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Veröffentlicht am 13.08.2025

Schlaflosigkeit verbindet

Der Schlaf der Anderen
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Janis arbeitet in einem Schlaflabor, wo sie Nacht für Nacht die Gehirnströme ihrer Gäste misst. Früher war sie Krankenschwester, doch nach einem einschneidenden Ereignis vor ein paar Jahren wurde ihr klar, ...

Janis arbeitet in einem Schlaflabor, wo sie Nacht für Nacht die Gehirnströme ihrer Gäste misst. Früher war sie Krankenschwester, doch nach einem einschneidenden Ereignis vor ein paar Jahren wurde ihr klar, dass sie diesem permanenten Druck nicht mehr gewachsen ist.
In dieser Nacht kommt Sina zu ihr, zu der sie eine unerklärliche Nähe verspürt. Nicht etwa, weil sie lesbisch wäre, sondern sie erkennt in ihr eine Seelenverwandte, mit der sie gern befreundet wäre.
Sina ist Lehrerin und hat seit langer Zeit Schlafprobleme, die sie ab und zu mit starken Schlafmitteln bekämpft. Es fällt ihr immer schwerer, ihren Alltag zu meistern. Im Schlaflabor schafft sie es tatsächlich einzuschlafen, doch nicht für lange. Mit den Elektroden, die noch an ihrem Kopf befestigt sind, verlässt sie das Schlaflabor und beschließt, mitten in der Nacht jemanden im nahegelegenen Krankenhaus zu besuchen, wobei sie Janis überredet mitzukommen. Es ist eine ziemlich verrückte Nacht, in der sie sich gegenseitig ihr Leben erzählen und ein schweres Möbelstück durch die Gegend tragen. Viele der im Buch beschriebenen Situationen sind ziemlich schräg, amüsant zu lesen, aber ich bezweifle, dass sie sich im wirklichen Leben so abspielen könnten. Beispielsweise die Tatsache, dass Sina über längere Zeit ihre Klassen nicht unterrichtet, sondern sich in ihrem Klassenraum auf ein Sofa legt und schläft. Nichtstun ist auch Tun, lautet ihr Credo. Auch die Schüler sollen auf diese Weise zur Ruhe kommen.
Da ich selbst unterrichtet habe, bin ich mir sicher, die Eltern hätten innerhalb von wenigen Stunden einen Aufstand gemacht, wenn sich die Lehrkraft hinlegt und schläft, anstatt die Schüler zu unterrichten!
Tamar Noorts Schreibstil hat mir gut gefallen. Nachdem mir die Leseprobe nicht sonderlich gefallen hatte, bin ich vom ganzen Buch doch angetan.

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Spielerisches Lernen

Wieso? Weshalb? Warum? Meine Vorlesegeschichten, Band 3 - Wer ist hier im Einsatz?
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Nachdem ich meinem Enkel bereits den zweiten Band der Reihe „Wieso, weshalb, warum?“ vorgelesen habe, haben wir uns beide auf den dritten Band gefreut, in dem lauter Geschichten rund um Einsatzkräfte erzählt ...

Nachdem ich meinem Enkel bereits den zweiten Band der Reihe „Wieso, weshalb, warum?“ vorgelesen habe, haben wir uns beide auf den dritten Band gefreut, in dem lauter Geschichten rund um Einsatzkräfte erzählt werden.
Die Geschichten spielen in dem kleinen Ort Hoppelstedt, wo die Kinder Toni, Kojo, Abena und Lenny mit ihren jeweiligen Familien wohnen. Was die Familiensituation anbelangt, sind die Bücher äußerst politisch korrekt, indem sie alle Arten von Lebensgemeinschaften abbilden, beispielsweise hat der sechsjährige Lenny zwei Mütter. Auf den ersten Seiten lernen wir die einzelnen Personen mit Abbildungen kennen, für kleine Kinder finde ich das sehr hilfreich. Auch der Stadtplan von Hoppelstedt ist eine gute Idee. Mein Enkel zeigt mir bei jeder Geschichte, wo sie stattfindet und welchen Weg die Kinder von ihrem Zuhause genommen haben.
Die Geschichten decken das ganze Jahr ab, vom Weihnachtsmarkt bis zu einem Einsatz im Hochsommer am Badesee. Dabei erlernen die Kinder spielerisch Wissen, beispielsweise, dass man nicht mit vollem Magen ins Wasser gehen soll und dass man niemals auf einer Luftmatratze im Wasser einschlafen sollte. In den Geschichten trifft man immer wieder auf dieselben Personen, zum Beispiel den Rettungssanitäter Jan oder Tonis Nachbarin Frau Heine. Diesen Effekt des Wiedererkennens finde ich auch gelungen.
„Wer ist hier im Einsatz?“ ist ein wirklich schönes Buch für Kinder im Vorschulalter, bei dem sie spielerisch lernen, welch wichtige Rolle Einsatzkräfte ausüben und wie man sich in bestimmten Situationen (nicht) verhalten sollte.

