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Veröffentlicht am 19.08.2025

Der schwitzende Kommisar und die schwedische Bärin

Schwüre, die wir brechen
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Das zunächst unscheinbare Cover und der sich mir bis ans Ende nicht ganz erschließen wollende Titel des Buchs, verbergen einen äußerst spannenden Thriller in die schwedische Stadt Malmö. Mich fasziniert ...

Das zunächst unscheinbare Cover und der sich mir bis ans Ende nicht ganz erschließen wollende Titel des Buchs, verbergen einen äußerst spannenden Thriller in die schwedische Stadt Malmö. Mich fasziniert vorallem, dass es zwei Autoren mit ihrem individuellen Schreibstilen schaffen, sich so abzustimmen, dass ein stimmiges Buch mit fesselnder Handlung, interessanten Charakteren und unerwarteten Wendungen entsteht.
Obwohl ich den ersten Teil des Ermittlerduos nicht kenne, konnte ich ohne Probleme in das Geschehen einsteigen.

Die Geschichte wechselt in den Erzählperspektiven und -Zeiten, wobei sich nur Stück für Stück herauskristallisiert, dass die Vergangenheit mögliche Zusammenhänge zur aktuellen, grausamen Mordserie aufzeigen könnte. Es waren jedoch besonders diese Rückblicke und kurzen Erinnerungen längst vergangener, schmerzlicher Momente, die auf mich besonders eindrücklich und spannend wirkten.
Die Tatsache, dass im Roman alle mit Du angesprochen werden, fand ich zunächst gewöhnungsbedürftig, obwohl es im Norden durchaus so üblich ist. Beide Hauptprotagonisten, Jon Nordh und Svea Karhuu, haben Nebenhandlungen für sich, die ihre Leben privat und beruflich maßgeblich beeinflussen. Nordh wird in meinen Augen erst dadurch sympathischer für die LeserInnen, denn sein liebevoller Umgang mit seinen Kindern und die Last des Schicksals mit seiner Frau, helfen über seine resche, manchmal überhebliche und unfreundliche Art als Polizist hinwegzusehen und findet im richtigen Moment die Balance, um ihn weiter ertragen zu können. Svea's Geschichte erscheint mir leider ein wenig unauthentisch, da es mit ihrer Undercover Background Story so wirkt, als hätten die Autoren bloß alle polizeiliche Möglichkeiten einbringen wollen, obwohl sie als Charakter für sich sympathisch intelligent und tough ist.
Der Einbau der ägyptischen Elemente im Kriminalfall wirkte ausreichend recherchiert um glaubhaft zu sein und weckte mein Interesse weitestgehend, um selbst oberflächlich über die erwähnten Gottheiten sowie alte Zeitepoche zu recherchieren.
Bei der Entführung des Mädchens wurde ich recht schnell stark an einen Handlungsstrang aus "Das Dickicht" erinnert (hatte dadurch auch schnell Vermutungen wohin es sich entwickeln könnte), ein Buch welches ebenfalls aus der Feder eines Autorenduos stammt.
Das Ende war für mich leider unbefriedigend, obwohl einiges erklärt wurde, blieb doch noch Vieles offen. Dies ist widerum natürlich ein guter Schachzug, da es auf ein weiteres Buch hoffen lässt.

Fazit: Ein gelungener Thriller, jedoch mit fragwürdigem Abschluss, der für mich Punkteabzug gab.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Großartiger Roman

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Meine Erwartungen an den Roman waren definitiv andere als ich dann beim Lesen erfuhr: aus einer zunächst komisch anmutenden Geschichte einer Frau (Phoebe), die sich inmitten einer Hochzeitsgesellschaft ...

