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Veröffentlicht am 13.10.2025

großartige Auseinandersetzung mit Verlusten und Abschieden

Zeit der Abschiede
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K. Brinkbäumer beschäftigt sich in seinem Buch, ausgehend vom Tod seiner Mutter, mit vielen Facetten des Abschiedes, die sein Leben prägen. Er widmet sich persönlichen Abschieden (Tod, Freundschaften, ...

K. Brinkbäumer beschäftigt sich in seinem Buch, ausgehend vom Tod seiner Mutter, mit vielen Facetten des Abschiedes, die sein Leben prägen. Er widmet sich persönlichen Abschieden (Tod, Freundschaften, Umzug, Arbeitsplatz), politischen (u.a. Ruth Bader Ginsburg) und gesellschaftlichen (Coronazeit) und bezieht sich immer wieder auf großartige Parallelen in der Literatur (Homo Faber, Montauk). Dabei kommen auch Abschiede zur Sprache, derer man sich oft gar nicht bewusst ist.

Manchmal passt ein Buch perfekt zum eigenen Lebensabschnitt, und das ist hier definitiv der Fall. Das Buch fällt in eine Zeit, in der ich viele Gedanken des Autors extrem gut nachvollziehen kann. Und deshalb fühlen sich manche Passagen an, als habe sie der Autor eigentlich nur für mich geschrieben. Dann aber stelle ich fest (und das ist gut!): Es geht tatsächlich vielen Menschen ähnlich, das hier ist nun mal das Leben, z.B.: 🗨️ „Wie sehr es aber schmerzt, das zu verlieren, was Identität ist, Heimat seit 25 Jahren, und wie sehr es schmerzt, wenn kein „danke“, kein „mach’s gut“ mehr gesagt wird, weil kein ehrliches Wort mehr fällt, weil alles Vertrauen durch gewollte oder hilflose Kälte ersetzt ist- kennen dies nicht alle, die am einen Tag noch dazugehörten und am nächsten nicht mehr?“

Mir gefällt der Sprung zwischen den Jahren der Abschiede, die genaue Beleuchtung von Gegebenheiten und der ehrliche Umgang mit Gefühlen, die in Abschiedssituationen entstehen. Wie kostbar gute Freundschaften sind, wie schlimm Einsamkeit und wie bedrohlich die Gefährdung der eigenen Gesundheit sich anfühlen- das alles stellt Klaus Brinkmann sprachlich sehr differenziert und treffend dar.

Ein großartiges Buch über ein Thema, mit dem es sich wirklich zu beschäftigen lohnt.

„Heute ist das Leben stabiler, aber die Abschiede fühlen sich wie Abschiede an.“

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Veröffentlicht am 30.09.2025

ganz anders als erwartet

Die Ausweichschule
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Ganz anders, als ich vermutet hätte...

Der Roman „Die Ausweichschule“ von Kaleb Erdmann steht mittlerweile auf der Shortlist des @buchpreis. Wie ich finde, zurecht!
Zwanzig Jahre nach dem Amoklauf im ...

Ganz anders, als ich vermutet hätte...

Der Roman „Die Ausweichschule“ von Kaleb Erdmann steht mittlerweile auf der Shortlist des @buchpreis. Wie ich finde, zurecht!
Zwanzig Jahre nach dem Amoklauf im Erfurter Gutenberg-Gymnasium beschäftigt sich der Erzähler, der damals dort selbst Schüler der 5. Klasse war, intensiv mit dem Ereignis.
Er möchte über das Erlebte schreiben und stellt dabei fest, dass es sich deutlich komplexer und schwieriger gestaltet, als man vielleicht denkt.
Darf er, der nur peripher vom Amoklauf betroffen war, den Tag überhaupt zu seinem Thema machen? Ist er zu weit weg? Zu nah dran? Was hilft, die Vergangenheit persönlich zu verarbeiten?

Ich fand den Roman richtig gut. Kaleb Erdmann schafft es, eine sehr persönliche Geschichte zu schreiben, in der viel mehr als die retrospektive Betrachtung des Amoklaufes stattfindet. Er wechselt die Perspektiven und Orte und gibt einen ungeschönten Einblick in die Gefühlswelt des Erzählers (#hauptstadtlisten).
Dabei ist die Sprache des Autors ein absolutes Highlight. Er schreibt leicht, intelligent und abwechslungsreich, ohne, dass es in irgendeiner Form künstlich wirkt. Ein so schweres Thema sprachlich so überzeugend darzustellen, fand ich wirklich beeindruckend.

Ich war selbst gerade noch im Referendariat, als der Amoklauf in Erfurt stattfand. Ich war weit entfernt, doch ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie sehr diese Tat, die bis dahin unvorstellbar für mich war, unser Kollegium erschütterte. Dieses Gefühl der Unsicherheit, der Unberechenbarkeit war plötzlich nicht mehr selbstverständlich. Und natürlich verblasste es und wurde weniger, aber es ploppt seither immer wieder auf, wenn Gewalt an Schulen in den Vordergrund tritt.

Ein bewegendes und sehr emotionales, ein ehrliches und absolut lesenswertes Buch!
„Niederlande. Den Haag. Amsterdam, denke ich. Marokko, Rabat. Casablanca. Kalifornien. Sacramento. Los Angeles.”

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Veröffentlicht am 22.09.2025

poetisch, überraschend, bedrückend

Blinde Geister
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Zu Beginn der Geschichte treffen wir auf Karl und Rita, Olivias Eltern, die in hohem Alter beide stürzen und nebeneinander auf dem Fußboden liegen, abwartend, was passieren wird.
Dann dreht sich aber ...

