Profilbild von dielesejule

dielesejule

Lesejury Profi
offline

dielesejule ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit dielesejule über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.09.2025

verpasste Chancen und das Leben danach

Mit uns wäre es anders gewesen
0

Wie hätte das Leben verlaufen können, wenn …

Dieses dünne Büchlein von Éliette Abécassis zeigt, wie ein kleines Versäumnis, eine verpasste Chance oder fehlender Mut das Leben nachhaltig beeinflussen können. ...

Wie hätte das Leben verlaufen können, wenn …

Dieses dünne Büchlein von Éliette Abécassis zeigt, wie ein kleines Versäumnis, eine verpasste Chance oder fehlender Mut das Leben nachhaltig beeinflussen können.
An der Sorbonne in Paris treffen sich ihre Blicke, als sie beide in einer Warteschlange anstehen. Amélie und Vincent verbringen anschließend den ganzen Tag und die Nacht in Paris miteinander und führen tiefgründige Gespräche. Bei der Verabredung am nächsten Tag jedoch wartet Vincent vergeblich auf die junge Frau, die ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Auch Amélie merkt, dass ihre wenige Zeit mit Vincent sie noch immer beschäftigt.

Obwohl sie sich in den kommenden Jahren noch einige Male begegnen, schaffen sie es aus diversen Gründen nicht, sich ihre Liebe einzugestehen.
Die Geschichte von Amélie und Vincent ist wunderbar geschrieben (Ü: @juliaschoch) und definitiv zusätzlich zur main story auch eine Hommage an die französische Metropole Paris.

Wie kann es sein, dass Dinge so klar erscheinen und sich dann die beiden entweder so sehr selbst im Weg stehen oder (für mich) so absehbar falsch abbiegen im Leben, dass sie sich über 30 Jahre verpassen?
Ich war wirklich traurig, habe aber auch viel darüber nachgedacht, an welchen Stellen man Abzweigungen im Leben vielleicht gar nicht selbst als solche wahrnimmt und inwiefern man die vielen Entscheidungen im Laufe eines Lebens überhaupt bewusst trifft.

Ich konnte schon nachvollziehen, warum Amélie und Vincent dort stehen, wo sie nun mal stehen, aber es hat trotzdem weh getan, zu realisieren, dass die Zeit, die die beiden verpasst haben, einfach nicht wiederkommt.

Eine wunderbare Liebesgeschichte, eine melancholische Erzählung über das Leben allgemein und für mich eine absolute Leseempfehlung für einen Tag, an dem nicht die Sonne scheint.

„Er hatte die Orientierung verloren.“

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.08.2025

Berührender Einblick in das Innenleben einer 15-Jährigen

Himmel ohne Ende
0

In „Himmel ohne Ende“ von @juliaengelmann steckt Charlie Neumer, 15,in einem seelischen Tief: Ihre beste Freundin Kati will nichts mehr von ihr wissen, sie vermisst ihren Vater (vor einigen Jahren abgehauen), ...

In „Himmel ohne Ende“ von @juliaengelmann steckt Charlie Neumer, 15,in einem seelischen Tief: Ihre beste Freundin Kati will nichts mehr von ihr wissen, sie vermisst ihren Vater (vor einigen Jahren abgehauen), in der Schule findet sie keinen Anschluss und sie traut sich nicht, ihren Schwarm Mikolaj mal anzusprechen.

Hört sich erstmal nach einem ziemlich normales Teenagerleben an, wenn da nicht diese bleierne Schwere und Traurigkeit wäre, aus der Charlie sich selbst nicht befreien kann. Dann verliebt sich auch noch ihre Mutter in den Italiener und Charlie fühlt sich komplett überflüssig. Nur die weltbeste Oma scheint sie so zu akzeptieren, wie sie ist.

Doch dann kommt ein neuer Mitschüler in die Klasse: Kornelius. Und ab da an ändert sich vieles in Charlies Leben. Wenn du jetzt glaubst, die beiden verlieben sich, und -zack- ist alles gut, dann lies mal schnell los.

@juliaengelmann formuliert tolle Gedanken und trifft genau den Ton, den die Story braucht. Viele ihrer Sätze überzeugen mich und erinnern an ihren Poetry Slam: „Wir alle schwanken, um aufrecht zu bleiben. Ein Ausgleich.“ Oder „Darum geht es im Leben, Das hier ist keine Probe.“
Das Buch hat mich an vielen Stellen echt gerührt. Zu lesen, wie sehr dieses junge Mädchen sich für sich selbst schämt und denkt, sie sei nicht richtig, gehöre nicht dazu und passe auch nicht so richtig in die Welt, macht mich traurig.

