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Veröffentlicht am 19.08.2025

Vielleicht geht es nicht nur um Elefanten

Das Geschenk
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„Das Geschenk“ der neue, gerade mal 138 Seiten lange Roman von Gaea Schoeters, erschienen 2025 im Paul Zsolnay Verlag, hat es erwartbar in den großen Fußstapfen von „Trophäe“ nicht leicht und ist insofern ...

„Das Geschenk“ der neue, gerade mal 138 Seiten lange Roman von Gaea Schoeters, erschienen 2025 im Paul Zsolnay Verlag, hat es erwartbar in den großen Fußstapfen von „Trophäe“ nicht leicht und ist insofern ein achtbarer Nachfolger. Schoeters bleibt dran an der Thematik des Postkolonialismus und des white gaze und führt die Handlung diesmal sogar direkt in die deutsche Hauptstadt Berlin, so dass das Setting für deutsche Lesende mit viel Vertrautem aufwartet.

Die Handlung, die sich etwas über ein Jahr erstreckt, ist ebenso schnell beschrieben, wie sie wundervoll grotesk ist: Im politisch korrekten Deutschen Bundestag wird ein Gesetz gegen die Einfuhr von Elfenbein verabschiedet – was den Präsidenten von Botswana als Produzenten von Elfenbein sehr aufbringt, ist er doch der Auffassung, deutsche Politiker sollten sich mit deutschen Inhalten beschäftigen und nicht einfach Urteile über sein Land fällen, wenn sie die wirtschaftlichen und ökologischen Folgen überhaupt nicht einschätzen können. Perfide und ein bisschen magisch hat er sich deshalb eine Lektion überlegt und lässt zwanzigtausend Elefanten in Berlin erscheinen, damit sich die Deutschen mal so richtig in die Situation einfühlen können. Und damit das Spiel auch nicht zu leicht gewonnen werden kann, gibt es noch eine Zugabe: Für jeden Elefanten, der zu Schaden kommt oder der eingesperrt wird, erscheinen zwei neue.

Was soll man sagen – „the elephant is in the room“. Was zunächst anmutet wie ein Aprilscherz wird zu einer Aufgabe, die die Mechanismen von Politik und die Arroganz westlicher Nationen paradigmatisch vorführt. Und dabei tauchen, sicher nicht zufällig, immer mehr Parallelen zur Flüchtlingsthematik und der AfD auf, was Schoeters gekonnt nicht thematisiert und auch nicht der Hauptfokus des Romans ist, vermutlich, aber es schwingt immer mit und es tut weh. Selbst das Konzept der Remigration taucht auf und wird in aller Deutlichkeit zuendegedacht. Vor allem aber wird deutlich, dass die Kulturarroganz und die postkoloniale Haltung, die in vielen Entscheidungen Europas immernoch mitschwingt, schnell an ihre Grenzen stoßen würde, wären wir selbst mit ähnlichen Voraussetzungen konfrontiert, wie die vielen unterschiedlichen Staaten in Afrika.

Gaea Schoeters schreibt dabei durchweg souverän und herrlich komisch, ihre Bildgewaltigkeit und Detailliebe ist beglückend, ihre Dialoge knackig und bissig und immer wieder ist auch Raum, noch etwas zu lernen, wie etwa Wissen über die Glass-Cliff-Theorie oder das Shifting-Baseline-Syndrom. Wie schnell aus politischen Idealen nur noch Taktik und Gewinnen wollen wird, wie wenig es Bereitschaft gibt, wirklich etwas zu verändern und Fakten Raum zu geben – das alles sind leider Realitäten und keine Fiktion. Und je länger der kurze Roman voranschritt, desto mehr mischten sich in meinem Kopf Elefanten mit Menschen, was die Bitterkeit der Handlung noch verschärfte. Eine kluge Parabel also auf unsere Zeit, auf unsere deutsche Gesellschaft, auf unsere Hochherrlichkeit und unsere Angst. Und ein erneut wacher Blick auf das Verhältnis zwischen erster und dritter Welt, das noch nie wirklich aus Hilfsbereitschaft bestand, sondern noch immer aus Herrschaftsdenken.

