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Veröffentlicht am 12.08.2025

Lieber verrückt als einer von euch

Botanik des Wahnsinns
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Zunächst ist es bei diesem Roman sicherlich das psychedelische Cover, das einen wortwörtlich sofort ins Auge sticht. Es verbindet den Titel und den Inhalt des Buchs sehr anschaulich und sorgt ...

Zunächst ist es bei diesem Roman sicherlich das psychedelische Cover, das einen wortwörtlich sofort ins Auge sticht. Es verbindet den Titel und den Inhalt des Buchs sehr anschaulich und sorgt für Unruhe beim Betrachten.

Aus der Ich-Perspektive wird die gesamte Familiengeschichte erzählt, das Aufwachsen der Mutter, die Vergangenheit des Vaters, Einblicke in die Welt der Großmutter und der Entstehungs-/Schaffensweg des Erwachsenen Erzählers. Sowohl die Figur im Roman als auch der Autor Leon Engler haben einige Parallelen, zumindest in Ausbildung und Beruflicher Laufbahn (Theaterwissenschaften und Psychologie), sowie Lebensorte, wodurch wohl ein autobiografischer Aspekt vorhanden ist.
Ich finde gerade den Aufbau zu Beginn mit Rückblick auf die Familiengeschichte und ihre "Biografie des Wahnsinns" und den folgenden Eintritt des Erzählers in die Psychiatrie, aber als Psychologe, äußerst gelungen. In seiner anschließenden Arbeitszeit dort, wechselt er mehrmals die Stationen:
Ein grausamer Blick in die (wahrhaftige) Realität von Schizophrenen und ihre eigentliche Einsamkeit,
die tiefste Traurigkeit und die für sie anders vergehende Zeit der Depressiven und in der Entzugsabteilung das ständige Problem nicht abzustumpfen, dem Zynismus und der Verbitterung zu verfallen, aufgrund der unumgänglichen Rückfälle der Patienten.

Der Titel des Romans erschließt sich im Laufe der Handlung, da Pflanzen ständige Begleiter des Hauptprotagonisten sind und die ersten Einteilungen der psychischen Erkrankungen sollen nach dem gleichen Prinzip wie die, der Präzision der Botanik von Pflanzen erfolgt sein(Thomas Sydenham).
Der Schreibstil hat definitiv einen sehr zynischen, vielleicht sarkastischen Touch mit ein wenig Wiener "Schmäh" und Insidern, die man wahrscheinlich nur versteht, wenn man einige Zeit in Wien gelebt hat (z.B. die viele Nackte auf der Bühne des Burgtheater oder der Narrenturm).
In kursiver Schrift sind zahlreiche Zitate von verschiedenen Werken von etwa Friedrich Nietzsche, Sigmund Freud oder Arthur Schopenhauer eingebaut, die am Ende des Buchs im "Notizbuch des Nachbarn" als Literaturnachweis aufgelistet sind.
Zudem stellen sich zahlreiche rhetorische Fragen, die zur Selbstreflexion anregen und das Mensch-sein an sich hinterfragen ("Was war ein richtiger Mann? Was ist ein richtiger Vater? War es das Nichts-tun, das sie so lähmte? Weil die Sucht ein Destillat einer unstillbaten Sehnsucht ist?").
Eine besondere Eigenheit ist der morbide Humor, bei dem das Sprichwort "zu lachen um nicht weinen zu müssen" wie die Faust aufs Auge passt, so beschreibt er z.B. Liebe auf den ersten Blick als Lobotomie. Aber es ist genau dies und die ausgewählte, schöne deutsche Sprache, die diesen Roman zu etwas sehr Besonderem machen.

Fazit: Empfehlenswert ist dieser Roman in meinen Augen vorallem, wenn man selbst aus dem Fach Psychologie kommt.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Erinnerungen, zugleich bitter und süß

Bittersüß
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Die Autorin Hattie Williams, die eigentlich Sängerin ist, veröffentlicht mit diesem Werk ihr erstes Buch, das es in sich hat.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Charlie erzählt, ...

