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Veröffentlicht am 27.08.2025

Hunger und Zorn

Hunger und Zorn
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Mit „Hunger und Zorn“ hat Alice Renard ihren Debütroman geschrieben, welcher ein eigenständiges Buch ist. Dieser Roman ist ein besonders Werk, handelt es von einem neurodivergenten Mädchen und wie sie ...

Mit „Hunger und Zorn“ hat Alice Renard ihren Debütroman geschrieben, welcher ein eigenständiges Buch ist. Dieser Roman ist ein besonders Werk, handelt es von einem neurodivergenten Mädchen und wie sie sich selbst und auch ihre nähere Umwelt es wahrnehmen.

Klappentext:
Wenn die kleine Isor von ihren Streifzügen zurückkehrt, kann ihre Mutter nur erahnen, wo sie war. Mit den Fingern löst sie die Zöpfe der Tochter, findet Löwenzahnblüten, Grashalme, einen Käfer. Erzählen wird Isor nichts – denn Isor ist nicht wie andere Kinder. Sie spricht nicht, lernt nicht, lebt in stummen Gedanken und tobenden Wutausbrüchen. Gefangen in einer Realität, die nicht die ihre ist, treibt sie ihre Eltern in die Verzweiflung. Bis sie eines Tages auf Lucien von nebenan trifft und in dem vorsichtigen, einsamen Alten eine verwandte Seele erkennt.

Bei diesem Roman hat mich der Klappentext neugierig gemacht. Es klang nach einem besonderen und berührenden Werk und ich muss gestehen, dass ich keine großen Erwartungen an dieses Buch hatte. Daher war ich positiv überrascht, dass mich dieses Werk so bewegt hat.
Der Debütroman ist in drei Abschnitte unterteilt, indem unterschiedliche Protagonisten zu Wort kommen. Ich finde es gelungen, wie Renard hier mit der Sprache spielt. Die jeweiligen Charaktere haben unterschiedliche Ausdrucksweise, zusätzlich zu ihrer verschiedenen Ansicht zur aktuellen Situation. Dies führt dazu, dass man sich als Leser besser orientieren kann, wer hier das Wort hat. Aber auch, dass man sich besser in den jeweiligen Charakter einfinden kann und ihn dadurch noch mal besser kennen lernt. Gekonnt schafft es Renard hier eine dichte Atmosphäre und ein passendes Erzähltempo zu wählen. Als Leser merkt man gar nicht, wie die Seiten nur so dahinfliegen. Immer tiefer gelangt man in diesen Strudel und möchte wissen, wie es mit dem neurodivergenten Mädchen Isor weitergeht, wie sie ihren Weg geht.
Im ersten Teil wird die Geschichte aus der Sicht der Eltern erzählt. Sie müssen erkennen, dass ihr Mädchen Isor anders ist, dass sie etwas Besonderes ist und wohl nie so wie andere Mädchen in ihrem Alter sein wird. Man merkt den Eltern an, dass sie an ihre Grenzen kommen und dass sie allgemein mit der Situation überfordert sind. Aber dennoch versuchen sie ihr bestes und geben sich Mühe, sie gehen auf Isor ein und erkennen, was ihr Freude bereitet oder was ihr nicht so gut tut. Die Mutter spricht voller Liebe von Isor und man merkt ihr an, wie erschüttert sie ist, dass Isor anders ist. Dennoch hat sie Angst und stößt an ihre Grenzen. Der Vater ist oftmals überfordert und hat ebenso seine Zweifel. Teilweise arbeiten die beiden als ein gutes Team zusammen, aber es gibt auch Momente, wo sich beide uneinig sind. Im Grunde eine alltägliche Situation, stellenweise haben sie verschiedene Ansätze und Sichtweisen. Dennoch ist auf jeder Seite zu spüren, wie sie mit Isor ihr Bestes geben und ihr ein gutes Leben geben wollen. Oftmals ist die Verzweiflung zu erkennen, wie beide an ihre Grenzen stoßen. Ich fand diesen Abschnitt sehr bewegend. Die Eltern sind hin- und hergerissen. Sie versuchen, Isor so viel Liebe zu geben und dennoch ist es für die beiden kein einfaches Leben.
Im zweiten Teil wird aus der Perspektive von dem älteren Nachbarn Lucien erzählt. Er hatte bisher nur wenige Berührungspunkte mit Isor, bis sich dies schlagartig von einem Tag auf den anderen ändert. Dies passiert auch nur wegen einem Zufall, Lucien soll auf Grund eines Handwerker- Notfalls auf Isor aufpassen. Daraus entwickelt sich eine tiefe und wunderbare Freundschaft zwischen den beiden, welche sehr bewegend ist. Lucien akzeptiert Isor so, wie sie ist. Seine Sicht auf dieses Mädchen ist viel offener und nicht so voller Zwänge. Er geht auf sie ein und versucht Isor zu verstehen, möchte sie glücklich machen und dabei entwickeln die beiden gemeinsame Hobbies. Am Ende des zweiten Abschnittes pflegen die beiden eine besondere und innige Freundschaft und es hat mir Freude bereitet, mitzuerleben wie diese tiefe Beziehung aufgebaut wird. Diesen Teil habe ich sehr genossen, erlebt man hier Isor noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive und lernt neue Facetten an ihr.
Im dritten Teil kommt Isor selbst zu Wort. Als Leser bekommt man Einblicke in ihre Gedankengänge und lernt sie noch einmal mit ganz anderen Facetten kennen. Diese Eindrücke fand ich sehr gelungen und interessant. Jedoch bin ich bezüglich der Entwicklung von Isor etwas skeptisch. Ist solch eine Weiterentwicklung realistisch? Hier musste ich mir bewusstwerden, dass dies ein Roman ist und nicht immer alles realistisch sein muss. Für mich persönlich, hat dieser Abschnitt den realistischen Rahmen gesprengt und ist eher in den Bereich der Fiktion abgedriftet. Aber teilweise ist man auch überrascht, was der Mensch alles leisten kann. Daher hat mir zum Ende hin auch dieser Abschnitt auch wieder gefallen und ich habe mich für Isor gefreut, dass sie ihren Weg gegangen ist und ihr eigenes Leben gelebt hat.

Insgesamt hat Alice Renard mit „Hunger und Zorn“ einen berührenden und bewegenden Roman geschrieben, welcher den Leser nachdenklich zurücklässt. Es ist auf jeden Fall ein Werk, welches nachklingt und auch wenn man das Buch am Ende zuklappt, so bleibt einem der Inhalt noch länger im Gedächtnis. Von mir gibt es für diesen Debütroman 4 Sterne.

Veröffentlicht am 14.08.2025

Das Haus der Bücher und Schatten

Das Haus der Bücher und Schatten
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Der Autor Kai Meyer ist mit seinem historischen Roman „Das Haus der Bücher und Schatten“ erneut in das historische Graphische Viertel in Leipzig zurückgekehrt. Auch wenn man die anderen Romane „Die Bücher, ...

Der Autor Kai Meyer ist mit seinem historischen Roman „Das Haus der Bücher und Schatten“ erneut in das historische Graphische Viertel in Leipzig zurückgekehrt. Auch wenn man die anderen Romane „Die Bücher, der Junge und die Nacht“ und „Die Bibliothek im Nebel“, welche ebenfalls dort angesiedelt sind, nicht gelesen hat, kann man dieses Werk ohne Probleme lesen, da die jeweiligen Haupthandlungen unabhängig voneinander sind.

Klappentext:
Baltikum, kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs. Tiefer Schnee und endlose Wälder schneiden ein Herrenhaus von der Welt ab. Hierher reist die junge Lektorin Paula Engel aus Leipzig, um das Manuskript des Schriftstellers Aschenbrand einzusehen. Paula und ihr Verlobter Jonathan begegnen einem faszinierenden Exzentriker, der ein dunkles Mysterium wahrt.
Leipzig, 1933. Im legendären Graphischen Viertel rettet der von den Nazis entlassene Kommissar Cornelius Frey einem Mädchen das Leben. Bei ihrem Abschied flüstert sie »Sie weinen alle im Keller ohne Treppe«. In der nächsten Nacht liegt sie ermordet neben einem toten Polizisten. Auf der Spur des Mörders kämpft Cornelius sich zurück in seinen alten Beruf und stößt auf ein Netz aus Okkultisten und Verschwörern, Freimaurern und Fanatikern. In welcher Verbindung standen sie zu Paula und Jonathan, die vor zwanzig Jahren spurlos im Baltikum verschwanden?

Aus der Feder von dem bekannten Autor Kai Meyer habe ich schon einige Bücher gelesen. Schon einige Jahre in meinem Leben hat er mich mit seinen Werken begleitet und mich dabei berührt. Bisher konnte er mich immer wieder begeistern und seine Bücher auf die unterschiedlichste Weise in ihren Bann ziehen. Daher waren meine Anforderungen und Erwartungen an dieses historische Werk recht hoch, auch weil ich zu Leipzig eine besondere Bindung habe und ich wurde nicht enttäuscht.
Wie ich es bereits aus anderen Werken, welche ich von dem Autor Kai Meyer gelesen habe, gewohnt war, war auch dieses Mal der Schreibstil wieder sehr angenehm. Dies hat dazu geführt, dass sich der historische Roman zügig und flüssig lesen gelassen hat. Meyer schreibt sehr fesselnd und bildgewaltig. Sofort wird hier gekonnt eine dichte und packende Atmosphäre aufgebaut, sodass der Leser dabei in bereits vergangene Zeiten befördert wird. Man hat das Gefühl, dass man mitten im Geschehen ist und selbst an der Handlung teilnimmt. Mit liebevollen Details werden dabei die Schauplätze beschrieben, ohne sich jedoch zu sehr im Detail zu verlieren. Der Lesefluss wird durch Beschreibungen der Örtlichkeiten nicht gestört- im Gegenteil die Handlung wird gekonnt dadurch abgerundet. Daher ist es nicht verwunderlich, dass beim Lesen vor meinem geistigen Auge ein genaues Bild der Lokalitäten und auch Charakteren hervorgerufen wurde. Im Werk „Das Haus der Bücher und Schatten“ gibt es mehrere Zeitsprünge, Wechsel der Örtlichkeiten und auch Perspektivenwechsel. Es ist wirklich spannend mit zu verfolgen, wie die Geschichte aus den verschiedenen Facetten und Strängen aufgebaut wird. Erst langsam, aber stetig, erkennt man die Zusammenhänge, es ergibt sich ein Bild – sowohl von den Perspektiven als auch von den unterschiedlichen Zeitepochen, wie diese Stränge zusammenhängen und welchen Bezug sie zu den jeweils anderen haben. In dem einen Strang fährt eine junge Lektorin im Jahre 1913 mit ihrem Verlobten ins verlassene Livland. Sie wollen den Fortschritt eines Manuskriptes zu einem Buch feststellen und daher wollen sie den Autor besuchen und Druck ausüben. In dem anderen Erzählstrang ermittelt der Kommissar Cornelius Frey in einem Mordfall an einem jungen Mädchen, welchem er kurz vorher erst begegnet ist. Der Fall scheint recht mysteriös und so begibt er sich auf eine geheimnisvolle Suche, welche in die Untiefen von Leipzig führt. So langsam setzen sich die einzelnen Perspektiven wie ein Puzzle zusammen und am Ende erkennt der Leser, wie die beiden Erzählungen zusammenhängen. Hierbei fand ich alle Perspektiven sehr ansprechend, jede auf seine spezielle Art und Weise – jede hat etwas Besonderes zu bieten – ein gewisser Krimiaspekt ist in beiden enthalten, sodass ich mich nicht entscheiden kann, welcher mir persönlich am besten gefallen hat.
Das Buch ist nur bedingt temporeich, auch der Kriminalfall und die Ermittlungen in diesem gehen nur langsam voran. Dennoch liest sich dieser historische Roman durchaus spannend. Auf recht unterschiedliche Weise gelingt es dem Autor hier Spannung zu erzeugen, welcher vor allem durch die Schicksalsschläge und dramatischen Situationen der jeweiligen Charaktere bestimmt wird. Dies hatte zur Folge, dass ich gebannt an den Seiten gehangen habe und das Buch nur ungern wieder aus der Hand gelegt habe.
Ansprechend fand ich auch den historischen Rahmen, welche in diesem Roman angesprochen wird. Hier wird gekonnt Fakten und Fiktion miteinander vermengt. Man merkt diesem Werk an, dass der Autor gut und umfangreich recherchiert hat. Es gibt einige Situationen, welche mich zum Nachdenken angeregt haben. Auch das Thema rund um die Geisterbeschwörungen und Séancen finde ich recht vielversprechend. Ledigliches Manko: ein fehlendes Nachwort. Nur zu gerne hätte ich ein Nachwort hierzu gehabt, indem der Autor nochmal auf historische Gegebenheiten oder Eckdaten eingeht und nochmal von der Fiktion trennt.
Nicht vollständig konnten mich leider die Charaktere überzeugen. Sie wirkten auf mich teilweise etwas eindimensional. Sie sind mir allesamt nicht wirklich ans Herz gewachsen, auch habe ich nicht mit ihnen mitgelitten. Lediglich der Kommissar Cornelius Frey war mir persönlich sympathisch. Er hatte seine Prinzipien und ist für diese eingestanden, auch wenn dies nicht immer zu seinem persönlichen Vorteil war. Die anderen Charaktere mussten ebenfalls einiges erleiden. Jedoch haben mich dessen Schicksalsschläge nicht so berührt. Dennoch hat es mir Spaß gemacht, ihre Geschichte mitzuverfolgen, ich wollte wissen, wie es weitergeht und was hinter diesen Taten steckt.

Insgesamt konnte mich der Autor Kai Meyer mit seinem historischen Roman „Das Haus der Bücher und Schatten“ in längst vergangene Zeiten entführen und es hat mir Spaß gemacht, die einzelnen Erzählstränge mitzuverfolgen. Auch der historische Rahmen wurde gekonnt umgesetzt und hat dem Buch zusätzlich Leben eingehaucht. Von mir gibt es 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 23.07.2025

Vertrauen kann tödlich sein

The Serpent and the Wolf
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Mit ihrem Fantasyroman „The serpent and the wolf – Vertrauen kann tödlich sein. Liebe erst recht“ hat Rebecca Robinson ihren Debütroman geschrieben. Dies ist ein Reihenauftakt und kann daher ohne Vorkenntnisse ...

Mit ihrem Fantasyroman „The serpent and the wolf – Vertrauen kann tödlich sein. Liebe erst recht“ hat Rebecca Robinson ihren Debütroman geschrieben. Dies ist ein Reihenauftakt und kann daher ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Klappentext:
Die Königstochter Vaasa hat nur ein Ziel: nicht als Braut an den Herrscher des verfeindeten Königreichs verkauft zu werden. Noch in der Hochzeitsnacht will sie deshalb ihren neuen Ehemann umbringen. Doch dieser stellt sich nicht nur als überraschend charmant und attraktiv heraus – er bietet ihr auch einen Handel an. Denn Reid ist der Einzige, der Vaasa helfen kann, ihre zerstörerische Magie zu kontrollieren. Vaasa lässt sich auf ein riskantes Spiel zwischen den beiden Königreichen ein – und stellt bald alles infrage, woran sie je geglaubt hat. Nie hätte sie erwartet, dass sie sich ausgerechnet bei ihren Gegnern zum ersten Mal willkommen fühlen würde. Und dass ihr Bündnis mit Reid zu einer Gefahr für ihr Herz werden könnte – und für ihr Leben …

Beim Lesen des Klappentextes war ich persönlich mir nicht sicher, ob dies ein Buch nach meinem Geschmack sein könnte. Ich war skeptisch, aber es gab ein paar Aspekte, welche mich neugierig gemacht haben. Daher hatte ich keine großen Erwartungen an dieses Buch, und ich wurde sogar positiv von diesem Debütroman überrascht.
Zunächst möchte ich die Gestaltung positiv erwähnen. Mir persönlich haben die Covergestaltung und auch der Farbschnitt ganz gut gefallen, vielleicht war dies für mich auch ein Anreiz zu diesem Buch zu greifen. Aber gelungen ist auf jeden Fall auch die hilfreiche Karte, welche ich während des Lesens nur zu gerne zu Rate gezogen habe.
Der Erzählstil ist packend und flüssig, sodass man nur so durch die Seiten hindurchfliegt. Auch entsteht während des Lesens eine Art Sogwirkung, ich wollte einfach wissen, wie die Geschichte weitergeht. Ich habe mitgefiebert und habe gebannt an den Seiten gehangen. Auch fand ich das Setting recht ansprechend, gekonnt wurde hier auch eine Atmosphäre aufgebaut. Zu Beginn des Buches wird man sofort mitten in die Handlung hineingeworfen und bekommt schon einmal einen ersten Eindruck von den Protagonisten. Mir persönlich hat dies ganz gut gefallen, war man sofort mitten in der Geschichte drin. Gelungen fand ich hier auch das Worldbuilding. Man lernt diese zum Teil recht grausame Welt Stück für Stück besser kennen, entdeckt immer neue Facetten von dieser. Es werden einige politische Intrigen und auch Machtgefüge angesprochen, auf manche Völker und Länder wird hier auch näher eingegangen. Ich persönlich fand dies sehr interessant, haben sie die Welt greifbarer gemacht. Auch fand ich, dass es dazu führt, dass man das Verhalten der Protagonisten besser nachvollziehen kann. Mir haben die Ausführungen in die politischen Konstellationen recht gut gefallen. Ansprechend fand ich hier auch das Magiesystem. Zusammen mit Vaasa lernt man dieses immer besser kennen, auch hier gibt es einige Facetten zu entdecken. Ich würde mir dazu noch mehr Informationen wünschen. Aber ich kann mir vorstellen, da dies erst der Reihenauftakt ist, dass noch mehr Details zum Magiesystem in die Reihe eingebaut werden. Es hat Potential und ich würde mir wünschen, dass dies weiter ausgebaut wird.
Auch die Protagonisten Vaasa und Reid konnten mich überzeugen. Vaasa ist eine recht impulsive junge Frau, welche bisher kein einfaches Leben hatte. Sie ist eine Königstochter und wurde politisch vermählt. Auch scheint ihr Bruder eine große Bedrohung für sie zu sein und von ihrem Vater wurde sie auf ihre politische Rolle vorbereitet, sodass sie vielseitiges Wissen hat. Vaasa ist auf der einen Seite eine starke Frau, welche für sich selbst und auch ihre Liebsten kämpfen kann. Sie sagt von sich selbst, dass sie politisch gut ausgebildet wurde und auch kämpferisch einiges zu bieten hat. Und dann ist sie auf der anderen Seite wieder recht naiv und lässt sich von ihren Gefühlen verleiten. Besonders in Bezug auf ihren Bruder ist sie stark emotional und teilweise blind davon. Der männliche Gegenpart ist hier Reid, er ist ein Kämpfer mit einer wirklich warmen und sympathischen Art. Er ist humorvoll und rücksichtvoll, er hat ein großes Herz. Er kann aber auch harte Seiten entwickeln, besonders wenn er sich für seine Liebsten oder sein Volk einsetzt. Ich fand, dass die beiden ein gelungenes Pairing dargestellt hat. Es hat mir Spaß gemacht, dem Schlagabtausch der beiden mitzuverfolgen und sie haben sich gegenseitig gut ergänzt. Auch hat sich die anbahnende Liebesgeschichte zwischen den beiden gut in die Haupthandlung eingefügt, ohne allzu dominant zu sein. Allgemein fand ich die Charakterdarstellungen hier gelungen. Die Nebencharaktere hatten ebenso ihren Hintergrund samt Beweggründe und haben dieses Werk noch zusätzlich bereichert. In manchen Szenen hätte ich mir noch mehr Tiefgang gewünscht, aber dies hätte vielleicht auch den Rahmen des Buches gesprengt.
Am Ende gab es noch einen fiesen Cliffhanger, sodass man am liebsten sofort weiterlesen möchte. Ich würde nur zu gerne wissen, wie die Geschichte weitergeht.

Insgesamt konnte mich Rebecca Robinson mit ihrem Debütroman „The serpent and the wolf – Vertrauen kann tödlich sein. Liebe erst recht“ positiv überrascht. Mir persönlich haben die Geschichte und das Magiesystem gut gefallen. Auch die Charaktere fand ich überzeugend. Von mir gibt es 4 Sterne und ich bin schon sehr auf den nächsten Band gespannt.

Veröffentlicht am 17.06.2025

Kiki und die andere Hexe

Kikis kleiner Lieferservice 3: Kiki und die andere Hexe
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Das Kinderbuch „Kikis und die andere Hexe“ stammt aus der Feder von Eiko Kadono und wurde damals schon als Literaturverfilmung/ Anime bekannt. Nun wurde es als Buch neu aufgelegt. Dies ist bereits der ...

Das Kinderbuch „Kikis und die andere Hexe“ stammt aus der Feder von Eiko Kadono und wurde damals schon als Literaturverfilmung/ Anime bekannt. Nun wurde es als Buch neu aufgelegt. Dies ist bereits der dritte Band der Reihe rund um die kleine Hexe Kiki und ihre schwarze Katze Jiji. Es lässt sich jedoch auch ohne Probleme ohne Vorkenntnisse lesen.

Klappentext:
Kiki ist nun sechzehn Jahre alt. Zum vierten Mal kehrt in Koriko der Frühling ein, seit sie sich in der Stadt niederließ. Als eines Tages aus heiterem Himmel die zwölfjährige Keke auftaucht, wird Kikis Leben ordentlich durcheinandergewirbelt. Das freigeistige und schelmische Mädchen, das wundersame Kräfte zu besitzen scheint, schürt in Kiki viele Zweifel an sich und ihrem Dasein als Hexe. Um diese Krise zu überstehen und über sich hinauszuwachsen, muss Kiki zu sich selbst zurückfinden und lernen, was für sie wirklich wichtig ist.

Bereits die ersten beiden Bände rund um Kikis kleinen Lieferservice konnten mich positiv überraschen und daher ist es nicht verwunderlich, dass sich nur allzu schnell diese kleine Hexe mit ihrem schwarzen Hexenkater in mein Leserherz geschlichen hat. Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit den beiden weitergeht und habe mich voller Vorfreude auf den dritten Band der Reihe gestürzt.
Auch dieses Mal fällt die Gestaltung positiv ins Auge. Innerhalb der Kapitel sind ein paar liebevolle schwarz- weiß Illustrationen beigefügt worden. Diese ergänzen den Inhalt des Buches ganz gut, runden es ab. Sie stellen einen kleinen Blickfang innerhalb des Kinderbuches dar und sind ansprechend.
Der Schreibstil ist, wie ich es bereits aus den vorherigen Büchern rund um Kiki und Jiji gewohnt war, leicht und einfach gehalten – entsprechend einem Kinderbuch ist die Schriftgröße auch größer gewählt. Auch dieses Mal schwingt wieder ein gewisser Humor mit – all dies führt dazu, dass sich das Buch wieder zügig und angenehm lesen lässt. Bei mir haben die Bücher über Kiki den Effekt, dass ich den Alltag vergessen kann und ich habe mich auf die zauberhaften und unterhaltsamen Abenteuer der kleinen Hexe mit ihrem schwarzen Kater Jiji gefreut. Auch der dritte Band der Reihe ist kurzweilig und perfekt für einen gemütlichen Abend geeignet. Es hat eine angenehm leichte Grundstimmung, welches sich für eine cozy Stimmung eignet. Man fliegt hier quasi mit Besentempo durch die Seiten und begleitet die kleine Hexe Kiki bei ihren Aufgaben.
Auch in „Kiki und die andere Hexe“ muss sich die kleine Hexe Kiki neuen Aufgaben stellen und die ein oder andere Hürde meistern. Mittlerweile ist Kiki sechzehn Jahre alt und ist im Vergleich zu den vorherigen Bänden reifer und erwachsener geworden. Ein wichtiges Thema ist in diesem Band der Weg zur Selbstfindung. Kiki muss ihren Weg gehen und ist stellenweise recht nachdenklich. Die junge Hexe hat sich auf jeden Fall deutlich weiter entwickelt und ist nicht mehr so naiv wie zu Beginn der Buchreihe. Aber auch der Kater Jiji wirkt gereift und ist oftmals mit seinen Gedanken bei für ihn wichtigen Themen. Die beiden gehen ihren Gedankengängen nach und da ist es nicht verwunderlich, dass die beiden auch mal einen Konflikt austragen. Sie sind nicht immer einer Meinung und diskutieren dies aus. Doch dieses Mal geht Jiji für kurze Zeit seinen eigenen Weg und macht dabei seine eigenen Erfahrungen, was für ihn ebenso wichtig ist wie auch für Kiki. So lernen sie, dass sie den anderen in solchen Situationen vermissen.
Ein zentrales Thema ist auch die Eifersucht, welche Kiki für die andere Hexe Keke entwickelt. In ihrer Stadt scheint sich eine andere Hexe angesiedelt zu haben und Kiki muss feststellen, dass sie eifersüchtig ist. Ihr gefällt es nicht, wie sich Keke in die Stadt einfügt und sich mit den Stadtbewohnern anfreundet. Besonders, dass sie sich mit dem Aeronautik- Klub anfreundet und dort zu einem wichtigen Bestandteil wird, ärgert Kiki. Keke scheint sich mit Tombo anzufreunden und sie hilft ihm bei einem Problem, was natürlich Eindruck schindet. Kiki ist eifersüchtig auf Keke und dies bietet einiges an Konfliktpotential. Man merkt dem Kinderbuch „Kiki und die andere Hexe“ deutlich an, dass die Kiki an ihren Aufgaben gewachsen ist und nicht immer alles nur positiv sieht, sie wirkt nachdenklicher. Im Vergleich zu den ersten beiden Bänden ist dieser Folgeband auf jeden Fall melancholischer in seiner Grundstimmung. Aber dennoch bleibt der positive Grundgedanke erhalten, eine cozy Stimmung ist dennoch spürbar. Dieser ernstere Unterton nimmt in diesem Kinderbuch keine Überhand, er wirkt nicht zu dominant. Ich finde, dass die Autorin Kadono auch dieses Mal eine gelungene Balance gefunden hat.
Die andere Hexe Keke ist größtenteils unsympathisch dargestellt, was dazu führt, dass man mit Kiki mitleidet. Sie provoziert Kiki ganz bewusst, sowohl mit ihren Worten als auch mit ihren Taten. Die ist vorlaut und unfreundlich gegenüber Kiki. Zu den restlichen Stadtbewohnern ist sie überfreundlich. Die Freundlichkeit von Kiki wird aber ausgenutzt und ihren persönlichen Raum ignoriert sie, übertritt gewisse Grenzen. Die Auflösung am Ende, was es mit Keke auf sich hat, wo sie herkommt, fand ich persönlich nicht zu hundertprozentig zufriedenstellend, aber dies ist natürlich Geschmackssache.
Interessant fand ich, dass man auch dieses Mal wieder Einblicke in den Alltag der anderen Stadtbewohner bekommen hat. Man erfährt, was sie beschäftigt und was ihnen wichtig ist, hat als Leser Anteil an dem Leben der Bewohner von Koriko.

Insgesamt konnte mich die Autorin Eiko Kadono auch mit dem dritten Band „Kiki und die andere Hexe“ wieder gut unterhalten, es war so ein herzerwärmendes Buch. Die Geschichte und auch Kiki und Jiji sind reifer geworden. Ich möchte für dieses Buch 4 Sterne vergeben. Und ich bin schon gespannt, welche Abenteuer Kiki und ihr Lieferdienst noch bestreiten werden.

Veröffentlicht am 25.05.2025

Die Winterschwestern

Die Winterschwestern
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Das Kinderbuch „Die Winterschwestern“ stammt aus der Feder von Jolan C. Bertrand. Dies ist ein eigenständiges Buch und kann daher problemlos ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Von Seiten des Verlages wird ...

Das Kinderbuch „Die Winterschwestern“ stammt aus der Feder von Jolan C. Bertrand. Dies ist ein eigenständiges Buch und kann daher problemlos ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Von Seiten des Verlages wird dieses Buch ab 9 Jahren empfohlen, ich persönlich sehe dies ähnlich.

Klappentext:
Um die kleine Winterschwester zu finden und seinen Onkel Ragnar aus den Fängen der großen Winterschwester zu retten, muss der Wikingerjunge Alfred ein großes Abenteuer bestehen. Nicht nur die Wälder des Nordens, versunken in Eis und Schnee, verlangen Alfred einiges ab, auch der Zauber der geheimnisvollen Füchsin stellt ihn auf eine harte Probe. Es ist an der Zeit, zu beweisen, dass er nicht nur mutig, sondern auch sehr schlau ist.

Mich persönlich hat hier das nordische Setting interessiert und ich war auf die Umsetzung der Winterschwestern gespannt. Daher habe ich mich ohne große Erwartungen auf dieses Kinderbuch eingelassen und ich wurde positiv überrascht.
Zuerst möchte ich die wundervollen Illustrationen von Chevalier Gambette betonen. Hier hat der Künstler ansprechende Zeichnungen gezaubert, sodass man sich bestimmte Szenen aus dem Buch noch besser vorstellen kann. Gerne habe ich mir seine Illustrationen angeschaut und habe dabei noch das ein oder andere Detail entdeckt.
Der Schreibstil des Autors Bertrand ist bildhaft und für das empfohlene Alter angemessen. Er schafft es gekonnt, eine gelungene Winteratmosphäre zu erschaffen, sodass man als Leser das Gefühl hat, dass man zusammen mit dem Protagonisten durch den Schnee wandert. Bei „Die Winterschwestern“ ist die Grundstimmung etwas düsterer, aber es gibt auch freudigere Szenen. Dennoch ist dies für sensiblere Kinder vielleicht zu beachten. Ich persönlich mochte diese leichte nordische düstere Atmosphäre sehr gerne. Auch hat dieses Kinderbuch parallelen zu einem mystischen Märchen. Es gibt Abenteuer, welche gemeistert werden müssen und einen Bösewicht. Auch hat der Protagonist Alfred eine wichtige Aufgabe, welche er erfolgreich abschließen will. Dabei muss er einige Hürden meistern und sich gegen stärkere, teils magische Wesen behaupten. Es gibt in dieser Geschichte wirklich viel zu entdecken und es hat mir Spaß gemacht, diese an der Seite von Alfred zu erkunden. Innerhalb dieses Buches wird permanent die Spannung hochgehalten und es gibt immer neue Wesen zu entdecken. Auf vielseitige Weise wird Spannung erzeugt und als Leser hängt man gebannt an den Seiten und erfreut sich über jede einzelne Illustration.
Positiv möchte ich erwähnen, dass in diesem Kinderbuch einige tiefgründige und auch wichtige Denkanstöße gegeben werden. Hier werden auch ernste Themen angesprochen und werden ganz natürlich in die Haupthandlung eingebunden. Dies hat mir wahrlich gut gefallen. Zum Beispiel wird hier das Thema Depressionen angerissen und endtabuisiert. Aber auch die Familie und der Zusammenhalt einer Gemeinschaft spielt eine wichtige Rolle und es wird in den Mittelpunkt gestellt, wie wichtig diese für einen einzelnen sein kann. Oder auch Geschwisterliebe. Dass der Verlust einer Schwester die andere in tiefe Traurigkeit stürzen kann, auch wenn man vorher nicht immer einer Meinung war.
In diesem Werk möchte der junge Alfred seinen Onkel Ragnar suchen. Dieser hat eine wichtige Aufgabe übertragen bekommen und hat sich dabei wohl im Schneechaos verirrt. Dabei muss er einige Hürden meistern und gelangt dabei selbst in Gefahr. Nicht immer ist die Situation für ihn einfach und bald stellt sich heraus, dass all dies mit dem Verschwinden der kleinen Schwester zusammenhängt. Eine magische Suche beginnt und hierbei lernt man einige wunderbare Charaktere kennen. Ich fand das Zusammenspiel von Alfred und der kleinen Winterschwester sehr unterhaltsam und auch die Suche nach dem Onkel Ragnar hat mir persönlich gut gefallen.
Das Ende hat mir persönlich ganz gut gefallen, hat es das Buch gekonnt abgerundet. Vielleicht hätte ich mir noch ein paar Ausführungen mehr dazu gewünscht, aber dies ist wahrlich Geschmackssache.
Auf den letzten Seiten ist noch ein Glossar beigefügt worden. In diesem wird auf die nordischen Götter eingegangen.

Insgesamt konnte mich der Autor Jolan C. Bertrand mit „Die Winterschwestern“ gekonnt unterhalten und die Illustrationen von Chevalier Gambette haben dieses Werk noch zusätzlich bereichert. Ich finde, es ist ein gelungenes mystisches Wintermärchen. Hierfür möchte ich 4 Sterne vergeben.