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Veröffentlicht am 29.06.2025

Das Massaker von Bottigalli

Der dunkle Sommer
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Die deutsche Architektin Tilda erfährt von einem ausgestorbenen Dorf auf Sardinien, in dem Häuser für einen Euro erworben werden können. Da sie gerade in einer schwierigen persönlichen und beruflichen ...

Die deutsche Architektin Tilda erfährt von einem ausgestorbenen Dorf auf Sardinien, in dem Häuser für einen Euro erworben werden können. Da sie gerade in einer schwierigen persönlichen und beruflichen Situation ist, bricht sie ihre Zelte in Deutschland ab und kauft ein heruntergekommenes Haus in dem kleinen Dorf Botigalli. Dass sie die einzige Bewohnerin des Dorfs ist, kommt ihr sehr entgegen. Allerdings findet sie bald heraus, dass außer ihr doch noch zwei weitere Personen dort wohnen: der alte, gebrechliche Silvio und seine Pflegerin. Silvio bekommt regelmäßig Besuch von dem Journalisten Enzo, der die Hintergründe eines vierzig Jahre zurückliegenden Massakers aufdecken will, dessen einziger Überlebender Silvio ist.
Eines Tages steht Tildas jüngerer Bruder Nino vor der Tür. Tilda ist zunächst alles andere als begeistert, doch als Nino nach einer Weile spurlos verschwindet, setzt sie alle Hebel in Bewegung, um ihn wiederzufinden.
Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen. Wir erleben die dramatischen Ereignisse der 1980er Jahre, als sich in Italien ganze Dörfer Geld mit Entführungen verdienten, aus der Sicht der jungen Franca. Eine dieser Entführungen endet in dem Massaker, das aus Botigalli ein Geisterdorf macht.
Ein weiterer Handlungsstrang befasst sich mit dem Journalisten Enzo. Nach und nach erkennt man die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Handlungssträngen.
Ich habe „Der dunkle Sommer“ als Hörbuch gehört. Es wird von verschiedenen Sprechern gelesen, was teilweise ein wenig verwirrend war. Die Stimme der Tilda ließ eher auf ein Teenagermädchen schließen als auf eine erwachsene Frau. Die Geschichte ist spannend und hat mich gut unterhalten. Am Schluss laufen alle Handlungsstränge zusammen und es bleiben keine Fragen offen. Interessant fand ich, dass „Der dunkle Sommer“ teilweise auf wahren Begebenheiten beruht.

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Veröffentlicht am 28.04.2025

Landlust und Landfrust

Hier draußen
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Das Hamburger Ehepaar Ingo und Lara hat das Leben in der Stadt satt. Als sie in dem kleinen Dorf Fehrdorf eine Stunde außerhalb von Hamburg einen leerstehenden Bauernhof finden, scheint das Leben perfekt. ...

