Suspense auf dem Gaspedal
Broken PrinceFür mich war „Dark Cinderella“ das erste Buch von Anya Omah. Dementsprechend war es schon interessant, überhaupt ihren Schreibstil kennenzulernen, dass sie sich wichtigen Themen widmet. Natürlich habe ...
Für mich war „Dark Cinderella“ das erste Buch von Anya Omah. Dementsprechend war es schon interessant, überhaupt ihren Schreibstil kennenzulernen, dass sie sich wichtigen Themen widmet. Natürlich habe ich auch bemängelt, dass der Suspense-Teil zwischendurch verloren ging, aber bei anderen habe ich das viel deutlicher wahrgenommen, möglicherweise auch, weil sie die Autorin schon gut kannten. Nun kenne ich Omah aber in ihrem Stil, was fällt mir daher jetzt auf?
Ich habe auch „Broken Prince“ als Hörbuch gehabt und dementsprechend hatte ich wieder Chantal Busse und Vincent Fallow als Stimmen von Maximilian und Sofia im Ohr gehabt und es hat für mich erneut sehr gut funktioniert. Die beiden haben die stellenweise sehr emotionalen Sequenzen gut mit ihren Stimmen gefüllt und für mich sind sie wirklich diese beiden Figuren geworden. Schaue ich mir nun den größten Kritikpunkt am ersten Band genauer an, dann muss man sagen, Omah hat sich offenbar wirklich alles aufgespart. Ich fand den zweiten Band, was die Spannung anging, echt sehr mitreißend und neugierig machend. Wir hatten nun mal diesen extrem spannenden Cliffhanger und dementsprechend wurde da direkt angesetzt und die Situation genial ausgenutzt. Man hängt direkt wieder an den Lippen der Erzähler und will nun wissen, wer hat Sofia überfallen, wie hängt alles zusammen?
Dadurch, dass Sofia und Maximilian zunächst auch räumlich voneinander entfernt sind, wurde auch das gut genutzt, um die beiden Figuren individuell weiter wachsen zu lassen, aber immer Fragezeichen zu errichten, sodass man doch unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Bei Sofia hat man deutlich gemerkt, dass sie sich nicht mehr aufhalten lassen wird, Antworten zu ihrer vermissten Freundin zu bekommen. Während man in Band 1 schon mal glauben konnte, dass sie alles aus den Augen verloren hat, kann man das hier nicht mehr behaupten. Da ist Zug drin und ich fand auch, dass es der Autorin gut gelungen ist, Stück für Stück Hinweise zu platzieren, Ergebnisse zu liefern, aber bis zum Ende etwas offenzuhalten. Hier wurde Suspense also absolut erfüllt. Ich finde die finale Lösung tatsächlich heftig und auch eher ungewöhnlich für die Gesamtgeschichte. Aber dennoch passte alles zusammen und dem Genre wurde definitiv Gerechtigkeit verschafft.
Auch wenn der zweite Band diesen Teil für mich überzeugend erfüllt hat, so gab es doch Momente, die mich dann etwas rausgerissen haben und das war viel in den gemeinsamen Szenen von Maximilian und Sofia. Da sie wesentlich mehr wusste als er und dementsprechend skeptisch war, so fand ich die intimen Momente dann einfach zu viel und vom Timing her nicht ideal. Die Liebesgeschichte sollte natürlich weiter vorangetrieben werden, aber ich musste doch sehr an Marie Niehoff denken, bei der die intimen Szenen dann den Sturm schon heraufbeschworen haben, weil jegliche Vernunft ausgeschaltet war. Das mag für Autoren ein Zeichen sein, wie sehr das alles vorherbestimmt ist, aber ich finde es einfach irritierend und passt auch nicht immer zu dem Bild, was ich gerade von Frauen gerne vermittelt sehe. Wir alle sind gefühlsgesteuert, aber eben nicht nur.
Unterm Strich ist die Liebesgeschichte für mich im Endeffekt kein absolutes Highlight, an das ich immer schwärmend zurückdenken werde. Aber obwohl es zwischendurch kurz schwierig wurde, wurde der Bogen absolut gekriegt. Auf eine Art wurde es dann wieder spannend, als es vorbei war, denn die Zukunft des Königshauses, wie alles verändert wird, da wäre doch einiges gewesen, was man noch gut in einem dritten Band hätte verfolgen können. Dann hätte Suspense nicht mehr gepasst, aber vielleicht wäre dann Omahs Interesse für gewisse Themen wie historische Aufarbeitung etc. besser durchgekommen.
Fazit: Ich fand „Broken Prince“ für die Gestaltung des Suspense-Anteils definitiv deutlich besser als der erste Band. Dafür gab es in der Liebesgeschichte auf einmal Stolperstellen. Alles in allem aber eine empfehlenswerte Reihe, die nicht fehlerlos ist, die sich aber gerade hörend wunderbar konsumieren ließ.