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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2026

Wenig überzeugend

Turbulenzen
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In diesem Buch (nennen wir es "Roman" wie auch der Verlag) werden zwölf Geschichten, die auch einfach Kurzgeschichten sein könnten, aneinandergereiht mit Bezug auf einen Flug von Ort A nach B und letztendlich ...

In diesem Buch (nennen wir es "Roman" wie auch der Verlag) werden zwölf Geschichten, die auch einfach Kurzgeschichten sein könnten, aneinandergereiht mit Bezug auf einen Flug von Ort A nach B und letztendlich nach L. Eine Protagonistin oder Protagonist aus der vorherigen Geschichte taucht dabei in der folgenden Geschichte wieder auf. Manchmal erfährt man mehr über diese Person, manchmal nicht.

Das Konzept des Buches hatte mich durchaus sehr gereizt, leider vergibt der Autor hier eine Chance. Das Resultat gibt inhaltlich leider nicht wieder, was auf den jeweiligen Flügen oder Flughäfen passiert bzw. was wir dort von Fremden in kurzen Sequenzen erfahren könnten, sondern spielt sich recht konventionell häufig einfach im jeweiligen Zielort ab. Die Geschichten geraten unterschiedlich kurz, auch mal tiefgreifender und dann wieder sehr flach. Da ist z.B. der Pilot mit einem One-Night-Stand in Sao Paolo (eher "naja") oder aber auch die 60jährige Chinesin mit einer Affäre in Hongkong (tiefgründig und ein eher seltener beschriebenes Thema). Die Geschichten variieren dabei stark in der Qualität. Manchmal gibt es unerwartete Wendungen (einmal), meist bleibt es bei kurzweiliger, unaufregender Unterhaltung. Wenn man das Buch am Stück durchliest, ist man aufgrund des typografischen Satzes in 30-45 Minuten durch. Sicherlich eine nette Lektüre für das Warten am Abflug-Gate, mehr aber auch leider nicht. Die Sprache sowie der Inhalt bestechen selten durch Originalität. Berühren konnte das Buch kaum bis gar nicht.

Schlussendlich handelt es sich hierbei nicht um ein wirklich schlechtes Buch, es wirkt jedoch nur wie ein Exposé für den eigentlichen Roman. Eine Skizze, bei der sich nicht die Mühe gemacht wurde, sie weiter auszuführen. Schade. Für mich ist dieser "Roman" eine vergebene Chance.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Dieser Countdown konnte mich nicht fesseln

Die Erfindung des Countdowns
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Daniel Mellem erzählt in seinem Debüt von dem - im Schatten von Wernher von Braun bekannten, aber eigentlich dessen Vorbild - immer wieder über sein Leben hinweg scheiternden Raketentüftler Hermann Oberth. ...

Daniel Mellem erzählt in seinem Debüt von dem - im Schatten von Wernher von Braun bekannten, aber eigentlich dessen Vorbild - immer wieder über sein Leben hinweg scheiternden Raketentüftler Hermann Oberth. Die Geschichte wird dabei beginnend mit der Kindheit Oberths durch elf Kapitel von Zehn bis Null chronologisch erzählt und vermittelt der Leserin hauptsächlich die vielen Wege des Scheiterns, die Oberth in deinem beruflichen wie privaten Leben genommen hat.

Das solide geschriebene Buch lässt sich flüssig herunterlesen. Leider schafft es Mellem nicht in seinen Betrachtungen der Karriere Oberths wie auch dessen Ehe einen Spannungsbogen aufzubauen. Einen Countdown verbindet man ja gern mit ebendieser steigenden Spannung. So verpufft der Roman leider auf mehreren Ebenen zu einem Fehlstart. Schon die im Klappentext gesetzte Prämisse, dass mit der Entwicklung einer Mondrakete auch moralische Entscheidungen bezogen auf die mögliche Verwendung im Militär als ethisch-moralische Abwägung den Wissenschaftler betrifft, findet im Roman nicht statt. So heißt es Zitat: "Als Hermanns Forschung in den 1930er Jahren das Interesse der Nazis weckt, stellt sich beiden [Hermann und seiner Ehefrau Tilla] mit voller Wucht die Frage nach der eigenen Verantwortung." Hier stellt sich, wenn überhaupt Tilla die Frage nach der psychischen Gesundheit ihres Mannes, nach dessen mehrfacher, selbst bis in die 60er hinein stattfindender Anbiederung an die Nazis. Die psychologischen Hintergründe und die Entwicklung der Person Hermann bleibt leider an der Oberfläche. Die Figuren dieses Romans bleiben durchgängig flach. Nie hatte ich das Gefühl mit Hermann im Labor am Konstruktions- oder am Esstisch zuhause zu sitzen. Dadurch konnte mich der Roman auch leider nicht fesseln. Die Frage um die Verantwortung der Wissenschaft scheint mir letztlich nicht ausreichend genug beleuchtet zu werden.

