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Veröffentlicht am 04.12.2025

Eines der Fantasy-Highlights des Jahres

Heir of Illusion
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Die Gestaltung des Buches ist wirklich gelungen. Ich mag das Cover extrem gerne, weil die Darstellung des Schwertes perfekt zum Inhalt passt, man das aber erst im Laufe des Buches versteht. Fast besser ...

Die Gestaltung des Buches ist wirklich gelungen. Ich mag das Cover extrem gerne, weil die Darstellung des Schwertes perfekt zum Inhalt passt, man das aber erst im Laufe des Buches versteht. Fast besser gefällt mir allerdings das Buch ohne den Schutzumschlag. Die goldenen Schlangen auf dem schwarzen Hintergrund sehen wirklich edel aus und passen fast noch besser zur Geschichte.

Die Story hat mich ebenfalls direkt in ihren Bann gezogen: Iverson Pomeroy ist überall als Phantom bekannt. Sie verfügt über das Talent der Illusion, doch auch dies kann nichts gegen den Halsring ausrichten, den ihr König Baylor umgelegt hat und sie zu Gehorsam zwingt. Sie sucht verzweifelt einen Ausweg, um sich von dem König zu befreien, der sie zu immer drastischeren Mitteln zwingt, um seine Gegner zum Schweigen zu bringen. Als sie einen bekannten Zauberweber aufsucht, trifft sie auf den Seelenfänger Throne, der nach einer magischen Waffe sucht, die auch Ivys Hoffnung auf Freiheit sein könnte. Als dieses gestohlen wird, muss sie mit Thorne zusammenarbeiten, um es zurückzuholen. Doch hinter seiner Fassade steckt mehr, als sie vorher vermutet hat und je mehr Zeit sie mit ihm verbringt, desto mehr fühlen sie sich zueinander hingezogen. Aber beide haben Geheimnisse, die den anderen zerstören könnten.

Ehrlich gesagt finde das Buch trotz des wunderschönen Covers etwas falsch vermarktet. Denn sie wird überall als Romantasy angepriesen, obwohl das nicht wirklich der Fall ist. Vielmehr ist es eine grandiose Fantasy mit einigen romantischen Elementen, die zwar eine wichtige Rolle spielen, aber nicht den Hauptteil der Handlung ausmachen. Vielleicht auch deswegen habe ich eher eine unterhaltsame, aber nicht tiefgründige Geschichte erwartet (obwohl auch Romantasy-Bücher das natürlich haben können) und war überrascht, wie sehr mich das Buch begeistern konnte.

Der Schreibstil ist extrem gelungen und so fesselnd, dass ich oft gar nicht bemerkt habe, wie ich durch die Geschichte geflogen bin. Er ist leicht und mitreißend, aber auch tiefgründig genug, dass man komplett in die Geschichte eintauchen kann.
Die Gestaltung der Welt trägt sein Übriges dazu bei. Ich habe in letzter Zeit einige Fantasy-Romane gelesen und obwohl es auch viele gute gab, hatte ich oft das Problem, die Welt nicht richtig greifen zu können. Das war bei diesem Buch überhaupt nicht der Fall, ich bin direkt in die Geschichte eingetaucht und hatte das Gefühl, Solmare schon lange zu kennen. Es fühlte sich einfach vertraut an, aber dabei nicht wie ein billiger Abklatsch anderer Orte, dafür war die gesamte Idee mit verschiedenen Inseln, über die Götter regieren und deren Bewohner verschiedenen Fähigkeiten besitzen, zu einzigartig.

Die Charaktere waren neben dem Worldbuilding mein absolutes Highlight. Ivy ist eine unglaublich tolle Protagonistin. Sie hat in ihrer Vergangenheit schon viele furchtbare Dinge erlebt und auch ihre Gegenwart, als „treues Haustier“ des Königs zwingt sie zu vielen Grausamkeiten. Zu Beginn habe ich sie für relativ abgebrüht und kalkulierend gehalten, aber je mehr ich gelesen habe, desto deutlich wurde, wie sehr sie von den Traumata gequält wird, sie aber dennoch alles dafür tut, um andere Menschen davor zu bewahren. Je besser man sie kennenlernt, desto mehr erkennt man, was für eine einfühlsame Person sie eigentlich ist. Thorne habe ich ebenfalls schnell ins Herz geschlossen, zwar ist er der typische geheimnisvolle, dunkle Typ, der Schatten kontrollieren kann, aber ich habe bewundert, wie schnell er erkennt, was Ivy durchmachen muss und er sie immer wieder mit kleinen Gesten unterstützt. Die Chemie zwischen den beiden ist ab ihrer ersten Begegnung greifbar, aber ich fand dennoch die Entwicklung ihrer Beziehung komplett natürlich. Es ist keine Liebe auf den ersten Blick, sondern fast schon unausweichliche Folge aus der Zeit, die sie zusammen verbringen und den Respekt, den sie für den jeweils anderen aufbringen.

