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Veröffentlicht am 02.10.2025

Spannend, magisch und gefährlich: Die verbotene Gabe

Thea Magica, Band 1 - Das Geheimnis von Port Mint
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Mit “Thea Magica: Das Geheimnis von Port Mint” hat die bekannte Autorin Vivien Verley ein spannendes und phantasievolles Buch geschrieben, das für Kinder ab zehn Jahren empfohlen wird. Neben dieser wirklich ...

Mit “Thea Magica: Das Geheimnis von Port Mint” hat die bekannte Autorin Vivien Verley ein spannendes und phantasievolles Buch geschrieben, das für Kinder ab zehn Jahren empfohlen wird. Neben dieser wirklich gelungenen Geschichte überzeugt das hervorragend illustrierte Hardcover dieses hochwertigen Buches. Besonders hervorzuheben ist nicht nur der Rahmen mit Goldprägung, der sich in schwarz-weiß auf jeder Seite des Buches fortsetzt, auch die Vor- und Nachsatzblätter sind wirklich gelungen gestaltet. Die Illustrationen stammen von Caroline Garcia. Der dreiseitige Motivfarbschnitt vervollständigt den außergewöhnlich schönen Gesamteindruck, zu diesem Buch würde man in der Buchhandlung sofort greifen. Und das zu Recht, denn das Thema kann sicher auch ältere Jugendliche ansprechen.

Die elf Jahre alte Robin zieht mit Mutter und kleiner Schwester nach Port Mint zu ihrer Großmutter. Robin ist davon nicht begeistert, neue Schule, keine Freunde. Doch schon am ersten Schultag macht sie die Bekanntschaft der fröhlichen Mailin und des mürrischen Cornelius. Alle drei Kinder sind gespannt auf die Teezeremonie in der Mint-High, denn alle drei haben magische Gaben von ihren Eltern geerbt. Damit man sie erkennen und die Magie ausüben kann, muss man allerdings den magischen Tee trinken. Doch Robin ist entsetzt: Ihre magische Gabe ist verboten und sie muss sie unbedingt geheim halten, denn sie weiß, dass das Magisteerium, das über den Tee wacht, sie verfolgen wird.

Vivien Verley hat mit “Thea Magica: Das Geheimnis von Port Mint” ein lebendig geschriebenes Buch verfasst, sodass man das Gefühl hat, direkt bei den Abenteuern der Kinder dabei zu sein. Da in Port Mint früher Piraten lebten, die angeblich einen Schatz versteckt haben, der dem Finder die ganze Magie offenbart, suchen alle nach diesem Schatz, natürlich die drei Kinder und das Magisteerium. Die Beamten suchen auch nach Menschen, die Tea Noir, also verbotene Magie, ausüben. Wird Robin ihr Geheimnis bewahren können? Und von wem hat sie ihre magische Gabe?

Natürlich haben Robin, Mailin und Cornelius zahlreiche Abenteuer zu bestehen, wobei sie nicht immer ganz legale Mittel anwenden. Ebenso gibt es in dieser Geschichte einen Schurken, der vorgibt, die Teemagie schützen zu wollen, jedoch in Wahrheit bösartig ist und den Kindern nachstellt. Aber Robin, Mailin und Cornelius sind klug und mutig, ihre Freundschaft hält selbst schwierigsten Situationen stand. In kurzen Kapiteln und altersgerechter Sprache wird hier eine Geschichte erzählt, die geeignet ist, jugendliche Lesende zu fesseln. Vielleicht wollen sie sogar Teil der Piratencrew werden, als die die drei Kinder ihre Abenteuer bestehen.

Ich habe das Buch zusammen mit zwei Mädchen gelesen, eine neun, die andere zwölf Jahre alt. Beide fanden die Geschichte rasant und eindrücklich erzählt, es gibt viel Action, Geheimnisse, Verrat und sehr sympathische Hauptfiguren. Manchmal gibt es auch skurrile und witzige Szenen und Wortspiele, aber spannend bleibt es immer. Am Ende des Buches wartet jedoch ein Cliffhanger. Wer gleich weiterlesen will findet direkt im Anschluss eine Leseprobe von Band zwei, der im Februar 2026 erscheinen wird. Wer magische Schulgeschichten liebt hat hier sicher zum richtigen Buch gegriffen. Daher können wir “Thea Magica: Das Geheimnis von Port Mint” absolut weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Risikofaktor Geopolitik

Die Stunde der Nashörner. Wie Unternehmen die neuen geopolitischen Risiken managen.
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“Die Stunde der Nashörner” ist ein von zwei renommierten Fachleuten geschriebenes Sachbuch, das graue Nashörner identifiziert, also Probleme, die in Unternehmen sichtbar sein sollten und diese nachhaltig ...

