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Veröffentlicht am 23.07.2025

Atmosphärische Psychospannung!

Brackwasser - Stille Wasser sind tief. Und manche sogar tödlich …
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Vor über zwanzig Jahren ließ Svea ihre Heimat an der Schlei hinter sich: schlechtes Verhältnis zu den Eltern, gescheiterte Beziehung und diese verheerende Party, nach der ihre beste Freundin Julia verschwand. ...

Vor über zwanzig Jahren ließ Svea ihre Heimat an der Schlei hinter sich: schlechtes Verhältnis zu den Eltern, gescheiterte Beziehung und diese verheerende Party, nach der ihre beste Freundin Julia verschwand. Jetzt taucht Julias Leiche im Wald auf und Svea, die wegen einer Erbangelegenheit zurückgekehrt ist, vermutet, dass Erik, ein toxisch männlicher Prepper und damals Julias Freund, der Täter ist. Leider ist er auch ihr Schwager und Svea kann es kaum ertragen, dass ihre jüngere Schwester Fenja und ihre zwei Kinder unter seinem Einfluss stehen. Doch es ist kompliziert ...

"Brackwasser" kriecht mit jeder Seite tiefer unter die Haut - Misstrauen, Bedrohungen, die Folgen zerrütteter Familien sowie ungesunder Beziehungen und die düstere Vergangenheit, voller Geheimnisse und Lügen, verweben sich zu einem Netz, das sich immer enger zieht, immer gefährlicher wird ...

Der lebendige, eindrücklichen Erzählstil, voller scharfsinniger Beobachtungen, hat mich von Anfang an gepackt und nicht mehr losgelassen!

Das Zusammenspiel aus atmosphärischer, rätselhafter Spannung und psychologischer Tiefe ist großartig. Die Autorin beschwört die Schattenseiten des an sich idyllischen Schauplatzes herauf und kreiert somit den perfekten Rahmen für die düsteren Geschehnisse. Die Figuren verheimlichen, verletzen, stolpern, fallen hin, stehen wieder auf, verirren sich - und nicht alle finden den Weg heraus, aus dem Labyrinth voller Schuld, Fanatismus, tiefgehendem Groll sowie unvereinbaren Werten.

Die Handlung ist herrlich beklemmend, vielschichtig, bewegend und geheimnisvoll gestaltet - voller beunruhigender Andeutungen, die neugierig machen. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, was Abwechslung und interessante, faszinierend verstörende Einblicke mit sich bringt - die aufschlussreich sind, aber auch neue Fragen aufwerfen!

Je näher das Ende rückt, desto atemloser wird es - eine erschütternde Enthüllung jagt die nächste, verborgene Abgründe werden sichtbar und mit jeder neuen Wendung stellt sich die Frage, ob man jemanden wirklich kennen kann. Die vielen überraschenden Erkenntnisse sind schockierend UND glaubwürdig!

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Originell, ausgeklügelt, mitreißend!

Not Quite Dead Yet
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Die 27-jährige Jet wird brutal niedergeschlagen und fällt für kurze Zeit ins Koma. Als sie wieder aufwacht, erhält sie eine niederschmetternde Diagnose, weshalb sie die ihr verbliebende Zeit nutzen will, ...

Die 27-jährige Jet wird brutal niedergeschlagen und fällt für kurze Zeit ins Koma. Als sie wieder aufwacht, erhält sie eine niederschmetternde Diagnose, weshalb sie die ihr verbliebende Zeit nutzen will, um ihren “Mörder” zu finden!

Jet neigt dazu aufzugeben, wenn es ihr zu viel wird (Studium, Job), weshalb sie seit einer Weil wieder in ihrer Heimatstadt bei ihren Eltern wohnt. Es gibt allerdings ein, zwei Dinge, die man ihr als mildernde Umstände zugutehalten könnte ...

Jet ist vermutlich “Geschmackssache”, ich fand sie okay, da ich ihre zynische, freche, rücksichtslose Art, mal mehr mal weniger, nachvollziehen konnte. Die meisten Menschen in ihrem Umfeld mäkeln ständig an ihr herum und sagen ihr, was sie tun soll, weshalb man ihre Reaktionen als Notwehr betrachten könnte

Jet ermittelt nicht allein, Billy, ein Freund aus Kindertagen, unterstützt sie tatkräftig. Ihre Spurensuche, bei der sich Jets Zustand allmählich verschlechtert, ist interessant, aufregend, clever sowie bewegend gestaltet, denn was die beiden entdecken, ist schockierend ...