Meine Erwartungen an den Roman waren definitiv andere als ich dann beim Lesen erfuhr: aus einer zunächst komisch anmutenden Geschichte einer Frau (Phoebe), die sich inmitten einer Hochzeitsgesellschaft in einem Hotel einbucht, wurde eine Rückblick auf eine traurig, depressive Lebensgeschichte mit der Frage, ob sie eigentlich für sich selbst jemals einstand und nur eine Nebendarstellerin in ihrem eigenen Leben spielt/spielte.
Das Aufeinandertreffen mit der baldigen Braut Lila, die bis ins letzte Detail alles perfekt geplant hat, verläuft daher skurril, denn nun steht da diese Frau, die ihrem Leben ein Ende setzten möchte und somit ein schlechtes Omen in die Feierlichkeiten bringt. Die Erzählsicht folgt hauptsächlich Phoebe und wechselt zwischen Rückblicken in ihrem Leben, das nach und nach den Bach runtergeht, und der Gegenwart.
Zunächst fand ich das Cover des Buchs wenig sagend und es sticht auch nicht durch ein besonderes Merkmal heraus, lediglich der Verlag und die Angabe New-York-Times Bestseller ließen mich die Kurzbeschreibung lesen. Und schon wenig später wurde mir klar, dass dieses Bild der Wellen und der beiden Hände mit Champagner und Peace Zeichen exzellent für den Inhalt gewählt wurden.
Ich hatte den Eindruck, dass die Autorin Alison Espach einiges an Zeit in die Recherche zum Beruf (Literatur Professorin) von Pheobe gesteckt hat, da die Einblicke in diesen, obwohl ich in der Hinsicht wenig Wissen habe, sehr realitätsnah und glaubhaft wirken. Zwischendurch waren mir einige Kapitel ein bisschen zu langatmig, da ich das Gefühl hatte die Hauptprotagonistin tritt auf der Stelle, aber es wurde dann wieder bisschen leichter als das Hochzeitspaar mehr Platz in der Erzählung fand. Phoebe hat einen sehr authentisch, wenn auch komplexen Charakter und wirkt daher vielschichtig in ihren Gedankengängen und Überlegungen zur Welt. Sie erlebt im Buch eine Reise zu sich selbst, den Mut und die Hoffnung, die sie auch aus den teils witzigen, teils tiefgründigen, schwierigen Gesprächen mit Lila zieht. Diese widerum bekommt von Phoebe Ansichten mitgegeben, die ihr vorher verborgen schienen und fehlten um die ihr wichtigen Dinge zu erkennen.

Fazit: Die etwas andere Art von "Liebesgeschichte"(vorallem zu sich selbst) mit vielen Anregungen zur Selbstreflexion zu seiner Wahl des Lebenswegs!

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Lieber verrückt als einer von euch

Botanik des Wahnsinns
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Zunächst ist es bei diesem Roman sicherlich das psychedelische Cover, das einen wortwörtlich sofort ins Auge sticht. Es verbindet den Titel und den Inhalt des Buchs sehr anschaulich und sorgt ...

Zunächst ist es bei diesem Roman sicherlich das psychedelische Cover, das einen wortwörtlich sofort ins Auge sticht. Es verbindet den Titel und den Inhalt des Buchs sehr anschaulich und sorgt für Unruhe beim Betrachten.

Aus der Ich-Perspektive wird die gesamte Familiengeschichte erzählt, das Aufwachsen der Mutter, die Vergangenheit des Vaters, Einblicke in die Welt der Großmutter und der Entstehungs-/Schaffensweg des Erwachsenen Erzählers. Sowohl die Figur im Roman als auch der Autor Leon Engler haben einige Parallelen, zumindest in Ausbildung und Beruflicher Laufbahn (Theaterwissenschaften und Psychologie), sowie Lebensorte, wodurch wohl ein autobiografischer Aspekt vorhanden ist.
Ich finde gerade den Aufbau zu Beginn mit Rückblick auf die Familiengeschichte und ihre "Biografie des Wahnsinns" und den folgenden Eintritt des Erzählers in die Psychiatrie, aber als Psychologe, äußerst gelungen. In seiner anschließenden Arbeitszeit dort, wechselt er mehrmals die Stationen:
Ein grausamer Blick in die (wahrhaftige) Realität von Schizophrenen und ihre eigentliche Einsamkeit,
die tiefste Traurigkeit und die für sie anders vergehende Zeit der Depressiven und in der Entzugsabteilung das ständige Problem nicht abzustumpfen, dem Zynismus und der Verbitterung zu verfallen, aufgrund der unumgänglichen Rückfälle der Patienten.

