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Veröffentlicht am 18.09.2025

Fake Beerdigung als Geschäftsmodell?

Das glückliche Leben
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Éric, ein erfolgreicher Mitarbeiter bei Decathlon France, wird von einer alten Klassenkameradin (Amélie) kontaktiert und für einen regierungsnahen Job rekrutiert. Auf einer Geschäftsreise nach Seoul versäumt ...

Éric, ein erfolgreicher Mitarbeiter bei Decathlon France, wird von einer alten Klassenkameradin (Amélie) kontaktiert und für einen regierungsnahen Job rekrutiert. Auf einer Geschäftsreise nach Seoul versäumt Éric dann ein extrem wichtiges Meeting- aus Gründen. Amélie wartet umsonst.
Während Éric sich daraufhin neu sortiert und ein durchaus erfolgreich im Bereich der „Fake Beerdigungen“ durchstartet, verändert sich auch bei Amélie beruflich und privat einiges.

Was genau ist in Seoul passiert? Sehen sich die beiden wieder? Warum die Überschrift LYCORIS? Read it!

Ich mochte die wechselnden Erzählperspektiven sehr gerne. Weil immer eine Art Cliffhanger entsteht, hab ich das oft überaus witzige Buch auch in einem Schwups im Zug gelesen.

Érics Verhältnis zu seiner Mutter beschreibt @david.foenkinos ehrlich und unverblümt, auch mit einer gewissen realistischen Härte.

Aus dem Coaching ist mir das Verfassen einer Grabrede als Methode zur Bewusstmachung der eigenen Realität bekannt, aber Érics Business geht hier ja noch ein Stück weiter. Mich würde interessieren, inwiefern dieses Modell wirklich erfolgreich ist.

Ich mochte die Idee, dass sich viele Dinge fügen, wenn man ihnen Zeit und vor allem Beachtung schenkt.

Ob mir der Schluss gefällt, weiss ich noch nicht. Worauf ich aber hätte verzichten können, sind die Fußnoten mit Anmerkungen, die für mich irgendwie nicht zum Stil und dem Ton der Geschichte gepasst haben.

Obwohl ich viel (!) Tee über die Seiten 116/117 geschüttet habe, findet das Buch trotz Wasserschadens einen festen Platz in meinem Regal.
Leseempfehlung für alle, die Lust auf eine schwungvoll zu lesende Geschichte über Veränderungen im Leben haben.

Ihre Unterhaltungen glichen Gesprächen, die man mit einem Kundendienst führt, wenn man sich über ein defektes Gerät beschwert.

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Veröffentlicht am 10.09.2025

tolles Portrait!

Die Raststätte
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Florian Werner hat mit „Die Raststätte. Eine Liebeserklärung“ ein Buch geschrieben, das einen Ort beleuchtet, der jährlich mehr Besucher zählt als der Kölner Dom.
Der Autor spricht in diesem bebilderten ...

Florian Werner hat mit „Die Raststätte. Eine Liebeserklärung“ ein Buch geschrieben, das einen Ort beleuchtet, der jährlich mehr Besucher zählt als der Kölner Dom.
Der Autor spricht in diesem bebilderten Erzählband mit sehr unterschiedlichen Menschen, denen er allen am selben Ort begegnet- der Autobahnraststätte.
In der Mitte des Büchleins finden sich Fotografien von Christian Werner, die die Atmosphäre an diesem so eigensinnigen Platz herrlich widerspiegeln.

Ich nehme dieses Buch immer wieder mal in die Hand, weil ich die Idee, sich mit den typisch deutschen Raststätten zu beschäftigen, einfach genial finde.
Im Vergleich zu französischen Raststätten, die ja oft unfassbar großzügig, grün und sauber sind, findet man hier schon öfter mal Exemplare, bei denen man sich gut überlegt, ob man noch länger verweilen möchte.
Ein super Buch, das irgendwie eine Mischung aus Sachbuch, Erfahrungsbericht und gut zu lesender, oft witziger Erzählung ist. Dazu noch tolle Fotos- eine absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

verpasste Chancen und das Leben danach

Mit uns wäre es anders gewesen
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Wie hätte das Leben verlaufen können, wenn …

Dieses dünne Büchlein von Éliette Abécassis zeigt, wie ein kleines Versäumnis, eine verpasste Chance oder fehlender Mut das Leben nachhaltig beeinflussen können. ...

