großartige Auseinandersetzung mit Verlusten und Abschieden
Zeit der AbschiedeK. Brinkbäumer beschäftigt sich in seinem Buch, ausgehend vom Tod seiner Mutter, mit vielen Facetten des Abschiedes, die sein Leben prägen. Er widmet sich persönlichen Abschieden (Tod, Freundschaften, ...
K. Brinkbäumer beschäftigt sich in seinem Buch, ausgehend vom Tod seiner Mutter, mit vielen Facetten des Abschiedes, die sein Leben prägen. Er widmet sich persönlichen Abschieden (Tod, Freundschaften, Umzug, Arbeitsplatz), politischen (u.a. Ruth Bader Ginsburg) und gesellschaftlichen (Coronazeit) und bezieht sich immer wieder auf großartige Parallelen in der Literatur (Homo Faber, Montauk). Dabei kommen auch Abschiede zur Sprache, derer man sich oft gar nicht bewusst ist.
Manchmal passt ein Buch perfekt zum eigenen Lebensabschnitt, und das ist hier definitiv der Fall. Das Buch fällt in eine Zeit, in der ich viele Gedanken des Autors extrem gut nachvollziehen kann. Und deshalb fühlen sich manche Passagen an, als habe sie der Autor eigentlich nur für mich geschrieben. Dann aber stelle ich fest (und das ist gut!): Es geht tatsächlich vielen Menschen ähnlich, das hier ist nun mal das Leben, z.B.: 🗨️ „Wie sehr es aber schmerzt, das zu verlieren, was Identität ist, Heimat seit 25 Jahren, und wie sehr es schmerzt, wenn kein „danke“, kein „mach’s gut“ mehr gesagt wird, weil kein ehrliches Wort mehr fällt, weil alles Vertrauen durch gewollte oder hilflose Kälte ersetzt ist- kennen dies nicht alle, die am einen Tag noch dazugehörten und am nächsten nicht mehr?“
Mir gefällt der Sprung zwischen den Jahren der Abschiede, die genaue Beleuchtung von Gegebenheiten und der ehrliche Umgang mit Gefühlen, die in Abschiedssituationen entstehen. Wie kostbar gute Freundschaften sind, wie schlimm Einsamkeit und wie bedrohlich die Gefährdung der eigenen Gesundheit sich anfühlen- das alles stellt Klaus Brinkmann sprachlich sehr differenziert und treffend dar.
Ein großartiges Buch über ein Thema, mit dem es sich wirklich zu beschäftigen lohnt.
„Heute ist das Leben stabiler, aber die Abschiede fühlen sich wie Abschiede an.“