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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.08.2025

Bis dass der Tod euch scheidet

Very Bad Widows
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Pam, Marlene, Shalisa und Nancy sind seit über dreißig Jahren befreundet. Gemeinsam mit ihren Ehemännern verbringen die vier viel Zeit miteinander und führen ein angenehmes Leben ohne Geldprobleme. Nachdem ...

Pam, Marlene, Shalisa und Nancy sind seit über dreißig Jahren befreundet. Gemeinsam mit ihren Ehemännern verbringen die vier viel Zeit miteinander und führen ein angenehmes Leben ohne Geldprobleme. Nachdem die Ehemänner vor ein paar Jahren bei einer riskanten Investition ihr Erspartes in den Sand gesetzt haben, hängt jedoch der Ehesegen schief. Im Übrigen hat sich bei allen vier Paaren im Laufe der Jahre Routine breitgemacht und vom großen Glück ist nicht mehr viel zu spüren.
Als Marlenes Ehemann Dave bei einem Unfall stirbt und Marlene überraschenderweise eine hohe Lebensversicherungssumme ausbezahlt bekommt, die ihr ein sorgloses Leben sichert, kommen die anderen drei ins Grübeln. Wäre es nicht schön, ebenfalls so viel Geld zur Verfügung zu haben? Durch Zufall erfahren sie, dass auch ihre Ehemänner die entsprechenden Lebensversicherungen abgeschlossen haben…
„Very Bad Widows“ ist eine höchst amüsante und schräge Krimikomödie, die hoffentlich verfilmt wird. Sie überrascht immer wieder durch unterwartete Wendungen. Allerdings hätte sie für meine Begriffe etwas kürzer ausfallen dürfen, das letzte Drittel ist doch ziemlich langatmig und das Ende ein bisschen zu bonbonrosa. Aber alles in allem war es die perfekte Sommerlektüre.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Wie war das möglich?

Am Meer ist es schön
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Die achtjährige Susi Lach wird vom Hausarzt der Familie für zu dünn befunden und in Kur geschickt. Es ist das Jahr 1969 und die Entsendung von Kindern in sogenannte Verschickungsheime wird deutschlandweit ...

Die achtjährige Susi Lach wird vom Hausarzt der Familie für zu dünn befunden und in Kur geschickt. Es ist das Jahr 1969 und die Entsendung von Kindern in sogenannte Verschickungsheime wird deutschlandweit millionenfach praktiziert. Susannes Familie freut sich für sie, denn das Heim in St. Peter Ording liegt direkt am Meer und die Kinder haben dort bestimmt viel Spaß. Die Wirklichkeit sieht vollkommen anders aus. Die Kinder werden nach Strich und Faden drangsaliert, wer sich weigert, beispielsweise die ungenießbare Pampe, die die Kinder als Frühstück erhalten, zu essen, drakonisch bestraft. Die Briefe nach Hause werden von den „Tanten“ diktiert, damit nichts von den wahren Zuständen nach außen dringt. Wer sich nicht vollkommen unterwirft, wird in einen dunklen Keller gesperrt und bekommt im schlimmsten Fall eine Verlängerung des Aufenthalts, weshalb manche Kinder monatelang diesen Qualen ausgesetzt waren. Es ist unglaublich, dass diese Praxis über viele Jahre stattfinden konnte, und das, obwohl die heimkehrenden Kinder ihren Familien über das Erlebte berichtet haben! Im Falle von Susi ist es so, dass die Familie die von ihr geschilderten Ereignisse als blühende Fantasie abtun…
Jahrelang spricht Susanne Lach nicht über diesen prägenden Sommer ihrer Kindheit, der ihr auch als Erwachsene noch Albträume beschert. Erst als Susannes Mutter im Sterben liegt und sie gemeinsam mit ihrer Tochter Julia die Mutter besucht, beginnt sie, ihre Geschichte erneut zu erzählen und dieses Mal glaubt ihr die Mutter.
Es ist mir ein Rätsel, wie ein solch grausames, auf Machtmissbrauch basierendes System über viele Jahre hinweg florieren konnte und dass so viele Menschen daran beteiligt waren! Obwohl mir der Schreibstil teilweise nicht so gut gefallen hat und zum Beispiel die Figur von Edith, Susis Schwester, sehr überzeichnet war, ist „Am Meer ist es schön“ ein aufwühlendes und lesenswertes Buch, das über ein dunkles Kapitel in Deutschlands Geschichte berichtet.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Schlaflosigkeit verbindet

