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Veröffentlicht am 13.12.2025

Weibliche Selbstbestimmung und Erwachsenwerden im Faschismus

Was vor uns liegt
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In dem Roman aus dem Jahr 1938 geht es um 8 junge Frauen aus verschiedenen sozialen Schichten und Regionen Italiens, die während ihres Studiums in Rom zusammen in einem Konvikt leben, und alle unterschiedliche ...

In dem Roman aus dem Jahr 1938 geht es um 8 junge Frauen aus verschiedenen sozialen Schichten und Regionen Italiens, die während ihres Studiums in Rom zusammen in einem Konvikt leben, und alle unterschiedliche Wege gehen im Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung.

Dieser Roman hat mir sehr gut gefallen. Wir erfahren viel über die Lebensrealitäten von jungen Frauen im Italien der 30er Jahre. Strenge Regeln und kaum Alternativen zu einem Leben als "nur" Ehefrau und Mutter. Der Konvikt ist für die Frauen wie ein Zwischenraum bevor es ins richtige Leben, in die Realität geht. Hier kommen Frauen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten zusammen, die sich sonst nie kennengelernt hätten. Alle haben unterschiedliche Hintergründe, Ziele und Bestrebungen und doch leiden alle gleichermaßen unter den strengen Konventionen für Frauen. Alle Charaktere sind interessant und haben ihre Stärken und Schwächen. Besonders beeindruckt hat mich, wie die nach den damaligen Konventionen moralisch fragwürdigen Entscheidungen der Mädchen behandelt werden -mit Erklärungen, Verständnis und Empathie und kaum moralischer Wertung.
Das Buch liest sich sehr gut und kurzweilig, was sicher auch der guten Übersetzung geschuldet ist. Generell ist es beachtlich wie modern der Roman wirkt und teilweise zeitlos, obwohl er fast 100 Jahre alt ist. Einige Handlungsstränge sind wirklich bemerkenswert für die Zeit und es ist offensichtlich warum das Buch verboten wurde im Faschismus.
Ich hätte mir nur gewünscht, dass es ein paar weniger Hauptcharaktere gäbe, da es am Anfang ein bisschen schwer ist den Überblick zu behalten und man so einige Handlungsstränge noch vertiefen hätte können.

Insgesamt ist es aber ein sehr besonderes Buch, das mich auf andere Bücher der Autorin neugierig gemacht hat und mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird. Ich würde es allen empfehlen, die Interesse an vielfältigen und starken Frauencharakteren und an der Geschichte von Frauenrechten haben.

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Veröffentlicht am 23.07.2025

Ausbrechen aus einer Lebenskrise und die Macht der Freundschaft

Der Schlaf der Anderen
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"Jetzt, denke ich, jetzt wäre ein guter Moment um aufzuwachen. Endgültig Schluss zu machen mit alldem hier. Ich will hier nicht sein. Nicht auf dieser Kreuzung, nicht bei diesen Menschen. Nicht in diesem ...

"Jetzt, denke ich, jetzt wäre ein guter Moment um aufzuwachen. Endgültig Schluss zu machen mit alldem hier. Ich will hier nicht sein. Nicht auf dieser Kreuzung, nicht bei diesen Menschen. Nicht in diesem Leben."

Sina und Janis lernen sich kennen, als Sina in die Schlafklinik kommt, in der Janis als Nachtwache arbeitet. Die Begegnung und der Beginn einer einzigartigen Freundschaft ist der Auslöser für einen Wendepunkt im Leben der beiden Frauen. Sie haben zwar auf den ersten Blick kaum etwas gemeinsam außer ihrem Alter, doch sie beide sind in gewisser Weise festgefahren und befinden sich schon lange in einer Art Überlebensmodus. Sie sind beide überfordert mit ihrem Leben insgesamt und teilen ein Gefühl von Einsamkeit sowie den Kampf mit Depressionen. Ihre Begegnung ist der Moment in dem beide Frauen aus ihrer Situation ausbrechen und ihr Leben ändern.