Der Titel des Romans erschließt sich im Laufe der Handlung, da Pflanzen ständige Begleiter des Hauptprotagonisten sind und die ersten Einteilungen der psychischen Erkrankungen sollen nach dem gleichen Prinzip wie die, der Präzision der Botanik von Pflanzen erfolgt sein(Thomas Sydenham).
Der Schreibstil hat definitiv einen sehr zynischen, vielleicht sarkastischen Touch mit ein wenig Wiener "Schmäh" und Insidern, die man wahrscheinlich nur versteht, wenn man einige Zeit in Wien gelebt hat (z.B. die viele Nackte auf der Bühne des Burgtheater oder der Narrenturm).
In kursiver Schrift sind zahlreiche Zitate von verschiedenen Werken von etwa Friedrich Nietzsche, Sigmund Freud oder Arthur Schopenhauer eingebaut, die am Ende des Buchs im "Notizbuch des Nachbarn" als Literaturnachweis aufgelistet sind.
Zudem stellen sich zahlreiche rhetorische Fragen, die zur Selbstreflexion anregen und das Mensch-sein an sich hinterfragen ("Was war ein richtiger Mann? Was ist ein richtiger Vater? War es das Nichts-tun, das sie so lähmte? Weil die Sucht ein Destillat einer unstillbaten Sehnsucht ist?").
Eine besondere Eigenheit ist der morbide Humor, bei dem das Sprichwort "zu lachen um nicht weinen zu müssen" wie die Faust aufs Auge passt, so beschreibt er z.B. Liebe auf den ersten Blick als Lobotomie. Aber es ist genau dies und die ausgewählte, schöne deutsche Sprache, die diesen Roman zu etwas sehr Besonderem machen.

Fazit: Empfehlenswert ist dieser Roman in meinen Augen vorallem, wenn man selbst aus dem Fach Psychologie kommt.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Erinnerungen, zugleich bitter und süß

Bittersüß
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Die Autorin Hattie Williams, die eigentlich Sängerin ist, veröffentlicht mit diesem Werk ihr erstes Buch, das es in sich hat.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Charlie erzählt, ...

Die Autorin Hattie Williams, die eigentlich Sängerin ist, veröffentlicht mit diesem Werk ihr erstes Buch, das es in sich hat.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Charlie erzählt, eine zutiefst unsichere, naive 23-Jährige, die seit dem Tod ihrer Mutter in ihrer Jugend an schweren Depressionen leidet. Sie fühlt sich nirgends zugehörig, selbst ihrem Vater, der eine neue Frau heiratet und einen Sohn mit dieser bekommt, kann sie ihren Kummer nicht anvertrauen. Sie flüchtet in die Großstadt und läuft so wortwörtlich vor ihrer Vergangenheit davon, kämpft gegen eine unausgesprochene Essstörung, ertränkt ihre Gefühle in Alkohol, hat eine starke Bindungsstörung und lebt bis sie ihren stabilen Job im Verlag erhält an der Armutsgrenze. Mit Ophelia und Eddy treten zwei Menschen in ihr Leben, die das erste Mal beständige Freunde darstellen und ihr Stabilität geben- nach all der Dunkelheit, bringen sie ihr Licht, bevor es erneut finster wird.
Als ihr Verlag das neue Buch des Autor Richard Aveling herausbringen soll, dessen Bücher Charlie über alle Maße verehrt, entsteht zwischen beiden eine überaus toxische Liebesbeziehung. Zunächst fühlt man sich auch als LeserIn in dem Charme des über 30 Jahre älteren Richard gefangen und erkennt nur sickernd die wahren Abgründe dahinter. Nicht nur dass allein der Altersunterschied verheerend wirken sollten, nein viel mehr noch drängt er Charlie in eine Abhängigkeit zu ihm und isoliert sie vollständig vom Rest ihrer früheren Welt. Die Einsamkeit, die Charlie daraufhin erlebt, fühlt sich sehr nahbar an.
Das Ende der Beziehung ist wie zu erwarten herzzerreißend schmerzvoll und lauert Charlie lange auf, bis der endgültige kraftvolle Schlussstrich folgt.

Der Roman ist herausragend geschrieben mit vielen ausschweifenden, inneren Monologen, sodass man jede Stimmung der Hauptprotagonistin authentisch mitlebt, leider auch die vielen depressiven Abgründe. Diese schwierige Atmosphäre hat mich von Beginn an gepackt und es hat sich das Lesen dadurch nicht nur positiv angefühlt, wodurch ich immer wieder innehalten musste. Trotz der außerordentlich Charakterentwicklung und -aufbau von Charlie, blieb ich am Ende verstört und zerrüttet zurück. Hattie Williams erzeugt mit dem ungleichen Machtgefälle in der Beziehung gleichzeitig Ekel, Unverständnis, Mitgefühl, Ärgernis und dann eben doch auch irgendwie Verständnis für Charlie, aufgrund ihres dramatischen Lebenslaufs.

Fazit: Ein tiefgründiger, schwerer Roman, der mich beim Lesen ein großes Spektrum an Emotionen Mitfühlen ließ und noch immer in mir nachhallt!

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Abgründe einer Kleinstadt

Dunkle Sühne
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Karin Slaughter gehört seit meiner späten Jugend zu meinen LieblingsautorInnen, von der ich bereits zahlreiche Bücher in meinem Regal stehen habe. Daher war klar, der neue Thriller zieht auch ...

Karin Slaughter gehört seit meiner späten Jugend zu meinen LieblingsautorInnen, von der ich bereits zahlreiche Bücher in meinem Regal stehen habe. Daher war klar, der neue Thriller zieht auch bei mir ein.

Das Cover passt zu den anderen Romanen von ihr, da diese in Neuauflagen mit anderen Tieren angepasst wurden, jedoch erschließt sich mir der Bär als Symbol nicht.

Der Einstieg ins Buch ist rasant und man steht unmittelbar in den Ermittlungen zur Entführung der beiden Mädchen. Man weiß daher zunächst auch wenig über die Polizistin Emmy Lou und erfährt Schritt für Schritt vom ihrem Leben sowie vorallem ihrer Familiengeschichte, die doch sehr turbulent ist.
Mich hat die Handlung erst sehr verwundert, da man bei weniger der Hälfte das Gefühl hat, der Fall wäre jetzt gelöst, was kommt noch. Doch auf Slaughter Art bekommt das Buch ständig eine neue Wendung, die man vielleicht erahnt, aber nicht greifen kann. Dadurch ist man von Anfang bis zum Ende an den Thriller gefesselt und staunt über jede neue Enthüllung. Wenn man bereits einige Bücher der Autorin kennt, lässt sich ihre stilistische Art Handlungsstränge ineinander laufen zu lassen oder Charaktere aufzubauen, durchblicken.
Außerdem liebt sie ihre amerikanischen Polizeieinrichtungen, angefangen bei der kleinen dörflichen Polizei bis hin zum altbekannten FBI mit seinen Spezialeinheiten, die auch hier sehr viel Platz einnehmen und Geschmackssache sind- mir waren sie ein wenig zu verwirrend beim Leseeinstieg. Die Handlung beinhaltet keine dramatische Neuheiten, die man in veränderter Form nicht auch schon in einem Film oder anderen Buch gelesen hat, besticht aber mit viel Dramatik und Tragik der Geschehnisse ohne dabei blutig ins Detail zu gehen- es bleibt vieles offen und der eigenen Grausamkeit der Gedanken überlassen. Einige Kapitel um Emmy Lou's Eltern und ihrem tragischen Schicksal ließen mich sehr emotional werden und die Details über die Alzheimer Erkankung der Mutter wirkten tief und schwer nach, was ein weiterer Beweis für Slaughters Fähigkeit ist, die LeserInnen mit ihrem ausdrucksstarkem Schreibstil gefangen zu nehmen. Das Ende des Romans stellte mich rundum zufrieden, da in allen Punkten hinsichtlich Tat, Täter, Opfer, usw. eine Aufklärung erfolgte und keine Fragen unbeantwortet blieben.

Fazit: Empfehlung für Thriller Fans! Slaughter versteht ihr Handwerk, auch wenn man ihren Stil kennt, sie fesselt einen an das Buch!

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