Die Autorin Hattie Williams, die eigentlich Sängerin ist, veröffentlicht mit diesem Werk ihr erstes Buch, das es in sich hat.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Charlie erzählt, eine zutiefst unsichere, naive 23-Jährige, die seit dem Tod ihrer Mutter in ihrer Jugend an schweren Depressionen leidet. Sie fühlt sich nirgends zugehörig, selbst ihrem Vater, der eine neue Frau heiratet und einen Sohn mit dieser bekommt, kann sie ihren Kummer nicht anvertrauen. Sie flüchtet in die Großstadt und läuft so wortwörtlich vor ihrer Vergangenheit davon, kämpft gegen eine unausgesprochene Essstörung, ertränkt ihre Gefühle in Alkohol, hat eine starke Bindungsstörung und lebt bis sie ihren stabilen Job im Verlag erhält an der Armutsgrenze. Mit Ophelia und Eddy treten zwei Menschen in ihr Leben, die das erste Mal beständige Freunde darstellen und ihr Stabilität geben- nach all der Dunkelheit, bringen sie ihr Licht, bevor es erneut finster wird.
Als ihr Verlag das neue Buch des Autor Richard Aveling herausbringen soll, dessen Bücher Charlie über alle Maße verehrt, entsteht zwischen beiden eine überaus toxische Liebesbeziehung. Zunächst fühlt man sich auch als LeserIn in dem Charme des über 30 Jahre älteren Richard gefangen und erkennt nur sickernd die wahren Abgründe dahinter. Nicht nur dass allein der Altersunterschied verheerend wirken sollten, nein viel mehr noch drängt er Charlie in eine Abhängigkeit zu ihm und isoliert sie vollständig vom Rest ihrer früheren Welt. Die Einsamkeit, die Charlie daraufhin erlebt, fühlt sich sehr nahbar an.
Das Ende der Beziehung ist wie zu erwarten herzzerreißend schmerzvoll und lauert Charlie lange auf, bis der endgültige kraftvolle Schlussstrich folgt.

Der Roman ist herausragend geschrieben mit vielen ausschweifenden, inneren Monologen, sodass man jede Stimmung der Hauptprotagonistin authentisch mitlebt, leider auch die vielen depressiven Abgründe. Diese schwierige Atmosphäre hat mich von Beginn an gepackt und es hat sich das Lesen dadurch nicht nur positiv angefühlt, wodurch ich immer wieder innehalten musste. Trotz der außerordentlich Charakterentwicklung und -aufbau von Charlie, blieb ich am Ende verstört und zerrüttet zurück. Hattie Williams erzeugt mit dem ungleichen Machtgefälle in der Beziehung gleichzeitig Ekel, Unverständnis, Mitgefühl, Ärgernis und dann eben doch auch irgendwie Verständnis für Charlie, aufgrund ihres dramatischen Lebenslaufs.

Fazit: Ein tiefgründiger, schwerer Roman, der mich beim Lesen ein großes Spektrum an Emotionen Mitfühlen ließ und noch immer in mir nachhallt!

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Abgründe einer Kleinstadt

Dunkle Sühne
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Karin Slaughter gehört seit meiner späten Jugend zu meinen LieblingsautorInnen, von der ich bereits zahlreiche Bücher in meinem Regal stehen habe. Daher war klar, der neue Thriller zieht auch ...

Karin Slaughter gehört seit meiner späten Jugend zu meinen LieblingsautorInnen, von der ich bereits zahlreiche Bücher in meinem Regal stehen habe. Daher war klar, der neue Thriller zieht auch bei mir ein.

Das Cover passt zu den anderen Romanen von ihr, da diese in Neuauflagen mit anderen Tieren angepasst wurden, jedoch erschließt sich mir der Bär als Symbol nicht.