Dennoch fehlt etwas. Die Genialität von Trophäe bestand darin, dass wir lesend so tief in den Abgrund der Gedanken und Psyche eines Täters eingestiegen sind, dass es nicht mehr möglich war, sich davon zu distanzieren. Das Geschenk dagegen hält die Distanz durchweg aufrecht und hat zumindest bei mir zu keinem Zeitpunkt Identifikation oder emotionales Einsteigen hervorgerufen. Mir fehlen auch Lösungen. Lösungen, bei denen die Parabel nicht nur in der Parabel steckenbleibt. Lösungen, für die es keine Magie braucht, sondern Realität.

Rein literarisch habe ich den Roman oder vielleicht doch eher die Novelle? aber sehr genossen. Ein richtiger guter Snack, der auch zum Nachdenken anregt, auf jeden Fall zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Vom Träumen und Aufwachen

Dream Count
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„Dream Count“, der neue Roman von Chimamanda Ngozi Adichie, erschienen 2025 im S. Fischer Verlag, ist eine beeindruckende Erzählung über vier Frauen, die sich jede auf ihre Art in ihren Träumen verloren ...

„Dream Count“, der neue Roman von Chimamanda Ngozi Adichie, erschienen 2025 im S. Fischer Verlag, ist eine beeindruckende Erzählung über vier Frauen, die sich jede auf ihre Art in ihren Träumen verloren haben und dadurch das Träumen immer mehr verlernt haben, gebremst von einer nach wie vor zutiefst rassistischen und kolonialen Realität.

Chimamanda Ngozi Adichie schreibt gleichermaßen flüssig und hochkomplex, sieh scheut sich nicht davor, ihren Leser:innen eine Menge Inhalt zuzumuten, holt einen aber auch mit einer klaren und schwungvollen Prosa ab. Sie schreibt spannende Figuren, die es schwer als Lesende bleibt mensch ein bisschen draußen in der beobachtenden Position, was dem Gefüge sehr gut tut, da es nie gefühlig wird. Die vier Frauen, denen wir folgen, sind Chiamaka, Zikora, Kadiatou und Omelogor. Die Handlung spielt primär in Amerika, wichtig für alle Personen ist aber ein nigerianischer Hintergrund. Adichie positioniert alle Frauen zwischen Tradition und Emanzipation, zwischen Individualität und Zugehörigkeit, zeigt ihren Kampf um Autonomie und ihre Sehnsucht nach Gemeinsamkeit. Sie legt den Finger in die Wunde von toxischen Beziehungen und Alltagsrassismus, Unterdrückung und Ausbeutung der Frau, sexuelle Gewalt und Statuskampf, hinterfragt Wurzeln und Stempel, die Menschen aufgedrückt werden. Die vier Frauen sind miteinander verknüpft, auch wenn jeder ein eigener Abschnitt gehört, am Ende steht aber jede für sich allein.

Der Dream Count des Titels klingt nicht zufällig nach Body Count. Wo die einen Körper zählen, die sie berühren, zählen andere Träume, die sich ins Nichts auflösen. Was tun, wenn frau beim letzten Traum angekommen ist? Sehr verdichtet zeigt die Autorin wie patriarchale Strukturen im Großen und Kleinen wirken. Gleichzeitig lässt uns Adichie auch in komplexere, intersektionale Verbindungen blicken. Ihr Feminismus ist nicht. Sie zeigt die patriarchalen Strukturen so unaufgeregt auf, wie sie uns im Alltag begegnen.

Die Autorin reißt in ihrem Roman jedoch noch sehr viel mehr Themen an, die alle interessant sind, leider fehlt dem Roman insgesamt dadurch aber Fokus. Hier wäre weniger doch mehr gewesen, denn so bleiben Facetten der einzelnen Geschichten am Wegesrand liegen und gehen nicht in die Tiefe. So verliert sich das Buch nach vier interessanten Frauengeschichten im fünften Teil leider ein bisschen im Nirgendwo. Dennoch absolut lesenswert, wegen vier so verschiedenen Frauenfiguren, die alle auf ihre Art stumpf geworden sind an einem Leben, das sie täglich in Frage stellt – und wegen viel Learning über die Perspektive von People of Color.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Alles im Fluss

Flusslinien
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„Flusslinien“ von Katharina Hagena, erschienen 2025 bei Kiepenheuer und Witsch, hat mich mit seiner mäandernden Schreibweise und der Zärtlichkeit, mit der hier Figuren durch einen kurzen, aber zentralen ...

„Flusslinien“ von Katharina Hagena, erschienen 2025 bei Kiepenheuer und Witsch, hat mich mit seiner mäandernden Schreibweise und der Zärtlichkeit, mit der hier Figuren durch einen kurzen, aber zentralen Abschnitt ihres Lebens begleitet werden, begeistert.

Protagonistin des Romans ist die gerade volljährige Luzie, die nach einem traumatischen Ereignis während eines Auslandjahres in Australien zurück in Hamburg zunächst nicht wieder ins Leben findet – was nicht nur an Luzie liegt, die noch an der Bewältigung ihres Traumas zu knabbern hat, sondern vor allem auch an ihrem Umfeld, das vollkommen hilflos, teils auch grausam, mit ihr umgeht. Der einzige Mensch, dem Luzie kleine Einblicke in ihr Inneres erlaubt, ist ihre Großmutter Margrit, die in einer Seniorenresidenz nahe der Elbe lebt, über 100 Jahre alt ist – und dafür noch wundervoll fit im Kopf. Luzie hat die Schule abgebrochen, verkriecht sich in einem Schuppen am Elbstrand und geht ihrem Hobby, vielleicht auch ihrer Berufsperspektive, dem Tätowieren, nach. Doch wer Tätowieren lernen will, braucht Menschen, an denen geübt werden kann – und so schlägt Margrit vor, dass Luzie sie tätowieren solle, schließlich ist die Ewigkeit, die einem Tattoo innewohnt, für Margrit ein sehr überschaubarer Zeitraum. Zwischen den beiden steht Arthur, Fahrer der Seniorenresidenz, ein junger Mann, der auch ein Trauma zu bewältigen hat, und der viel Zeit mit einem Metalldetektor am Ufer der Elbe verbringt, auf der Suche nach etwas, das er selbst nicht wirklich beziffern kann, das er aber im Wasser verloren hat. Wir tauchen immer wieder auch ab in die Vergangenheit der ganzen zugehörigen Familien, in Freundes- und Feindesbeziehungen, in die Erfahrung des Alterns, des Jungseins – und des Aushaltens von so viel Leben.

Strukturell ist das Buch nach Tagen aufgeteilt und nach den Menschen, aus deren Perspektive wir auf die Tage schauen. Die Elbe, der Fluss, zeigt sich hier vor allem von ihrer morbiden Seite, atmosphärisch sehr stark gegriffen, und auch hier ist, wie in anderen aktuellen Publikationen, die Vertiefung der Fahrrinne Thema. Der immer weiterführende Eingriff des Menschen in die Natur, er hat immer einen Backlash, dafür ist die Elbe ein wirklich gutes Beispiel. Von Anfang an wehen die Themen Tod und Verlust durch das Buch, das Altern und Erinnern, die Spuren, die das Leben in den Menschen schreibt und der Mensch in die Welt, Verlust, Traumatisierung, Einsamkeit, die Unfähigkeit zu Kommunikation über das Eigentliche, aber auch Abenteuergeist, Lebenshunger, Leidenschaft. Und eher beiläufig aber nicht minder sichtbar: historische Ereignisse, Familienstrukturen, Naturschutz im Elbe-Gebiet, der Römische Garten Hamburgs und seine Entstehungsgeschichte, die Emanzipation der Frau im Laufe der Zeit, der spirituelle Gehalt von Tattoos, die Frage nach etwas, das die Zeit überdauert. Und über allem schwebt die Stille in ihren vielen Gesichtern, mir gefällt das richtig gut.

Die Figuren sind mir alle sehr sympathisch, es sind versehrte Einzelgänger:innen, die sich da zusammenfinden zu einer Zweckgemeinschaft, die unterfüttert ist von vorsichtiger Nähe und Vertrauen. Die Autorin schreibt flüssig und klar, viele Beschreibungen machen die Szenerie und die Menschen lebendig, manchmal gibt es aber einen Hang zu etwas sehr großer Ausführlichkeit, die bei dem sowieso eher langsamen Erzähltempo zur Herausforderung werden kann. Aber das wird aufgewogen von sehr vielen sprachlich großartigen Betrachtungen, die immer wieder aufzeigen, wie sehr unsere Sprache auch patriarchal geprägt ist. Denn ganz klar ist dieses Buch auch aus einer feministischen Perspektive geschrieben. Und nimmt viele aktuelle Themen unserer Zeit beiläufig auf, ohne sie zu vertiefen, so wie Alltag stattfindet, er ist einfach da.

Mir gefällt die Symbolik des Tätowierens in diesem Buch ausnehmend. Das Leben, das noch einmal in den Körper eingeschrieben und dadurch irgendwie festgehalten wird, das Leben, dessen Linien die Enkelin dadurch nachfährt und erfährt, der Körper, der dieses Leben noch einmal spürt, bevor er geht, die Befreiung, die beide dadurch erfahren, die Inspiration, die Luzie für ihr eigenes Leben übernimmt, die gemeinsame Handlung, die Reden und Schweigen ermöglicht, das alles ist enorm gut gegriffen.
Ein großer Kritikpunkt bleibt, der dieses so schöne Buch dann, neben vielleicht doch etwas viel Phantastik und Ausführlichkeit in Seitensträngen der Story, doch einen Stern kostet: Hier schreibt wieder eine Autorin so konsequent gegen das Patriarchat anschreibt – um dann doch die Protagonistin am Ende durch einen Mann „zu retten“. Und ich finde das falsch, unnötig und ärgerlich. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn Luzie nur aus sich heraus und eventuell aus der Beziehung zu den vielen starken Frauen, die ihre Wege kreuzen, die nötige Kraft gefunden hätte, ihren Weg zu gehen.

Insgesamt habe ich aber ein sehr schönes, fließendes Leseerlebnis gehabt, ein Buch, gemacht für leichte Sommerabende, mit nahbaren Figuren, toller Atmosphäre und viel Nachdenklichkeit darüber, wie wir mit unseren Alten als Gesellschaft umgehen. Lesen und dann mal dem Römischen Garten in Hamburg einen Besuch abstatten!

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Veröffentlicht am 13.03.2025

Ein actionreicher Female Roadtrip zur Fuggerzeit

Im Auftrag der Fugger - Der Burgunderschatz
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„Im Auftrag der Fugger – Der Burgunderschatz“ von Peter Dempf, erschienen 2025 bei Bastei Lübbe, ist ein mitreißender historischer Roman, bei dem der Autor einmal mehr all seine Stärken souverän ausspielt. ...

„Im Auftrag der Fugger – Der Burgunderschatz“ von Peter Dempf, erschienen 2025 bei Bastei Lübbe, ist ein mitreißender historischer Roman, bei dem der Autor einmal mehr all seine Stärken souverän ausspielt.

Wir befinden uns in Augsburg, im Jahr 1503, als die junge, verwaiste Bettlerin Afra eine besondere Zeichnung in die Hände bekommt und so davon erfährt, dass eine Delegation aus Basel versucht, den wichtigsten Kaufleuten aus Basel extrem wertvolle Kleinode zu verkaufen – einen Teil des Burgunderschatzes, bestehend aus dem Federlin, dem Gürtelin, der Rose und den Drei Brüdern. Dieser Zufall ist der Ausgangspunkt für eine wilde Reise und Verfolgungsjagd auf Leben und Tod, bei der Afra im Auftrag Jakob Fuggers, des wohl berühmtesten Kaufmanns aus Augsburg, nach dem eine Ära benannt wurde, gemeinsam mit dessen Boten Herwart, dem Afra ebenfalls schon zuvor zufällig begegnet ist, nach Basel und zurückreist, um auf dem Hinweg viel Geld und auf dem Rückweg den Schatz zu transportieren. Natürlich sind die beiden nicht die einzigen, die von diesen Preziosen Kenntnis haben, so dass sich der Botendienst immer mehr zu einer Hatz ausweitet.

Dempf schreibt sehr kenntnisreich und atmosphärisch, er hat ein Händchen für die Charaktere – sowohl für die sympathischen als auch für die fiesen. Lebendig lässt er die Zeit um 1500 auferstehen mit vielen Details, so dass die Reise in die Schweiz und zurück gleichzeitig auch eine Lehrstunde in Geschichte ist – aber immer unterhaltsam und handlungsgebunden. Dabei arbeitet er besonders gut die Situation von Frauen im angehenden 16. Jahrhundert heraus und beschönigt hier nichts – außer bei seiner Heldin Afra, die manchmal schon fast zu Wonder Woman mutiert.