Ich mochte das Buch gerne, auch, wenn es anfangs schon sehr grau war und eher wenig passierte. Das hat mich gar nicht gestört. Was ich aber nicht zu 100% glauben kann, ist, dass man mit 15 schon so reflektiert und analytisch auf sein Leben schaut. Das Alter der Autorin selbst passt wunderbar zu diesen Erkenntnissen, aber dass man so jung schon so genau erkennt, worauf es im Leben ankommt? Nehm ich einer Fünfzehnjährigen einfach nicht ab.
Ein gefühlvolles, sprachlich zartes Buch über Gefühle, Verlorensein und Sich- Wiederfinden.

„Nur weil hier Asphalt ist, lassen wir uns noch lange nicht den Weg vorschreiben.“

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.08.2025

viel mehr als eine Teenagerliebesgeschichte!

We Burn Daylight
0

Der Roman „We Burn Daylight“ von Bret Anthony Johnston spielt 1993 im texanischen Waco, wo sich der fanatische Sektenführer „Lamb“ niederlässt und seine Anhänger und Anhängerinnen um sich schart. Unter ...

Der Roman „We Burn Daylight“ von Bret Anthony Johnston spielt 1993 im texanischen Waco, wo sich der fanatische Sektenführer „Lamb“ niederlässt und seine Anhänger und Anhängerinnen um sich schart. Unter dem Verdacht des illegalen Waffenbesitzes und Missbrauch von Minderjährigen spitzt sich die Lage um den selbsternannten Messias immer mehr zu.
Die Geschichte wird aus der Perspektive von Roy (Sohn des Sheriffs) und Jaye (lebt zusammen mit ihrer Mutter, einer Anhängerin Lambs, auf dessen Ranch) erzählt.
Als sich die beiden begegnen und verlieben, wird schnell klar, dass diese Liebe im Schatten der Sekte keine sorglose Teenagerliebe sein kann.
Die Erzählung wird durch Auszüge eines 2023/24 produzierten Podcasts ergänzt, der die Ereignisse von 1993 näher beleuchtet und immer wieder Hinweise auf den Verlauf der Geschichte gibt.
Der Roman, der auf den realen Ereignissen der „Branch Davidians“ basiert, beschäftigt sich mit durchaus aktuellen Themen wie Machtmissbrauch und Fanatismus und gerade auf den letzten Seiten (s.Zitat) gibt es viel zu überdenken und zu diskutieren.
Das Ende lässt mich etwas ratlos zurück. Ist das echt ein gangbarer Weg? Wäre es nicht auch denkbar, die Wahrheit zu leben und sich für die Aufarbeitung des Geschehenen einzusetzen? An die Entscheidung der beiden kann ich nicht ganz anknüpfen.
In der deutschen Übersetzung werden immer wieder „Fräsen“ gesucht. Das war irgendwie merkwürdig. Aus dem Kontext geschlossen werden hier Waffen gesucht. Vielleicht „Fraser“?
Nett fand ich übrigens die Anekdote über den gestohlenen Laptop in der Danksagung!
Ein bewegendes und sehr emotionales, ein bedrückendes und absolut lesenswertes Buch!

„War es das Sterben wert? Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt und auf welcher Seite diese Person steht.“

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.08.2025

an zwei Strandnachmittagen verschlungen!

Wedding People (deutsche Ausgabe)
0

In „Wedding People“ von Alison Espach begleiten wir fast eine komplette Woche Phoebe, eine Professorin aus St Louis, die von ihrem Mann verlassen wurde und sich für eine Nacht im Nobelhotel „Cornwall Inn“ ...

In „Wedding People“ von Alison Espach begleiten wir fast eine komplette Woche Phoebe, eine Professorin aus St Louis, die von ihrem Mann verlassen wurde und sich für eine Nacht im Nobelhotel „Cornwall Inn“ in Newport eingemietet hat, um sich von ihrem alten Leben zu verabschieden. Für immer.
Sie plant, sich in dieser Nacht umzubringen.

