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Veröffentlicht am 04.03.2023

Vom alltäglichen Leben in der amerikanischen Provinz um 1930

Draußen die Welt
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Die erstmals in den 1940ern veröffentlichten Romane der amerikanischen Autorin Janet Lewis (1899-1998) wurden für den deutschsprachigen Markt wiederentdeckt und der vorliegende Roman von Sylvia Spatz nun ...

Die erstmals in den 1940ern veröffentlichten Romane der amerikanischen Autorin Janet Lewis (1899-1998) wurden für den deutschsprachigen Markt wiederentdeckt und der vorliegende Roman von Sylvia Spatz nun ins Deutsche übersetzt.

Wir begleiten in dieser Geschichte die Familie Perrault mit ihrem stillen Zentrum Mary, der Mutter von vier Kindern. Die Familiengeschichte trägt sich Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre in der kalifornischen Provinz zu und wird zunächst äußerst beschaulich erzählt. Mary und ihre Familie kommen während der Weltwirtschaftskrise und der darauffolgenden Depression relativ gut über die Runden, aber der Alltag wird immer stärker durchbrochen durch verschiedene Schicksalsschläge, die das nähere und fernere soziale Umfeld der Familie betreffen, beginnend mit dem Unfalltod von Marys bester Freundin.

Der Text zeichnet sich meines Erachtens vor allem durch die atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen der Autorin aus. Sie bringt die sengende Hitze Kaliforniens ausdrucksstark rüber und lässt ein ausführliches Bild des Lebens vor einhundert Jahren in dieser damals erst relativ frisch gegründeten, fiktiven Gemeinde South Encina vor dem inneren Auge entstehen. Über die 366 Seiten hinweg nehmen aber auch diese Beschreibungen zur Umgebung, technischen Errungenschaften oder Bootstouren mitunter auch Überhand und wirken bisweilen recht langatmig. Da die Figuren fast naturalistisch mit ihren alltäglichen Sorgen und Nöten eher oberflächlich beschrieben werden, blieben sie mir sehr fern. Der Text konnte bei mir bis kurz vor Schluss leider keine Empathie evozieren oder Emotionen der Figuren glaubhaft vermitteln. Immer wieder geschieht etwas, über das sich die Familie austauscht, dann wird die Thematik aber ziemlich schnell wieder fallen gelassen und taucht entweder gar nicht oder viel später nur kurz wieder auf. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit angeschnittenen Themen, wie soziales Handeln innerhalb einer Nachbarschaft, der Umgang mit Trauer, junge Liebesbeziehungen, soziale und finanzielle Unterschiede etc. geschieht leider nicht im Detail. So wirkte der Roman für mich über weite Strecken belanglos, obwohl wichtige Themen darin durchaus vorkommen. So plätscherte der Roman für mich größtenteils so dahin, Schicksalsschläge fühlen sich nicht wie solche an und die durch den Klappentext des Verlags angestachelten Erwartungen, erfüllen sich leider nicht. Dort heißt es nämlich: „Aber dann bricht 1929 die New Yorker Börse zusammen: Der Kampf ums nackte Überleben bringt das Fundament der Gesellschaft ins Wanken und bedroht auch das innere Gleichgewicht der Familie Perrault.“ Das ist äußerst dramatisch formuliert und findet sich so keinesfalls im Text. Ein weniger effekthascherischer Infotext hätte dem Buch und meiner Rezeption dessen gutgetan. Das Cover des Buches hingegen ist grandios gewählt und lässt auf den zweiten Blick die Vieldeutigkeit der Alltäglichkeit erkennen.

Der Roman ist durchaus solide geschrieben und meines Erachtens sehr gut von Sylvia Spatz übersetzt. Man merkt der Übersetzung an, dass es sich um einen 80 Jahre alten Text handelt. Das bekommt dem lesenden Auge gut, freut man sich doch über solch kleine Wörtchen wie „obgleich“ im Text. Obgleich mir grundsätzlich der Schreibstil der Autorin zugesagt hat, konnte mich der vorliegende Roman leider nicht davon überzeugen, zukünftig weitere Werke der Autorin lesen zu wollen.

Für mich charakterisiert ein kurzes Zitat, welches Marys Handeln beschreibt, dieses Buch recht knackig: „Trotz Krieg, Mord und plötzlichem Tod, dachte sie bei sich, spülen muss man trotzdem." Recht hat sie. Mit einigem nachträglichem Suchen kann man durchaus auch subtile moralische Ideen im Text finden, leider konnte mein Interesse dafür nur eingeschränkt geweckt werden.

3/5 Sterne

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Was wird hier eigentlich durchleuchtet?

Was wir voneinander wissen
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Dieser Roman (wobei ich die Bezeichnung für dieses Werk schwierig finde) von Jessie Grengrass reiht wechselnd Episoden aus dem Leben der Ich-Erzählerin an Schilderungen zum wissenschaftlichen Arbeiten ...

Dieser Roman (wobei ich die Bezeichnung für dieses Werk schwierig finde) von Jessie Grengrass reiht wechselnd Episoden aus dem Leben der Ich-Erzählerin an Schilderungen zum wissenschaftlichen Arbeiten verschiedener historischer Figuren, darunter Wilhelm Conrad Röntgen oder Sigmund Freud. Prägende Figuren aus dem Leben der Erzählerin sind dabei die Mutter und Großmutter, auf welche näher eingegangen wird.

Mir fällt es schon bei der Kurzzusammenfassung schwer, überhaupt festzumachen, womit sich die Autorin im Roman konkret beschäftigt. Vielleicht, wie im Klappentext benannt: "Erkenntnisgewinn". Leider bleibt der Erkenntnisgewinn für den Leser bei dieser Lektüre eher gering. Selten habe ich ein Buch als so anstrengend empfunden. Es ist zäh erzählt und kommt nicht zur Sache. Vielleicht liegt das am philosophischen Anspruch der Autorin, vielleicht intellektualisiert sie einfach auch nur zu stark. Alles wirkt unglaublich verkopft und konstruiert. Für viele Beschreibungen nutzt die Autorin zu umständliche Sprachbilder. Auch fehlt mir bei den historischen Einschüben der Zusammenhang zum Text über die persönlichen Erfahrungen der Figur. Es wirkt über Strecken hinweg einfach nur wie ein zähes, unzusammenhängenes Geschwafel.

Letztendlich lässt mich dieses Buch erkenntnislos zurück. Es hat mich nicht erreichen können und ich habe danach, trotz oder wegen des hohen Sprachniveaus der Autorin, keine Lust, erneut ein Buch von ihr zu lesen. Sie wollte sicherlich in diesem ersten Roman viel verpacken, nur ist es zu gewollt zu viel geworden.

Ich habe mich gerade gefragt, warum ich dem Buch trotzdem zwei Sterne gegeben habe... wahrscheinlich aufgrund des schön anzusehenden, vielversprechenden Covers.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Wenig überzeugend

Turbulenzen
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In diesem Buch (nennen wir es "Roman" wie auch der Verlag) werden zwölf Geschichten, die auch einfach Kurzgeschichten sein könnten, aneinandergereiht mit Bezug auf einen Flug von Ort A nach B und letztendlich ...

In diesem Buch (nennen wir es "Roman" wie auch der Verlag) werden zwölf Geschichten, die auch einfach Kurzgeschichten sein könnten, aneinandergereiht mit Bezug auf einen Flug von Ort A nach B und letztendlich nach L. Eine Protagonistin oder Protagonist aus der vorherigen Geschichte taucht dabei in der folgenden Geschichte wieder auf. Manchmal erfährt man mehr über diese Person, manchmal nicht.

Das Konzept des Buches hatte mich durchaus sehr gereizt, leider vergibt der Autor hier eine Chance. Das Resultat gibt inhaltlich leider nicht wieder, was auf den jeweiligen Flügen oder Flughäfen passiert bzw. was wir dort von Fremden in kurzen Sequenzen erfahren könnten, sondern spielt sich recht konventionell häufig einfach im jeweiligen Zielort ab. Die Geschichten geraten unterschiedlich kurz, auch mal tiefgreifender und dann wieder sehr flach. Da ist z.B. der Pilot mit einem One-Night-Stand in Sao Paolo (eher "naja") oder aber auch die 60jährige Chinesin mit einer Affäre in Hongkong (tiefgründig und ein eher seltener beschriebenes Thema). Die Geschichten variieren dabei stark in der Qualität. Manchmal gibt es unerwartete Wendungen (einmal), meist bleibt es bei kurzweiliger, unaufregender Unterhaltung. Wenn man das Buch am Stück durchliest, ist man aufgrund des typografischen Satzes in 30-45 Minuten durch. Sicherlich eine nette Lektüre für das Warten am Abflug-Gate, mehr aber auch leider nicht. Die Sprache sowie der Inhalt bestechen selten durch Originalität. Berühren konnte das Buch kaum bis gar nicht.

Schlussendlich handelt es sich hierbei nicht um ein wirklich schlechtes Buch, es wirkt jedoch nur wie ein Exposé für den eigentlichen Roman. Eine Skizze, bei der sich nicht die Mühe gemacht wurde, sie weiter auszuführen. Schade. Für mich ist dieser "Roman" eine vergebene Chance.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Dieser Countdown konnte mich nicht fesseln

Die Erfindung des Countdowns
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Daniel Mellem erzählt in seinem Debüt von dem - im Schatten von Wernher von Braun bekannten, aber eigentlich dessen Vorbild - immer wieder über sein Leben hinweg scheiternden Raketentüftler Hermann Oberth. ...

Daniel Mellem erzählt in seinem Debüt von dem - im Schatten von Wernher von Braun bekannten, aber eigentlich dessen Vorbild - immer wieder über sein Leben hinweg scheiternden Raketentüftler Hermann Oberth. Die Geschichte wird dabei beginnend mit der Kindheit Oberths durch elf Kapitel von Zehn bis Null chronologisch erzählt und vermittelt der Leserin hauptsächlich die vielen Wege des Scheiterns, die Oberth in deinem beruflichen wie privaten Leben genommen hat.

Das solide geschriebene Buch lässt sich flüssig herunterlesen. Leider schafft es Mellem nicht in seinen Betrachtungen der Karriere Oberths wie auch dessen Ehe einen Spannungsbogen aufzubauen. Einen Countdown verbindet man ja gern mit ebendieser steigenden Spannung. So verpufft der Roman leider auf mehreren Ebenen zu einem Fehlstart. Schon die im Klappentext gesetzte Prämisse, dass mit der Entwicklung einer Mondrakete auch moralische Entscheidungen bezogen auf die mögliche Verwendung im Militär als ethisch-moralische Abwägung den Wissenschaftler betrifft, findet im Roman nicht statt. So heißt es Zitat: "Als Hermanns Forschung in den 1930er Jahren das Interesse der Nazis weckt, stellt sich beiden [Hermann und seiner Ehefrau Tilla] mit voller Wucht die Frage nach der eigenen Verantwortung." Hier stellt sich, wenn überhaupt Tilla die Frage nach der psychischen Gesundheit ihres Mannes, nach dessen mehrfacher, selbst bis in die 60er hinein stattfindender Anbiederung an die Nazis. Die psychologischen Hintergründe und die Entwicklung der Person Hermann bleibt leider an der Oberfläche. Die Figuren dieses Romans bleiben durchgängig flach. Nie hatte ich das Gefühl mit Hermann im Labor am Konstruktions- oder am Esstisch zuhause zu sitzen. Dadurch konnte mich der Roman auch leider nicht fesseln. Die Frage um die Verantwortung der Wissenschaft scheint mir letztlich nicht ausreichend genug beleuchtet zu werden.

So bleibt für mich letztendlich von einem zwar äußerlich ansprechenden Buch mit einem theoretisch interessanten Thema leider nicht viel mehr übrig als ein dahinplätscherndes Leseerlebnis ohne die Wucht einer Rakete.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Konnte mich leider nicht überzeugen

Onigiri
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Yuko Kuhn erzählt in ihrem Roman „Onigiri“ die Geschichte der Ich-Erzählerin Aki, deren Mutter vor 50 Jahren aus Japan nach Deutschland kam und mit dieser sie nun noch einmal eine Reise in ihre Heimat ...

Yuko Kuhn erzählt in ihrem Roman „Onigiri“ die Geschichte der Ich-Erzählerin Aki, deren Mutter vor 50 Jahren aus Japan nach Deutschland kam und mit dieser sie nun noch einmal eine Reise in ihre Heimat antreten möchte. Die Mutter ist an Demenz erkrankt und kann sich kaum merken, dass ihre eigene Mutter vor einem halben Jahr verstorben ist. Aki sieht die letzte Chance, mit ihrer Mutter noch einmal die Familie in Japan zu besuchen.

Inhaltlich dreht sich der Roman viel weniger um die neuntägige Reise nach Kobe in Japan sondern vielmehr um Erinnerungen aus der Kindheit von Aki als auch Erzählungen ihrer Mutter und ihres Vaters, wie die Mutter als junge Frau in Deutschland ankam und sich hier ein Leben aufgebaut hat. Es geht um das Aufwachsen als Halbjapanerin in Deutschland mit Großeltern, die aus der Oberschicht stammen und die japanische Frau ihres Sohnes nie richtig akzeptierten. Die Reise dient hier nur als nebensächliches Vehikel, um Erinnerungen aufleben zu lassen.

Leider war mir der Erzählstil der Autorin zu verworren und wie in einem Zettelkasten zusammengeworfen. Handelt die eine Erinnerungsanekdote noch von diesem Thema über zehn, zwanzig Zeilen hinweg, geht es in der nächsten Anekdote schon wieder um etwas anderes. Auch weiß man häufiger nicht so richtig, ob man sich jetzt in der Gegenwart oder der Vergangenheit befindet. So war mir manchmal auch nicht gleich klar, ob jetzt etwas über die Großmutter von Aki erzählt wird, über ihre Mutter oder sie selbst. Gleichzeitig macht es der Schreibstil der Autorin schwer, inhaltlich zu folgen. Sie verzichtet nicht nur auf Anführungszeichen bei der direkten wörtlichen Rede sondern fädelt diese auch merkwürdig in die Sätze ein. So entstehen unnötige Bandwurmsätze wie diese hier:

„Als wir in Deutschland ankommen, ist es sehr früh am Morgen und noch dunkel, im Taxi versteht meine Mutter nicht, wo sie ist, sie hat keine Vorstellung mehr von dem Ort, an dem sie lebt, darf ich zu dir kommen, Aki, fragt sie, und ich sage, natürlich, Mama, wir fahren erst mal zu mir und du kommst in Ruhe an, später bringt Kenta dich nach Hause.“

oder

„Beim Abendessen sitzt meine Mutter mir gegenüber am Esstisch, Aki, darf ich diesen Tee trinken, fragt sie mich und zeigt auf ihre Tasse, dann verschwindet sie plötzlich unter dem Tisch, um einzelne angetrocknete Reiskörner, die an den Kinderstühlen und auf dem Boden kleben, einzusammeln, sie ist immer aufs Neue entsetzt darüber, wie es bei uns nach dem Essen aussieht, ihr Kopf taucht wieder oberhalb der Tischkante auf, überrascht über meinen Anblick lacht sie mich an und ich freue mich einfach nur darüber, dass sie da ist.

Inhaltlich zeichnet die Autorin sicherlich ein gutes Bild von einer demenzerkrankten Person, die anfängt, sich in der Welt nicht mehr zurechtzufinden. Aber sprachlich konnte mich der Roman einfach gar nicht überzeugen. Ich habe mich durch diese 200seitige Aneinanderreihung von beschreibenden Sätzen gequält und auch ungewöhnlich lang am Buch gelesen. Zehn Seiten kamen mir gefühlt häufiger wie 50 Seiten vor. Immer wieder war ich erschrocken, dass ich wieder „nur“ 20 Seiten geschafft habe, obwohl es sich wie 100 anfühlte.

Eigentlich mit großen Interesse in die Lektüre gestartet, konnte ich keinerlei Verbindung zu den Protagonistinnen aufbauen und habe auch keine Emotionen wahrgenommen, sodass ich insgesamt das Buch einfach nicht gern gelesen habe. Schade.

2,5/5 Sterne

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