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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.07.2025

Die Nacht der Nächte - eine intensive Geschichte

Engel der letzten Nacht
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Kester träumt aus unterschiedlichen Gründen von der Nacht der Nächte. Für ihn fühlt sich das Ende der Schulzeit nicht wie ein Neuanfang an, sondern wie ein letzter Höhepunkt. Erwachsenwerden? Klingt nach ...

Kester träumt aus unterschiedlichen Gründen von der Nacht der Nächte. Für ihn fühlt sich das Ende der Schulzeit nicht wie ein Neuanfang an, sondern wie ein letzter Höhepunkt. Erwachsenwerden? Klingt nach Enttäuschung. Und als beim Feiern des Abiturs eine Situation eskaliert, ist für Kester klar: Diese Nacht soll die letzte sein, ganz oder gar nicht.

Mit dieser radikalen Haltung stürzt er sich in das nächtliche Hamburg, begegnet Menschen, denen er im Alltag nie begegnet wäre, schillernden, verletzlichen, rätselhaften Figuren, die alle ihre eigene Geschichte mit sich tragen. Doch keine Begegnung, keine Version dieser Nacht erfüllt seinen Traum. Kester sucht weiter, fragt sich, wie sein Leben und sogar sein Tod aussehen soll. Vielleicht denkt er zu viel, vielleicht ist es Blanka, die ihn nicht loslässt. Klar ist: Eine Erzählweise reicht nicht. Die Nacht der Nächte braucht mehr.

Gerade darin liegt der Reiz dieses Romans: Er ist offen, vieldeutig, widersprüchlich und genau deshalb so nah dran an der Wirklichkeit junger Menschen im Umbruch. Der Roman fordert seine definitiv Leser*innen heraus. Er spricht wichtige Fragen an: Was kommt nach der Schule? Was macht das Leben lebenswert? Und wer rettet eigentlich wen? Der Freund, der Engel, oder eine fremde Gestalt in einer Sommernacht?

Der Roman ist nicht die leichteste Kost, aber ein intensives, atmosphärisches Leseerlebnis. Ein Buch für Jugendliche eher ab etwa 16, die Lust auf Tiefe, ehrliche Gefühle und ein bisschen Magie inmitten der Realität haben.

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Macht Lust auf Sommer und Abenteuer

FREI – Bester Sommer (FREI 1)
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Ausgerechnet Rottloch: ein winziges Dorf, das von allem höchstens eins hat: eine Schule, ein Kiosk, ein Fußballplatz vielleicht. Das soll der Schauplatz für den „besten Sommer“ sein? Joshua, der schon ...

Ausgerechnet Rottloch: ein winziges Dorf, das von allem höchstens eins hat: eine Schule, ein Kiosk, ein Fußballplatz vielleicht. Das soll der Schauplatz für den „besten Sommer“ sein? Joshua, der schon viele Städte gesehen hat und weiß, dass kein Ort lange bleibt, zeigt sich anfangs wenig beeindruckt. Als Einzelgänger rechnet er nicht damit, hier irgendwen zu treffen, der ihn interessiert. Umso überraschender ist es für ihn, dass die lockige, lebenslustige Nina ihn sofort in ihren Bann zieht und auch der draufgängerische Nico ihm sofort offen und freundschaftlich begegnet.

Gerade rechtzeitig startet an der erstaunlich engagierten Schule ein ungewöhnliches Projekt: Die Achtklässler sollen ein paar Tage in Kleingruppen im Wald verbringen, ganz ohne Handy, ohne Erwachsene. Nur sie, die Natur und vielleicht ein paar neue Erkenntnisse über sich selbst.

Die Gruppenzusammensetzung (Joshua, Nina, Nico, Nasrin und Koray) wirkte auf mich zunächst etwas zu konstruiert. Immerhin begegnet Joshua diesen Personen direkt am ersten Tag, und es gibt bestimmt noch mehr Schülerinnen in seiner Stufe. Aber diese Skepsis verflog schnell: Die Gruppe ist genau richtig. Jeder bringt seine Eigenheiten und Ecken mit, auch Erzähler Joshua selbst.