Es gibt so einige Plottwists und zwischenzeitlich wähnt man sich fast eher in einem Actionmovie oder Krimithriller als in einem historischen Roman und ja, auch für etwas Romance ist gesorgt, dankenswerterweise ohne zu viel Spice. Pikante Details finden sich eher bei sehr kreativen Versteckmethoden, doch hier soll nicht zu viel verraten werden.
Insgesamt waren es mir aber doch ein paar Verfolgungsjagden zu viel und gerade gegen Ende der Geschichte häufen sich die unwahrscheinlichen Zufälle und Rettungen doch etwas sehr, so dass sich die Handlung gegen Ende etwas zog. Daher kann ich leider nicht ganz die 5 Sterne geben, die ich für die erste Hälfte auf jeden Fall gesehen hätte. Aber in jedem Fall liegt hier ein rasanter historischer Roman mit starken Frauenfiguren vor, der wirklich gut zu lesen ist! Und wittere ich am Ende sogar einen zweiten Band? (Keine Sorge, der Roman ist in sich geschlossen.) Den würde ich ganz bestimmt lesen. Auch unbedingt noch zu erwähnen ist ein knackiges Nachwort, in dem Dempf noch einmal historische Fakten einordnet und ergänzt, bei historischen Romanen immer sehr gern von mir gesehen. Dieses hat auch eine perfekt gewählte Länge, was auch nicht selbstverständlich ist. Eine runde Leistung also, der nicht viel zum fünften Stern fehlt.

Ein großes Dankeschön an lesejury.de und Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Eine herrliche Crime-Telenovela mit viel Witz

Ganz die Deine
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„Ganz die Deine“ von Claudia Piñeiro, erschienen 2025 im Unionsverlag, ist eine herrlich zugespitzte kriminalistische Telenovela in Buchform, die mit viel Witz durch eine absurde Handlung saust und mit ...

„Ganz die Deine“ von Claudia Piñeiro, erschienen 2025 im Unionsverlag, ist eine herrlich zugespitzte kriminalistische Telenovela in Buchform, die mit viel Witz durch eine absurde Handlung saust und mit multiplen Plottwists die Lesenden bei Laune hält.

Inés, zufrieden mit ihrem Leben mit Ernesto, ein bisschen unzufrieden mit ihrer Teenager Tochter Laura, muss eines Tages entdecken, dass ihr lieber Ernesto sie betrügt, mit einem naiven Frauenzimmer, das ihm Briefchen und Zettelchen zuschiebt, unterschrieben mit „Ganz die Deine“. Nun, Inés ist erwachsen genug, um vom Leben schon gelernt zu haben: Jede Frau wird unweigerlich irgendwann von ihrem Mann betrogen, das ist grundsätzlich keine große Sache, nur die Ruhe, erstmal checken, ob hier ein bedrohlicher Fall vorliegt. Um genau das herauszufinden, folgt Inés Ernesto zu einem Date und was sie da beobachtet, tritt eine Kette von Ereignissen los, von denen die Ehe sich nicht mehr erholen wird. Parallel dazu und unbemerkt von den Eltern erlebt Laura ihre ganz eigene Telenovela, die scheinbar nur lose mit der Haupthandlung verknüpft ist, durch eingefügte Sekundärtexte aus der Psychologie aber eine ganz andere Bedeutung erhält.

Piñeiro bedient sich geschickt an der Struktur von Telenovelas und führt uns mit einem unglaublich trockenen, herrlichen Humor durch die Überkonstruktion der Handlung, was ihr über weite Strecken hervorragend glückt, manchmal aber dann doch ein bisschen too much ist. Multiple Plottwists bringen immer wieder Spannung in das Geschehen und lassen die absichtlich stereotypen Charaktere regelmäßig gegen Wände laufen. Dieses Buch ist nicht gezielt auf Komplexität, es ist ein wirklich witziger netter Snack, den die lesende Person gut mal genießen kann, um wirklich zu entspannen. Dabei ist die literarische Grundqualität aber hoch, die Schreibe ist flüssig und gut durchdacht und ich persönlich musste beim Lesen immer wieder laut auflachen. Das offene Ende lässt viel Raum für Spekulation – eine gute Telenovela lässt ja auch immer die Möglichkeit der nächsten Staffel bestehen.

Fazit: Ein gelungener rasanter kleiner Rachefeldzugsroman, der einfach Spaß bereitet und keinerlei Mühe.

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