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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.11.2025

Cozy, liebevoll und eine tolle Fortsetzung

Heartstopper Volume 5 (deutsche Hardcover-Ausgabe)
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Kurzmeinung:
Im fünften Teil von Heartstopper geht die Liebesgeschichte von Nick und Charlie weiter. Auf ihre gewohnt simple und doch eindrucksvolle Art erzählt Alice Oseman unter anderem davon welche ...

Kurzmeinung:
Im fünften Teil von Heartstopper geht die Liebesgeschichte von Nick und Charlie weiter. Auf ihre gewohnt simple und doch eindrucksvolle Art erzählt Alice Oseman unter anderem davon welche Schwierigkeiten es so mit dem ersten Mal geben kann.
Dabei geht sie sehr sensibel auf Themen wie „Unsicherheit“ und „Verlustangst“ ein und führt Nick und Charlie damit auf die nächste Ebene.
Die Zeichnungen sind einfach nur schön, die Charaktere bekannt und mittlerweile doch sehr ans Herz gewachsen und die Geschichte in diesem Teil doch tatsächlich noch nicht zu Ende, wie ich ursprünglich angenommen hatte.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Das perfekte Buch zur Spooky Season

A Dark and Secret Magic
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Hach, ich bin einfach begeistert wie wundervoll herbstlich dieses magische Buch doch einfach ist, wie liebevoll gestaltet und wie passend für genau diese Jahreszeit.

Aber der Reihe nach.
Eins vorweg, ...

Hach, ich bin einfach begeistert wie wundervoll herbstlich dieses magische Buch doch einfach ist, wie liebevoll gestaltet und wie passend für genau diese Jahreszeit.

Aber der Reihe nach.
Eins vorweg, das Buch ist mit Cover, Farbschnitt und Goldapplikationen einfach eines der schönsten die ich derzeit so auf dem Markt kenne. Es ist an sich schon irgendwie ein Dekoelement perfekt für die Spooky Season.
Doch auch der Inhalt überzeugt, denn Wallis Kinney kann schreiben!
Die Charaktere allen voran Hecate bzw. Kate und Matthew sind so liebevoll gezeichnet, dass ich wirklich gerne einfach mal im kleinen Cottage am Waldrand vorbeischauen würde um einen Tee zu trinken und ein wenig zu plaudern.
Einzig die Schwestern von Kate, allen vorran die ältere haben mich das ein oder andere Mal wütend aufschnauben lassen. Aber ich denke, das war schon so beabsichtigt.
Das Ambiente und die Stimmung im Buch ist voll und ganz herbstlich Halloweennig und strahlt eine Gemütlichkeit und Ruhe aus, die das Buch einfach perfekt macht für einen Nachmittag unter der Kuscheldecke mit einer heißen Tasse Tee.
Die Welt die Kinney hier beschreibt hat ihr ganz eigenes Magie System, dass sehr gut aufgebaut ist. Davon würde ich gerne sehr viel mehr erfahren (und wenn ich die Autorin richtig verstanden habe werden wir das auch). Die verschiedenen Hexen-Typen bringen einen automatisch zur Frage: Und welcher Hexen-Typ wäre ich wohl?
Es stecken so viele liebevolle Kleinigkeiten an Ideen im Buch die mich sehr begeistern konnten, die ich hier aber nicht vorweg nehmen möchte. Das soll jeder für sich selbst entdecken.
Trotz aller Gemütlichkeit die das Buch ausstrahlt kommt auch die Spannung und ein wenig Mystery nicht zu kurz, so dass es für mich keine nennenswerten Längen gab.
Einzig das Finale fand ich etwas verwirrend, aus Gründen die ich jetzt nicht nennen werde. Das eigentliche Ende empfand ich dann aber wieder als passend und rund.

Besonders hervorheben möchte ich hier noch die Liebe zum Essen und wie genau das immer wieder im Buch zum Ausdruck kommt. Ich habe selten ein Buch gelesen bei dem das Essen so genau beschrieben wurde, dass mir regelmäßig das Wasser im Mund zusammen lief und bei dem ich von der Beschreibung her das Gefühl hatte, dass ich das so nach kochen könnte.
Zudem sind hinten im Buch auch noch jede Menge Rezepte, die das Nachkochen der ein oder anderen Speise vereinfachen. Von der Autorin weiß ich, dass einige davon sehr persönliche Rezepte sind, was dem ganzen noch einen Hauch mehr Liebe verleiht.

Alles in allem nicht ganz ein 5 Sterne Buch, aber sehr nah dran.

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Veröffentlicht am 11.07.2025

Vom Flüstern der Vergangenheit und der Kraft, sich selbst zu finden

Evil Eye
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Ein Echo, das nicht verhallt – über das Nachwirken einer leisen Stimme

Meine Meinung: 4,5


In „Evil Eye“ von Etaf Rum (Pola Verlag) begleiten wir Yara, die in New York als erstes Kind palästinensischer ...

Ein Echo, das nicht verhallt – über das Nachwirken einer leisen Stimme

Meine Meinung: 4,5


In „Evil Eye“ von Etaf Rum (Pola Verlag) begleiten wir Yara, die in New York als erstes Kind palästinensischer Einwanderer geboren wurde. Sie ist inzwischen verheiratet und hat selbst zwei Töchter.
Doch immer wieder spürt Yara ein Störgefühl, ein leises Unbehagen, das sie zunächst nicht genau benennen kann.
So beginnt eine Geschichte über die Suche nach Sinn, nach Liebe, Anerkennung und Yaras Platz im Leben.
Eine intensive Charakterstudie entfaltet sich, die uns immer tiefer in Yaras Welt hineinzieht und lange nachhallt.
Etaf Rum scheut kein Thema: familiäre Traumata, Glaubenssätze aus der Kindheit, Erwartungen von außen und auch jene, die wir selbst an unser Leben stellen. Auch die Erkenntnis, dass wir unseren eigenen Ansprüchen nicht immer gerecht werden, wird sensibel behandelt.
Durch Tagebucheinträge, die geschickt als Zwischenkapitel eingeflochten sind, entdecken wir nach und nach Yaras Vergangenheit und damit auch die Wurzeln ihres inneren Konflikts.

Es ist ein intensives Buch, das sich nicht davor scheut, unangenehme Fragen zu stellen.
Wer sind wir, wenn wir zwischen zwei Kulturen aufwachsen? Was bedeutet es für uns, wenn frühere Generationen ihre Traumata nicht verarbeitet haben? Und wie gelingt es uns, diesen Kreislauf zu durchbrechen für uns selbst und für unsere Kinder?
Und wie können wir für uns und für unsere Kinder genau diese Dinge aufarbeiten, den Kreislauf durchbrechen, das alte hinter uns lassen und daraus etwas Neues, etwas Gutes entstehen lassen?
All diese Fragen verhandelt Etaf Rum in Yaras Geschichte – leise, eindringlich und schonungslos ehrlich.
Ich selbst habe das Privileg, dass meine Eltern nicht fliehen mussten, kein neues Leben in der Fremde aufbauen mussten (und was für ein verdammtes Privileg das ist!), sodass ich mich nie zwischen zwei Kulturen zerrissen fühlte. Umso wichtiger finde ich, dass man sich mit der Lebensrealität andere Menschen auseinander setzt.
Und trotz unterschiedlicher Lebensbedingungen konnte ich mich in vielen Momenten tief mit Yara identifizieren, was das Lesen umso intensiver und heilsamer gemacht hat.
Vielleicht war es einfach das richtige Buch zur richtigen Zeit. Wer weiß, aber was auch immer es war: es war genau richtig.
Einen halben Stern ziehe ich ab, weil sich manche Aspekte wiederholten. Natürlich ist es realistisch, dass persönliche Entwicklung kein geradliniger Prozess ist. Trotzdem wirkte es stellenweise etwas redundant, das ist aber wirklich nur ein kleiner Kritikpunkt.

Etaf Rums Roman ist kein lautes, kein reißerisches Buch, sondern ein leises, aufwühlendes. Es schreit nicht, es flüstert. Und dieses Flüstern hallt nach, als feine Gänsehaut auf der Haut,als jedes Härchen, dass sich beim Lesen aufstellt, als Echo einer Realität, die uns für einen Moment ganz nah kommt. Und warum so intensiv? Weil wir den Hauch der Realität eines anderen Menschen spüren, fühlen, erleben, der mit jedem Wort in unser Ohr gesprochen wird.
Ein Buch, das Augen öffnet.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Wundervoller (Selbst)Liebesroman

All the things (s)he said
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„Skye ist verliebt in die Liebe – aber kann sie auch die Liebe zu sich selbst entdecken?“

Nach einer Trennung landet Skye mit ihrem Hund Hans Joseph (allein für diesen Namen gebührt Inka Lindberg schon ...

„Skye ist verliebt in die Liebe – aber kann sie auch die Liebe zu sich selbst entdecken?“

Nach einer Trennung landet Skye mit ihrem Hund Hans Joseph (allein für diesen Namen gebührt Inka Lindberg schon ein Preis und meine Verehrung!) in einer winzigen Streichholzschachtelwohnung in Köln – und das zum ersten Mal seit Langem als Single. Denn als „Serial Monogamist“ war sie nie wirklich allein und hüpfte von Beziehung zu Beziehung.
Ein Streit mit ihrer Schwester bringt Skye schließlich zu dem Entschluss, für mindestens ein Jahr solo zu bleiben. Klingt vernünftig – doch die WG unter ihr bringt diesen Plan ordentlich ins Wanken. Denn sowohl der charmante, freundliche und sehr gut aussehende Amir als auch die faszinierende Naima lassen Skyes Herz höherschlagen. Aber was ist das eigentlich genau, was sie da empfindet? Freundschaft? Anziehung? Beides?
Muss man sich selbst lieben, bevor man andere lieben kann? Und – nicht ganz unwichtig – was bringt man zu einem roh-veganen Event mit?
Diesen und vielen weiteren Fragen nähert sich Inka Lindberg in ihrem dritten Roman auf rund 400 Seiten mit viel Feingefühl, Humor und Herz.
Die Figuren – allen voran Skye – wachsen einem beim Lesen sofort ans Herz. Amir wirkt offen, lebensfroh und einfach wahnsinnig sympathisch. Naima bleibt für mich etwas mysteriöser, schwerer zu greifen, aber gerade das macht sie spannend. Genauso geht es auch Skye – und man fiebert mit ihr mit.
Die Geschichte nimmt sich Zeit. Nichts wird überstürzt, und genau das tut den Charakteren gut. Man lernt sie wirklich kennen, erlebt ihre Entwicklung mit und hat am Ende das Gefühl, Teil ihrer Welt zu sein. Besonders das Setting in Köln hat mir richtig gut gefallen – ich konnte mir genau vorstellen, wo die Szenen spielen, und hatte irgendwann das Gefühl, dieses Mehrparteienhaus mit seinen bunten Bewohner:innen könnte tatsächlich irgendwo dort stehen. Ich müsste nur noch eine Wohnung dort finden, und schon wäre ich Teil der Crew!
Der Schreibstil ist locker, humorvoll und mit einem feinen Gespür für Zwischentöne – man fliegt nur so durch die Seiten. Und irgendwann möchte man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, weil man sich mit den Figuren so verbunden fühlt. Beim Zuklappen war ich tatsächlich ein bisschen traurig, sie zurücklassen zu müssen.
Neben dem Unterhaltungswert enthält das Buch auch viele kleine Lebensweisheiten, die einen beim Lesen zum Nachdenken bringen. Ich liebe es, wenn Geschichten nicht nur Spaß machen, sondern einem auch etwas mitgeben.
Und zum Ende – ganz ohne Spoiler: Für mich war es absolut stimmig und absolut richtig so. Danke dafür, liebe Inka! Das Nachwort hat mich dann endgültig kaputt gemacht – ich habe Rotz und Wasser geheult.

Fazit:
Ein wunderbar herzerwärmender Roman, der nicht nur Spaß macht, sondern auch kluge Gedanken transportiert. Wer sich auf Skye, Amir und Naima einlässt, bekommt nicht nur eine schöne Liebesgeschichte, einen Pudel mit dem besten Namen der Welt, sondern auch Denkanstöße – und eventuell ein paar Ideen fürs nächste roh-vegane Buffet.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Manche Bücher treffen halt genau da, wo es noch lange nachklingt

Nowhere Heart Land
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Rosa ist verloren.
Sie lebt zu Beginn der Geschichte in London, muss dann aber zurück in ihre Heimatstadt Wuppertal, um die Angelegenheiten für ihre an Demenz erkrankte Großmutter zu regeln.
Denn Rosa ...

Rosa ist verloren.
Sie lebt zu Beginn der Geschichte in London, muss dann aber zurück in ihre Heimatstadt Wuppertal, um die Angelegenheiten für ihre an Demenz erkrankte Großmutter zu regeln.
Denn Rosa ist die letzte Angehörige.
Ihr Großvater verstarb bei einem Motorradunfall und ihre Mutter... Conny... Ja, Conny. Conny wurde viel zu früh schwanger und starb dann ebenfalls viel zu früh, mit gerade 29 Jahren.
Und jetzt wird Rosa 30, "älter als Conny je sein wird" und geistert durch ihre Heimatstadt, sowie ihre Erinnerungen an früher, früher als sie noch eine Mutter hatte, früher auf dem Internat, auf dem Internat in dem schon davor Conny war.
Und so verschwimmen Rosas Geschichten mit den Geschichten von Conny, gehen nahtlos ineinander über, verlieren sich in der Vergangenheit um dann wieder in die Gegenwart zurück zu schnellen.
Wir Leser begleiten Rosa bei ihrem Versuch etwas Reales, etwas Greifbares aus der längst vergangenen, längst vergrabenen, längst abgerissenen Zeit zu fischen.

Dabei wählt Emily Marie Lara unglaublich poetische Worte, reiht mit Geschick Sätze aneinander wie Lyrics, wie Poesie und erschafft so ganze Passagen, die vorgetragen bei einem Poetry Slam dem Publikum die Tränen in die Augen treiben würde.
Diese Passagen wiederum ergeben ein Psychogramm, eine Momentaufnahme, ein Snippet eines Lebens, das an seinen Rändern von der Vergänglichkeit der Existenz zerfasert wird.
Dabei versucht unsere Protagonistin Rosa händeringend ihr Selbst zusammenzuhalten.
Es war wunderschön und unglaublich schmerzhaft, dieses Buch zu lesen. Bittersüß.
Ich wollte Rosa schütteln und in den Arm nehmen, ihr den Weg zeigen. Aber den Weg wohin?
Sind wir nicht auch alle irgendwie lost zwischen Nostalgie, Kippen & Songtexten?
Das Buch ist fordernd, keine Frage. Lange Sätze die Rosas Gedankenspiralen aufzeigen und einen mit ihr hinunterziehen. Da muss man manchmal auch nochmal lesen, wo man sich da gedanklich gerade gemeinsam mit der Protagonistin aufgehangen hat. Langsam um alles aufzunehmen.
Rosas Gedanken? Sind stellenweise wie der Nebel, der Morgens langsam aus dem Tal über die Hänge wandert. Hier und da blitzt etwas auf und manches sieht man erst, wenn es fast zu spät ist und man rein rennt.
Rosas Leben? Ziemlich verbockt.
Rosas Bewältigungsstrategie? Mindestens fragwürdig bis hochgradig toxisch.
Ich empfand es als extrem bedrückend zu erleben wie es sein kann ohne Anker, ohne Menschen die einen halten, lieben und erden.
Und auch wenn es so, so schmerzhaft war zeigt das Gefühl nur dass das Buch so, so gut ist.
Ich fühlte mich beim Lesen einfach wie Rosa, während ich mit ihr durch die Gassen lief, während wir gemeinsam von Ikea den Berg runter nach Hause stolperten und uns fragten, was zu Hause überhaupt bedeutet.

Und aus meiner Sicht gibt das Buch darauf auch ganz bewusst keine konkrete Antwort. Das muss jeder für sich selbst definieren.

Es beginnt, es ist auf poetische, wunderschöne Weise Melancholie gegossen in Worte, wirft existentielle Fragen auf und entlässt uns dann nach einer Weile wieder nach Luft schnappend in unsere individuelle Lebensrealität.
Die Fragen fest im Herzen, ohne Antwort, mit etwas zum Nachdenken.

Und genau das macht für mich ein gutes Buch mit Substanz aus. Man nimmt etwas mit, es bleibt ein Stück zurück.
Klar ist es auch mal schön, alles vorgekaut zu bekommen. Aber die richtig guten Autor:innen trauen ihren Leser:innen Eigeninterpretation zu, trauen den Leser:innen zu, sich Gedanken zu machen und selbst Dinge weiterzuspinnen. Die Leser:innen mit in den Alltag der Figuren zu nehmen und damit zu einem Teil ihrer Gedankenwelt zu machen.

Ich für meinen Teil werde auf jeden Fall noch des öfteren ein Echo von Rosas Gedanken mit mir tragen.

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