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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.07.2025

Atmosphärisch und fesselnd

Schattengrünes Tal
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Lisa ist eine hilfsbereite Allrounderin und das Rückgrat des alten Familienhotels im Schwarzwald. Sie hält den maroden Betrieb ihres griesgrämigen Vaters Carl am Leben, bekommt dafür aber keine Anerkennung ...

Lisa ist eine hilfsbereite Allrounderin und das Rückgrat des alten Familienhotels im Schwarzwald. Sie hält den maroden Betrieb ihres griesgrämigen Vaters Carl am Leben, bekommt dafür aber keine Anerkennung – denn er wartet lieber darauf, dass ihr verschollener Bruder Felix zurückkehrt und das Hotel übernimmt. Obwohl Lisa ständig einspringt, kann sich Carl nicht vorstellen, die Führung des Hotels an Lisa zu übergeben. Als dann auch noch eine fremde Frau im überschaubaren Dorf aufkreuzt, beginnt ein wildes Auf und Ab.

Das Setting des Buches war genau meins – ich habe die Atmosphäre regelrecht aufgesogen. Kristina Hauff beschreibt die Natur so eindringlich, dass ich mich beim Lesen mitten im Schwarzwald gefühlt habe. Alles wirkte fast haptisch – wirklich, wirklich stark.

Diese Stimmung und Atmosphäre des Settings hat perfekt zur Handlung gepasst, die sich immer weiter zuspitzt und zunehmend bedrohlicher wurde.

Auch die Charaktere habe ich als sehr authentisch empfunden – sie wirkten durchweg glaubwürdig und lebendig. Ich konnte sie mir bildlich vorstellen und war von ihren Dynamiken sehr eingenommen.

Zwar gab es ein paar kleinere Schwachstellen, an denen mir die Geschichte fast schon etwas zu überzogen erschien, aber insgesamt war es nicht störend und ich habe die Geschichte vollends genießen können.

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Veröffentlicht am 18.04.2024

Spannende Psychospielchen

Sie kann dich hören
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Millie Calloway hat eine neue Stelle angenommen, um ihr Studium zu finanzieren. Sie arbeitet als Haushaltshilfe für ein wohlhabendes Ehepaar aus Manhattan. Ihr Arbeitgeber Douglas Garrick scheint freundlich ...

Millie Calloway hat eine neue Stelle angenommen, um ihr Studium zu finanzieren. Sie arbeitet als Haushaltshilfe für ein wohlhabendes Ehepaar aus Manhattan. Ihr Arbeitgeber Douglas Garrick scheint freundlich zu sein und stellt keine allzu vielen Fragen über ihre Vergangenheit. Doch Millie fragt sich, warum sie nicht mit seiner Frau Wendy sprechen darf. Sie hört Weinen aus dem verschlossenen Zimmer und sieht Blutflecken auf Wendys Kleidung. Ist Douglas wirklich der fürsorgliche Ehemann, für den er sich ausgibt? Millie ist entschlossen, Wendy zu helfen, auch wenn das bedeuten könnte, dass ihr dunkelstes Geheimnis ans Licht kommt.

Ich war anfangs ein wenig misstrauisch, weil sich die ersten Seiten ganz stark wie eine Wiederholung des ersten Bandes anfühlten. Wir begleiten wieder Millie, die sich mit Putzjobs über Wasser hält, vorzugsweise bei reichen Familien. Auch diesmal wird schnell klar, dass bei ihrem neuen Arbeitgeber wieder etwas im Argen liegt. Man spürt bereits auf den ersten Seiten, dass es sich auch hier wieder um häusliche Gewalt dreht und denkt, dass man die Handlung bereits durchschaut hat, aber weit gefehlt.

Nicht nur die Geschichte, sondern auch Millie haben sich stark weiterentwickelt. Ich mag sie als Protagonistin unheimlich gern, weil sie so vielschichtig und rund erscheint. Auch wenn sie für mich persönlich nicht immer nachvollziehbar handelt, bleibt sie ihrer Rolle treu und agiert, wie es ihr Charakter vorgesehen hat.
Auch Wendy war eine wirklich spannende Persönlichkeit, die mich schnell Empathie hat empfinden lassen.
Die Einführung von Brock hab ich nicht ganz verstanden. Sein Sinn und Zweck war wahrscheinlich nur, einen Platz zu füllen, den es in meinen Augen gar nicht gebraucht hätte.

Wie beim ersten Band hat man die Bedrohung auf jeder einzelnen Seite spüren können. Es war beklemmend, gefährlich und man wartete nur drauf, dass es eskalieren würde. Spannende Wendungen, die ich so nicht vorhergesehen habe, taten ihr übriges, um den zweiten Band noch stärker werden zu lassen als den ersten.