Der Schlaf der Anderen
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Janis arbeitet in einem Schlaflabor, wo sie Nacht für Nacht die Gehirnströme ihrer Gäste misst. Früher war sie Krankenschwester, doch nach einem einschneidenden Ereignis vor ein paar Jahren wurde ihr klar, ...

Janis arbeitet in einem Schlaflabor, wo sie Nacht für Nacht die Gehirnströme ihrer Gäste misst. Früher war sie Krankenschwester, doch nach einem einschneidenden Ereignis vor ein paar Jahren wurde ihr klar, dass sie diesem permanenten Druck nicht mehr gewachsen ist.
In dieser Nacht kommt Sina zu ihr, zu der sie eine unerklärliche Nähe verspürt. Nicht etwa, weil sie lesbisch wäre, sondern sie erkennt in ihr eine Seelenverwandte, mit der sie gern befreundet wäre.
Sina ist Lehrerin und hat seit langer Zeit Schlafprobleme, die sie ab und zu mit starken Schlafmitteln bekämpft. Es fällt ihr immer schwerer, ihren Alltag zu meistern. Im Schlaflabor schafft sie es tatsächlich einzuschlafen, doch nicht für lange. Mit den Elektroden, die noch an ihrem Kopf befestigt sind, verlässt sie das Schlaflabor und beschließt, mitten in der Nacht jemanden im nahegelegenen Krankenhaus zu besuchen, wobei sie Janis überredet mitzukommen. Es ist eine ziemlich verrückte Nacht, in der sie sich gegenseitig ihr Leben erzählen und ein schweres Möbelstück durch die Gegend tragen. Viele der im Buch beschriebenen Situationen sind ziemlich schräg, amüsant zu lesen, aber ich bezweifle, dass sie sich im wirklichen Leben so abspielen könnten. Beispielsweise die Tatsache, dass Sina über längere Zeit ihre Klassen nicht unterrichtet, sondern sich in ihrem Klassenraum auf ein Sofa legt und schläft. Nichtstun ist auch Tun, lautet ihr Credo. Auch die Schüler sollen auf diese Weise zur Ruhe kommen.
Da ich selbst unterrichtet habe, bin ich mir sicher, die Eltern hätten innerhalb von wenigen Stunden einen Aufstand gemacht, wenn sich die Lehrkraft hinlegt und schläft, anstatt die Schüler zu unterrichten!
Tamar Noorts Schreibstil hat mir gut gefallen. Nachdem mir die Leseprobe nicht sonderlich gefallen hatte, bin ich vom ganzen Buch doch angetan.

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Spielerisches Lernen

Wieso? Weshalb? Warum? Meine Vorlesegeschichten, Band 3 - Wer ist hier im Einsatz?
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Nachdem ich meinem Enkel bereits den zweiten Band der Reihe „Wieso, weshalb, warum?“ vorgelesen habe, haben wir uns beide auf den dritten Band gefreut, in dem lauter Geschichten rund um Einsatzkräfte erzählt ...

