekommen sollte und sich dann doch hart die Unternehmensführung erarbeitet hat.
Ich muss zugeben, die Erzählperspektive Gaspares nahm mir oftmals den Lesefluss, weil dieser Teil der Geschichte nach meinem Empfinden völlig anders geschrieben war, als der Anteil Davides. Mir fehlte da auch eine Verbindung bzw. Struktur zwischen den beiden Handlungssträngen.
Davides Handlungsstrang war ein Auf und Ab. Emotionen folgten purer Nüchternheit, gepaart mit Pragmatismus. Er wird als eine m.E. sehr faszinierende Persönlichkeit dargestellt, die ihre persönlichen Belange denen der Firma zurückstellt. Für mich hatte er eine Art Vorbildcharakter und gleichzeitig eine negativ und mahnende Persönlichkeitsentwicklung, speziell, was sein Privatleben betraf. Die Konflikte, die er innerhalb der Familie auszutragen hatte, waren auch anschaulich dargestellt, vom inneren Brodeln bis zur Explosion.
Meine Erwartung lag auch darin, etwas über die Herstellung der berühmten Campari-Liköre zu erfahren, doch das war eher eine Randnotiz im Geschehen.
Als historische Randnotiz, aber wirklich sehr interessant, habe ich die Erzählungen um die Arbeiteraufstände im Italien des beginnenden 20. Jahrhunderts empfunden.

Alles in allem ein interessanter historischer Roman, von dem ich mir jedoch etwas mehr bzw. etwas anderes erwartet hatte. Im Vergleich zu verschiedenen anderen Romanen über die Entwicklung berühmter Unternehmen hinkt dieser Roman etwas hinterher.

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Veröffentlicht am 26.05.2025

Kunst und Liebe

Meerglück, friesisch blau
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Liv ist dabei, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu bringen. Da kommt ihr das Angebot ihrer Freundin Kristen gerade recht, ihr auf Föhr für einen Wettbewerb zu helfen. 
Als sie auf Föhr die Vorbereitungen ...

Liv ist dabei, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu bringen. Da kommt ihr das Angebot ihrer Freundin Kristen gerade recht, ihr auf Föhr für einen Wettbewerb zu helfen. 
Als sie auf Föhr die Vorbereitungen beginnt, entdeckt sie eine Skulptur mit den Initialen „MC“ und begibt sich auf Spurensuche.

„Meerglück, friesisch blau“ von Stina Jensen und Hannah Juli ist der Auftakt der neuen „Meerglück“-Reihe.
Ich kenne bereits so einige Bücher von Stina Jensen, jedoch nur als Buch. Dies war das erste Buch, das ich als Hörbuch von ihr gehört habe. 
Die Sprecherin ist Julia von Tettenborn. Diese hat eine angenehme Stimme, jedoch hätte ich mir gewünscht, dass sie so manches Mal markanter gelesen hätte. Ich habe mich leider oft dabei erwischt, dass meine Gedanken abgedriftet sind. Vor allem hatte ich bei ihrer Leseweise das Problem, dass ich oftmals nicht zwischen Liv und Astrid unterscheiden konnte. Die restlichen Charaktere hat sie stimmlich mehr voneinander abgrenzen können.
Liv war mir ganz sympathisch. Sie hat ihr Päckchen zu tragen, aber gleichzeitig im Laufe des Romans einen enormen Fortschritt gemacht. Sowohl ihre, als auch die Geschichte von Matthis, sind äußerst tragisch und lassen einen nachdenklich werden.
Interessant fand ich gerade zum Schluss den Handlungsstrang mit Gerda und Lisbeth. Dieser Strang hätte noch ein bisschen mehr Potential gehabt. Dennoch muss ich gerade dabei sagen, dass hier wieder ein bisschen viel Zufall im Spiel ist, was Gerdas Beziehungen nach Föhr angeht und Liv eben ausgerechnet auf Jonte und Lisbeth trifft.
Auch die Handlung um die biestige Astrid hätte noch etwas mehr Potential gehabt. 
An sich fand ich, dass hier wirklich eine Menge ernster Themen zur Sprache kommen, von denen jedes einzelne das Zeug zu einem eigenen Roman hätte - Das gilt sowohl für Lisbeth und Gerda, als auch für Mattis und Franziska, aber auch für Astrid und ihre Mutter.
Ein absoluter Lichtblick war dagegen die kleine Jonna. Diesen Zwerg habe ich sofort ins Herz geschlossen.
Der Verlauf der Geschichte war oftmals sehr vorhersehbar und ich hätte mir ein kleines bisschen mehr Spannung oder Tiefe gewünscht.

Alles in allem ist der Roman wieder ein typischer Stina Jensen-Roman zum Abschalten und Wohlfühlen, der etwas an Tiefe vermissen lässt, aber dennoch Herzschmerz pur darstellt.
Wer also eine schöne Liebesgeschichte sucht, ist hier richtig.
Von mir gibts hier 3,5 Sterne.

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