Das Hamburger Ehepaar Ingo und Lara hat das Leben in der Stadt satt. Als sie in dem kleinen Dorf Fehrdorf eine Stunde außerhalb von Hamburg einen leerstehenden Bauernhof finden, scheint das Leben perfekt. Die Kinder Erik und Erin sollen in der Natur, eingebettet in eine Dorfgemeinschaft, aufwachsen. Doch nach einer aufwändigen Renovierung stellt sich die Idylle nicht wie erwartet ein. Das tägliche Pendeln in die Stadt wird für Ingo immer mehr zur Belastung, Lara ist viel allein und kann ihren Job als Illustratorin nicht so ausüben, wie sie sich vorgestellt hatte.
Eines Abends fährt Ingo kurz vor Fehrdorf eine weiße Hirschkuh an. Der hinzugerufene Jäger Uwe besteht darauf, das Tier gemeinsam mit Ingo zu erschießen, da im Dorf erzählt wird, wer eine weiße Hirschkuh erschießt, habe nur noch ein Jahr zu leben. Diesen Fluch will Uwe nicht alleine tragen. Obwohl Ingo und Lara sich über den Aberglauben lustig machen, bleibt ein ungutes Gefühl zurück.
Ich hatte Probleme damit, in das Buch reinzukommen, nach etwa 100 Seiten war ich aber ganz in der Geschichte gefangen und es hat mir Spaß gemacht, die Bewohner von Fehrdorf kennenzulernen. Das Dorfleben ist alles andere als eine Idylle und geprägt von harter Arbeit, sei es im Schweinemastbetrieb oder auf der Hühnerfarm, die nur unter strengsten hygienischen Sicherheitsbedingungen betreten werden kann. Über Laras Anfrage, ob die Kinder sich nicht mal die süßen Küken anschauen können, können die Betreiber nur lachen, viel zu groß ist die Gefahr, Keime einzuschleppen. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen im Dorf werden beleuchtet. Tove ist zum Beispiel mit dem alten Griesgram Enno verheiratet, der sie praktisch als seinen Besitz ansieht. Das Geld, das sie bei ihrem Putzjob verdient, muss sie bei ihm abliefern, dass sie außerdem Tag und Nacht auf dem Hof schuftet, ist für Enno selbstverständlich. Doch Tove erkennt immer mehr, dass sie so nicht den Rest ihres Lebens verbringen will. „Hier Draußen“ ist ein äußerst interessanter Dorfroman ohne den romantisierenden Kitsch diverser Hochglanzmagazine, ein Buch, das ich nach anfänglichen Schwierigkeiten sehr gerne gelesen habe und gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 25.04.2025

Und wenn es doch stimmt?

Vorsehung
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Auf einem australischen Inlandflug steht eine ältere Frau auf und beginnt damit, den Fluggästen ihr Todesjahr und die jeweilige Todesursache vorherzusagen. Manche tun sie sofort als Spinnerin ab, andere ...

Auf einem australischen Inlandflug steht eine ältere Frau auf und beginnt damit, den Fluggästen ihr Todesjahr und die jeweilige Todesursache vorherzusagen. Manche tun sie sofort als Spinnerin ab, andere sind geschockt, vor allem, da bei manchen der vorhergesagte Todeszeitpunkt schon kurz bevorsteht. Als dann eine junge Frau tatsächlich zum angegebenen Zeitpunkt stirbt, verbreitet sich die Geschichte rasend schnell im Netz. Die Leute sind verunsichert, was, wenn die „Todesdame“ keine Verrückte war, sondern eine tatsächliche Hellseherin?
Große Teile von „Vorsehung“ konnte ich kaum aus der Hand legen. Die Geschichte ist wirklich spannend, zumal die Wahrsagung großen Einfluss auf das weitere Leben der Flugpassagiere nimmt. Einer, dem für das nächste Jahr ein tödlicher Arbeitsunfall prognostiziert wurde, überlegt zum Beispiel seinen Job zu kündigen. Eine Frau, deren Kleinkind angeblich im Alter von sieben Jahren ertrinkt, belegt zwanghaft jeden Schwimmkurs mit dem Kleinen, den sie finden kann.
Jedes Kapitel beschäftigt sich mit einem anderen Fluggast und dessen Umgang mit der Prophezeiung. Abwechselnd dazu lernen wir die „Todesdame“ kennen, die in Wirklichkeit Cherry Hetherington heißt und deren Mutter tatsächlich ihren Lebensunterhalt mit Wahrsagen verdient hat. Diese Kapitel über Cherry und ihr Leben waren mir zum Teil etwas zu ausführlich. Das ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt an einem fesselnden Buch, das mir sehr viel Lesevergnügen bereitet hat!

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