Der Einstieg ins Buch ist rasant und man steht unmittelbar in den Ermittlungen zur Entführung der beiden Mädchen. Man weiß daher zunächst auch wenig über die Polizistin Emmy Lou und erfährt Schritt für Schritt vom ihrem Leben sowie vorallem ihrer Familiengeschichte, die doch sehr turbulent ist.
Mich hat die Handlung erst sehr verwundert, da man bei weniger der Hälfte das Gefühl hat, der Fall wäre jetzt gelöst, was kommt noch. Doch auf Slaughter Art bekommt das Buch ständig eine neue Wendung, die man vielleicht erahnt, aber nicht greifen kann. Dadurch ist man von Anfang bis zum Ende an den Thriller gefesselt und staunt über jede neue Enthüllung. Wenn man bereits einige Bücher der Autorin kennt, lässt sich ihre stilistische Art Handlungsstränge ineinander laufen zu lassen oder Charaktere aufzubauen, durchblicken.
Außerdem liebt sie ihre amerikanischen Polizeieinrichtungen, angefangen bei der kleinen dörflichen Polizei bis hin zum altbekannten FBI mit seinen Spezialeinheiten, die auch hier sehr viel Platz einnehmen und Geschmackssache sind- mir waren sie ein wenig zu verwirrend beim Leseeinstieg. Die Handlung beinhaltet keine dramatische Neuheiten, die man in veränderter Form nicht auch schon in einem Film oder anderen Buch gelesen hat, besticht aber mit viel Dramatik und Tragik der Geschehnisse ohne dabei blutig ins Detail zu gehen- es bleibt vieles offen und der eigenen Grausamkeit der Gedanken überlassen. Einige Kapitel um Emmy Lou's Eltern und ihrem tragischen Schicksal ließen mich sehr emotional werden und die Details über die Alzheimer Erkankung der Mutter wirkten tief und schwer nach, was ein weiterer Beweis für Slaughters Fähigkeit ist, die LeserInnen mit ihrem ausdrucksstarkem Schreibstil gefangen zu nehmen. Das Ende des Romans stellte mich rundum zufrieden, da in allen Punkten hinsichtlich Tat, Täter, Opfer, usw. eine Aufklärung erfolgte und keine Fragen unbeantwortet blieben.

Fazit: Empfehlung für Thriller Fans! Slaughter versteht ihr Handwerk, auch wenn man ihren Stil kennt, sie fesselt einen an das Buch!

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Veröffentlicht am 23.07.2025

Klimawandel und Artenschutz kindgerecht

Arche Boa
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Es wird eingeladen sich für ein Ticket an Bord der Arche Boa zu bewerben. Zwölf Tiere erzählen im Finale, wieso sie ausgewählt werden sollen und sie vor dem Aussterben stehen. Doch wie soll das Publikum ...

Es wird eingeladen sich für ein Ticket an Bord der Arche Boa zu bewerben. Zwölf Tiere erzählen im Finale, wieso sie ausgewählt werden sollen und sie vor dem Aussterben stehen. Doch wie soll das Publikum sich am Ende für einen einzigen entscheiden? Wär das überhaupt richtig? Gibt am Ende der 13. Überraschungsgast die ausschlaggebende Rede?!

Aufgrund des Covers hätte ich wohl hier nicht zum Buch gegriffen, da mir die Farbwahl nicht sehr gefällt, und was für ein tolles Buch hätte ich da verpasst!
Die Illustrationen entsprechen eigentlich schon meinem Geschmack und haben im Buch einen lustig, bunten, knalligen Stil passend zu den humorvollen Reimen. Dass sich hinter diesen wichtige Thematiken verstecken, die zum Denken anregen und in kindgerechter Form vermitteln sollen, wie es um unsere Erde, ihr Klima und ihre tierischen Bewohner steht, wird schnell klar.
Einige Zeilen machten auch meine Kinder und mich traurig, wieso muss der arme Eisbär Fieber haben, der Wal sich ins falsche Meer verirren, der Kröte über den Fuß gefahren werden oder der Hai im Goldfischglas leben. Tragische Schicksale, die nur im kleinsten Kreis, die Auswirkungen des Klimawandels in der Realität anreißen. Ich denke es ist wichtig, dass sich bereits Kinder in einem passendem Alter mit Literatur wie z.B. auch diesem fantastischen Buch, mit schwierigen Themen auseinandersetzen. Es wäre ihnen gegenüber falsch, eine heile Welt vorzutäuschen, wo ihnen doch zusteht, zeitig genug zu lernen was die Veränderung auf unserer Erde auch für sie bedeutet und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen einen Unterschied zu machen. Die Gratwanderung von Konfrontation und trotzdem nicht Überforderung oder Furchtmache gelingt in diesem Buch wirklich gut, da die Verpackung der Botschaft am Ende, dass doch jedes Tier und unser ganzer Planet schützenswert einfach stimmig ist. So sind es nicht nur im Buch die Kinder, die den Showgästen zur Seite stehen, sondern auch in Realität die Zukunft in der Hand haben!

Fazit: Ein wichtiges Thema kompakt, kindgerecht und verständlich verpackt, bekommt eine Empfehlung für Kinder ab 4-5Jahren.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Die Wiederkehr der 3???

Die Auferstehung
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Eine junge Amerikanerin taucht nach sieben Jahren, in denen sie als verschollen und tot galt, wieder aus dem Dschungel auf. Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews sind indes Erwachsen geworden, ...

Eine junge Amerikanerin taucht nach sieben Jahren, in denen sie als verschollen und tot galt, wieder aus dem Dschungel auf. Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews sind indes Erwachsen geworden, haben sich aus den Augen verloren und führen ihre eigenen Leben. Führt diese rätselhafte Auferstehung der Frau namens Tracy dazu, dass die 3 Fragezeichen wieder zueinander finden ?!

Als riesengroßer 3 Fragezeichen Fan in meiner Kindheit und Jugend, stand außer Frage, dass ich dieses Buch über die erwachsen gewordenen 3 Detektive auch lesen würde! Sie waren für mich der Start in das Krimi/Thriller Genre, das bis heute mein Liebstes geblieben ist.
Den Autor Andreas Eschbach kannte ich bisher nicht, jedoch gefiel mir sein Stil zu schreiben recht schnell und die Seiten flogen nur so dahin. Er hat zudem in meinen Augen einen sehr wichtigen Schritt getan, indem er Justus, Peter und Bob ihre wichtigsten Charakterzüge ließ und sie glaubhaft alterte.
Was eindeutig nicht nur den Charakteren im Buch nachschwingt, sondern eben wahrscheinlich auch dem älter gewordenen Lese-Publikum, ist eine riesengroße melancholische Nostalgie an andere Zeiten. Alleine die Tatsache, dass damals vor einigen Jahrzehnten eine Rechersche noch ganz anders aussah, als jetzt mit der großen Internetsuchmaschine, wird im Buch neben zahlreichen anderen Unterschieden thematisiert und lädt ein, an eine in Vergessenheit geratenende Vergangenheit zu denken. Auch wenn ich mir die 3 Fragezeichen als ein wenig jüngere Erwachsene von Mitte 30 bis 40 erwartete (meinem Alter entsprechend), macht es nur Sinn, dass sie im Buch schon über 50 Jahre sind, da die ursprünglichen Bücher ja schon aus 1968 stammen und ab 1979 die Hörspiele im deutschsprachigem Raum großen Anklang fanden. Die Geschichte hat den alten Handlungsabläufen der 3 Fragezeichen wirklich sehr viel gemein und für mich war ab einem gewissem Punkt ersichtlich, wohin die weitere Erzählung läuft. Jedoch tat das der Spannung, wie es dorthin kommt und vorallem wie Justus, Peter und Bob endgültig wieder aufeinander treffen und zusammen ermitteln, keinen Abbruch. In meinen Augen ist hier eine großartige Zusammenkunft meiner Lieblingsdetektive aus früheren Zeiten gelungen!

Fazit: Für Fans eine absolute Pflichtlektüre und ich kann sie nur empfehlen!

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