Das Buch hat mir sehr gefallen, da die besondere Prämisse sehr gut umgesetzt wurde. Die zwei Protagonistinnen sind authentisch und man kann sich gut in sie hineinversetzen. Besonders Sina ist eine Figur, die sehr real wirkt und mit der sich viele Frauen identifizieren können. Die Geschichte setzt sich damit auseinander, wie schwierig es ist, seinen eigenen Weg zu gehen und wie viele sich einfach von der gesellschaftlichen Norm mitreißen lassen und am Ende unglücklich sind. Es geht darum, den Mut zu haben, anders zu sein, auch wenn man auf Unverständnis vom Umfeld stößt. Und vor allem geht es um den Wert von echten Freundschaften, die bei vielen Menschen im Laufe des Erwachsenlebens auf der Strecke bleiben.

Der Schreibstil passt zur Geschichte und den Charakteren. Der Schlaf bzw. das Nichtschlafen wird wunderbar als Representation der Gefühlswelt der Figuren benutzt und ist der Faden, an dem sich die Geschichte leitet. Besonders der erste Satz und der letzte Satz sind sehr gut gewählt und bieten einen perfekten Rahmen für die Geschichte.

Alles in allem hat mich das Buch von Anfang an gepackt, sodass ich es locker in 2 Tagen durchgelesen habe und ich danach erst mal über das Gelesene nachdenken musste. Eine klare Leseempfehlung für mich.

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Veröffentlicht am 10.04.2026

Eine feministische, glaubwürdige und romantische Liebesgeschichte

The Dirty Version
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Dieser Roman hat es geschafft mit vielen Clichés und Regeln des Romance -Genres zu brechen, aber gleichzeitig eine romantische und glaubwürdige Liebesgeschichte zu erzählen.
Wenn man sich ein ...

Dieser Roman hat es geschafft mit vielen Clichés und Regeln des Romance -Genres zu brechen, aber gleichzeitig eine romantische und glaubwürdige Liebesgeschichte zu erzählen.
Wenn man sich ein bisschen mit dem Thema Feminismus beschäftigt, merkt man schnell wie viele alte Rollenbilder und fragwürdige Verhaltensweisen noch im Großteil der aktuellen Liebesromane reproduziert und romantisiert werden, was es für mich doch oft schwer macht diese richtig zu genießen, obwohl ich das Genre an sich sehr gerne mag. Man stellt sich dann doch oft die Frage, ob ein "feministischer" Liebesroman überhaupt funktionieren könnte. Diese Frage hat sich mir mit diesem Roman nun endlich beantwortet!

Tash ist ein sehr interessanter, starker und komplexer Charakter. Sie ist auch teilweise ein bisschen anstrengend, was aber zu ihrem Charakter passt und durch ihre Erfahrungen begründet bzw. realistisch ist. Caleb hingegen ist der perfekte Love Interest: selbstbewusst, empathisch und respektvoll. Auch Tashs Freundinnen fand ich super als Charaktere.
Sehr positiv überrascht hat mich, dass es keinen "Spice" gibt trotz des Titels und Thema des Buches, was natürlich sehr subversiv und meta ist. Auch die Einblicke hinter die Kulissen Hollywoods fand ich interessant und der Konflikt zwischen kommerziellen Interessen bzw. der profitgeleiteten Filmindustrie und der künstlerischen Integrität ist sehr spannend, vielschichtig und immer aktuell.
Super gefallen hat mir auch, dass Tash eine glaubwürdige Entwicklung im Laufe des Romans durchgeht und trotzdem ihren Werten und Prinzipien bis zum Ende treu bleibt.
Ich hätte mir nur noch ein bisschen mehr Humor und Leichtigkeit gewünscht, dann hätte es die ernsten Themen noch ein bisschen aufgelockert. Außerdem fand ich den Schreibstil an manchen Stellen ein bisschen komisch, was aber auch an der Übersetzung liegen könnte.

Alles in allem auf jeden empfehlenswert, besonders für alle, die sich für Feminismus interessieren und oft mit Rollenbildern in Liebesromanen hadern!

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Gegen die Zustände

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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In diesem neuen Buch der Känguru-Reihe beschließen das Känguru und Marc-Uwe gegen die aktuellen Zustände zu rebellieren und versuchen möglichst viele Menschen davon zu überzeugen.
Wie schön die ...

In diesem neuen Buch der Känguru-Reihe beschließen das Känguru und Marc-Uwe gegen die aktuellen Zustände zu rebellieren und versuchen möglichst viele Menschen davon zu überzeugen.
Wie schön die vorherigen Teile hab ich auch den neuen als Hörbuch gehört und wie immer liest Marc-Uwe Kling das Känguru und die anderen Figuren super und sehr unterhaltsam. Das Buch ist insgesamt sehr kurzweilig und hat mich oft zum Schmunzeln gebracht. Gleichzeitig ist es deutlich ernster und weniger absurd als die vorherigen Teile, was natürlich auch an der derzeitigen politischen Lage in Deutschland und auf der Welt liegt. Es gibt viele Stellen, wo die derzeitigen Probleme in der Politik erklärt werden, was zwar auch unterhaltsam war, aber in meinem Fall war nicht wirklich etwas dabei, was ich noch nicht wusste. Das Känguru selbst als Figur ist auch irgendwie sehr viel gemäßigter bzw. weniger radikal geworden, was mich leider enttäuscht hat, aber wahrscheinlich passt es so besser in die heutige Zeit. Wenn es schon so viel um aktuelle Politik gehen soll, hätte ich mir dann doch mehr konkrete Vorschläge, wie man "gegen die Zustände rebellieren" kann. So hab ich mich zwar in meiner Meinung bestätigt gefühlt, aber sonst nicht viel aus dem Buch gewinnen können.
Deswegen hat mir der Teil nicht so gut gefallen, wie die vorherigen, aber trotzdem natürlich empfehlenswert vor allem für Fans der Reihe, und es ist natürlich schwierig an die Genialität der ersten Teile ranzukommen, vor allem wenn die aktuelle Weltlage wirklich nicht zum Lachen ist.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Eine explosive Mischung aus Manipulation, Machtspielchen und Begehren

Ultramarin
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Lou ist seit der Schule eng mit den Geschwistern Raf und Sophie befreundet und die drei fahren jeden Sommer zusammen in den Urlaub. Dieses Mal kommt allerdings statt Sophie nur ihre Freundin Nora mit, ...

Lou ist seit der Schule eng mit den Geschwistern Raf und Sophie befreundet und die drei fahren jeden Sommer zusammen in den Urlaub. Dieses Mal kommt allerdings statt Sophie nur ihre Freundin Nora mit, die sofort zwischen den beiden besten Freunden steht. Es folgt ein spannender psychologischer Thriller über Manipulation, Machtspielchen und Begehren.

Ich habe das Buch wirklich verschlungen und an einem Tag gelesen, weil es von Anfang spannend war. Durch die zwei verschieden Zeitstränge wird nochmal extra Spannung aufgebaut und man versteht nach und nach die Dynamiken zwischen den Charakteren besser.
Auch der Schreibstil hat mir wirklich gut gefallen und erinnerte mich teilweise an Sally Rooney, da die wörtliche Rede weggelassen wurde. Dadurch fühlt es sich noch viel mehr so an, als ob wir wirklich im Kopf von Lou sind. Der Schreibstil ist sehr fließend und atmosphärisch und die Naturbeschreibungen teilen sehr zu der Stimmung bei.

Ich muss aber sagen, ich habe selten einen Charakter so sehr gehasst wie Raf und manche Seiten waren deshalb wirklich schwer zu lesen, vor allem da wir alles nur aus der Sicht von Lou mitbekommen. Auch Lou war als Charakter teilweise schwer zu ertragen, da er sich so leicht manipulieren und schlecht behandeln lässt. Man wird wirklich wütend beim Lesen. Doch das Buch stellt sehr realistisch da, wie eine emotional und körperlich missbräuchliche Beziehung funktioniert und auch, dass dies genauso in queeren Beziehungsformen vorkommt. Generell hat mir gut gefallen, wie das Buch mit dem Thema Queerness umgegangen ist.
Ich hätte mir nur noch mehr Einblick in Lous Leben gewünscht bevor er Raf kennengelernt hat, um noch ein bisschen besser zu verstehen, warum er sich so behandeln lässt, was im Buch nur kurz angeschnitten wird.

Ich würde es allen empfehlen, die Lust auf diese Art psychologischen Thriller haben, allerdings ist es wirklich gerade zum Ende hin keine leichte Kost. Für einen Debütroman ist es sehr beeindruckend und ich werde auf jeden Fall nach den künftigen Büchern der Autorin Ausschau halten!

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