Womit sie nicht gerechnet hat: Das komplette Hotel ist von einer Hochzeitsgesellschaft belegt. Als sie die Braut Lila kennenlernt, entwickelt sich eine Art Freundschaft und Phoebe wird auf unverhoffte Weise Teil der Hochzeitsfeier. Welche Rolle der bereits verwitwete Bräutigam (Gary) und seine Tochter in dieser Geschichte spielen, warum alle Jim heißen, was es mit den Reden der Trauzeugen auf sich hat und was eine Winterwartin macht, liest du am besten selbst.

Erst war ich mir nicht sicher, ob die Not, in der Phoebe sich befindet und in der sie einen Selbstmord (mit den Schmerzmitteln ihrer Katze!) plant, zu sehr auf die leichte Schulter genommen wird. Aber so locker der das Buch auf vielen Seiten vom Ton daherzukommen scheint, so ernst und nachdenklich ist es in anderen Passagen.

Phoebe trifft im richtigen Moment auf die richtige Konstellation von Menschen und es wird deutlich, dass sich damit nicht schlagartig ihr Leben verbessert und sie alles wieder im Griff hat, aber dass sie das Leben langsam und in kleinen Schritten wieder bejaht und sich selbst immer besser kennenlernt.

Ich mochte den oft flapsigen Ton (Hoher Dutt und Nackenkissen!) und ja klar, es war ein bisschen romantisch-kitschig im Abgang (obwohl die Wendung im Detail eine andere ist, als ich vermutet hatte), aber eben nie zu viel und in den Dialogen sehr authentisch.

Unterhaltsam im besten Sinne, auch wenn es die ersten Seiten nicht vermuten lassen. Eine lebensbejahende Geschichte!

„Zwei Gras, bitte.“

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.08.2025

schöne Geschichte mit witzigen Passagen

Ja, nein, vielleicht
0

Die Lesung von @knecht_doris im Literaturhaus war witzig, die Autorin megasympathisch und die gelesenen Passagen sehr lebensnah und authentisch. So wurde „Ja, nein, vielleicht“ zu meinem ersten Hörbuch ...

Die Lesung von @knecht_doris im Literaturhaus war witzig, die Autorin megasympathisch und die gelesenen Passagen sehr lebensnah und authentisch. So wurde „Ja, nein, vielleicht“ zu meinem ersten Hörbuch der Saison (in Anbetracht des schönen Covers eigentlich sehr schade).

Die Erzählerin wohnt nach einer Trennung allein mit ihrem Hund auf dem Land, verbringt hin und wieder auch Zeit in der Stadt und scheint insgesamt zufrieden mit ihrem Leben. Dann begegnet sie im Supermarkt dem Mann, mit dem sie das Millennium in New York verbracht hat. Und schon scheint sie wieder in alte Muster zu verfallen- wartet auf ein Zeichen von ihm, feilt an WhatsApp-Nachrichten und überlegt, ob sie überhaupt noch einmal mit einem Mann zusammenleben möchte. Ein Zahnarztbesuch führt der Erzählerin sehr deutlich vor Augen, dass auch ihr Körper mit dem Alter und seinen Begleiterscheinungen kämpft.

Dann gibt es da noch ein Hochwasser, einen stinknormalen Freund (Johnny), eine bevorstehende Hochzeit der besten Freundin und die Trennung einer Schwester.

Ich mag, wie Doris Knecht schreibt. Ihr Stil ist witzig, ehrlich und einfach rund zu lesen. Die Gedanken, die sie sich über das Älterwerden macht (und die damit verbundenen Veränderungen und Enttäuschungen) sind für mich absolut nachvollziehbar.

Obwohl ich die Frage, ob ein eventueller Mann überhaupt zur eigenen Einrichtung passen würde, sehr witzig finde, ist sie zugleich auch ein bisschen traurig. Für mich entstand ein bisschen der Eindruck, als würden Männer (außer Johnny) per se eher ein Störfaktor sein.

Ich mag Doris Knechts Geschichten sehr gerne und auch dieses Mal konnte ich bei vielen Passagen relaten (und das fand ich gut), aber letztendlich habe ich eben diese Themen, die wahrscheinlich alle „mittelalten“ (schreckliches Wort!) Frauen beschäftigt, einfach noch einmal gelesen, formuliert von einer echt tollen Schriftstellerin, aber ohne wirklich neue Perspektiven.

Ich mochte die Lesung im Literaturhaus München, ich mag Doris Knecht, ich habe „Die Liste…“ geliebt und „Ja, nein, vielleicht“ auch gerne gelesen, aber ich glaube nicht, dass es mich noch lange beschäftigen wird.

„Es ist alles da. Ich sehe es.“

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere