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Veröffentlicht am 11.02.2018

Road to hell

Die Rache der Polly McClusky
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Polly ist elf, schleppt noch immer einen Plüschteddy mit sich herum und ist gerade mit dem gefährlichsten Menschen unterwegs, den sie kennt: ihrem Vater. Plötzlich, nachdem sie sich mehrere Jahre wegen ...

Polly ist elf, schleppt noch immer einen Plüschteddy mit sich herum und ist gerade mit dem gefährlichsten Menschen unterwegs, den sie kennt: ihrem Vater. Plötzlich, nachdem sie sich mehrere Jahre wegen seines Knastaufenthalts nicht gesehen haben, stand er vor der Schule und nahm sie mit. Und dann muss Polly erfahren, dass ihr Leben zu Ende ist. Ein Knastboss hat nicht nur den Tod ihres Vaters befohlen, sondern auch den ihrer Mutter und ihren eigenen. Ihre Mutter stirbt und jetzt ist Pollys Vater der Einzige, der sie retten kann. Er kennt sich bestens mit dem reinen Überleben aus, aber ob das reicht, wenn alle Gangs der Welt hinter einem her sind?

Ein Buch wie ein Blockbuster. Wenn man es durchweg genießen will, muss man manchmal nicht nur beide Augen, sondern auch die Hühneraugen seiner Oma zudrücken, denn mal ehrlich, so Sachen wie "elfjähriges Mädchen würgt Kampfhund bewusstlos" oder "keine Gang der Welt legt weißen Sheriff um" sind Humbug. Auch ob der Übergang vom schüchternen Kind zum rachsüchtigen Revolverheldenmädchen gelungen ist, darüber kann man streiten. Aber lesen lassen hat sich das Teil wirklich mega, viele Sätze und Szenen kamen mit der Schnelligkeit, Brutalität und Präzision einer fünfundvierziger Kugel und haben durchschlagende Wirkung entwickelt. Um durchzukommen, braucht man auch nicht mehr Zeit investieren, als im Kino einen normalen Hollywoodfilm anzusehen. Früher oder später wird Polly bestimmt auch dort landen.

Veröffentlicht am 10.02.2018

Milchtüten und Depressionen

Hologrammatica
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Ende des 21. Jahrhunderts hat sich die Anzahl der Menschen extrem verringert. Eine Pandemie rottete einen Großteil der Menschheit aus, allerdings gibt es immer noch genügend, um auf dumme Ideen zu kommen. ...

Ende des 21. Jahrhunderts hat sich die Anzahl der Menschen extrem verringert. Eine Pandemie rottete einen Großteil der Menschheit aus, allerdings gibt es immer noch genügend, um auf dumme Ideen zu kommen. Auch die Technik ist weit fortgeschritten, zum Teil jedoch direkt verboten; der gläserne Mensch ist nicht mehr so gläsern, wie noch 50 Jahre zuvor. Dank Holotechnik und anderer zukünftiger Spielereien war es noch nie so einfach, sich einfach abzusetzen, und wenn ein Mensch verschwindet, wenden sich viele Leute an moderne Detektive, die sogenannten Quästoren. Galahad Singh ist einer von ihnen und sein neuester Fall führt ihn in dieser Art von Brave New World bis an die Grenzen des Geistes und darüber hinaus.

Wow, ich muss schon sagen, das ist mal ein Zukunftsentwurf, der es in sich hatte. Gut zu lesen, gut geschrieben, aber nicht immer einfach zu verstehen, man musste schon dran bleiben, um nicht den Faden zu verlieren. Das wird wahrscheinlich schon so manchen Leser abschrecken. Mir haben die Ideen und die Umsetzung gefallen, gerade auch die Verbindung zwischen einer Art Dystopie und Noir-Krimi. Galahad ist einesteils der typische einsame Wolf, andererseits nicht ganz so typisch homosexuell, Sohn eines megareichen Vaters und er verfügt über eine Technik, die den klassischen Detektiven aus den 30iger-Jahr-Romanen nicht zur Verfügung stehen. Das Ganze hätte sogar Potenzial zu einem 5-Sterne-Highlight gehabt, wenn es nicht in der Mitte ein wenig durchhängen und sich auf gewisse Art wiederholen würde. Ein paar Kürzungen hier und da hätten dem Spannungsverlauf gut getan. Trotzdem: richtig gutes Buch für Leute, die Nachdenken während des Lesens nicht für mega retro halten.

Veröffentlicht am 01.02.2018

Niemals allein

Nevernight - Die Prüfung
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Mia Corvere sieht erst mal wie ein mageres, junges Mädchen von sechszehn Jahren aus. Das ist sie auch, aber man darf sie nicht unterschätzen. Sie ist sechs Jahre lang bei einem alten Assassinen in die ...

Mia Corvere sieht erst mal wie ein mageres, junges Mädchen von sechszehn Jahren aus. Das ist sie auch, aber man darf sie nicht unterschätzen. Sie ist sechs Jahre lang bei einem alten Assassinen in die Lehre gegangen, mit nur einem Ziel: Sie will in den Orden der "Roten Kirche" aufgenommen werden, einem Assassinenorden, dessen Aufnahmerituale bereits tödlich sind. All das nimmt sie nur auf sich, weil sie sich rächen will. An den drei Männern, die für den Tod ihrer Familie verantwortlich sind. Dass es sich dabei und die drei mächtigsten und abgeschirmtesten Männer ihres Volkes handelt, macht die Sache nicht leichter, doch Mia hat einen Vorteil, wenn man ihren Fluch so nennen will: Sie kann die Schatten befehligen und wird von einem Schattengeschöpf begleitet. Sie ist niemals allein, selbst wenn sie auf sich allein gestellt ist.

Ehrlich, anfangs habe ich überlegt, ob ich das Buch abbreche. Nicht, weil der Schreibstil so Mist ist, im Gegenteil, der ist außergewöhnlich. Auch nicht, weil die Geschichte nichts hergibt, auch das Gegenteil ist der Fall. Aber mich hat übelst genervt, dass zumindest auf den ersten 100 Seiten der Autor ständig die vierte Wand gebrochen und mit mir bzw. den Lesern gelabert hat. Das kann ich nicht ab, ich will in ein Buch eintauchen können, und wenn mich dann ein Autor jedes Mal wieder aus dem Lesefluss reißt mit seiner Anquatscherei, dann nervt mich das. Zum Glück gab sich das irgendwann, und als störend empfand ich nur noch die Fußnoten. Dass ich selbst darüber irgendwann hinwegsehen konnte, ist ein Verdienst des Autors, da kann er sich einen Orden an die Brust heften. Normalerweise sind solche Bücher für mich Kandidaten zum Verreißen, bei diesem Buch jedoch packte er mich irgendwann mit seiner originellen Handlung, seinen Protagonisten und den Ahnungen, die ich für den nächsten Band schon habe und ich übernehme daher seine Unsitte und wende mich direkt an euch: Liebe RezensionsleserInnen, dieses Buch bekommt von mir eine Empfehlung!

Veröffentlicht am 29.01.2018

Almost warm bodies

Quazi
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Vor zehn Jahren gab es eine weltweite Katastrophe, die aus einem Teil der gestorbenen Menschen eine Art Untote werden ließ. Es gibt welche, die auferstanden sind und völlig ohne Sinn und Verstand töten ...

Vor zehn Jahren gab es eine weltweite Katastrophe, die aus einem Teil der gestorbenen Menschen eine Art Untote werden ließ. Es gibt welche, die auferstanden sind und völlig ohne Sinn und Verstand töten - diese werden Aufständische genannt. Und dann gibt es die Auferstandenen, die abgesehen von ihrer grau-grünen Haut und ihrer neuen vegetarischen "Lebens"einstellung nicht viel von den normalen Lebenden unterscheidet. Wenn man mal davon absieht, dass ihr Stoffwechsel anders ist, sie stärker, schneller und logischer sind und ... na ja. Wie gesagt, fast kein bisschen anders. Denis Simonov ist Polizist, lebend, und er hasst die Aufständischen und die intelligenten Zombies, die Quazi genannt werden, weil zur Zeit der Katastrophe seine Frau und sein Kind durch sie umgekommen sind. Und doch muss er mit einem Quazi zusammenarbeiten, um eine Verschwörung aufzudecken, die für fast alle Beteiligten ... tödlich ausgehen könnte.

Zombies mal anders! Ich fand die entworfene Welt, allein schon dadurch, dass es russisch war und damit für uns ein wenig exotisch, und dann die Art, wie sich mit den intelligenten und nicht intelligenten Zombies arrangiert wurde. Zwischendurch wurde es mir fast ein wenig zu normal - als würde man einen gewöhnlichen Thriller lesen, aber dann kamen wieder ein paar Ideen und ungewöhnliche Handlungen um die Ecke und fachten den Spaß am Lesen wieder an. Da es sich anscheinend um den ersten Teil einer Reihe handelt, auch wenn er allein stehen könnte, bin ich gespannt, wie sich die nächsten Bände entwickeln und hoffe, dass die übersetzt werden.

Veröffentlicht am 26.01.2018

Vergessene Götter

Ein Reif von Eisen
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Die Menschen haben ihre wahren Götter vergessen, und deshalb kommt es zu Unruhen im Kaiserreich der Esche. Während in der berühmten Rabenstadt die Reichen und Mächtigen ihr eigenes Spiel spielen, in welches ...

Die Menschen haben ihre wahren Götter vergessen, und deshalb kommt es zu Unruhen im Kaiserreich der Esche. Während in der berühmten Rabenstadt die Reichen und Mächtigen ihr eigenes Spiel spielen, in welches die junge Wüstenbewohnerin Leyken gezogen wird, versucht im Norden der alternde Kriegsherr Morwa, die letzten sich ihm widersetzenden Stämme zu unterwerfen, um seinen Erben ein geeintes Volk unter einer Krone zu hinterlassen. Seine uneheliche Tochter Sölva wird dabei eine Rolle spielen, genauso wie die exotische Sklavin Ildris. Und dann ist da noch Pol, der junge Dieb, auf dessen Schultern plötzlich die Last der Verantwortung für die Abbitte an die Götter liegt ...

Dieser erste Band einer Trilogie (nehme ich an) hat mich nach langer Durststrecke endlich wieder einmal High Fantasy genießen lassen. Das liegt zum einen daran, dass der Autor einen echt guten Schreibstil hat, zum anderen an den Protagonisten, denen große Aufgaben auferlegt werden. Obwohl ich es eigentlich nicht mag, ständig Schauplätze und Protagonisten wechseln zu sehen, waren doch die Geschehnisse spannend genug, um das verkraften zu können. Ich denke, wenn es so in den nächsten Bänden weiter geht, könnte das in großes Kino ausarten.