Alles in allem war dieses Buch für mich zum Ende des Jahres noch einmal ein absolutes Highlight. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen und habe ich gerade nicht gelesen, habe ich über das Buch nachgedacht, weil ich unbedingt wissen wollte, was als nächstes passiert. Mit dem fiesen Cliffhanger zum Ende habe ich so überhaupt nicht gerechnet und ich kann es kaum erwarten, wenn der nächste Teil rauskommt.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Romantische Geschichte mit Tiefgang

The Heat is on – Something‘s Cooking Between Us
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Das Cover gefiel mir tatsächlich erst auf den zweiten Blick, weil ich es zunächst doch ein wenig kitschig fand. Nachdem ich das Buch aber gelesen habe, finde ich aber sowohl die Darstellung von Julia und ...

Das Cover gefiel mir tatsächlich erst auf den zweiten Blick, weil ich es zunächst doch ein wenig kitschig fand. Nachdem ich das Buch aber gelesen habe, finde ich aber sowohl die Darstellung von Julia und Dwight als auch die Kräuter auf dem Cover passend einfach perfekt zur Story. Dadurch gefällt mir das Cover besser als ich zuvor gedacht hätte.

Die Story klang vielversprechend, aber ich war mir nicht ganz sicher, was ich erwarten sollte: Dwight Faraday hat gerade erst einen Undercover-Auftrag als FBI-Agent hinter sich gebracht und freut sich auf seinen wohlverdienten Urlaub. Doch da er sowohl italienisch sprechen als auch kochen kann, bekommt er direkt einen neuen Auftrag. Er soll die Verbindung zwischen der Familie Villa und der New Yorker Unterwelt untersuchen und dazu einen Job in ihrem neuen Restaurant als Koch Romeo annehmen. Doch er hat nicht mit Julia Villa, der Küchenchefin gerechnet, sie ist die Tochter des Chefs und ist komplett immun gegen seinen Charme. Er tut alles, um sie für sich zu gewinnen und weiß bald nicht mehr, wo Romeo aufhört und wo Dwight anfängt.

Ich war sehr gespannt, eine Story zu lesen, in der das Setting ein bisschen anders ist, als man es gewohnt ist. Ich war mir aber dennoch nicht so richtig sicher, was ich von der Geschichte erwarten sollte. Zum Glück konnte mich das Buch letztlich wirklich überzeugen. Das liegt auch an dem tollen Schreibstil. Ich habe den Humor und die leichte Art, wie die Geschichte erzählt wird, direkt zu Beginn des Buches wirklich genossen. Dadurch bin ich nur so durch die Seiten geflogen, obwohl das Buch für einen klassischen Liebesroman doch recht dick ist.

Ich habe aber kaum gemerkt, wie viele Seiten das Buch hat, weil ich die Charaktere sehr in mein Herz geschlossen habe. Julia ist eine starke Persönlichkeit, weil sie für alles in ihrem Leben kämpfen musste und es sich nicht leisten kann, einmal ihre Mauern fallen zu lassen. Ich habe wirklich bewundert, dass sie immer für die, die ihr wichtig sind, aber vor allem auch für sich selbst einsteht. Aber auch Dwight oder Romeo, wie er einen Großteil des Buches heißt, mochte ich gerne. Natürlich spielt er dabei eine Rolle, um das Vertrauen von Julia und den anderen Menschen im Restaurant zu gewinnen, aber es wird schon früh deutlich, dass es mehr für ihn ist, als ein normaler Job. Schon zu Beginn der Geschichte backt er mit Leidenschaft und hat auch privat einen Kräutergarten, weil er gerne frische Kräuter für seine Gerichte verwendet. Auch dass er sich für die Küchencrew einsetzt, erklärt er sich zunächst damit, dass er dadurch besser an Informationen kommen kann, aber es ist deutlich, dass ihm die Jungs immer mehr ans Herz wachsen. Auch dass er, obwohl er eigentlich eine Rolle spielt, so sehr er selbst ist. Dadurch kann er auch Julia immer dahingehend unterstützen, für sich selbst und ihre Träume einzustehen.