Zu Beginn der Geschichte treffen wir auf Karl und Rita, Olivias Eltern, die in hohem Alter beide stürzen und nebeneinander auf dem Fußboden liegen, abwartend, was passieren wird.
Dann dreht sich aber viel um Olivia, ihren Aufenthalt in der Psychiatrie, ihre Unfähigkeiten, Bindungen einzugehen, ihr Thema mit Nähe und Vertrauen, ihr Verhältnis zu ihrer Schwester und ihren Eltern und die Zeit mit ihren Eltern im Keller, den ihr Vater mit der Familie auch nach dem Krieg noch immer aufsucht.
Für mich las sich das Buch fast wie eine Sammlung von Kurzgeschichten und Fladhbacks, die miteinander verwoben sind. Ich hatte nach dem Lesen des Klappentexts erwartet, dass der Schwerpunkt mehr auf der Zeit im Keller liegt (die Auswirkungen schwingen ja auch immer mit), aber war dann doch überrascht, wie viele Themen der Roman zusätzlich bedient.
Manchmal fühlte sich der Text durchaus skurril an: Paul legt Brötchen aus der Tiefkühltruhe auf die Brust, die Oma bringt der Enkelin kranke Tiere, Olivia schneidet als Krankenschwester einem Patienten die KZ-Nummer aus dem Arm, ohne die Wunde zu nähen.
Was aber sichtbar wird, ist der Nachhall der Kriegszeit auf den Vater und der Nachhall seines Verhaltens auf seine Familie.
Ein durchaus poetisches Buch, mit dem ich aber – ich will ehrlich sein- über einige Passagen hinweg meine Schwierigkeiten hatte.
„„Bloß nich‘ allein liegen.“ Diese Worte habe ich behalten.“

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Veröffentlicht am 18.09.2025

Fake Beerdigung als Geschäftsmodell?

Das glückliche Leben
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Éric, ein erfolgreicher Mitarbeiter bei Decathlon France, wird von einer alten Klassenkameradin (Amélie) kontaktiert und für einen regierungsnahen Job rekrutiert. Auf einer Geschäftsreise nach Seoul versäumt ...

Éric, ein erfolgreicher Mitarbeiter bei Decathlon France, wird von einer alten Klassenkameradin (Amélie) kontaktiert und für einen regierungsnahen Job rekrutiert. Auf einer Geschäftsreise nach Seoul versäumt Éric dann ein extrem wichtiges Meeting- aus Gründen. Amélie wartet umsonst.
Während Éric sich daraufhin neu sortiert und ein durchaus erfolgreich im Bereich der „Fake Beerdigungen“ durchstartet, verändert sich auch bei Amélie beruflich und privat einiges.

Was genau ist in Seoul passiert? Sehen sich die beiden wieder? Warum die Überschrift LYCORIS? Read it!

Ich mochte die wechselnden Erzählperspektiven sehr gerne. Weil immer eine Art Cliffhanger entsteht, hab ich das oft überaus witzige Buch auch in einem Schwups im Zug gelesen.

Érics Verhältnis zu seiner Mutter beschreibt @david.foenkinos ehrlich und unverblümt, auch mit einer gewissen realistischen Härte.

Aus dem Coaching ist mir das Verfassen einer Grabrede als Methode zur Bewusstmachung der eigenen Realität bekannt, aber Érics Business geht hier ja noch ein Stück weiter. Mich würde interessieren, inwiefern dieses Modell wirklich erfolgreich ist.

Ich mochte die Idee, dass sich viele Dinge fügen, wenn man ihnen Zeit und vor allem Beachtung schenkt.

Ob mir der Schluss gefällt, weiss ich noch nicht. Worauf ich aber hätte verzichten können, sind die Fußnoten mit Anmerkungen, die für mich irgendwie nicht zum Stil und dem Ton der Geschichte gepasst haben.

Obwohl ich viel (!) Tee über die Seiten 116/117 geschüttet habe, findet das Buch trotz Wasserschadens einen festen Platz in meinem Regal.
Leseempfehlung für alle, die Lust auf eine schwungvoll zu lesende Geschichte über Veränderungen im Leben haben.

Ihre Unterhaltungen glichen Gesprächen, die man mit einem Kundendienst führt, wenn man sich über ein defektes Gerät beschwert.

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Veröffentlicht am 10.09.2025

tolles Portrait!

Die Raststätte
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Florian Werner hat mit „Die Raststätte. Eine Liebeserklärung“ ein Buch geschrieben, das einen Ort beleuchtet, der jährlich mehr Besucher zählt als der Kölner Dom.
Der Autor spricht in diesem bebilderten ...

Florian Werner hat mit „Die Raststätte. Eine Liebeserklärung“ ein Buch geschrieben, das einen Ort beleuchtet, der jährlich mehr Besucher zählt als der Kölner Dom.
Der Autor spricht in diesem bebilderten Erzählband mit sehr unterschiedlichen Menschen, denen er allen am selben Ort begegnet- der Autobahnraststätte.
In der Mitte des Büchleins finden sich Fotografien von Christian Werner, die die Atmosphäre an diesem so eigensinnigen Platz herrlich widerspiegeln.

Ich nehme dieses Buch immer wieder mal in die Hand, weil ich die Idee, sich mit den typisch deutschen Raststätten zu beschäftigen, einfach genial finde.
Im Vergleich zu französischen Raststätten, die ja oft unfassbar großzügig, grün und sauber sind, findet man hier schon öfter mal Exemplare, bei denen man sich gut überlegt, ob man noch länger verweilen möchte.
Ein super Buch, das irgendwie eine Mischung aus Sachbuch, Erfahrungsbericht und gut zu lesender, oft witziger Erzählung ist. Dazu noch tolle Fotos- eine absolute Leseempfehlung.

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