Nachdem ich meinem Enkel bereits den zweiten Band der Reihe „Wieso, weshalb, warum?“ vorgelesen habe, haben wir uns beide auf den dritten Band gefreut, in dem lauter Geschichten rund um Einsatzkräfte erzählt werden.
Die Geschichten spielen in dem kleinen Ort Hoppelstedt, wo die Kinder Toni, Kojo, Abena und Lenny mit ihren jeweiligen Familien wohnen. Was die Familiensituation anbelangt, sind die Bücher äußerst politisch korrekt, indem sie alle Arten von Lebensgemeinschaften abbilden, beispielsweise hat der sechsjährige Lenny zwei Mütter. Auf den ersten Seiten lernen wir die einzelnen Personen mit Abbildungen kennen, für kleine Kinder finde ich das sehr hilfreich. Auch der Stadtplan von Hoppelstedt ist eine gute Idee. Mein Enkel zeigt mir bei jeder Geschichte, wo sie stattfindet und welchen Weg die Kinder von ihrem Zuhause genommen haben.
Die Geschichten decken das ganze Jahr ab, vom Weihnachtsmarkt bis zu einem Einsatz im Hochsommer am Badesee. Dabei erlernen die Kinder spielerisch Wissen, beispielsweise, dass man nicht mit vollem Magen ins Wasser gehen soll und dass man niemals auf einer Luftmatratze im Wasser einschlafen sollte. In den Geschichten trifft man immer wieder auf dieselben Personen, zum Beispiel den Rettungssanitäter Jan oder Tonis Nachbarin Frau Heine. Diesen Effekt des Wiedererkennens finde ich auch gelungen.
„Wer ist hier im Einsatz?“ ist ein wirklich schönes Buch für Kinder im Vorschulalter, bei dem sie spielerisch lernen, welch wichtige Rolle Einsatzkräfte ausüben und wie man sich in bestimmten Situationen (nicht) verhalten sollte.

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Veröffentlicht am 29.06.2025

Das Massaker von Bottigalli

Der dunkle Sommer
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Die deutsche Architektin Tilda erfährt von einem ausgestorbenen Dorf auf Sardinien, in dem Häuser für einen Euro erworben werden können. Da sie gerade in einer schwierigen persönlichen und beruflichen ...

Die deutsche Architektin Tilda erfährt von einem ausgestorbenen Dorf auf Sardinien, in dem Häuser für einen Euro erworben werden können. Da sie gerade in einer schwierigen persönlichen und beruflichen Situation ist, bricht sie ihre Zelte in Deutschland ab und kauft ein heruntergekommenes Haus in dem kleinen Dorf Botigalli. Dass sie die einzige Bewohnerin des Dorfs ist, kommt ihr sehr entgegen. Allerdings findet sie bald heraus, dass außer ihr doch noch zwei weitere Personen dort wohnen: der alte, gebrechliche Silvio und seine Pflegerin. Silvio bekommt regelmäßig Besuch von dem Journalisten Enzo, der die Hintergründe eines vierzig Jahre zurückliegenden Massakers aufdecken will, dessen einziger Überlebender Silvio ist.
Eines Tages steht Tildas jüngerer Bruder Nino vor der Tür. Tilda ist zunächst alles andere als begeistert, doch als Nino nach einer Weile spurlos verschwindet, setzt sie alle Hebel in Bewegung, um ihn wiederzufinden.
Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen. Wir erleben die dramatischen Ereignisse der 1980er Jahre, als sich in Italien ganze Dörfer Geld mit Entführungen verdienten, aus der Sicht der jungen Franca. Eine dieser Entführungen endet in dem Massaker, das aus Botigalli ein Geisterdorf macht.
Ein weiterer Handlungsstrang befasst sich mit dem Journalisten Enzo. Nach und nach erkennt man die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Handlungssträngen.
Ich habe „Der dunkle Sommer“ als Hörbuch gehört. Es wird von verschiedenen Sprechern gelesen, was teilweise ein wenig verwirrend war. Die Stimme der Tilda ließ eher auf ein Teenagermädchen schließen als auf eine erwachsene Frau. Die Geschichte ist spannend und hat mich gut unterhalten. Am Schluss laufen alle Handlungsstränge zusammen und es bleiben keine Fragen offen. Interessant fand ich, dass „Der dunkle Sommer“ teilweise auf wahren Begebenheiten beruht.

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