Meine größte Kritik an dem Buch, die eigentlich eher meckern auf ganz hohem Niveau ist, ist, wie lange Romeo lügt und dass er gleichzeitig nicht früher abgezogen wird. Allgemein ist die Art, wie er undercover ermittelt, recht unrealistisch und wirkt fast ein bisschen amateurhaft, obwohl er ja eigentlich ein erfahrener FBI-Agent ist. Allerdings hat mich das beim Lesen nur zum Ende hin gestört, weil ich das Gefühl hatte, dass er viel früher, seinen Abstand zu Julia hätte halten müssen. Spätestens als sie ihm von ihrer Krankheit und dem Stoma-Beutel erzählt, hätte er da eine andere Entscheidung treffen können.

Alles in allem habe das Buch wirklich genossen, weil der Schreibstil unterhaltsam und leicht war, die Geschichte aber vor allem aufgrund von Julias chronischer Krankheit und ihrem Umgang damit doch so tiefgründig, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Emotionale Geschichte und Charaktere, die man sofort ins Herz schließt

Falling Like Stars
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Das Cover des Buches ist wirklich schön. Ich mag die Kombination aus dem dunklen Violett und der hellen Schrift, die wirklich aussieht, als würden die Sterne rund um den Titel herunterfallen. Es macht ...

Das Cover des Buches ist wirklich schön. Ich mag die Kombination aus dem dunklen Violett und der hellen Schrift, die wirklich aussieht, als würden die Sterne rund um den Titel herunterfallen. Es macht sich einfach hervorragend im Regal neben den anderen Büchern von Emma Scott.

Die Story passt außerdem perfekt zu der Gestaltung: Rowan träumt seit ihrer Jugend davon, eine erfolgreiche Kostümdesignerin in Hollywood zu werden. Doch ein schwerer Schicksalsschlag sorgt dafür, dass sie diese Träume begraben muss. Nun arbeitet sie als Produktionsassistentin an den Sets verschiedener Filme. Bei einem davon trifft sie zufällig auf den erfolgreichen Schauspieler Zachary Butler, der gerade erst für einen Oscar nominiert wurde. Vom ersten Augenblick an fühlen sich die beiden zueinander hingezogen und spüren, dass ihre Verbindung über bloße Anziehung hinausgehen könnte. Doch beide haben mit den Dämonen ihrer Vergangenheit zu kämpfen und müssen erkennen, dass es mehr braucht, als nur Gefühle füreinander, wenn eine Beziehung zwischen ihnen funktionieren soll.

Ich mag den Schreibstil von Emma Scott wirklich gerne und auch hier hat er mich wieder begeistern können. Schon auf den ersten Seiten hat mich die Story komplett in seinen Bann gezogen und ich bin nur so durch die Seiten geflogen.

Das liegt auch und vor allem an den Charakteren. Es tut weh, mitzuerleben, wie sich mit einem Schlag Rowans ganzes Leben ändert und sie dadurch ein wenig selbst verliert. Ich wollte unbedingt das Mädchen wieder sehen, dass vergisst, wie kalt es ist, weil sie ein Kleidungsstück designt oder ein Kostüm zusammenstellt. Doch der Weg dorthin ist lang und hart, man merkt deutlich, wie wenig sie ihre Vergangenheit hinter sich lassen und heilen kann, auch weil sie es sich selbst nicht so richtig erlauben will oder kann. Man merkt einfach, dass sie sich selbst keine Chance gibt, in ihrem Leben weiterzukommen. Das ändert sich zum Glück langsam, als sie auf Zach trifft und dieser erkennt, dass sie mehr ist, als sie sich selbst zugesteht. Schon alleine aus diesem Grund mochte ich ihn unglaublich gerne. Er ist zudem aber auch ein netter Mensch, dem es wichtig ist, dass er die Menschen am Set mit Namen kennt, allen auf Augenhöhe zu begegnen und auf keinen Fall als arroganter Schauspieler wahrgenommen zu werden. Ich fand es faszinierend, wie viel ihm das Schauspielern gibt und dass es für ihn eine tolle Möglichkeit ist, sich auszudrücken und seine Gefühle zu verarbeiten. Außerdem versucht er immer für die Menschen da zu sein, die ihn brauchen, was Eva oft gnadenlos ausnutzt. Es tat so weh zu sehen, wie sie ihn behandelt und er immer wieder versucht, die Person zu finden, die sie war, als sie beide noch unbekannt waren. Ich fand spannend, wie unterschiedlich Rowan und Zach mit ihren Traumata umgehen und sie dennoch konstant versuchen, einander zu unterstützen, den anderen zu verstehen und offen dafür zu sein, wie sie ihr Leben gestalten.