So bleibt für mich letztendlich von einem zwar äußerlich ansprechenden Buch mit einem theoretisch interessanten Thema leider nicht viel mehr übrig als ein dahinplätscherndes Leseerlebnis ohne die Wucht einer Rakete.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Konnte mich leider nicht überzeugen

Onigiri
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Yuko Kuhn erzählt in ihrem Roman „Onigiri“ die Geschichte der Ich-Erzählerin Aki, deren Mutter vor 50 Jahren aus Japan nach Deutschland kam und mit dieser sie nun noch einmal eine Reise in ihre Heimat ...

Yuko Kuhn erzählt in ihrem Roman „Onigiri“ die Geschichte der Ich-Erzählerin Aki, deren Mutter vor 50 Jahren aus Japan nach Deutschland kam und mit dieser sie nun noch einmal eine Reise in ihre Heimat antreten möchte. Die Mutter ist an Demenz erkrankt und kann sich kaum merken, dass ihre eigene Mutter vor einem halben Jahr verstorben ist. Aki sieht die letzte Chance, mit ihrer Mutter noch einmal die Familie in Japan zu besuchen.

Inhaltlich dreht sich der Roman viel weniger um die neuntägige Reise nach Kobe in Japan sondern vielmehr um Erinnerungen aus der Kindheit von Aki als auch Erzählungen ihrer Mutter und ihres Vaters, wie die Mutter als junge Frau in Deutschland ankam und sich hier ein Leben aufgebaut hat. Es geht um das Aufwachsen als Halbjapanerin in Deutschland mit Großeltern, die aus der Oberschicht stammen und die japanische Frau ihres Sohnes nie richtig akzeptierten. Die Reise dient hier nur als nebensächliches Vehikel, um Erinnerungen aufleben zu lassen.

Leider war mir der Erzählstil der Autorin zu verworren und wie in einem Zettelkasten zusammengeworfen. Handelt die eine Erinnerungsanekdote noch von diesem Thema über zehn, zwanzig Zeilen hinweg, geht es in der nächsten Anekdote schon wieder um etwas anderes. Auch weiß man häufiger nicht so richtig, ob man sich jetzt in der Gegenwart oder der Vergangenheit befindet. So war mir manchmal auch nicht gleich klar, ob jetzt etwas über die Großmutter von Aki erzählt wird, über ihre Mutter oder sie selbst. Gleichzeitig macht es der Schreibstil der Autorin schwer, inhaltlich zu folgen. Sie verzichtet nicht nur auf Anführungszeichen bei der direkten wörtlichen Rede sondern fädelt diese auch merkwürdig in die Sätze ein. So entstehen unnötige Bandwurmsätze wie diese hier:

„Als wir in Deutschland ankommen, ist es sehr früh am Morgen und noch dunkel, im Taxi versteht meine Mutter nicht, wo sie ist, sie hat keine Vorstellung mehr von dem Ort, an dem sie lebt, darf ich zu dir kommen, Aki, fragt sie, und ich sage, natürlich, Mama, wir fahren erst mal zu mir und du kommst in Ruhe an, später bringt Kenta dich nach Hause.“

oder

„Beim Abendessen sitzt meine Mutter mir gegenüber am Esstisch, Aki, darf ich diesen Tee trinken, fragt sie mich und zeigt auf ihre Tasse, dann verschwindet sie plötzlich unter dem Tisch, um einzelne angetrocknete Reiskörner, die an den Kinderstühlen und auf dem Boden kleben, einzusammeln, sie ist immer aufs Neue entsetzt darüber, wie es bei uns nach dem Essen aussieht, ihr Kopf taucht wieder oberhalb der Tischkante auf, überrascht über meinen Anblick lacht sie mich an und ich freue mich einfach nur darüber, dass sie da ist.

Inhaltlich zeichnet die Autorin sicherlich ein gutes Bild von einer demenzerkrankten Person, die anfängt, sich in der Welt nicht mehr zurechtzufinden. Aber sprachlich konnte mich der Roman einfach gar nicht überzeugen. Ich habe mich durch diese 200seitige Aneinanderreihung von beschreibenden Sätzen gequält und auch ungewöhnlich lang am Buch gelesen. Zehn Seiten kamen mir gefühlt häufiger wie 50 Seiten vor. Immer wieder war ich erschrocken, dass ich wieder „nur“ 20 Seiten geschafft habe, obwohl es sich wie 100 anfühlte.

Eigentlich mit großen Interesse in die Lektüre gestartet, konnte ich keinerlei Verbindung zu den Protagonistinnen aufbauen und habe auch keine Emotionen wahrgenommen, sodass ich insgesamt das Buch einfach nicht gern gelesen habe. Schade.

2,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Ein Meta-"Der Fänger im Roggen"-Roman

Was aus uns wird
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David Gilbert beschäftigt sich in seinem ausschweifenden Roman mit der Beziehung zischen Vätern und Söhnen, abenso wie mit dem Literaturbetrieb als auch einer Upper Class Jugend in New York.

Die Grundidee ...

David Gilbert beschäftigt sich in seinem ausschweifenden Roman mit der Beziehung zischen Vätern und Söhnen, abenso wie mit dem Literaturbetrieb als auch einer Upper Class Jugend in New York.

Die Grundidee des Romans ist recht interessant, offenbart sich aber erst in der zweiten Häfte des Buches. Man kommt beim lesen zwar zügig vorwärts aufgrund eines angenehmen Erzählstils, trotzdem ziehen sich die 640 Seiten des Buches massiv. Gilbert erzählt viele unwichtige Passagen bis ins letzte Detail aus, was häufig die Frage aufkommen lässt, was der Autor den Lesern damit vermitteln will. Dies bleibt häufig verschlossen. Eine Begründung könnte in den vielschichtigen Metaebenen des Romans liegen. So wird nicht nur über die Entstehung eines Buches in der Handlung eines Buches erzählt, sondern werden auch viele Parallelen zur englischsprachigen, genauer amerikanischen und en detail Noew Yorker Literaturwelt gezogen, die die Deutsche Leserin nicht immer durchschauen kann. Der Autor spiel weiterhin mit der Wiederholung von interpersonellen Gefügen über verschiedenen Väter-Söhne-Generationen hinweg. Und zuletzt ist das orientierungslose Wandeln eines Oberschichtjugendlichen durch die Stadt New York und durch seine Coming-Of-Age-Geschichte ein Grunpfeiler des Buches. J. D. Salingers "Der Fänger im Roggen" wird dabei nicht nur namentlich im Buch genannt, sondern kommt hier auch die Parallele zu den Hauptprotagonisten des Buches "A. N. Dyer" und dessen Schullektüre-Welterfolg "Ampersand" durch. Generell gehen viele Seiten dieses Buches für "name dropping" der Kulturszene Amerikas verloren. "Verloren", weil diese Passagen der Geschichte des Buches nicht zuträglich sind und ermüden.

Letztendlich ließ sich das Buch zwar gut runterlesen, hätte aber mindestens auf die Hälfte und damit 300 Seite gestrafft werden müssen. Ich empfand es als ein "2,5"-Punkte Buch, entscheide mich jedoch nur für die 3 Punkte, da ich die Frage, ob ich es jemandem als Lektüre empfehlen würde, eindeutig mit Nein beantworten würde.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Bis zur Hälfte gut, danach eher vernachlässigbar.

Das Universum der Dinge
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In diesem Buch habe ich offengestanden eher eine Sammlung von Essays zum Thema "Universum der Dinge" und der "Ästhetik des Alltäglichen" erwartet. Liessmann schreibt jedoch ein durchgängig philsophisches ...

In diesem Buch habe ich offengestanden eher eine Sammlung von Essays zum Thema "Universum der Dinge" und der "Ästhetik des Alltäglichen" erwartet. Liessmann schreibt jedoch ein durchgängig philsophisches Werk über alltägliche und auch weniger alltägliche Dinge. So setzt er sich zunächst mit der Herkunft unserer in der Überflussgesellschaft existierenden Dinge auseinander. Die Verbindung, die im Industriezeitalter zwischen Herstellung, Produkt und Besitzer immer weiter auseinander gewandert ist, wird - wie im Klappentext beschrieben - recht interessant aufgearbeitet. Auch die Betrachtung bzw. Unterscheidung von Kunst und Kitsch bleibt noch interessant in der Lektüre. Mit zunehmenden Abklappern verschiedener Themenbereiche wurde mit das Buch jedoch nach den ersten 80 bis 100 Seiten zunehmend uninteressant. Hier fehlte mir dann der genannte essayistische Touch, die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit den Dingen des Alltags.

Insgesamt mal eine nette Lektüre aus dem Bereich "Philosophie des Alltäglichen", jedoch auch nicht zwingend der Rede wert.

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