Wie hätte das Leben verlaufen können, wenn …

Dieses dünne Büchlein von Éliette Abécassis zeigt, wie ein kleines Versäumnis, eine verpasste Chance oder fehlender Mut das Leben nachhaltig beeinflussen können.
An der Sorbonne in Paris treffen sich ihre Blicke, als sie beide in einer Warteschlange anstehen. Amélie und Vincent verbringen anschließend den ganzen Tag und die Nacht in Paris miteinander und führen tiefgründige Gespräche. Bei der Verabredung am nächsten Tag jedoch wartet Vincent vergeblich auf die junge Frau, die ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Auch Amélie merkt, dass ihre wenige Zeit mit Vincent sie noch immer beschäftigt.

Obwohl sie sich in den kommenden Jahren noch einige Male begegnen, schaffen sie es aus diversen Gründen nicht, sich ihre Liebe einzugestehen.
Die Geschichte von Amélie und Vincent ist wunderbar geschrieben (Ü: @juliaschoch) und definitiv zusätzlich zur main story auch eine Hommage an die französische Metropole Paris.

Wie kann es sein, dass Dinge so klar erscheinen und sich dann die beiden entweder so sehr selbst im Weg stehen oder (für mich) so absehbar falsch abbiegen im Leben, dass sie sich über 30 Jahre verpassen?
Ich war wirklich traurig, habe aber auch viel darüber nachgedacht, an welchen Stellen man Abzweigungen im Leben vielleicht gar nicht selbst als solche wahrnimmt und inwiefern man die vielen Entscheidungen im Laufe eines Lebens überhaupt bewusst trifft.

Ich konnte schon nachvollziehen, warum Amélie und Vincent dort stehen, wo sie nun mal stehen, aber es hat trotzdem weh getan, zu realisieren, dass die Zeit, die die beiden verpasst haben, einfach nicht wiederkommt.

Eine wunderbare Liebesgeschichte, eine melancholische Erzählung über das Leben allgemein und für mich eine absolute Leseempfehlung für einen Tag, an dem nicht die Sonne scheint.

„Er hatte die Orientierung verloren.“

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Berührender Einblick in das Innenleben einer 15-Jährigen

Himmel ohne Ende
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In „Himmel ohne Ende“ von @juliaengelmann steckt Charlie Neumer, 15,in einem seelischen Tief: Ihre beste Freundin Kati will nichts mehr von ihr wissen, sie vermisst ihren Vater (vor einigen Jahren abgehauen), ...

In „Himmel ohne Ende“ von @juliaengelmann steckt Charlie Neumer, 15,in einem seelischen Tief: Ihre beste Freundin Kati will nichts mehr von ihr wissen, sie vermisst ihren Vater (vor einigen Jahren abgehauen), in der Schule findet sie keinen Anschluss und sie traut sich nicht, ihren Schwarm Mikolaj mal anzusprechen.

Hört sich erstmal nach einem ziemlich normales Teenagerleben an, wenn da nicht diese bleierne Schwere und Traurigkeit wäre, aus der Charlie sich selbst nicht befreien kann. Dann verliebt sich auch noch ihre Mutter in den Italiener und Charlie fühlt sich komplett überflüssig. Nur die weltbeste Oma scheint sie so zu akzeptieren, wie sie ist.

Doch dann kommt ein neuer Mitschüler in die Klasse: Kornelius. Und ab da an ändert sich vieles in Charlies Leben. Wenn du jetzt glaubst, die beiden verlieben sich, und -zack- ist alles gut, dann lies mal schnell los.