“Die Stunde der Nashörner” ist ein von zwei renommierten Fachleuten geschriebenes Sachbuch, das graue Nashörner identifiziert, also Probleme, die in Unternehmen sichtbar sein sollten und diese nachhaltig beeinflussen. Eine entscheidende Rolle kommt dabei der Geopolitik zu.
Ansgar Baums hat Management Funktionen bei erfolgreichen Unternehmen inne und verfügt im Bereich Government Relations über langfristige Erfahrung aus der Praxis, Spiegel- Bestseller- Autor Thomas Ramge ist ein vielfach preisgekrönter Wirtschaftsjournalist und Buchautor.

Der erste Abschnitt das Buches -betitelt Wandel- beschäftigt sich mit den veränderten geopolitischen Verhältnissen, geprägt von den Hauptakteuren USA und China. Globalisierte Lieferketten und Exportzuwächse zu Beginn des Jahrtausends wurden zunehmend abgelöst durch Unternehmenspatriotismus und Protektionismus in beiden Staaten. Damit verbunden sind diverse Markteintrittsbarrieren, Regularien und Handelshemmnisse, die die Unternehmen zwingen, vertikale Wertschöpfungsketten in den jeweiligen Märkten aufzubauen und ihre geopolitische Resilienz für jede Produktkomponente kritisch zu hinterfragen. Damit verbunden muss das Risiko bis zum n-ten Subunternehmer analysiert werden. Zudem gehen die beiden Staaten auch im Bereich der IT-Stacks getrennte Wege und zwingen damit Unternehmen, sich für ein One-Stack oder Two-Stack Szenario zu entscheiden. Zudem verfolgen die USA und China neben strategischen Sicherheitskonzepten extrem unterschiedliche weltanschauliche Modelle, gemeinsam ist ihnen aber, möglichst alle Vorteile für das eigene Land zu generieren und sich auf der Weltbühne nachhaltig Einfluss zu verschaffen. Dazu kommt vor allem bei den USA die veränderte Einstellung zu Europa, das durch die Struktur der EU wesentlich schwerfälliger auf geopolitische Risiken reagieren kann als Amerika. Besonders die erratische Zollpolitik des Präsidenten bringt Unsicherheit in Unternehmen und Märkte. Polykrisen wie Corona, die Finanzkrise, der Krieg in der Ukraine wie der Streit um Taiwan haben dazu beigetragen die Lieferkettenproblematik extrem zu verschärfen.

Im zweiten Abschnitt des Buches werden Unternehmen auf geopolitische Risikofaktoren hingewiesen. Das können unter anderen “schwarze Listen” sein, die den Unternehmen den Marktzugang erschweren oder unmöglich machen, unterschiedliche Industriestandards und Inkompatibilität der IT-Stacks. Damit sind Unternehmen zur Anpassung gezwungen, wenn sie weiterhin am Markt präsent sein wollen. Selbstverständlich ist das eine Kostenfrage, aber auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt. Gerade sehen wir bei den USA und schon länger bei China, dass EU- Unternehmen in den jeweiligen Ländern nicht nur produzieren müssen, sondern auch die Verlagerung vor allem der F&E Abteilungen verlangt wird. Die Krise in der Industrie und der Verlust von europäischen Arbeitsplätzen ist jeden Tag Thema in den Wirtschaftsnachrichten.

Der dritte Teil des Buches schlägt Unternehmen vor, was sie unternehmen können, um die geopolitische Resilienz zu stärken. Dabei wird klar, dass die jeweiligen Entscheidungen zwar Top-Down fallen müssen, jedoch jedes Unternehmensdepartment betroffen ist. HR-Abteilungen müssen überlegen, in welcher Form sie ausländische Mitarbeiter beschäftigen, das Finanzmanagement ist betroffen, da es oft nur möglich ist, im Land erwirtschaftete Gewinne auch nur dort zu reinvestieren. Ebenso muss sich das Marketing und die Markenpolitik an die Wirtschaftsräume anpassen. Letztlich geht es im Buch um das Risikomanagement für Hardware- Lieferketten, das nicht nur die jeweiligen Firmen, sondern die Gesamtwirtschaft eines Wirtschaftsraumes betreffen kann.

Mein Fazit:

Zu Beginn möchte ich anmerken, dass mir zwar die Lieferkettenproblematik bewusst war, ich mich jedoch nie mit dem Thema über seine Grundzüge hinaus beschäftigt habe. Beim ersten Lesen des Buches war ich verwundert, dass makroökonomischen Parametern wenig Beachtung geschenkt wird. Allerdings hat mich eine Risikomanagerin darauf hingewiesen, dass das die Komplexität der Prognosemodelle über Gebühr erhöhen würde. Das Buch fokussiert sich stark auf die Halbleiterindustrie, jedoch sind die Risiken branchenweise ganz unterschiedlich. Zudem meine ich, dass es bei der Modellierung darauf ankommt, dynamische Zugänge zu denken.

Die Stunde der Nashörner ist ein äußert empfehlenswertes Fachbuch für Entscheider, im Unternehmen Betroffene und Interessierte, die jedoch etwas wirtschaftliche Vorbildung haben sollten. Das Buch ist sehr aktuell und hervorragend recherchiert, am Ende das Buches findet sich ein ausführliches Quellenverzeichnis. Wer die Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema der Geopolitik und ihrer Verwerfungen nicht scheut, findet hier eine interessante, von Experten geschriebene Zusammenschau.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Lustig und liebenswert: Miefi und die Highland Games

Mäc Mief und das total verrückte Baumstammwerfen
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Hier geht es um Mäc Mief, ein Schaf, dessen Ruhe auf seiner Wiese empfindlich gestört wird. Und zwar durch seine Familie, die Olifants. Gleich zu Beginn der Geschichte lernt man die Familienmitglieder ...


Hier geht es um Mäc Mief, ein Schaf, dessen Ruhe auf seiner Wiese empfindlich gestört wird. Und zwar durch seine Familie, die Olifants. Gleich zu Beginn der Geschichte lernt man die Familienmitglieder kennen: Bonnie, der Hütehund, ist eine Freundin von Mäc Mief und das Lieblingstier von Tochter Meggie; Sohn Finn nennt sein Schaf liebevoll Miefi; Papa Tom und Mama Jenny üben wie die ganze Familie für die Highland Games.

Natürlich wollen alle gewinnen, daher fliegen über Miefis Wiese plötzlich Heusäcke und Gummistiefel, Mama Jenny übt Hügellauf. Das alles sind Disziplinen bei den Highland Games. Selbstverständlich wollen Miefi und Bonnie bei den Bewerben dabei sein. Doch das ist leider nicht so einfach wie gedacht. Als plötzlich mehrere Geldbörsen verschwunden sind, werden die Beiden jedoch zu Spürnasen. Welche Rolle spielt dabei der Mann mit dem Dudelsack?

Carola Becker hat mit dem Kinderbuch “Mäc Mief und das total verrückte Baumstammwerfen” eine Geschichte geschrieben, wie man sie sich für Kinder wünscht. Die phantasievollen und liebevoll gezeichneten Illustrationen stammen von Ina Krabbe. Schon das fröhliche Hardcover macht Lust darauf, die Figuren nach Schottland zu begleiten, auch in der Geschichte gibt es genügend bunte und witzige Bilder, etwas, das dieses Buch wirklich von anderen Kinderbüchern abhebt. Hier gibt es eine fröhliche und spannende Story, die in kindgerechter Weise mit klarer Sprache und in kurzen Kapiteln und Sätzen erzählt wird, sodass sich das Buch sowohl zum Vorlesen wie zum ersten Selbstlesen sehr gut eignet. Das Buch wird ab sieben Jahren empfohlen.

Die Kinder schließen sicherlich die klugen und mutigen Tiere gleich ins Herz, denn die Figuren in diesem Buch muss man einfach gern haben. Ganz nebenbei lernen die Kinder etwas über Schottland und die Highland Games, das traditionelle schottische Volksfest. Durch das dicke Papier und den stabilen Bucheinband können die kleinen Lesenden dieses Buch immer wieder zur Hand nehmen, denn hier bekommen auch Lesemuffel sofort gute Laune.

Ich habe das Buch mit meiner neun Jahre alten Enkelin gelesen, die bisher keine begeisterte Leserin war. Aber “Mäc Mief und das total verrückte Baumstammwerfen” hat uns wirklich gut gefallen und wir empfehlen das Buch sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 13.09.2025

Alte Freunde, neue Freunde

Rocky Winterfeld
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Rocky ist elf Jahre alt. Er interessiert sich sehr für wissenschaftliche Zusammenhänge, besonders angetan hat es ihm das Weltall. Darum hängt in seinem Kasten ein Modell der Planeten und in diesem Kasten ...

Rocky ist elf Jahre alt. Er interessiert sich sehr für wissenschaftliche Zusammenhänge, besonders angetan hat es ihm das Weltall. Darum hängt in seinem Kasten ein Modell der Planeten und in diesem Kasten sitzt Rocky oft stundenlang. Manchmal gemeinsam mit Mutter Nancy, öfter mit seinem Freund Marek. Aber Marek zieht nach Polen und Rocky fällt der Abschied sehr schwer.

Zur gleichen Zeit erhält Rocky geheimnisvolle Briefe. Als er die damit verbundenen Rätsel löst, darf er mit seinem Physikprojekt an einem wissenschaftlichen Wettbewerb teilnehmen. Und der ist in Polen. So macht sich Rocky mit drei weiteren Kindern und der Physiklehrerin Frau Popov in einem klapprigen Bus auf die Reise. Nach vielen Hindernissen und abenteuerlichen Ereignissen ist Rocky in Polen angekommen. Wird er seinen Freund Marek wiederfinden?

Marie Hüttner hat mit “Rocky Winterfeld- ziemlich neben der Spur” ein fröhliches Buch geschrieben, das sich gut und flüssig lesen lässt. Kurze Kapitel, größere Schrift und die gelungenen Illustrationen von Regina Kehn vervollständigen das Lesevergnügen. Das bunte Hardcover wirkt einladend, eigentlich würde man auch gerne selbst in den Bus steigen und sofort mitfahren. Das Buch wird ab zehn Jahren empfohlen.

Der Roman erzählt von einem besonderen Jungen, Rocky, der Menschen und laute Geräusche nicht so gerne mag. Wenn er in seinem Kasten sitzt, fühlt er sich geborgen. Rocky mag Döner, ist interessiert und wissbegierig, seine treffenden Kommentare zur Situation zeichnen das Buch aus und machen es sehr witzig. Auch seine Mitschüler haben ihre Eigenheiten: Kadir hat eine große Familie und rappt gerne, das soll allerdings niemand wissen; Leyla ist Umweltaktivistin und schreckt auch vor fragwürdigen Aktionen nicht zurück; Tess wirkt verschlossen und scheint sich in ihrem Pullover zu verstecken, doch hatte sie es bisher auch nicht leicht. Mit ihrer resoluten Lehrerin Frau Popov erreichen sie schließlich Polen, doch wird es mit dem Wettbewerb gut laufen?

Der Roman erzählt eine Geschichte vom Mut, über den eigenen Schatten zu springen und sich auch einmal etwas zuzutrauen. Doch nicht immer ist eine Freundschaft so beständig, wie Rocky sich das gerne wünschen würde. Allerdings: Wenn man offen auf Andere zugeht, ist es gar nicht so schwierig, neue Freunde zu finden. Auch wenn die Charaktere der Kinder manchmal schräg und eigenwillig scheinen, so sind sie doch alle liebenswert. So manche junge Lesende werden sich vielleicht ein bisschen wiedererkennen. Mir und meinen Mitleserinnen- zwei Mädchen im Alter von neun Jahren- hat das Buch sehr gut gefallen und wir empfehlen es gerne weiter.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Von Mord, Intrige und Verrat: Ein spannender Historienkrimi

Das Lied des Vogelhändlers
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In seinem historischen Roman “Das Lied des Vogelhändlers” entführt Ralf H. Dorweiler die Lesenden in die Zeit des Hochmittelalters. Die auf zwei Zeitebenen angesiedelte Handlung zeigt, wie Verbrechen ...


In seinem historischen Roman “Das Lied des Vogelhändlers” entführt Ralf H. Dorweiler die Lesenden in die Zeit des Hochmittelalters. Die auf zwei Zeitebenen angesiedelte Handlung zeigt, wie Verbrechen aus der Vergangenheit in die damalige Gegenwart fortwirken. Das stilvolle Cover betont die Wichtigkeit der Beizjagd mit Falken, die ein Statussymbol waren.

Anno domini 1190 ist ein erbitterter Thronstreit zwischen Philipp von Schwaben und Otto von Braunschweig entbrannt. Beide wurden zum König gekrönt. Zur selben Zeit befindet sich Kaiser Barbarossa auf dem dritten Kreuzzug ins heilige Land. An seiner Seite sind nicht nur Ritter, sondern auch Ärzte und Bader, denn die Schlachten sind gnadenlos. Eine junge Frau, Franziska von Hellenau, steht nach dem Tod ihres Onkels alleine da. Sie schließt sich dem Bader und den Nonnen aus dem Kloster der heiligen Hildegard von Bingen an und wird in der Krankenpflege bald unentbehrlich. So rettet sie auch Markgraf Hermann IV. von Baden das Leben und verliebt sich in ihn, obwohl er wesentlich älter ist. Ein nur kurzes Glück, denn der Graf findet durch die Hand eines Verräters den Tod. Wird Franziska späte Rache üben können?

Im Jahr 1200 richten die Söhne des getöteten Markgrafen ein Turnier auf Burg Hachberg aus. Auch Walther von der Vogelweide nimmt teil, als Bote des Königs Philipp. Doch geht es hier nicht nur um Minnegesang, Walther ist einer Intrige auf der Spur. Hilfe erhält er vom Vogelhändler Wigbert und dessen Mündel Almut, die nur die Voglersprache beherrscht. Nachdem Walther knapp dem Tod entgangen ist, wird klar, dass der Verräter aus der Vergangenheit auch ein vielfacher Mörder ist. Aber wie ihn finden und überführen?

Ralf H. Dorweiler hat einen historischen Roman geschrieben, der Spannung bis zum Schluss bietet. Neben der Krimihandlung erfahren die Lesenden viel über das Leben auf den Burgen im Mittelalter, über Turniere und Heiratspolitik. Man braucht jedoch nicht zu befürchten, trockene historische Fakten vorgesetzt zu bekommen, sondern alle Charaktere und Szenarien sind mit Leben erfüllt. Politische Ränkespiele, brutale Verbrechen und höfische Intrigen machen das Buch abwechslungsreich und bieten einen guten Einblick in das herrschaftliche Gepräge.

Zur besseren Orientierung bietet der Roman ein ausführliches Personenverzeichnis, jedes Kapitel trägt einen Vogelnamen und wird mit historischen Zitaten begonnen. Die geschilderten Protagonisten sind lebensnah dargestellt, die Umstände der damaligen Zeit möglichst authentisch wiedergegeben. Der Roman lebt von starken Charakteren: Franziska von Hellenau, die nicht vergisst, wer ihren Geliebten getötet hat und auch nach ihrem Leben trachtete; Der Falkner Rupert, Vertrauter des verstorbenen Markgrafen Hermann von Baden, der seine eigenen Ziele mit Rücksichtslosigkeit verfolgt; Wigbert, der Vogelhändler, der versucht, am Rande des Turniers Geschäfte zu machen sich liebevoll um sein Mündel Almut kümmert. Und nicht zuletzt Walther von der Vogelweide, dem es mit Wigbert zusammen gelingt, ein Mordkomplott aufzuklären und Franziska zu ihrem Recht zu verhelfen.

Mein Fazit:

Durch den bildhaften und flüssigen Schreibstil des Autors kommt selbst bei der geschichtlichen Einordnung der Ereignisse keine Langeweile auf. “Das Lied des Vogelhändlers” ist ein gelungener historischer Roman, der nicht nur geschichtlich Interessierten gefallen wird sondern der auch Krimifans durch die Schilderung der damaligen Lebensumstände, Ränkespiele und geheimnisvollen Mordanschläge überzeugen wird, wenn sie einen Blick in die Vergangenheit werfen wollen.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter.

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