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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2025

Eine emanzipierte Frau

Mein Name ist Emilia del Valle
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Emilia del Valle trägt einen großen Namen, denn ihr Vater entstammt einem bekannten chilenischen Adelsgeschlecht. Leider war Emilias Mutter für ihn nicht mehr als ein kurzes Abenteuer und er erkennt Emilia ...

Emilia del Valle trägt einen großen Namen, denn ihr Vater entstammt einem bekannten chilenischen Adelsgeschlecht. Leider war Emilias Mutter für ihn nicht mehr als ein kurzes Abenteuer und er erkennt Emilia nicht als seine Tochter an. Da das Buch Ende des 19. Jahrhunderts spielt, sind Vaterschaftstests Zukunftsmusik.
Emilia wächst in San Francisco auf und entwickelt sich zu einer selbstbewussten jungen Frau. Ihre Leidenschaft ist das Schreiben. Sie beginnt, unter einem männlichen Pseudonym mit großem Erfolg Groschenromane zu verfassen, doch was sie wirklich möchte, ist, unter ihrem eigenen Namen zu schreiben. Sie stellt sich bei einer Tageszeitung vor, wo ihr der Chefredakteur zunächst skeptisch entgegentritt, dann aber von einem von ihr verfassten Bericht über einen ungeklärten Todesfall sehr angetan ist und sie einstellt. Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Journalistin bekommt Emilia die Chance, gemeinsam mit einem männlichen Kollegen nach Chile zu reisen, um von dort aus über den bevorstehenden Bürgerkrieg zu berichten. Der Aufenthalt in Chile verändert Emilias Leben von Grund auf.
Ich habe dieses Buch vor ein paar Stunden beendet und bin immer noch ganz atemlos von den sich überschlagenden Ereignissen im Leben dieser für die damalige Zeit unglaublich emanzipierten jungen Frau. Seit ich vor langer Zeit das Buch „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque gelesen habe, ist mir kein Buch begegnet, in dem das grausame Kriegsgeschehen so eindrücklich geschildert wird. Als Leser hat man das Gefühl, an Emilias Seite vor Ort alles mitzuerleben. Die geschilderten Schlachten haben tatsächlich stattgefunden und auch die politischen Konstellationen entsprechen der geschichtlichen Realität, wodurch dieses Buch noch mehr unter die Haut geht, als wenn es sich um reine Fiktion handelte. Ich bin kein großer Fan von historischen Romanen, doch dieser Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und ist eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 24.10.2025

Lebenslügen

Die Verlorene
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Für Laura kommt alles zusammen: sie stellt fest, dass sie schwanger ist und ihre Großmutter Änne stirbt kurz nachdem sie ein ominöses Bild aus ihrer alten Heimat Schlesien geschickt bekommen hat. Das Bild ...

