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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.02.2026

Bildgewaltig

Moosland
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Mit großer Sprachkraft und feinem Gespür für Zwischentöne erzählt Katrin Zipse in diesem Roman von einem beinahe vergessenen Kapitel europäischer Nachkriegsgeschichte. Im Sommer 1949 reisen rund dreihundert ...

Mit großer Sprachkraft und feinem Gespür für Zwischentöne erzählt Katrin Zipse in diesem Roman von einem beinahe vergessenen Kapitel europäischer Nachkriegsgeschichte. Im Sommer 1949 reisen rund dreihundert junge Frauen aus Deutschland nach Island, um dort auf Höfen zu arbeiten, angeworben als Arbeitskräfte und potenzielle Ehefrauen. Eine von ihnen ist Elsa, die jedoch nicht aus Hoffnung, sondern aus Verlust nach Island kommt.

Besonders beeindruckt hat mich die bildgewaltige, zugleich ruhige Sprache. Zipse gelingt es, mit einer kargen, fast zurückgenommenen Dialogführung genau jene Sprachlosigkeit spürbar zu machen, die Elsa in der Fremde erlebt. Das Nichtverstehen, das Schweigen, die Unsicherheit, all das wird nicht laut ausgesprochen, sondern zwischen den Zeilen fühlbar. Gerade dadurch entstehen starke Bilder im Kopf. Man hört förmlich den Wind über die Wiesen streichen, sieht das Gras der Torfhäuser, spürt die Weite des Meeres.

Sehr berührend ist das zarte Band, das sich allmählich zwischen Elsa und der isländischen Familie entwickelt. Nichts geschieht überstürzt, keine Gefühle werden plakativ ausgestellt. Stattdessen wächst Vertrauen langsam im Alltag, in Blicken, in kleinen Gesten. Gleichzeitig liegen unausgesprochene Erwartungen in der Luft, besonders im Hinblick auf die Bauernsöhne. Die Dynamik auf dem Hof verändert sich allein durch Elsas Anwesenheit. Leise, aber spürbar.

Auch der historische Aspekt hat mich fasziniert. Dass es diese Anwerbeaktion tatsächlich gab, war mir zuvor nicht bewusst. Umso eindrucksvoller fand ich, wie selbstverständlich und unaufdringlich dieses Stück Geschichte in die Handlung eingewoben ist. Es schwingt leise mit, ohne je belehrend zu wirken.

Die Naturbeschreibungen, die atmosphärische Dichte und vor allem die besondere Sprache machen diesen Roman zu einem intensiven Leseerlebnis. Für mich ist es ein Buch über Trauer, Fremdheit und das vorsichtige Ankommen in einer neuen Landschaft, in einer neuen Sprache und vielleicht auch in einem neuen Leben.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Atmosphärisch, spannend und voller Sogwirkung

Unbeugsam wie die See
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In einem Roman, der sich über Jahrhunderte und verschiedene Orte spannt, entfaltet Emilia Hart die Geschichten mehrerer Frauen, deren Schicksale auf geheimnisvolle Weise miteinander verwoben sind. Im Zentrum ...

In einem Roman, der sich über Jahrhunderte und verschiedene Orte spannt, entfaltet Emilia Hart die Geschichten mehrerer Frauen, deren Schicksale auf geheimnisvolle Weise miteinander verwoben sind. Im Zentrum stehen Schwestern, die mit Verlust, Gewalt und der Macht des Meeres konfrontiert werden – von einer jungen Frau in der Gegenwart, die in einer australischen Küstenstadt nach Antworten sucht, bis hin zu Mädchen in der Vergangenheit, die aus Irland verschleppt wurden und auf einer langen Überfahrt unheimliche Kräfte in sich entdecken.

Mich hat dieses Buch von Anfang an fasziniert: die Mischung aus Gegenwart, Vergangenheit und Mythen, die sich wie Wellen ineinander schieben, hatte sofort eine besondere Sogwirkung. Besonders spannend fand ich, wie die Geschichten der verschiedenen Frauen miteinander verwoben sind und wie das Meer fast schon eine eigene Figur im Roman wird.

Ich habe die Charaktere schnell ins Herz geschlossen, mit ihnen mitgefiebert und wollte unbedingt wissen, wie ihre Wege sich weiterentwickeln. Die verschachtelten Zeitebenen haben für mich die Spannung sogar noch erhöht, weil ich beim Lesen Stück für Stück neue Zusammenhänge entdeckt habe. Emilia Hart gelingt es, eine düstere, atmosphärische Welt zu erschaffen, die gleichzeitig berührend und geheimnisvoll ist.

Das Ende hat mich nicht ganz so sehr gepackt wie bei den Unbeugsamen, aber dennoch war es wirklich ein packendes Leseerlebnis, das ich kaum aus der Hand legen konnte – ein Roman, der lange nachhallt und den ich allen empfehlen würde, die sich gern von Geschichten mit Mythen, Meer und starken Frauenstimmen fesseln lassen.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Familiengeheimnis mit Gänsehautgarantie

Die unsichtbare Hand
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1975 erschüttert ein grausamer Doppelmord eine Kleinstadt: Zwei Jugendliche werden erstochen, und der Verdacht fällt auf ihren eigenen Bruder. Fast fünfzig Jahre später soll Ghostwriterin Olivia die Memoiren ...