Besonders gelungen finde ich den Erzählstil. Joshua erzählt unmittelbar, mit spürbarem Zögern, mit Gedanken, die sich überschlagen, mit genauem Hinhören und Zweifeln. Man ist ganz nah dran an seinen Überlegungen, als würde er einem direkt ins Ohr flüstern.
Ein Roman, der richtig Lust auf Sommer macht, auf Natur, Nähe, Freundschaft und das Ungeplante. Und der zeigt: Manchmal ist genau der Ort, von dem man nichts erwartet, der Anfang von etwas Großem

Veröffentlicht am 23.06.2025

Ein Buch über die Periode – und plötzlich ging’s um viel mehr

Peggys Perioden-Projekt – Paint it red! – Nominiert für den Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreis 2025
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Wie spricht man über die Periode, wenn die eigene Mutter nicht mehr da ist, um einem alles zu erklären? Und sollte es eigentlich nicht ganz normal sein, dass alle etwas dazu sagen können, egal, ob sie ...

Wie spricht man über die Periode, wenn die eigene Mutter nicht mehr da ist, um einem alles zu erklären? Und sollte es eigentlich nicht ganz normal sein, dass alle etwas dazu sagen können, egal, ob sie selbst bluten oder nicht?
Genau diese Fragen stellen sich Leni und Peggy. Inspiriert von Lenis älterer, engagierter Nachbarin starten sie ein Schulprojekt: eine Ausstellung rund um das Thema Menstruation. Was zunächst nach einem typischen Aufklärungsprojekt klingt, entwickelt sich schnell zu etwas viel Größerem. Nicht nur in der Schule, sondern auch in ihrem eigenen Leben.

Peggy verarbeitet noch immer das Verschwinden ihrer Mutter und merkt plötzlich, dass sie beginnt, sich zu verlieben. Leni hingegen ist trans, sie blutet also gar nicht, bleibt von den körperlichen Schmerzen verschont. Und trotzdem: So richtig wohl fühlt sie sich mit diesem „Nicht-Erleben“ auch nicht.
Ich muss zugeben: Anfangs hatte ich Sorge, das Buch würde das Thema zu gewollt oder belehrend behandeln. Auch bei der Idee mit der Ausstellung war ich erst skeptisch. Aber die Beiträge darin haben mich echt überzeugt. Besonders die visuelle Gestaltung hat mich abgeholt: Die Illustrationen der Autorin passen perfekt zum Ton und Inhalt des Romans.

Ein Roman mit vielen verschiedenen Perspektiven gerade zur ersten Periode, mit spannender Handlung, die es noch einmal lesenswerter macht!

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Veröffentlicht am 20.06.2025

People Pleasing in all seinen Facetten

People Pleaser
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Nina geht es gut, wenn sie anderen helfen kann. Sie bringt ihren besten Freund*innen Frühstück mit in die Schule, schreibt Hausaufgaben doppelt ab. Alles, um zu helfen. Vielleicht liegt das auch an ihren ...

Nina geht es gut, wenn sie anderen helfen kann. Sie bringt ihren besten Freund*innen Frühstück mit in die Schule, schreibt Hausaufgaben doppelt ab. Alles, um zu helfen. Vielleicht liegt das auch an ihren bulgarischen Wurzeln: Ihre Mutter hat ihr beigebracht, dass Frauen in ihrer Familie niemals stillstehen dürfen. Ganz anders ihr kleiner Bruder Ivo, der chillt sich durchs Leben, als wäre es ein Vollzeitjob.

Besonders intensiv lebt Nina ihre „Fürsorge“ gegenüber ihrer besten Freundin Theo aus. Doch bei Theo spürt sie auch eine gewisse Distanz, irgendwas ist anders zwischen ihnen. Und dann ist da noch Aleks, der neue Bad Boy in Theos Leben. Nina geht so weit, ihn "retten" zu wollen, ohne zu merken, dass sie dabei ihre eigenen Freundschaften vernachlässigt.


Nina sieht häufig das Problem vor lauter “People Pleasen” nicht, vor allem nicht, dass das “Pleasen” nicht immer positiv ist. Das ist teilweise so unangenehm, wie sie wirklich gar nicht für sich und ihre Bedürfnisse einsteht, dass es weh tut. Gerade dadurch entstehen aber auch spannende Dynamiken, die zum Nachdenken bringen: Was bedeutet Freundschaft eigentlich, wenn nur eine Seite sich öffnet und die andere immer nur hilft? Ist das wirklich fair? Tut Nina Theo damit überhaupt einen Gefallen?
Auch die anderen Figuren greifen diese Dynamik auf und wirken dabei super echt. Wie schon in Kanak Kids bringt Dimitrova auch hier viel Humor rein. So schlagfertig wie Dimitrovas Figuren wäre ich gerne mal!
Der Roman zeigt, wie es ist, wenn man immer nur für andere lebt und dabei sich selbst vergisst. Woher kommt das? Was ist erlernt, was ist vielleicht auch Erwartung von außen? Und wie oft machen wir Dinge für andere, ohne zu fragen, ob sie das überhaupt wollen? Wie wenn man jemandem immer den letzten Keks überlässt, ohne zu wissen, ob der andere überhaupt Appetit hat.

Ein kluger, zeitgemäßer Roman mit viel Gefühl und Witz, der zum Reflektieren einlädt, ohne belehrend zu sein.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Die unverschönte Wahrheit der Märchen und ihrer "Happy ever afters"

Ever & After. Der schlafende Prinz
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Rain White würde sich lieber ihrer Band und den alltäglichen Sorgen widmen, doch als Nachfahrin von Schneewittchen muss sie sich der Tradition stellen, der alle anderen Mädchen entgegenfiebern: dem schlafenden ...

Rain White würde sich lieber ihrer Band und den alltäglichen Sorgen widmen, doch als Nachfahrin von Schneewittchen muss sie sich der Tradition stellen, der alle anderen Mädchen entgegenfiebern: dem schlafenden (toten) Prinzen zu ihrem 18. Geburtstag einen Kuss zu geben. Vor allem ihre Großmutter glaubt fest daran, dass Rain ihn wirklich wachküssen könnte und scheut sich nicht, sie zu ihrer “Bestimmung” zu zwingen.
Plötzlich ist die Welt weniger märchenhaft in unserem klassischen Sinne: Tod, Plagen, Flüche und böse Wesen suchen die Menschen heim. Und genau damit kommt die Geschichte dem eigentlich brutalen Kern von Märchen vermutlich näher als all unsere romantischen Vorstellungen vom Prinzen auf dem weißen Pferd. Dieser Aspekt hat mir auch am besten gefallen. Die Märchen wurden zwar in eine neue Welt übertragen und neu verpackt, aber in ihrem brutalen Kern ernst genommen. Dadurch zeigen sie die Schattenseiten des Lebens und der Welt. “Brutal” sollte man dabei wirklich wörtlich nehmen: Einige Szenen sind sehr blutig und schwer zu lesen.
Ein weiteres Highlight waren für mich die märchenhaften Zitate zu Beginn jedes Kapitels. Sie betonen den Kontrast zwischen der nostalgisch-vertrauten Märchenwelt und der düsteren Realität der Handlung.
Auch in Sachen Romantik bleibt es spannend: Statt eines von Anfang an klaren „Love Interests“ gibt es hier zwei.
Rain selbst bewegt sich ständig zwischen Extremen: Traum und Wirklichkeit, Licht und Schatten, Zweifel und Pflicht. Doch das wirkt nie verwirrend, sondern macht ihre innere Zerrissenheit spürbar
Das Ende hat allem die (Märchen-)Krone aufgesetzt. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht!

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