Eine ganz klare Leseempfehlung für alle Leser:innen, die Lust auf Psychospielchen, zahlreiche unerwartete Wendungen und ein Buch haben, das man nicht aus der Hand legen kann.

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Veröffentlicht am 17.04.2024

Scharfzüngige Auseinandersetzung mit aktuellen Themen

Echtzeitalter
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Das Internat, in dem Till ist, scheint wie der perfekte Ort für ein aufregendes Abenteuer: Es liegt mitten in Wien, umgeben von einem Park mit Hügeln, Sportplätzen und einer historischen Grotte. Doch Till ...

Das Internat, in dem Till ist, scheint wie der perfekte Ort für ein aufregendes Abenteuer: Es liegt mitten in Wien, umgeben von einem Park mit Hügeln, Sportplätzen und einer historischen Grotte. Doch Till fühlt sich dort nicht wohl – weder mit dem Lehrstoff noch mit der elitären Atmosphäre. Seine Leidenschaft sind Computerspiele, besonders das Echtzeit-Strategiespiel „Age of Empires 2“. Unbekannt für seine Umgebung, ist er mit fünfzehn Jahren bereits ein Online-Star, einer der jüngsten Top-10-Spieler der Welt. Doch fragt er sich, wie echt dieses Glück eigentlich ist.

Ich hab eine Weile gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen. Nicht, weil mir die Thematik nicht zugesagt hat, sondern weil ich die Sprache anfangs als sehr artifiziell empfunden hab.

Die Charaktere fand ich allesamt faszinierend. Ich mochte Till, seine inneren Konflikte, die Zerissenheit, seine Beziehung zu seinen Freunden, seinen Eltern und schließlich zum weiblichen Geschlecht.
Ich mocht die Jungenfreundschaften untereinander, die zwar relativ derb, aber auch eben einfach sehr real und rund dahergekommen sind.

Ich mocht die Auseinandersetzung des veralteten Drills, der seelischen Grausamkeiten und allgemein dem Umgang am Internat total. Ich fand sie kritisch, aber auf den Punkt gebracht. Besonders gefallen hat mir, dass nicht nur mir als Leserin bewusst wurde, dass dort einiges falsch läuft, sondern auch, dass die Charaktere sich dessen bewusst gewesen sind. Es war schockierend, schmerzhaft, aber auch genau deswegen authentisch und schonungslos ehrlich.

Mir hat das Aufgreifen der Gaming-Thematik super gut gefallen. Ich mocht die Auseinandersetzung, die Übertragung von Tills Faszination, seiner Begeisterung – ich konnt einfach komplett mitgehen.
Ich mocht die scharfzüngige Darstellung zwischen Literatur und Politik, Gesellschaft und einfach noch so viel mehr.

Ich war sehr gern an der Seite der Charaktere und muss ehrlich zugeben, dass ich sie ein wenig vermisse. Auch wenn das Ende für mich ein wenig zu unaufgeregt und plätschernd dahin floss, hab ich mich wirklich gut unterhalten gefühlt.

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Veröffentlicht am 17.04.2024

Ehrliche & einfühlsame Reise

Gespenster
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In „Gespenster“ schildert uns Autorin Dolly Alderton die Geschichte von Nina, einer Frau Anfang dreißig, die mit den Herausforderungen des Erwachsenwerdens konfrontiert ist. Während ihr Ex-Freund sich ...

In „Gespenster“ schildert uns Autorin Dolly Alderton die Geschichte von Nina, einer Frau Anfang dreißig, die mit den Herausforderungen des Erwachsenwerdens konfrontiert ist. Während ihr Ex-Freund sich verlobt und ihre beste Freundin bereits ihr zweites Kind erwartet, ist Nina allein und nutzt Dating-Apps. Nach zahlreichen enttäuschenden Dating-Erfahrungen scheint sie endlich den perfekten Mann in Max gefunden zu haben. Doch als Max plötzlich ohne Vorwarnung verschwindet und Nina ghostet, bricht für sie eine Welt zusammen. Zu allem Unglück wird ihr Vater kurz darauf mit Demenz diagnostiziert.

Dolly nimmt uns mit auf eine ehrliche und einfühlsame Reise durch die Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens. Die Protagonistin Nina steht vor den typischen Herausforderungen der Dreißiger: Beziehungen, Karriere, Familie und die Suche nach Identität. Die Geschichte ist mit viel Herz und Humor erzählt und bietet eine tiefgreifende Reflexion über Liebe, Verlust und Selbstfindung.

Der Autorin gelingt es, ihre Charaktere lebendig und authentisch zu gestalten. Auch ihre Dialoge sind treffend und mitreißend. Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie sie die Emotionen und Gedanken ihrer Protagonistin einfängt und wie sie deren innere Konflikte und Ängste schildert. Ich hab mich Nina und den anderen oft so nah gefühlt, als wären es meine Freundinnen, die mir von ihren Erfahrungen berichten.

Der Roman behandelt nicht nur romantische Beziehungen, sondern auch Freundschaften und Familienbindungen auf eine tiefgründige Weise. Dabei gelingt es Alderton, eine Balance zwischen Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit zu finden, die die Leser:innen durch die Geschichte trägt.

Die Handlung ist gut strukturiert und zieht die Leser:innen von Anfang bis Ende in den Bann. Die unerwarteten Wendungen und die Tiefe der Charakterentwicklung machen „Gespenster“ zu einem fesselnden Leseerlebnis.

Insgesamt ist es ein berührender Roman über das Erwachsenwerden, der mit seiner Authentizität und Tiefe beeindruckt und eine klare Empfehlung für Leser:innenist, die nach einer mitreißenden Geschichte über Liebe, Verlust und Selbstfindung suchen.

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Veröffentlicht am 16.03.2024

Sogwirkung!

Der Ausflug - Nur einer kehrt zurück
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Jedes Jahr im Sommer machen die Anwältin Anna, ihr Verlobter Henrik und ihre beste Freundin Melina eine Reise in den Norden Schwedens, um dem hektischen Leben in Stockholm zu entfliehen und in der unberührten ...

Jedes Jahr im Sommer machen die Anwältin Anna, ihr Verlobter Henrik und ihre beste Freundin Melina eine Reise in den Norden Schwedens, um dem hektischen Leben in Stockholm zu entfliehen und in der unberührten Natur zu wandern. Doch dieses Mal ist Melinas neuer Freund, Jakob, mit von der Partie. Er schlägt vor, von der geplanten Route abzuweichen und stattdessen den wilden und abgelegenen Nationalpark Sarek zu erkunden. Schnell wird klar, dass diese Wanderung alles andere als entspannt ist. Jakob fordert die Gruppe zu immer riskanteren Herausforderungen heraus, und die Dynamik zwischen ihnen verändert sich. Lang unterdrückte Spannungen und Geheimnisse kommen ans Licht, und die Stimmung wird angespannt. Bald dreht sich alles nur noch um eine Frage: Wer wird es schaffen, sicher nach Hause zurückzukehren?

Die Geschichte wird auf zwei verschiedene Arten erzählt. Zum einen begleiten wir die aktuellen Geschehnisse aus Sicht von Anna, dabei befinden wir uns in der Vergangenheit, denn die Wanderung ist schon geschehen. Wir erleben an ihrer Seite die Wanderung, bekommen Einblicke in ihre Gedankenwelt und ihre Perspektive. Zum anderen werden Polizeibefragungen genutzt, um das hier und jetzt nach der Wanderung zu beschreiben. Hierbei wird uns aber nicht nur die Sicht von Anna zuteil.

Die Charaktere haben mir unwahrscheinlich gut gefallen. Auch wenn Anna die Einzige war, der man sich richtig nah fühlen konnte und die ein paar mehr Details und Einblicke in ihre Gedanken bot, hatten alle ihre faszinierenden Facetten. Die anderen drei Freunde sind relativ blass und man erfährt nur häppchenweise ein paar wenige Hintergründe, jedoch hat es mir persönlich gereicht, um die Figuren an sich besser zu verstehen.
Am liebsten hätte ich sie alle gern geschüttelt. Anna, die einfach nicht auf ihr Gefühl hört und sich damit immer tiefer in eine missliche Lage verstrickt, auch wenn es nicht wirklich nötig wgewesen wäre. Melina, die wie der Frosch im Kochtopf wahrscheinlich schon zu lange sitzt, um zu merken, dass es langsam ungemütlich wird. Henrik, der viel zu verschlossen gewesen ist und einfach hätte kommunizieren können und Jakob, weil ... na ja, er war Jakob.

Der Schreibstil war der Wahnsinn. Auch wenn sich der Autor viel mit Naturbeschreibungen aufhielt und ich unter normalen Umständen wahrscheinlich alles überblättert hätte, hab ich jede einzelne Seite genossen. Es war nicht langweilig, sondern nahm mich mit auf die Reise. Es fühlte sich an, als wär ich mit den vieren und einem Rucksack bepackt auf der Wanderung. Wirklich faszinierend. Am besten hat mir jedoch gefallen, dass man die Bedrohung auf jeder Seite spüren konnte. Die Spannung wurde nicht nur an Handlungen festgemacht, sondern eher an dem, was zwischen den Zeilen passierte. Absolut fesselnd.

Diese Geschichte vereint eigentlich alles, was mich dazu verleiten würde, ein Buch nicht zu kaufen. Ich bin kein Fan von Wandergeschichten, ausschweifenden Naturbeschreibungen oder Survival-Themen – und doch hat es mich so sehr in seinen Bann ziehen können, dass es mich auch Tage nach der Beendigung noch immer beschäftigt.

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