1975 erschüttert ein grausamer Doppelmord eine Kleinstadt: Zwei Jugendliche werden erstochen, und der Verdacht fällt auf ihren eigenen Bruder. Fast fünfzig Jahre später soll Ghostwriterin Olivia die Memoiren ihres Vaters Vince Taylor schreiben – eines gefeierten Autors und Bruders der Opfer.

Julie Clark verwebt in Die unsichtbare Hand meisterhaft Gegenwart und Vergangenheit. Neben Olivias Perspektive erleben wir Kapitel aus der Sicht von Vince, der an Lewy-Körperchen-Demenz leidet, und von Poppy, einer zentralen Figur der Vergangenheit. Stück für Stück fügen sich Erinnerungen, falsche Fährten und überraschende Enthüllungen zu einem fesselnden Puzzle zusammen. Besonders die authentische Einbindung von Vincents Krankheit verleiht den Erinnerungen zusätzliche Spannung, weil jede Aussage hinterfragt werden muss.

Die wechselnden Zeitebenen und Blickwinkel erzeugen eine Dynamik, die das Buch zu einem Pageturner macht. Die stetig wachsende Zahl an Hinweisen hat in mir regelrechtes Ermittlungsfieber geweckt, und die Twists am Ende sind einfach brillant. Olivia und Poppy sind Figuren, die man gerne begleitet, und die Atmosphäre zwischen Familiengeheimnis, psychologischer Spannung und Krimielementen ist perfekt ausbalanciert.

Ein intensiver, clever aufgebauter Spannungsroman, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt – und für mich Julie Clarks bisher bestes Werk. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Briefe, die alles verändern

Das Licht ist hier viel heller
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Maximilian Wenger, einst gefeierter Bestsellerautor, steckt nach einer Scheidung in einer kreativen und persönlichen Sackgasse. Da landen versehentlich Briefe in seinem Briefkasten, die für den Vormieter ...

Maximilian Wenger, einst gefeierter Bestsellerautor, steckt nach einer Scheidung in einer kreativen und persönlichen Sackgasse. Da landen versehentlich Briefe in seinem Briefkasten, die für den Vormieter bestimmt sind. Die bewegenden Erlebnisse einer fremden Frau, die darin geschildert werden, rütteln etwas in ihm wach – seine Inspiration. Parallel kämpft Tochter Zoey mit den Erwartungen ihrer Mutter und dem Schmerz einer unerwiderten Liebe.

Der Wechsel zwischen beiden Perspektiven verleiht der Geschichte Tempo und Abwechslung. Wenger überzeugt als charismatischer Antiheld, Zoey wirkt nahbar, auch wenn sie nicht immer einfach ist. Manche Szenen wirken etwas überzogen, doch die Mischung aus Alltäglichem, ernsten Themen und emotionalen Momenten funktioniert.

Der von #MeToo inspirierte Stoff wird sensibel umgesetzt, ohne zu belehren, und der Erzählstil passt sich gelungen den Figuren an. Ein unterhaltsamer Roman mit ernsten Untertönen, glaubwürdigen Charakteren und einer Prise leiser Melancholie.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Ein leises und intensives Porträt der Trauer

Die Frau und der Fjord
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Am äußersten Rand Norwegens, auf den windumtosten Lofoten, sucht die Geologin Gro nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Zuflucht in einem einsamen roten Holzhaus am Fjord. Sie hat ihren angesehenen Job ...

Am äußersten Rand Norwegens, auf den windumtosten Lofoten, sucht die Geologin Gro nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Zuflucht in einem einsamen roten Holzhaus am Fjord. Sie hat ihren angesehenen Job auf einer Ölplattform aufgegeben, ihr bisheriges Leben hinter sich gelassen und zieht sich in die Abgeschiedenheit der arktischen Natur zurück – begleitet nur von der Urne ihres Mannes und ihren Erinnerungen.

Annette Strohmeyer zeichnet in ihrem Debüt ein leises, intensives Porträt einer Frau, die in tiefer Trauer steckt und Schritt für Schritt den Weg zurück ins Leben findet. Begegnungen mit einem verletzten Vogel und dem Fischer Jens öffnen Gro zögerlich für menschliche Nähe, während sie die Natur der Lofoten immer tiefer zu schätzen lernt.

Besonders eindrucksvoll sind Strohmeyers Schilderungen der Landschaft: karg, wild und gleichzeitig voller feiner Schönheit. Der Roman verbindet die Themen Verlust, Selbstfindung und Neuanfang mit einer sensiblen Naturschilderung und authentischer Gefühlsdarstellung. Ein stiller, nachwirkender Roman, der zeigt, wie Heilung in kleinen Schritten geschieht.

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