@juliaengelmann formuliert tolle Gedanken und trifft genau den Ton, den die Story braucht. Viele ihrer Sätze überzeugen mich und erinnern an ihren Poetry Slam: „Wir alle schwanken, um aufrecht zu bleiben. Ein Ausgleich.“ Oder „Darum geht es im Leben, Das hier ist keine Probe.“
Das Buch hat mich an vielen Stellen echt gerührt. Zu lesen, wie sehr dieses junge Mädchen sich für sich selbst schämt und denkt, sie sei nicht richtig, gehöre nicht dazu und passe auch nicht so richtig in die Welt, macht mich traurig.

Ich mochte das Buch gerne, auch, wenn es anfangs schon sehr grau war und eher wenig passierte. Das hat mich gar nicht gestört. Was ich aber nicht zu 100% glauben kann, ist, dass man mit 15 schon so reflektiert und analytisch auf sein Leben schaut. Das Alter der Autorin selbst passt wunderbar zu diesen Erkenntnissen, aber dass man so jung schon so genau erkennt, worauf es im Leben ankommt? Nehm ich einer Fünfzehnjährigen einfach nicht ab.
Ein gefühlvolles, sprachlich zartes Buch über Gefühle, Verlorensein und Sich- Wiederfinden.

„Nur weil hier Asphalt ist, lassen wir uns noch lange nicht den Weg vorschreiben.“

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Veröffentlicht am 18.08.2025

viel mehr als eine Teenagerliebesgeschichte!

We Burn Daylight
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Der Roman „We Burn Daylight“ von Bret Anthony Johnston spielt 1993 im texanischen Waco, wo sich der fanatische Sektenführer „Lamb“ niederlässt und seine Anhänger und Anhängerinnen um sich schart. Unter ...

Der Roman „We Burn Daylight“ von Bret Anthony Johnston spielt 1993 im texanischen Waco, wo sich der fanatische Sektenführer „Lamb“ niederlässt und seine Anhänger und Anhängerinnen um sich schart. Unter dem Verdacht des illegalen Waffenbesitzes und Missbrauch von Minderjährigen spitzt sich die Lage um den selbsternannten Messias immer mehr zu.
Die Geschichte wird aus der Perspektive von Roy (Sohn des Sheriffs) und Jaye (lebt zusammen mit ihrer Mutter, einer Anhängerin Lambs, auf dessen Ranch) erzählt.
Als sich die beiden begegnen und verlieben, wird schnell klar, dass diese Liebe im Schatten der Sekte keine sorglose Teenagerliebe sein kann.
Die Erzählung wird durch Auszüge eines 2023/24 produzierten Podcasts ergänzt, der die Ereignisse von 1993 näher beleuchtet und immer wieder Hinweise auf den Verlauf der Geschichte gibt.
Der Roman, der auf den realen Ereignissen der „Branch Davidians“ basiert, beschäftigt sich mit durchaus aktuellen Themen wie Machtmissbrauch und Fanatismus und gerade auf den letzten Seiten (s.Zitat) gibt es viel zu überdenken und zu diskutieren.
Das Ende lässt mich etwas ratlos zurück. Ist das echt ein gangbarer Weg? Wäre es nicht auch denkbar, die Wahrheit zu leben und sich für die Aufarbeitung des Geschehenen einzusetzen? An die Entscheidung der beiden kann ich nicht ganz anknüpfen.
In der deutschen Übersetzung werden immer wieder „Fräsen“ gesucht. Das war irgendwie merkwürdig. Aus dem Kontext geschlossen werden hier Waffen gesucht. Vielleicht „Fraser“?
Nett fand ich übrigens die Anekdote über den gestohlenen Laptop in der Danksagung!
Ein bewegendes und sehr emotionales, ein bedrückendes und absolut lesenswertes Buch!

„War es das Sterben wert? Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt und auf welcher Seite diese Person steht.“

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