Rabenthron
RabenthronMit dem historischen Roman „Rabenthron“ ist das neuste Werk von Rebecca Gable auf dem Büchermarkt veröffentlich wurden. In diesem Buch wird die Geschichte rund um die Familie Helmsby erneut aufgegriffen. ...
Mit dem historischen Roman „Rabenthron“ ist das neuste Werk von Rebecca Gable auf dem Büchermarkt veröffentlich wurden. In diesem Buch wird die Geschichte rund um die Familie Helmsby erneut aufgegriffen. Die Familie Helmsby steht in ihren historischen Romanen „Das zweite Königreich“ und „Hiobs Brüder“ im Fokus. Jedoch kann man „Rabenthron“ auch ohne weitere Vorkenntnisse lesen, wird doch eine andere Generation beleuchtet. Dennoch bereitet es natürlich Freude, wenn man ein paar Zusammenhänge zwischen den einzelnen Familienmitgliedern erkennt.
Klappentext:
England im Herbst 1013: Um den dänischen Gefangenen Hakon bei Hofe abzuliefern, reist der junge Engländer Ælfric of Helmsby nach London. Die Stadt liegt in Trümmern, denn dem schwachen König Ethelred gelingt es nicht, sein Reich gegen die ständigen Wikingerüberfälle zu schützen. Doch anders als England und Dänemark sind Ælfric und Hakon keine Feinde - während der gefährlichen Reise sind sie zu Freunden geworden. Bald schon gehören sie zum inneren Kreis um die machtbewusste Königin Emma. Aber der Widerstand der Engländer droht zu brechen, und als der dänische König stirbt, steht bald ein noch gefährlicherer Feind vor den Toren ...
Die Autorin Rebecca Gable hat sich im Bereich der historischen Romane bereits einen Namen gemacht. Auch ich habe ihre bisherigen Bücher immer mit großer Freude gelesen, sie hat es bisher immer geschafft, mich in ihren Bann zu ziehen und in eine fremde, längst vergangene Zeit zu entführen. Als ich dann gelesen habe, dass Gable ihr nächstes Werk wieder von der Familie Helmsby handeln wird, war meine Vorfreude und auch meine Erwartungen groß.
Zunächst möchte ich diese wundervolle Gestaltung positiv erwähnen. Der Farbschnitt ist hier wirklich gelungen und passt ziemlich gut zum Buch. Zunächst war ich skeptisch, warum jetzt auch bei historischen Romanen dieser Hype notwendig ist. Aber hier finde ich ihn passend. Außerdem ist das Buch mit einer farbigen Karte ausgestattet. Diese habe ich während des Lesens nur zu gerne zur besseren Orientierung zu Rate gezogen. Auch gibt es eindrucksvolle Darstellungen zu Beginn des Abschnittes, dadurch kann man sich die Protagonisten noch besser vorstellen.
Der Schreibstil von Gable ist, wie ich es bereits aus ihren bisherigen Werke gewohnt bin, flüssig, sodass die Seiten nur so dahinfliegen. Man merkt dem Buch gar nicht seinen Umfang an. Diese knapp 900 Seiten sind zügig gelesen und nur zu gerne hätte ich sogar noch mehr gelesen. Als Leser wird man in eine vergangene Zeit entführt und hat dabei das Gefühl, dass man selbst mitten in der Geschichte drin ist. Man mittendrin, kann sich alles sehr gut vorstellen und erlebt zusammen mit den Charakteren Abenteuer und muss die ein oder andere schwierige Situation meistern. Auch bangt man um die Charaktere und ist sich nicht immer sicher, dass es gut für diese ausgehen wird. Der Spannungsbogen wird über die komplette Seitenanzahl hochgehalten. Auf sehr vielseitige Art und Weise wird Spannung aufgebaut und zum Höhepunkt gesteigert, viele unverhofften Wendungen werden eingebaut und nicht selten habe ich mitgelitten, wurde von meinen Emotionen während des Lesens überwältigt oder habe auflachen müssen. Gekonnt werden historische Gegebenheiten oder auch Anekdoten in die Handlung mit eingebaut. Oftmals habe ich überlegt, ob diese Situation so stattgefunden ist, ob diese durch Quellen belegt ist. Es hat mir Freude bereitet, hier mitzufiebern und mitzurätseln. Nicht selten habe ich während des Lesens das Internet um Rat gefragt. Auch viele historische Personen sind ein essentieller Teil der Handlung und werden vielseitig dargestellt. Hierbei hilft das Personenverzeichnis. In diesem ist aufgeführt, welches eine historische Person ist und welcher Charakter fiktiv ist. Man merkt auf jeder Seite des Buches die umfangreiche und tiefgründige Recherchearbeit der Autorin, welche im Vorfeld von ihr geleistet wurde. Die englische Geschichte im 11. Jahrhundert wird lebendig erzählt und ganz nebenbei lernt man noch einiges über die damaligen Gegebenheiten und auch die Probleme des Königshauses aber auch des einfachen Volkes. Man erlebt die englische Geschichte hautnah und dies auf so facettenreiche und spannende Art und Weise, dass es einfach Spaß macht die Handlung gebannt zu verfolgen und in die damalige Zeit abzutauchen, welche ganz anders als die heute ist. Hierzu möchte ich auf jeden Fall auch nochmal das Nachwort erwähnen, welches sehr lesenswert ist. Wie man es bereits von ihren vorherigen Büchern kennt, geht Gable in diesem nochmal auf die Fakten ein und was Fiktion ist, was aus ihrer Feder stammt und was sie hier aus diversen Quellen zur damaligen Zeit zusammengetragen hat – aber auch, wie glaubwürdig solche Quellen sind. Dies gefällt mir immer recht gut, lernt man die damalige Zeit nochmal aus einer anderen Sicht kennen – oftmals sind die unglaubwürdigsten Anekdoten höchstwahrscheinlich doch genau so geschehen.
Geschichtlich fand ich dieses Buch auch sehr ansprechend. Zu Beginn des Buches lernen wir den König Ethelred, der Unberatene kennen. An seiner Seite steht seine Frau, die schlaue und bedachte Emma. Sie hadert mit ihrem Schicksal, ist der Gemahl an ihrer Seite doch leider kein kluger König. Es dauert nicht lange und Ethelred verstirbt. Der Kampf um den Thron beginnt und auch die Dänen erheben Anspruch auf den Thron. Ich fand den geschichtlichen Hintergrund hier sehr informativ und mir persönlich hat es Freude bereitet, dass dieses Stück Geschichte beleuchtet wurde. Lernen wir doch auch König Knud besser kennen. Auch die Darstellung von Emma fand ich gelungen und konnte mich überzeugen. Sie ist eine gute Strategin und hat politisches Talent. Doch nicht immer ist sie eine gute Mutter. Besonders hat mich jedoch die Charakterdarstellung von Edward begeistern können. Dieser historische Charakter war gut gezeichnet. Seine Passagen haben mir immer besonders gefallen und nur zu gerne habe ich gelesen, wie es ihm ergangen ist und was für Hürden er meistern musste. Die historische Person des Mönches Eilmer of Malmesbury hat mir persönlich auf sehr zugesagt. Ich mochte seine gebildete Art und auch, wie er die Welt sieht. Er war kein allzu strenger Kirchenanhänger und hatte wohl eine recht offene Art. Er hat dieses Buch meiner Meinung nach sehr bereichert, seine Passagen haben mir immer besonders gut gefallen.
Mit Aelfric hat Gable einen Helmsby als fiktiven Protagonist geschrieben, welcher typische Heldeneigenschaften hat. Er steht Königin Emma mit Rat und Tat beiseite, auf ihn ist Verlass und nicht selten war seine Hilfe für Emma essentiell, sie konnte sich auf ihn verlassen. Aelfric ist ein hilfsbereiter Mann mit einem guten Herzen. Und da kommen wir, meiner Meinung nach, zu seiner Schwachstelle. Es gibt einige Stellen, da war mir Aelfric zu nachsichtig. Sein Vetter Offa ist quasi sein Gegenpart – die beiden sind sich nicht immer einig und stehen auf unterschiedlichen Seiten. Innerhalb des Buches gibt es einige Streitigkeiten und auch Gewalttaten zwischen den beiden und dennoch zeigt Aelfric immer Nachsicht und verzeiht Offa. Dies hat am Ende katastrophale Folgen und dennoch hat er eher Mitleid für Offa. Dies war mir persönlich nicht ganz authentisch. Auch hätte ich mir gewünscht, dass seine besondere Freundschaft zu dem Dänen Hakon und auch dem Mönch Eilmer ein bisschen mehr in den Fokus gerückt wird. Meiner Meinung nach wurde hier Potential zu Gunsten von der ein oder andere Liebesgeschichte verschenkt.
Dafür hat mir Penda, der Sohn von Aelfric gut gefallen. Als Leser begleiten wir ihn als kleiner Junge bis zu einem Erwachsenen und sind an seiner Seite, wenn er in der Fremde sich behaupten muss und dabei seinen Weg suchen muss. Seine Geschichte und auch seine Charakterentwicklung fand ich ganz gelungen. Lediglich seine Liebesgeschichte fand ich persönlich nicht so überzeugend.
Allgemein gibt es hier die ein oder andere Liebesszene. Diese fand ich persönlich nicht immer passend. Aber dies ist bekannter Maßen Geschmackssache. Dafür fand ich die kriegerischen Szenen und auch die Schlachten besser dargestellt. Als Leser hat man einen umfangreichen Eindruck erhalten, ohne dass Gable hier zu sehr ins Detail gegangen ist.
Insgesamt konnte mich der historische Roman „Rabenthron“ von Rebecca Gable in den Bann ziehen. Man merkt diesem Buch die umfangreiche Recherchearbeit an und durch den flüssigen Erzählstil merkt man gar nicht, dass dieses Werk so umfangreich ist – als Leser kann man sich gekonnt in der Geschichte und den Charakteren fallen lassen. Jedoch gab es meiner Meinung nach ein paar kleine Kritikpunkte. Die zwischenmenschlichen Beziehungen hätten hier in Bezug auf Aelfric, Hakon und Eilmer mehr in den Mittelpunkt gerückt werden können. Deswegen möchte ich 4 Sterne vergeben und spreche auch eine Leseempfehlung für Liebhaber von historischen Romanen aus.