Platzhalter für Profilbild

annnna97

aktives Lesejury-Mitglied
offline

annnna97 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit annnna97 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.03.2026

Zeitlos, existenziell und philosophisch

Ich, die ich Männer nicht kannte
0

Der Roman handelt von einem Mädchen, das zusammen mit 39 Frauen aus unerkannten Gründen gefangen gehalten wird - ohne Kontakt zur Außenwelt.

Das Buch geht vor allem den existenziellen Fragen auf den ...

Der Roman handelt von einem Mädchen, das zusammen mit 39 Frauen aus unerkannten Gründen gefangen gehalten wird - ohne Kontakt zur Außenwelt.

Das Buch geht vor allem den existenziellen Fragen auf den Grund: Was bedeutet es ein Mensch zu sein? Was ist der Sinn unserer Existenz? Was ist Freiheit? Was macht Gesellschaft mit uns und was Isolation?
Für mich ist der Roman deswegen tatsächlich absolut zeitlos und ich denke, man kann ihn in vielerlei Hinsicht interpretieren und wahrscheinlich immer wieder lesen. Er hat mich auf jeden Fall während des Lesens gefesselt und danach sehr zum Nachdenken angeregt. Allerdings würde ich das Buch nicht jedem empfehlen, da es mit vielen Konventionen, besonders des Sci-Fi Genres, bricht und ich es eher als existenziell philosophischen Roman beschreiben würde, was nicht jedem gefällt.

Mir persönlich erschließt sich allerdings nicht wirklich, warum der Roman im Moment als sehr feministisch beworben und mit Werken wie "Der Report der Magd" verglichen wird. Ich sehe es nicht als besonders feministisch, sondern es geht wirklich mehr darum, was es bedeutet ein Mensch zu sein.

Insgesamt für mich ein Buch, das mich sehr bewegt hat und noch lange begleiten wird!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.12.2025

Düster, tragisch und sehr bewegend

Medea
0

In diesem Roman wird die Figur Medea aus der griechischen Mythologie zur Protagonistin und wir bekommen einen Einblick in die Hintergründe ihrer tragischen Geschichte. Medea ist seit ihrer Kindheit ...

In diesem Roman wird die Figur Medea aus der griechischen Mythologie zur Protagonistin und wir bekommen einen Einblick in die Hintergründe ihrer tragischen Geschichte. Medea ist seit ihrer Kindheit von Einsamkeit und Missachtung gequält wegen ihrer magischen Fähigkeiten. Als der tollkühne Held Jason in Kolchis auftaucht, sieht sie ihrer Chance auf eine Flucht mit ihm aus ihrer Heimat, die sich wie ein grausames Gefängnis anfühlt. Es folgt eine spannende und immer düsterer werdende Geschichte von Liebe, Leidenschaft, Macht, Verrat und Rache.

Medea ist eine faszinierende Protagonistin. Extrem facettenreich und komplex. Mächtig und gleichzeitig so verletzlich. Opfer und Täterin. Irgendwo zwischen Heldin und Bösewicht. Obwohl sie furchtbare Dinge tut, versteht man als Leser wieso sie sich dafür entscheidet und fühlt mit ihr.

Ein Faden, der sich durch die ganze tragische Geschichte zieht, sind machtsüchtige und manipulative Männer. Medea ist am Anfang im Prinzip nur ein trauriges, einsames Mädchen, was nur geliebt werden möchte und wird erst von ihrem Vater, dann von ihrer ersten Liebschaft ausgenutzt und immer weiter auf einen düsteren Weg getrieben. Der Roman zeigt gut wie das Patriarchat junge, naive Mädchen in den Ruin treiben kann und wie mächtige, selbstbestimmte Frauen verteufelt und gefürchtet werden.
Das Ende hat mir besonders gut gefallen, da es nicht war wie erwartet, aber der perfekte Abschluss für Medeas düstere Geschichte war.

Ein wirklich tolles Buch, was von Anfang bis Ende spannend war und mich sehr bewegt hat. Ein absolutes Jahreshighlight für mich! Medeas Geschichte hat mich zum Nachdenken gebracht und wird mich wahrscheinlich noch lange begleiten. Ich werde auf jeden Fall den Roman über Medusa von der selben Autorin lesen, da es mir so gut gefallen hat.

Eine klare Empfehlung für alle, die sich für griechische Mythologie oder die Geschichten von starken, mächtigen Frauen interessieren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.08.2025

Wichtig, aktuell und inspirierend

In uns der Ozean
0

Theresia Graw erzählt uns in diesem Roman die inspirierende und bewegende Lebensgeschichte von Rachel Carson. Sie wollte als Meeresbiologin in die Wissenschaft gehen, was ihr aber leider durch einen Schicksalsschlag ...

Theresia Graw erzählt uns in diesem Roman die inspirierende und bewegende Lebensgeschichte von Rachel Carson. Sie wollte als Meeresbiologin in die Wissenschaft gehen, was ihr aber leider durch einen Schicksalsschlag verwehrt wurde. Stattdessen konnte sie sich aber eine beeindruckende Karriere als Journalistin und Autorin aufgebaut, in der sie ihre Liebe zur Natur und besonders zum Meer ausdrücken konnte. Als unverheiratete Frau musste sie sich im Laufe ihres Lebens konstant der Misogynie in ihrem Berufsfeld stellen, da sie sich nie nicht in das Rollenbild ihrer Zeit einfügte. Je mehr sie sich durch ihre Arbeit mit der Natur beschäftigte, desto mehr erfuhr sie die vielen Wege wie die Umwelt durch die Industrie zerstört wird. Sie machte es sich zur Lebensaufgabe die Bevölkerung über die Gefahren der Umweltzerstörung zu informieren und wurde dadurch zu einer der wichtigsten Personen der Umweltbewegung und eine der ersten Aktivistinnen.

Dieser Roman war so bewegend, inspirierend und gleichzeitig spannend und außerdem habe ich viel dabei gelernt. Ein wirklich besonderes Buch über eine besondere Frau!
Trotz zahlloser Schicksalsschläge gibt Rachel Carson nie auf und kämpft weiter für ihre Unabhängigkeit, für ihre Karriere und für die Natur, die sie so sehr liebt. Der Sexismus, dem sie ständig ausgesetzt ist, macht einen sehr wütend, aber gleichzeitig lernt man all die Frauen wie Rachel Carson noch mal mehr wertzuschätzen, die vor uns kamen, die die patriarchalen Strukturen aufgebrochen haben und viele Sachen für Frauen von heute erst möglich gemacht haben. Leider zeigt es aber auch auf, wie manche Dinge sich leider noch nicht so weit verändert haben.
Ähnlich ist es mit dem Umweltschutz. Dieser Aspekt des Buches ist leider immer noch hochaktuell, was einen ebenfalls wütend macht beim Lesen.

Der Schreibstil hat mir auch sehr gut gefallen. Die Landschaftsbeschreibungen drücken wirklich gut die Liebe und Faszination aus, die Rachel Carson für die Natur hatte.

Auf jeden Fall eine absolute Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.07.2025

Packend und emotional

Atmosphere
0


Da mich das Thema Weltraum und NASA nicht so interessiert, ich aber ein Fan von Evelyn Hugo und Daisy & the six war, bin ich ein bisschen skeptisch an das Buch herangegangen, wurde aber nach wenigen Kapiteln ...


Da mich das Thema Weltraum und NASA nicht so interessiert, ich aber ein Fan von Evelyn Hugo und Daisy & the six war, bin ich ein bisschen skeptisch an das Buch herangegangen, wurde aber nach wenigen Kapiteln restlos überzeugt und Atmosphere wird auf jeden Fall ein Jahreshighlight sein.

Es spielt in den 80er Jahren. Joan wird für das NASA Astronauten-Programm ausgewählt und muss sich in diesem von Männer dominierten Umfeld als eine der sehr wenigen ersten Frauen behaupten, während sie sich das erste Mal in eine Frau verliebt, in einer Zeit, in der man als queere Person nicht für die Regierung arbeiten durfte.

Der Roman ist von Anfang spannend und emotional. Es wird sehr auf die Schwierigkeiten von Frauen in den 1980er Jahren eingegangen. Zum einem in der NASA, wo wir sehr verschiedene Frauencharaktere kennenlernen, die alle unterschiedlich mit Sexismus und Misogynie umgehen. Auf der anderen Seite ist da Joans Schwester Barbara, die als unverheiratete alleinerziehende Mutter anderen Schwierigkeiten ausgesetzt ist.
Die queere Liebesgeschichte wurde auch sehr schön und realistisch geschrieben. Vanessa ist ein sehr interessanter und komplexer Charakter. Die wichtigste Beziehung des Buches ist aber eigentlich die besondere Verbindung zwischen Joan und ihrer Nichte Francis, die sich durch die ganze Geschichte zieht und wunderschön beschrieben ist.
Mein einziger Kritikpunkt wäre, dass Joan als Protagonistin kaum Schwächen hat und ein bisschen zu perfekt ist. Auch ihre Schwester Barbara ist leider ein bisschen eindimensional, aber in die andere Richtung.

Auf jeden Fall eine ganz klare Leseempfehlung, selbst wenn man nicht sich nicht so für den Weltraum und Astronauten interessiert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.07.2025

Ein von Trauer und Wut erfülltes feministisches Porträt der ermordeten Schwester

Lilianas unvergänglicher Sommer
0

"Und während wir uns durch die Schatten der Tage schleppten, vermehrten sich die getöteten Frauen. Immer mehr Frauen wurden von der Welle der Gewalt mitgerissen, junge wie alte, aus Arbeiterhaushalten ...

"Und während wir uns durch die Schatten der Tage schleppten, vermehrten sich die getöteten Frauen. Immer mehr Frauen wurden von der Welle der Gewalt mitgerissen, junge wie alte, aus Arbeiterhaushalten wie aus wohlhabenden. Ihre Körper waren nichts als eine Randnotiz der tödlichen Rechnung des Staates (...)"

"Lilianas unvergänglicher Sommer" ist der Erinnerung der ermordeten Schwester der Autorin gewidmet und prangert gleichzeitig die patriarchalen Strukturen an, die Gewalt gegen Frauen ermöglichen und gleichzeitig totschweigen.
In dem Roman begleiten wir Liliana Rivera Garza beim Aufwachsen und erhalten ein umfangreiches und intimes Bild ihres Lebens und Wesens durch eine Mischung von Tagebucheinträgen, Briefen, Fotos sowie Erzählungen der Erinnerungen von Freunden und Familie bis zu dem Punkt, wo sie 1990 von ihrem Ex-Partner ermordet wird. Wir erfahren, wie ihre Familie und Freunde mit dem Tod umgehen, sowie von den Schwierigkeiten mit der Justiz Mexikos. Cristina RIvera Garza hat es mit diesem Buch geschafft, dass ihre kleine Schwester nicht in Vergessenheit geraten wird und mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Femizide und generell Gewalt gegen Frauen gelenkt. Der Fokus des Buches liegt auf dem Opfer und dem Leben, das ihr viel zu früh genommen wurde.

Das Buch ist sehr ergreifend und emotional und ich habe mehrere Tränen vergossen. Gleichzeitig ist es sehr schön und poetisch geschrieben und glänzt durch eine tolle Übersetzung, die es geschafft hat, dies ins Deutsche zu übertragen.
Was mir auch sehr gut gefallen hat, war, dass man sehr viel über die Anzeichen von häuslicher Gewalt und gefährlichen Beziehungen lernt, über die Gründe, wie Frauen in solche Beziehungen geraten und wieso es so schwierig ist da heraus zu kommen.

"Der einzige Unterschied zwischen meiner Schwester und mir ist, dass ich nie einem Mörder über den Weg gelaufen bin. Das ist der einzige Unterschied zwischen ihr und dir."

Ich bin mir sicher, dass dieses Buch mich noch lange begleiten wird.
Ich finde tatsächlich, dass jeder dieses Buch lesen sollte, besonders junge Frauen. Es ist allerdings wirklich keine leichte Kost und nichts für schwache Nerven. Ein wirklich wichtiges feministisches Manifest für Lateinamerika und die Welt. "Keine mehr!"

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere