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Veröffentlicht am 26.07.2025

Die Schöne und das Biest 2.0

Solitude 1: Devour the Light
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Zunächst mein Tipp: Lest zuerst das Glossar am Buchende, das erleichtert das Verständnis des Worldbuilding.

F. M. Winkel entführt uns für ihre neue Dark Romantasy in eine düstere Welt voller Schrecken ...

Zunächst mein Tipp: Lest zuerst das Glossar am Buchende, das erleichtert das Verständnis des Worldbuilding.

F. M. Winkel entführt uns für ihre neue Dark Romantasy in eine düstere Welt voller Schrecken und Hass. Hier verlieben sich zwei, die natürliche Feinde sein sollten. Eine Assassine, die ihre Welt vor den Schattenwesen schützen soll und der Schattengott selbst, der genau diese befehligt. Zerrissen zwischen Liebe und Pflicht löst dieses Paar dramatische Ereignisse aus, die vielen den Tod bringen. Louves und Eneans Geschichte zieht den Leser sofort in ihren Bann und fesselt bis zum Schluss. Die Erzählung durchzieht Dunkelheit und eine konstant düstere Stimmung.

Als Louve vier Jahre alt ist, verändert sich ihr Leben innerhalb eines Augenblicks auf schreckliche Weise: Ihre Eltern werden ermordet und sie verliert gleichzeitig ihr Augenlicht. So verwundert es nicht, dass Louve sich zu einer zynischen jungen Frau entwickelt, die kaum Freunde hat und niemandem richtig vertraut. Sie ist inzwischen, nicht ganz freiwillig, eine Assassine. Im Dienst bewacht sie die Schattenbarriere und beschützt die Stadt Solitude, in ihrer Freizeit geht sie illegalen Schwarzmarktgeschäften nach. Ihr Ziel ist es, die Zitadelle der Assassinen zu verlassen. Trotz ihrer Sehbehinderung ist Louve eine der besten Kämpfer, wird aber mehr geduldet als geschätzt. Sie ist so tough wie zerbrechlich, zynisch und liebenswert zugleich, eine starke junge Frau. Besonders gefallen hat mir ihre Geistesgefährtin, die Grizzlydame Thuja.

Der Gegner, das ist die Gemeinschaft der Schattenwandler, tödliche Geschöpfe der Finsternis und des Bösen. Ihr Gott ist der riesige monströse Enean, der oberste Feind der Assassinen und der Stadt Solitude. Er ist mächtig, doch sein Schattenreich, ein Ort voller Qualen und Folter, langweilt ihn und er ist seiner Gestalt überdrüssig. Darüber hinaus ist er klug und witzig und am ehesten das, was Louve als Freund bezeichnen würde. Das darf natürlich keiner wissen.

Neben dem finsteren Schattenreich und der Zitadelle der Assassinen im Herzen Solitudes stehen zwei weitere Handlungsorte im Zentrum des Geschehens. Das erwähnte Solitude, eine düstere, aber moderne Stadt mit ausgeprägter Klassengesellschaft. Dort bilden Menschen das Prekariat, während die mächtigen Arzaé, elfenähnliche, teils magiebegabte Wesen, alles besitzen und beherrschen. Daneben existiert noch der Ort Dall, wüste Zuflucht der Mæscån, unerwünschter, verachteter Mischwesen aus Schattenwandlern, Menschen und Arzaé.

Um die Hauptcharaktere und an diesen Orten webt die Autorin eine spannende, meist actiongeladene Geschichte voller Verwicklungen, Ränke, Intrigen und großer Liebe. Sie wird aus der wechselnde Perspektive von Enean und Louve erzählt. F. M. Winkel schreibt flüssig und sie fesselt ihre Leser mühelos mit ihrem gelungenen Worldbuilding und den beiden Protagonisten im moralischen Dilemma: Einerseits das persönliche Glück, andrerseits die Pflicht bzw. Verantwortung gegenüber Dritten. Die Erzählung nimmt gegen Ende immer mehr an Tempo und Action zu. Teilweise sind die Kämpfe brutal, aber die Bosheit eines Charakters toppt alle Gewalt.