Für Laura kommt alles zusammen: sie stellt fest, dass sie schwanger ist und ihre Großmutter Änne stirbt kurz nachdem sie ein ominöses Bild aus ihrer alten Heimat Schlesien geschickt bekommen hat. Das Bild zeigt eine junge Frau und ist mit Luise unterzeichnet. Weder Laura noch ihre Mutter Ellen haben jemals von ihr gehört. Laura beschließt spontan, nach Schlesien zu fahren mit der Absicht, den Gutshof zu finden, auf dem ihre Großmutter aufgewachsen ist.
„Die Verlorene“ spielt auf zwei Zeitebenen. Zum einen im Jahr 2019, zum anderen in den Jahren kurz vor und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als Änne eine junge Frau war und nach Einmarsch der Russen mit ihrer Familie von ihrem Land vertrieben wurde. Miriam Georg versteht es hervorragend, Ännes Familiengeschichte vor dem Hintergrund der grausamen Geschehnisse zu erzählen und an die Schrecken des Kriegs zu erinnern.
Laura schafft es tatsächlich, den „Pappelhof“ ausfindig zu machen und mehr über ihre Wurzeln in Erfahrung zu bringen. Die Dinge, die sie dabei zutage fördert, lassen sie daran zweifeln, ihre Großmutter jemals richtig gekannt zu haben…
Den meisten Lesern dürfte bekannt sein, dass Schlesien früher zu Deutschland gehörte und heute zu Polen zählt. Auch von den Vertreibungen der Bevölkerung werden viele, zumindest aus der älteren Generation, noch wissen. Es ist jedoch etwas ganz anderes, von solchen Dingen im Geschichtsunterricht zu hören oder sie anhand des Schicksals einer Familie quasi hautnah mitzuerleben. Mich haben die Ereignisse jedenfalls sehr berührt. Ich bedaure sehr, dass ich eine mittlerweile schon lange verstorbene alte Frau, die ebenfalls in ihrer Jugend aus Schlesien flüchten musste, nie nach ihrer Lebensgeschichte gefragt habe.
Ich habe „Die Verlorene“ bis zur letzten Seite gerne gelesen, die Autorin versteht es, ihre Leser zu fesseln und die Spannung bis zuletzt aufrecht zu erhalten. Mein einziger Kritikpunkt an diesem Buch ist das wenig ansprechende Cover, doch das Buch an sich kann ich uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Home is where the heart is

Das Haus mit der kleinen roten Tür
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Das kleine Mädchen Olivia lebt allein in einem großen Haus mit roter Tür. Im Garten steht ein alter Baum, in dem Maus es sich gemütlich gemacht hat und dort viele Zimmer bewohnt: sogar eine Bibliothek ...

Das kleine Mädchen Olivia lebt allein in einem großen Haus mit roter Tür. Im Garten steht ein alter Baum, in dem Maus es sich gemütlich gemacht hat und dort viele Zimmer bewohnt: sogar eine Bibliothek mit gemütlichem Ohrensessel ist dabei! Doch dann geschieht das Unglück: in einem Wintersturm fällt der alte Baum um und die arme Maus hat kein Zuhause mehr! Olivia versucht, eine Lösung zu finden. Vielleicht könnte Maus in die Kuckucksuhr ziehen? Doch da ist es viel zu laut. Oder in einen alten Stiefel? Nein, denn der müffelt zu sehr. Der Blumentopf ist eine passable Lösung, doch Maus fühlt sich dort einsam. Und auch Olivia in ihrem großen Haus hätte gern jemanden zum Reden. So kommt es, dass Maus bei Olivia einzieht und ein neues Zuhause im Küchenschrank findet.
Schon als ich das Cover von „Das Haus mit der roten Tür“ gesehen habe, wusste ich, dieses Buch muss ich haben, denn ich liebe Bücher mit Klapptürchen genauso sehr wie mein vierjähriger Enkel. Gibt es etwas Schöneres, als zu entdecken, was sich hinter all den Türchen verbirgt? In diesem Buch gibt es besonders viel zu entdecken. Wenn man beispielsweise das Türchen am alten Baum wegklappt, in dem sich Maus ihr Haus eingerichtet hat, findet man sage und schreibe zwanzig Zimmerchen vor, in denen es unzählige liebevolle Details zu entdecken gibt. Doch nicht nur die Illustrationen sind herzerwärmend, auch die Botschaft des Buchs berührt: wir brauchen einander, gemeinsam geht man besser durchs Leben. Im Englischen gibt es den Spruch „Home is where the heart is“, Zuhause ist dort, wo sich das Herz wohlfühlt, was durch dieses liebevoll gestaltete, zauberhafte Buch bestens illustriert wird.
Wer noch nach einem (Weihnachts-)Geschenk für ein drei -bis vierjähriges Kind sucht: hier ist es!

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Wilkins & Wilkins

Ein Mord im November - Ein Fall für DI Wilkins
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Im elitären College Barnabas Hall der Universität Oxford wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, ausgerechnet im Arbeitszimmer des Collegeleiters Sir James Osborne. Als Erster zur Stelle ist DI Ryan ...

