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Veröffentlicht am 17.01.2018

Von höchster Stelle

Das Lied der toten Mädchen (Jan-Römer-Krimi 3)
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Jan Römer und seine Kollegin Mütze stoßen auf einen neuen cold case. Zwanzig Jahre zuvor starb eine junge Frau am Wilzenberg, neben ihr eine Spieluhr, die "Hush, little baby" spielt. Mord, eindeutig, aber ...

Jan Römer und seine Kollegin Mütze stoßen auf einen neuen cold case. Zwanzig Jahre zuvor starb eine junge Frau am Wilzenberg, neben ihr eine Spieluhr, die "Hush, little baby" spielt. Mord, eindeutig, aber wer war der Mörder? Der ehemalige Freund hat ein bombensicheres Alibi. Aber dann ist da auch noch die Arbeitsstelle der jungen Frau, die heutzutage nicht mehr existiert. Römer und Mütze finden heraus, dass sie in einem Haus gearbeitet hat, in dem Männer ein und ausgingen, von denen manche nie wieder gesehen wurden. Und was hat der Verfassungsschutz damit zu tun? Plötzlich gibt es weitere Tote und aus dem (k)alten Fall wird eine aktuelle Falle. Nur für wen?

Da ich nicht über Mützes Whiteboard verfüge und mir auch kein eigenes erstellen wollte, gebe ich zu, dass ich bis zuletzt auf der falschen Spur war. Das kommt nicht oft vor, von daher ist dieser Krimi schon mal abzuheben von dem meisten Einerlei, das uns in letzter Zeit serviert wird. Ich hatte bis zum Schluss Probleme mit Römer, den ich nicht leiden kann, aber das wird meistens gut ausbalanciert durch die anderen auftretenden Protagonisten, auch wenn da gern mal tief in die Klischeekiste gegriffen wird. Und ich bin auch nicht sicher, ob sich ein alter Schulleiter nach über zwanzig Jahren noch an irgendwelche Kinder/Jungendlichen erinnern kann, mitsamt Namen diverser Freundinnen. Aber das muss wohl so sein, um wenigstens eine erste Spur zu ergeben. Von daher war das Buch gut zu lesen, meistens unblutig und durch die Kritik am Verfassungsschutz und diverser Regierungseinrichtungen hochaktuell.

Veröffentlicht am 26.12.2017

Bis einer weint

Die Optimierer
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In einer relativ nahen Zukunft bekommt jeder den Platz, der ihm zusteht, im Leben und am Arbeitsplatz. Dafür gibt es die sogenannten Lebensberater, und Samson Freitag ist einer von ihnen. Er ist stolz ...

In einer relativ nahen Zukunft bekommt jeder den Platz, der ihm zusteht, im Leben und am Arbeitsplatz. Dafür gibt es die sogenannten Lebensberater, und Samson Freitag ist einer von ihnen. Er ist stolz auf seinen Job und steht absolut hinter dem System der Bundesrepublik Europa, die sich von allen anderen Staaten abgetrennt hat. Dank der modernen Technik mit Augenlinsen, Kameras, Robotern wird alles überwacht und die Leute bekommen von den Lebensberatern ihre Arbeit zugewiesen und können sich durch alle möglichen Taten Sozialpunkte verdienen. Samson hat viele Sozialpunkte, weil er stets und ständig Vermerke darüber schreibt, was verbessert gehört. Doch eines Tages verliert er alles: erst eine ihm anvertraute Kundin, die sich nach seiner Beratung das Leben nimmt, dann seine Freundin, schließlich seinen Job. Und als seine Eltern als Verbrecher eingestuft werden, ist er selbst nur noch einen Schritt davon entfernt, als einer zu gelten …

Mir gefiel dieser Zukunftsentwurf. Nicht per se, weil ich mir wünsche, dass es so kommt: die totale Überwachung, die totale Regimetreue, die totale Gleichschaltung. Sondern, weil ich mir sehr gut vorstellen kann, dass so ziemlich alles, was hier beschrieben wurde, eintreffen könnte (teilweise ist es heute schon im Gespräch oder gar durchgesetzt). Wer sich ein bisschen mit Zukunftsforschung beschäftigt, dem ist durchaus klar, dass nichts davon abwegig ist. Sozialpunkte gibt es schon in China, beunruhigende Entwicklungen allerorten. Nicht immer logisch fand ich die schnelle Entwicklung von Samson, aber die Handlung und die Ideen des Buches sind absolut lesenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Atmosphäre
  • Figuren
  • Idee/Originalität
  • Spannung
Veröffentlicht am 22.12.2017

Es war einmal ... ein Fuchs

Grischa: Der allzu schlaue Fuchs
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In Rawka, der Welt, die wir in der Grischa-Trilogie kennenlernen durften, erzählt man sich auch Märchen, und dieses ist eines davon.

Koja, so erzählen die Alten abends am Feuer, wenn der eisige Wind um ...

In Rawka, der Welt, die wir in der Grischa-Trilogie kennenlernen durften, erzählt man sich auch Märchen, und dieses ist eines davon.

Koja, so erzählen die Alten abends am Feuer, wenn der eisige Wind um die Hütte streicht und nur das flackernde Licht der Kerzen die Gesichter der Zuhörer erhellt, war ein hässlicher Fuchs, jedoch einer mit mehr Verstand, als ihm guttat. Er war einfach ein Meister des Überlebens - das fing schon damit an, dass er seine Geburt überlebte. Seine Mutter fraß zwei seiner Geschwister, doch ihn ließ sie leben, weil er mit seiner Samtzunge überzeugend genug war. Er stahl dem Bauern die Hühner unter der Nase hinweg, er befreundete sich sogar mit dem mächtigen Bären und er verstand sich gut mit der Nachtigall. Doch all das sollte zu einem Ende kommen, als ein mächtiger Jäger auftauchte und fast unsichtbar die Tiere der Wälder dezimierte - ob da die Schlauheit des Fuchses etwas ausrichten konnte?

Auch hier haben wir wieder ein typisches Märchen, mit einem bösartigen Jäger, einem schlauen Fuchs, einem hübschen, einsamen Mädchen und Tieren, die sprechen können. Dass ich bereits von Anfang an wusste, wohin sich das Ganze entwickeln würde, war meiner Kenntnis des vorigen Märchens geschuldet und dem Wissen, dass Bardugo nicht nur super schreibt, sondern auch auf Plottwists steht. Von daher keine Überraschung, aber trotzdem eine tolle Lektüre, die uns die Welt der Grischa wieder ein bisschen näher bringt.

Veröffentlicht am 22.12.2017

Es war einmal ... eine Hexe

Grischa: Die Hexe von Duwa
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In Rawka, der Welt, die wir in der Grischa-Trilogie kennenlernen durften, erzählt man sich auch Märchen, und dieses ist eines davon.

In den Wäldern bei Duwa, so sagen die Alten, sind sogar die Bäume hungrig, ...

In Rawka, der Welt, die wir in der Grischa-Trilogie kennenlernen durften, erzählt man sich auch Märchen, und dieses ist eines davon.

In den Wäldern bei Duwa, so sagen die Alten, sind sogar die Bäume hungrig, und manchmal stehlen sie junge Mädchen und fressen sie mit Haut und Haar. Ab und zu findet man noch etwas von ihnen - einen Schuh, ein Haarband vielleicht, aber meistens verschwinden sie spurlos. Richtig schlimm wird es in den kalten, frostigen Wintern, wenn niemand mehr zu essen hat. In so einer Zeit verliert die junge Nadja ihre Mutter und lebt allein mit ihrem Vater in ihrer Hütte, bis sich eines Tages eine schöne, aber bösartige Frau an ihren Vater heranmacht, die sie immer öfter allein in den düsteren Wald schickt ...

Das war mal ein richtiges Märchen, wie man es auch noch von den alten Grimms kennt, nicht so eine Weichspülerversion von Disney. Der Schreibstil Bardugos passt sich hier richtig gut dem Aufbau einer Geschichte an, wie sie wirklich an den Feuern in kalten Wintern erzählt worden sein könnte. Den Plottwist habe ich kommen sehen, aber das wird vielleicht jedem misstrauischen Thriller-Leser so gehen, und dass überhaupt einer existierte, fand ich richtig gut. Kein reines Schwarz-Weiß-Zeichnen, und eine nette, kurzweilige Rückkehr in die Welt der Grischas, die mir richtig Spaß gemacht hat.

Veröffentlicht am 19.12.2017

Dunkelgeist

Grischa 3: Lodernde Schwingen
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Alina und wenige Freunde haben mit großen Verlusten und nur dank des Asketen und der Religion, die er auf ihrer "Heiligkeit" aufgebaut hat, die letzte Konfrontation mit dem Dunklen überlebt und konnten ...

Alina und wenige Freunde haben mit großen Verlusten und nur dank des Asketen und der Religion, die er auf ihrer "Heiligkeit" aufgebaut hat, die letzte Konfrontation mit dem Dunklen überlebt und konnten fliehen. Monatelang verstecken sie sich im unterirdischen Reich des Asketen, der sie wie Gefangene hält und sein eigenes Süppchen kocht. Doch Alina weiß, dass sie den dritten Kräftemehrer braucht, sonst kann sie den Dunklen nicht besiegen, und so fliehen sie und ihre Freunde ein weiteres Mal, zurück zur Oberfläche. Gejagt von allen Seiten und nur mit wenigen Verbündeten machen sie sich auf die Suche nach dem Feuervogel und unterwegs erfahren sie immer wieder Neues über den Dunklen, aber auch Ilja Morozew, den ersten und mächtigsten Grischa, den es je gegeben hat. Alina weiß, dass sie alles opfern müssen wird, um den Dunklen zu besiegen, doch sie weiß auch, dass sie dazu nicht bereit ist.

Hier zeichnet sich immer mehr die Genialität der Autorin ab. Ich bin noch immer kein wirklicher Fan der beiden Hauptprotagonisten, Alina ist mir gelegentlich zu wankelmütig, Maljen ist ... na ja. Er selbst eben. Aber die Nebenprotagonisten, die reißen das Buch aus der Masse des Einheitsbreis heraus, mit ihren Sprüchen, ihren Eigenarten, total unterstützt durch den Wahnsinnsschreibstil der Autorin, die Dialoge hinhaut, von denen andere nur träumen können. Ich weiß nicht, warum so viele diesen Band nicht mochten. Ja, er hatte zwischendrin seine Längen, und viele sind mit der Wahl Alinas zum Schluss vielleicht nicht einverstanden. (Ich auch nicht, aber ich mache das Bardugo nicht zum Vorwurf und dafür gibt's auch keinen Punkteabzug.) Aber das Talent, das hier gezeigt wird, sollte man echt mal anerkennen und ich finde das Ende irgendwie auch versöhnlich, fast schon realistisch. Allerdings mochte ich auch das Ende von Hunger Games - wer damit unzufrieden war, wird dieses hier auch nicht mögen.