Band eins endet mit dem fiesesten Cliffhanger überhaupt. Für Band zwei bleiben genügend Fragen offen …

Von mir gibt es 4,5 Sterne - als kleine Kritik sei auf Längen im Mittelteil verwiesen - und eine Leseempfehlung an alle Fans von fantastischer Dark Romantasy in durchweg düsterer Atmosphäre.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Ein Stück Zeitgeschichte

Cartier. Der Glanz von Gold
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11.11.1918. Der Erste Weltkrieg endet und die Menschen atmen auf. Überall ist der Wunsch nach Neubeginn und Aufbruch zu spüren. Auch die drei Brüder Cartier, die mehr oder weniger gut die Schreckensjahre ...

11.11.1918. Der Erste Weltkrieg endet und die Menschen atmen auf. Überall ist der Wunsch nach Neubeginn und Aufbruch zu spüren. Auch die drei Brüder Cartier, die mehr oder weniger gut die Schreckensjahre überstanden haben, wollen ihr Geschäft zu neuem Glanz und Erfolg führen. Jeanne, Louis’ Geliebte, hat in Paris die Stellung erfolgreich gehalten und das „Maison Cartier“ durch die Kriegswirren gerettet. Nun übernimmt Louis wieder die Geschäftsführung und Jeanne wird Leiterin des „Silber-Departments“. Dank innovativer Ideen, z.B. der „Tank-Uhr“ prosperieren die Geschäfte der Cartiers in Paris, London und New York. Die „Goldenen Zwanziger“ erweisen sich als lukrativ für Juweliere der Spitzenklasse. Jeanne ist glücklich über Louis’ Rückkehr. Sie hofft, dass er ihr endlich den ersehnten Heiratsantrag macht …

Der zweite Teil der Familiensaga der „berühmtesten Juwelierfamilie der Welt“ beginnt an einem markanten Punkt der Zeitgeschichte. Sophie Villard fängt die Aufbruchstimmung der damaligen Epoche sehr gut ein und kleidet sie in anschauliche Bilder. Anhand der Entwicklung der Firma Cartier und ihrer Eigentümer einerseits und durch das Leben und die Träume des Charakters Jeanne andrerseits gelingt es ihr, ein breites Spektrum jener Zeit einzufangen. Die akribische Recherche Sophie Villards ist jederzeit angenehm spürbar. Sie schreibt flüssig und schafft es mühelos, ihre Leser zu fesseln. Die Protagonisten ihrer Saga überzeugen. Speziell der Charakter der Jeanne weckt Sympathie und Anteilnahme. Die Freude und Begeisterung für ihren Beruf ist ebenso leicht nachvollziehbar wie die große Liebe ihres Lebens, die gelegentlich schon an Besessenheit grenzt. Durch Jeannes enge Freundschaft mit Coco Chanel, die schon vor deren großem Erfolg beginnt, lernen wir auch die Modeschöpferin näher kennen. Louis dagegen ist ein ambivalenter Charakter, dessen Entscheidungen nicht immer verständlich sind und mitunter Kummer, nicht nur bei Jeanne, verursachen.

Sophie Villard teilt ihre Erzählung in viele, kurze Kapitel auf. Dieser fortwährende Wechsel der Perspektive und der Handlungsorte hält die Spannung hoch und ermöglicht die Einführung vieler Personen, die in der Regel Berühmtheiten der Zeitgeschichte sind. Gelegentlich bedauerte ich es, dass bestimmte Situationen nur „angerissen“ wurden und ich hätte mir mehr Tiefe gewünscht. Insgesamt hatte ich wiederholt das Gefühl, die Familiensaga der Cartiers wäre sehr geeigneter Stoff für eine Trilogie. So kam manches für meinen Geschmack etwas zu kurz bzw. blieben einige Fragen offen.

Das Buch endet mit einem Nachwort der Autorin, in dem sie Fakten und Fiktion trennt. Der Verbleib der Hauptcharaktere sowie die Beschreibung der berühmtesten Schmuckstücke, der wichtigsten Handlungsorte und Ereignisse komplettiert die Erzählung.

Ich vergebe 4,5 Sterne und eine Empfehlung für alle Fans historischer Familiensagas.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Die Rückkehr

Die Auferstehung
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Peter, Bob und Justus sind inzwischen lange erwachsen und in alle Winde verstreut. Während sich Justus der Nachhaltigkeit und dem Umweltaktivismus verschrieben hat, ist Peter nach seinem Geografiestudium ...

Peter, Bob und Justus sind inzwischen lange erwachsen und in alle Winde verstreut. Während sich Justus der Nachhaltigkeit und dem Umweltaktivismus verschrieben hat, ist Peter nach seinem Geografiestudium mittlerweile für Google Maps tätig, denn der Konzern hat die Firma seines früheren Arbeitgebers geschluckt. Und Bob? Er arbeitet als Literaturagent. Als einziger der Drei ist er verheiratet und Vater. Bob steht in lockerer Verbindung mit seinen beiden Freunden, während Justus und Peter nach einem schweren Schicksalsschlag unversöhnlich jeden Kontakt zueinander abgebrochen haben. Nach vielen Jahren Sendepause führt ein spektakuläres Ereignis, das sich nahtlos in die Reihe ihrer früheren mysteriösen Fälle einreiht, die drei Fragezeichen wieder zusammen. Die vor sieben Jahren im Regenwald infolge einer Naturkatastrophe verschollene Enkelin ihres verstorbenen Freundes Albert Hitfield, Tracy, taucht überraschend wieder auf. Ein Vergleich der Fingerabdrücke bestätigt ihre Identität ebenso wie der glückliche Vater. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Ja, wenn nicht eine Zeugin Tracys Leiche vor sieben Jahren gesehen hätte ...
Rückkehr von den Toten, abgefeimter Betrug, falsche Zeugenaussage oder was sonst steckt hinter diesem spektakulären Wiederauftauchen? Einmal mehr sind die drei Fragezeichen herausgefordert.

Andreas Eschbach lässt die einstigen drei Freunde, nunmehr als Erwachsene, weiterleben. Längst haben sie sich aus den Augen verloren, sind gereift und gealtert. Gerade die Weiterentwicklung der Charaktere erweist sich als spannend. Unverändert verfügen sie über bestimmte Eigenschaften, die sie schon früher auszeichneten: Mut, Intelligenz, Neugier und Kombinationsgeschick. Auch die Abenteuerlust ist noch vorhanden, wenn auch in gebremster Form. Insgesamt sind sie jedoch reflektierter und ruhiger geworden. Das Rätsel, mit dessen Lösung Justus beauftragt wird, zieht im Fortlauf der Erzählung auch Bob und Peter in seinen Bann. Sie erkennen, wie sehr ihnen das gemeinsame Ermitteln gefehlt hat und dass sie nur als Team den neuen Fall lösen können.

Die Detektiv-Freunde sind zurück und ermitteln als Erwachsene wieder! Diese Nachricht hat mich als treuen Fan der drei Fragezeichen sofort getriggert. Obwohl zunächst skeptisch, habe ich mich auf das neue Abenteuer eingelassen und musste es nicht bereuen. Neben Nostalgie und Emotionen wurden mir Spannung und gute Unterhaltung geboten, anders als früher und doch so vertraut.

Das Revival bzw. die Idee, die drei Fragezeichen um Jahrzehnte gealtert, wieder gemeinsam ermitteln zu lassen, finde ich originell und sehr gelungen. Herausgekommen ist eine spannende Lektüre für Fans und Neueinsteiger, die ich rundum empfehlen kann. Hoffentlich legen die drei Freunde keine lange Pause ein. Bei ihrem nächsten Fall bin ich mit Sicherheit wieder dabei.

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Veröffentlicht am 15.07.2025

Licht und Schatten auf Mallorca

Hinter Mallorcas Fassaden
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Die frisch gebackene Steueroberamtsrätin Nele erhält einen Tag nach ihrer Beförderung die Nachricht, dass ihre Schwester Doreen auf Mallorca Selbstmord begangen habe. Sie ist wie vor den Kopf gestoßen ...

Die frisch gebackene Steueroberamtsrätin Nele erhält einen Tag nach ihrer Beförderung die Nachricht, dass ihre Schwester Doreen auf Mallorca Selbstmord begangen habe. Sie ist wie vor den Kopf gestoßen und nimmt das nächste Flugzeug Richtung Süden. Im Flughafen Palmas lernt sie zufällig den Mediziner Ben kennen. Aus der höflichen Floskel „Rufen Sie mich gern an, wenn Sie Unterstützung brauchen“ wird echtes Engagement als Nele den Arzt tatsächlich anruft und um Hilfe bittet. Sie ist mittlerweile der Überzeugung, dass ihre Schwester ermordet wurde und will unbedingt den Täter zur Strecke bringen, da die Polizei den Fall bereits als Suizid abgeschlossen hat. Doch damit kommt Nele nicht klar, hat sie doch mit ihrer Schwester das letzte Familienmitglied verloren. Ben, seine Ärzteclique und Bens Freundin Cleo beschließen, Nele zu unterstützen, da ihr Verdacht schlüssig erscheint. Noch weiß die Steuerfahnderin nicht, dass die geplante Mörderjagd ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellen wird.

Mallorca-Experte H. G. Schulz versteht es, seine Leser zu fesseln. Er schreibt flüssig und bildhaft. Mit ihm gemeinsam die beeindruckende Landschaft der Sonneninsel zu erkunden und die mallorquinischen Spezialitäten zu genießen, macht Spaß. Seine Charaktere überzeugen. Ob die taffe Nele, deren spezielle Erfahrungen und Kenntnisse als Steuerfahnderin sich als äußerst praktisch erweisen oder ihre Helfer. Die Ärzte sind gut vernetzt auf der Insel und verfügen über nützliche Beziehungen. Besonders der Chirurg Sam, ein ehemaliger Einzelkämpfer der US-Army, kann einschätzen, in welche Gefahr Nele sich begibt und steht ihr hilfreich zur Seite.

H. G. Schulz beschränkt sich nicht darauf, „nur“ einen Krimi zu schreiben. Mit „Hinter Mallorcas Fassaden“ bietet er spannende Einblicke in die Abgründe einer schillernden Touristenmetropole. Korruption, Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Betrug, Urkundenfälschung, Preisabsprachen sowie Grundstückspekulation sind hier nichts Ungewöhnliches, so wie in den anderen Hotspots der Urlaubsbranche auch. Mord steht dabei eher selten auf der Agenda, weil sich großes mediales Interesse nur schlecht mit den Schattengeschäften verträgt. Warum also wurde Doreen ermordet und ging bei Werners Unfall alles mit rechten Dingen zu?

Der Autor findet zu einem angenehmen Gleichgewicht bei der Schilderung der Sonnen- und Schattenseiten des Sehnsuchtsort der Deutschen. Die Probleme der Einheimischen werden nicht unterschlagen, die von Wohnungsknappheit betroffen sind und die dem Ausverkauf ihrer Insel hilflos gegenüber stehen. Erschüttert hat mich das Problem der Obdachlosigkeit, das am Beispiel des fiktiven Schlüssel-Dieter aufgezeigt wird, der laut Autor ein reales Vorbild hat. Überhaupt ist die gründliche Recherche von H. G. Schulz jederzeit zu spüren, was ich sehr schätze.

Bei allen ernsten Themen kommt der Humor trotzdem nicht zu kurz. Sei es Bens sehr spezielle Arbeitskleidung oder die Geburtstagsfeier seiner Mutter, es gibt einiges zu schmunzeln. Ein Highlight für mich war das alljährlich von Bens Ärzteclique veranstaltete MASH-Festival. Als bekennender Fan dieses Kultfilms nebst Kultserie war ich begeistert von dieser Idee des Autors. Mein Kopfkino lief auf Hochtouren!

Letztlich wird der Fall logisch aufgeklärt und alle offenen Fragen beantwortet, wobei auch die Ordnungsmacht ihren Anteil hat.
Wie zu lesen war, hat mich der Krimi überzeugt. Vielleicht könnten die Kapitel etwas ausführlicher sein, aber das ist nicht gravierend. Bei der Fortsetzung bin ich gern wieder dabei. Von mir gibt es 4,5 Punkte und eine Leseempfehlung an alle Krimifans.

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Mörderische Vergangenheit

Die Lago Maggiore-Morde - Tod im Camper
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Commissaria Roberta Casanova hat einen neuen Fall. Auf einem Campingplatz in Locarno wurde ein Toter in seinem Wohnmobil gefunden. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass der Mann an einer Vergiftung ...

Commissaria Roberta Casanova hat einen neuen Fall. Auf einem Campingplatz in Locarno wurde ein Toter in seinem Wohnmobil gefunden. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass der Mann an einer Vergiftung durch Knollenblätterpilze starb und es sich um Mord handelt. Doch schnell ist Roberta den Fall wieder los, denn der Tote ist nicht, wie vermutet, ein französischer Tourist, sondern ihr Onkel Valerio Banfi. Der Commissaria war die Existenz eines Bruders ihrer Mutter nicht bekannt. Seine Familie hatte ihn verstoßen, nachdem er sich vor 40 Jahren den "Roten Brigaden", einer italienischen Terrororganisation, angeschlossen hatte. Da die Commissaria wegen Befangenheit hier nicht tätig werden darf, setzt ihr Chef sie auf den Cold Case Leutenegger an, einen Fall, den sie seinerzeit nicht lösen konnte. Mit dem Mord an Robertas Onkel bekommt die gerade beförderte Ispettrice Marta Ravelli ihre erste eigene Ermittlung.

Im dritten Fall der Lago Maggiore-Krimi-Reihe von Annemarie Regez ermittelt Ispettrice Ravelli zum ersten Mal in eigener Regie, während sich Commissaria Casanova mit ihrem ungelösten Mordfall aus Band eins konfrontiert sieht. Trotzdem lässt sich Teil drei "Tod im Camper" ohne Vorkenntnisse lesen.

Erfreut über das Vertrauen ihres Chefs, stürzt sich Marta hoch motiviert in die neuen Ermittlungen und unterdrückt ihre leichten Selbstzweifel. Roberta fällt es dagegen schwer, sich erneut mit dem Mord an Jacques Leutenegger auseinanderzusetzen. Offensichtlich schreckt sie den Täter durch die Neuaufnahme des Falls auf, den sie erhält zeitnah Drohbriefe, die in einem Giftanschlag auf ihre Frau und ihre Tochter gipfeln. Die Ermittlungen erweisen sich in beiden Fällen als fordernd. Während Marta u.a. bei der Verfolgung eines Tatverdächtigen beinahe ertrinkt und die Dienste einer Wahrsagerin in Anspruch nehmen muss, gelingt es der Commissaria einen neuen perfiden Mordanschlag im Zuge ihrer Ermittlungen zu verhindern. In beiden Fällen wird auch der sympathische, wegen seiner fehlenden Ambitionen chronisch unterschätzte, Agente Francesco Chiesa tätig. Und zumindest für Roberta erweist sich diese Zusammenarbeit als sehr hilfreich.

Annemarie Regez schreibt flüssig und bildhaft. Ihre Charaktere sind überzeugend und wirken authentisch. Sie schildert das Ambiente detailliert und lässt uns hautnah an den Gedanken und Schlussfolgerungen ihrer Ermittler teilhaben. Und nicht nur an deren. Einige Passagen des Buchs schildert die Autorin aus der Perspektive der schuldigen Person im Mordfall Leutenegger, die sich mit Hybris, Psychopathen und dem zugehörigen Themenbereich intensiv beschäftigt. Durch diesen Kunstgriff bekommt der Leser spannende Einblicke in die verstörende Gedankenwelt dieses Menschen.

Die Autorin hat erneut einen packenden Krimi vor der attraktiven Kulisse des Lago Maggiore geschrieben. Nicht nur die Ermittlungen, auch die für den Fall erforderlichen Hintergrundinformationen empfand ich als sehr aufschlussreich. So war mir bspw. nicht bekannt, dass Mitterrands Frankreich den roten Brigadisten Asyl gewährte.

Der aktuelle Fall bietet erneut fesselnde Unterhaltung mit Verwicklungen und Wendungen. Am Ende löst Marta ihren ersten Fall mit Bravour, während Roberta im Cold Case die Zusammenhänge aufdecken kann, ihr aber Beweise für eine Verhaftung (noch?) fehlen. Ich hoffe auf eine baldige Fortsetzung, in der es Roberta, Marta und Francesco gelingt, den Fall Leutenegger erfolgreich abzuschließen. Genauso wie es dem Agente der Polizia Comunale von Locarno endlich glückt, den Dieb von Hundemäntelchen (!) zu fassen.

4,5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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