Jet ist zwar auch zu Billy eher selten nett, es gibt jedoch ein bisschen “Chemie” zwischen ihnen - ich weiß nicht, was ich davon halten soll: einerseits konnte ich Jet teilweise verstehen, anderseits geht Billy irgendwie auf Eierschalen, um keine bissige Bemerkung zu kassieren - was mMn problematisch ist. Aber hier herrscht eine extreme Ausnahmesituation, da gelten wohl andere Maßstäbe!?

Erzählt wird eindrücklich sowie schwarzhumorig aus Jets Perspektive, man taucht dabei tief in ihre Gedanken- und Gefühlswelt ein. Die Mischung aus (vergangenen) Familientragödien, Freundschaft, erschütterndem Schicksal und nervenaufreibender Spannung hat mich begeistert - ich konnte diesen fesselnden, herzzerreißenden, wendungsreichen Thriller kaum aus der Hand legen.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Eine bittersüße Sommerlektüre!

Allow a Sunflower to Bloom
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Emmee wollte nach Frankreich ziehen, Kunst studieren und ihre Mutter ausfindig machen, denn obwohl sie in einer liebevollen Pflegefamilie aufgewachsen ist, verspürt sie das Bedürfnis ihre Herkunft zu entdecken. ...

Emmee wollte nach Frankreich ziehen, Kunst studieren und ihre Mutter ausfindig machen, denn obwohl sie in einer liebevollen Pflegefamilie aufgewachsen ist, verspürt sie das Bedürfnis ihre Herkunft zu entdecken. Doch ihr Traum platzt, sie bleibt in Wien, sie und ihre Schwester ziehen allerdings in eine WG, bestehend aus insgesamt fünf jungen Leuten. Dort überschlagen sich die Ereignisse: sie erhält anonyme, kryptische E-Mails, ihre Schwester verfällt in eine tiefe Depression, die Geschwister Xavier und Casimir scheinen düstere Geheimnisse zu haben, Casimir bittet sie, aus gutem Grund, bei einem Treffen mit seinen konservativen, entfremdeten Eltern seine Freundin zu spielen und Emmees biologischer Vater taucht auf ...

Jedes Kapitel beginnt mit der Abbildung einer Sonnenblume und hat den Titel eines Gemäldes. Erzählt wird aus Emmees sowie Casimirs Perspektive - feinfühlig, ausdrucksstark psychologisch interessant und wohl dosiert poetisch! Der atmosphärische, intensive, gedankenschwere und gleichzeitig locker leichte Stil ist wirklich mitreißend!

Die Handlung ist rätselhaft: Die beiden Geschwisterpaare machen eine schwere Zeit durch, aber was genau dahintersteckt, bliebt eine Weile lang unklar. Während die Geschwister von Emmee und Casimir offensichtlich unglücklich sind, laut leiden, verzweifeln, sind Emmee und Casimir pragmatisch, sie gehen einem geregeltem Alltag nach, leiden still und heimlich – finden sogar die Kraft, ihre Geschwister zu stützen.

“Allow a Sunflower to bloom” ist ein gefühlvoller, realistischer, gemütlicher, packender Roman über Familie, Found Family, Herkunft, Identität, Träume, Mut, Verständnis, Loyalität und den richtigen Platz im Leben. Es geht aber auch um Kunst bzw. ein Museum ...

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Veröffentlicht am 03.07.2025

Schmerzlich schön!

Beeren pflücken
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Es begann im Sommer 1962: Eine Mi'kmaq-Familie aus Nova Scotia verbrachte die Sommermonate in Maine, wo sie als Saisonarbeitskräfte Blaubeeren pflückte. Doch dann verschwand die Jüngste der Familie, die ...

Es begann im Sommer 1962: Eine Mi'kmaq-Familie aus Nova Scotia verbrachte die Sommermonate in Maine, wo sie als Saisonarbeitskräfte Blaubeeren pflückte. Doch dann verschwand die Jüngste der Familie, die vierjährige Ruthie, die zuletzt von ihrem 6-jährigen Bruder Joe gesehen wurde. Aber das ist nicht die einzige Tragödie, die die Familie ertragen muss und Joe wird immer (selbst)zerstörerischer.

Viele Jahrzehnte später schildert der todkranke Joe, stellenweise selbstironisch, wie Verlust, Trauer, zweischneidige Hoffnung, Schuldgefühle sowie das Rätsel um Ruthies Verschwindens ihn und seine Familie geprägt haben.

Norma, eine mittelalte Frau, erzählt, teils mit bittersüßem Humor, von ihrer überbehüteten Kindheit, ihrer neurotischen Mutter, die ihre traumatischen Erfragungen auf sie übertragen hat, ihrer coolen Tante, ihrer freien, ereignisreichen Jugend sowie den nagenden Fragen, die sie über Jahrzehnte hinweg verfolgten. Die Widrigkeiten ihres Lebens trafen sie aufgrund ihrer Erziehung doppelt und dreifach, machten vielversprechende Pläne zunichte, brachten aber auch neue Blickwinkel mit sich, denn Norma verfügt über eine gute Selbsterkenntnis, zudem betrachtet sie alles mit Offenheit, Wärme, Sanftmut.

“Beeren pflücken” strotzt nur so vor kreativer, atmosphärischer und emotionaler Ausdrucksstärke sowie psychologischer Tiefe! Außerdem überzeugt die berührende Geschichte über Ethnie, viele verschiedene Schicksalsschläge, seelisches Gepäck, Emanzipation, Wut, Vertrauensmissbrauch, Loyalität und Vergebung mit einer wirklich fesselnden Dramaturgie!

Der feinfühlige Stil, die inneren Konflikte der lebensechten Figuren, die gesellschaftlichen Themen, die moralischen Dilemmata sowie das Mysterium um Identität bzw. Wahrheit sind traurig, erschütternd, schmerzlich schön und herzallerliebst – eine unwiderstehliche Achterbahnfahrt der Gefühle!

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Veröffentlicht am 05.07.2025

Bittersüße Melancholie

Furye
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“Furye” ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich und für mich hat es mich etwas von einer Oper, einem Shakespeare Stück, einer griechischen Tragödie oder einem dramatischen 40er Jahre Film: intensiv, opulent, ...

“Furye” ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich und für mich hat es mich etwas von einer Oper, einem Shakespeare Stück, einer griechischen Tragödie oder einem dramatischen 40er Jahre Film: intensiv, opulent, düster, sinnlich, bildgewaltig sowie mysteriös.

Die 37-jährige Hauptfigur ist eine erfolgreiche Musikmanagerin, sie zierte kürzlich sogar das Cover der VOGUE-Business. Doch ihr Privatleben ist leer, trist: Sie ist einsam, hat psychische Probleme, trauert um ihren kürzlich verstorbenen Vater und macht sich Sorgen um ihre nun ebenfalls einsame Mutter. Dann bringt eine schlechte Nachricht das Fass voller Melancholie zum Überlaufen, sodass sie in ihre Vergangenheit reist, denn dort hat das Niederschmetternde der schlechten Nachricht ihren Ursprung ...

Die Protagonistin hat ihre Heimatstadt am Meer vor zwanzig Jahren hinter sich gelassen, nun bewegt sie sich, impulsiv und doch durchdacht handelnd, zerrissen zwischen Vergangenheit und Gegenwart durch ihren Herkunftsort voller schrecklich schöner Erinnerungen – auf der Suche nach Sinn, nach Rache, nach Frieden.

Tagebucheinträge erzählen von der 17-jährigen Version aus einfachen Verhältnissen, die mithilfe eines Stipendiums auf eine Eliteschule wechselte. Dort wurde sie in den Club der Außenseiterinnen aufgenommen: Sie und zwei Mitschülerinnen wurden zu den Furyen Alec, Meg, Tess. Dann war da noch der schöne, eigentümliche Romain ...

Mit dem Sommer brach eine berauschende Zeit voller Magie an - erfüllt von wahrer Freundschaft sowie einer betörenden Jugendliebe, aber auch von Zerstörung und Tod ...

“Furye” ist ein unheilvoller, tragisch romantischer, psychologisch interessanter sowie spannender Roman – gedankenschwer und sommerlich leicht zugleich – der sich autobiografisch anfühlt, weil man sehr tief in Alecs Innenleben eintaucht.

Der eindringliche, kreative Erzählstil, der mal poetisch, mal brutal unverblümt und alles dazwischen ist, die faszinierend verstörenden Figuren, die geheimnisvolle, gehaltvolle, fesselnde Handlung, voller stiller sowie lauter Verzweiflung, und die erschütternden Enthüllungen sind unwiderstehlich und hallen lange nach!

Ein wichtiges Element, das ich aus Spoiler-Gründen nicht benennen will, finde ich persönlich sehr problematisch. Doch der Kontext, in dem es eingehüllt ist, erhöht die emotionale Nachvollziehbarkeit. Da das Thema emotional aufgeladen ist und gesellschaftlich mehrheitlich positiv betrachtet wird, fällt es schwer, es objektiv zu kritisieren.

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