Im elitären College Barnabas Hall der Universität Oxford wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, ausgerechnet im Arbeitszimmer des Collegeleiters Sir James Osborne. Als Erster zur Stelle ist DI Ryan Wilkins, der an diesem Tag seinen Dienst bei der Oxforder Kriminalpolizei antritt. Wilkins, der seine Kindheit und Jugend in einem abgewrackten Trailerpark in einer armen Gegend Oxfords verbracht hat, ist das Bildungsbürgertum vollkommen fremd und sowohl seine Umgangsformen als auch sein Kleidungsstil sind äußerst gewöhnungsbedürftig. Nach Oxford strafversetzt, eckt er mit seinem Verhalten gleich an seinem ersten Arbeitstag an, was eine Beschwerde bei seiner Chefin nach sich zieht.
Wie sich herausstellt, trägt sein Kollege denselben Nachnamen und Dienstgrad, was zu gehöriger Verwirrung führt. Allerdings könnten die beiden unterschiedlicher nicht sein. Während Ryan in Schlabberjogginghose und umgedrehter Basecap auftritt, legt Ray Wilkins, der selbst einen Abschluss der Universität Oxford vorweisen kann, größten Wert auf Markenkleidung und ein korrektes Auftreten. Konflikte sind vorprogrammiert.
Dieses Aufeinandertreffen der beiden DIs ist höchst amüsant zu lesen. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit sind sie kein schlechtes Team. Mit seinem unkonventionellen Ansatz und guten Gespür bringt Ryan sie auf so manche richtige Spur, während Ray bemüht ist, die verbalen Entgleisungen seines Kollegen auf ein Minimum zu begrenzen.
„Ein Mord im November“ ist fast 400 Seiten lang und mir war zu keiner Zeit langweilig. Simon Masons Schreibstil ist witzig und eloquent. Ich hoffe sehr, dass die beiden Folgebände, die auf Englisch bereits erschienen sind, auch in Deutschland verlegt werden. Von mir 5 Sterne und Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 09.08.2025

Welch ein liebenswertes kleines Einhorn!

Ein Einhorn namens Oktober
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Das kleine Einhorn Oktober kann es kaum erwarten, ein Jahr alt zu werden, denn – wie jeder weiß – entwickeln Einhörner dann ihre magischen Fähigkeiten. Doch sein Geburtstag kommt und geht, und Oktober ...

Das kleine Einhorn Oktober kann es kaum erwarten, ein Jahr alt zu werden, denn – wie jeder weiß – entwickeln Einhörner dann ihre magischen Fähigkeiten. Doch sein Geburtstag kommt und geht, und Oktober hat noch immer nicht entdeckt, worin seine magische Fähigkeit liegt. Zusammen mit seinem Freund Einhörnchen (der aussieht wie ein Eichhörnchen, aber ebenfalls ein kleines Horn besitzt), macht er sich auf die Suche…
„Ein Einhorn namens Oktober“ ist ein ganz besonders schönes Kinderbuch. Schon bei der Abbildung des kleinen Oktober auf dem Cover habe ich mich in dieses kleine Einhorn verliebt. Die Texte sind witzig und ideenreich und die Illustrationen unglaublich goldig. Das Buch ist perfekt für Kinder, die für reine Bilderbücher zu groß und für Bücher mit viel Text und wenig Illustrationen noch zu klein sind. Mein Enkel ist vier und er ist von diesem Buch genauso begeistert wie ich. Besonders angetan ist er von Einhorn Franzi, das sich (fast) unsichtbar machen kann. Ein Öhrchen bleibt witzigerweise immer sichtbar. Und natürlich von Oktober selbst, von dem er meinte, so einen lieben Freund hätte er auch gerne! Ich bin begeistert von diesem liebevoll gestalteten Kinderbuch, das ich inzwischen auch für die vierjährigen Zwillinge von Freunden bestellt habe.

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