Die Story als solche war gar nicht so außergewöhnlich, aber das ist mir während des Lesens gar nicht aufgefallen. Die Geschichte stellt einfach Rowan und Zach in den Mittelpunkt, aber nicht notwendigerweise ihre Beziehung, sondern vielmehr, wie sehr sie heilen müssen, um wirklich füreinander da sein zu können. Ich mochte, dass die Beziehung alleine eben nicht der Faktor ist, der ihre Sicht auf das Leben und ihre Vergangenheit ändern, sondern beide an sich arbeiten und nach und nach Schritte in eine Richtung machen können, die für beide gesünder ist.

Alles in allem habe ich das Buch geliebt. Emma Scott hat eine besondere Art, eine Geschichte zu erzählen, die einfühlsam und fesselnd ist, sodass ich nur so durch die Seiten geflogen bin und die Charaktere fest in mein Herz geschlossen habe. Ich wollte unbedingt, dass die beiden glücklich werden und einander den Halt geben können, den sie beide brauchen.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Gelungene Gesellschaftskritik

Gym
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Das Cover des Buches gefällt mir tatsächlich erst auf den zweiten Blick. Ich war zunächst ein bisschen irritiert, warum man diese Darstellung für einen Roman über die Arbeit in einem Fitnessstudio ein ...

Das Cover des Buches gefällt mir tatsächlich erst auf den zweiten Blick. Ich war zunächst ein bisschen irritiert, warum man diese Darstellung für einen Roman über die Arbeit in einem Fitnessstudio ein Bild von er sitzenden Person verwendet. Nachdem ich das Buch allerdings gelesen habe, finde ich die Darstellung mehr als passend und trifft das Gefühl, das das Buch vermittelt nahezu perfekt.

Die Geschichte als solche fand ich auch reizvoll: Die namenlose Erzählerin braucht unbedingt einen Job und als sie sie im Bewerbungsgespräch mit dem Eigentümer des MEGA GYM das Gefühl hat, dass sie nicht seinen Ansprüchen genügt, rutscht ihr die kleine Notlüge raus, dass sie gerade erst entbunden habe und deswegen nicht in Form sei. Ihr neuer Chef Ferhat, ganz der überzeugte Feminist, bietet ihr direkt die Möglichkeit in seinem Fitnessstudio hinter der Theke am Empfang zu arbeiten. Doch nun wollen alle Fotos von dem Baby sehen und es wird immer schwieriger, die Lüge aufrecht zu erhalten, zumal es nicht das einzige ist, wo sie nicht ganz ehrlich war.
Ich war mir nicht so richtig sicher, was ich von dem Buch erwarten sollte, schließlich ging es vor allem um eine Frau, die durch eine Lüge einen Job in einem Fitnessstudio bekommen hat. Doch das Buch hat mich überrascht, der Schreibstil hat oft einen leicht ironischen Unterton und beschreibt selbst die absurdesten Szenen in einer sehr trockenen Art, was ich immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat. Genau das macht den Schreibstil von Verena Keßler so besonders. Ich musste mich gar nicht groß an den Schreibstil gewöhnen, sondern bin ab den ersten Seiten in das Buch eingetaucht und habe gar nicht gemerkt, wie schnell ich es durchgelesen habe.

Die Story war ebenfalls spannender, als ich zunächst erwartet hätte, weil ich mir nie sicher war, was die Protagonistin als nächstes macht. Das hat für mich den Reiz des Buches ausgemacht, es gibt immer wieder Klischees, die werden aber so überzeichnet und ins Lächerliche gezogen, das einem klar wird, dass es eben Klischees sind und nichts, was erstrebenswert wäre. Vor allem die Darstellung des Fitness-Wahns und der Obsession mit Selbstoptimierung fand ich perfekt auf den Punkt gebracht. Ich musste zwischendurch kurz pausieren und darüber nachdenken, was gerade passiert ist und wie schnell Sachen kippen können. Ich fand es faszinierend, wie perfekt eingefangen wurde, was hinter glitzernden Oberflächen steckt und wie weit man gehen kann, wenn man Sachen plötzlich nicht mehr so laufen, wie man es sich das vorgestellt hat. Dazu passte auch gut, dass man erst nach und nach mehr über die Protagonistin erfährt, aber nie ihren Namen, dadurch wirkt sie trotz ihrer Individualität fast austauschbar. Man bekommt das Gefühl, es könne jedem passieren und jeder könnte so handeln, wie sie, wenn bestimmte Parameter erfüllt sind.

Alles in allem ist das Buch eine gelungene Gesellschaftssatire, die in klaren Worten und mit viel Humor zeigt, was passiert, wenn Obsession und gesellschaftlicher Druck zu viel werden.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Spannender historischer Roman

Rabenthron
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Ich liebe die Gestaltung des Buches einfach. Es passt hervorragend zu den Neuauflagen der anderen Bücher der Helmsby-Reihe und sticht durch das schöne Cover und den Farbschnitt mit den hervorragend gestalteten ...

Ich liebe die Gestaltung des Buches einfach. Es passt hervorragend zu den Neuauflagen der anderen Bücher der Helmsby-Reihe und sticht durch das schöne Cover und den Farbschnitt mit den hervorragend gestalteten Details heraus.

Die Story hat mich ebenfalls direkt gereizt: Als Aelfric of Helmsby sich weigert, seinen dänischen Gefangenen seinem Onkel und Thane auszuhändigen, droht dieser ihm seinen kleinen Sohn Penda in die Sklaverei zu verkaufen. Deswegen entschließt sich der junge Engländer ihn direkt bei Hofe in London abzuliefern, um ein mögliches Lösegeld zu kassieren. Doch die Stadt liegt in Trümmern und der König Aetheldred schafft es nicht, sein Volk vor den ständigen Wikingerangriffen zu schützen. Als Königin Emma zusammen mit ihren Kindern kurzfristig aus England fliehen muss, begleiten Aelfric und sein dänischer Gefangenen Hakon, der mittlerweile sein Freund geworden ist, sie auf dem Weg in die Normandie. Bald gehören beiden zum engsten Kreis rund um die einflussreiche Königin und Penda wird zusammen mit den beiden Prinzen ausgebildet. Doch die Macht des Königs wackelt und plötzlich sind die Dänen nicht mehr nur eine Gefahr für die englischen Küsten, sondern für das gesamte englische Reich.

Ich liebe den Schreibstil von Rebecca Gablé. Sie ist eine der wenigen Autorinnen, die es jedes Mal wieder schafft, mich in die Geschichte zu ziehen und so zu fesseln, dass ich trotz der vielen Seiten gar nicht mehr aufhören kann, zu lesen. Das ist auch in diesem Buch wieder der Fall, obwohl mich diesmal die Zeitsprünge in der Geschichte deutlich mehr aus dem Konzept gebracht haben, als das in vorherigen Büchern der Fall gewesen ist.

Das Setting der Story fand ich extrem spannend, weil es vor den anderen beiden Teilen der Helmsby-Reihe spielt und die Geschichte von Caedmons Urgroßvaters Aelfric Eisenfaust und seiner Familie erzählt. Diesen kennt man nur aus Erzählungen und schon, als ich zum ersten Mal „Das zweite Königreich“ gelesen habe, war ich neugierig, wer er war und wie er zu seinem Spitznamen kam. Außerdem wusste ich wirklich wenig über das angelsächsische England, bevor William der Eroberer es eroberte. Deswegen war mir auch gar nicht so klar, wie viel Einfluss die Dänen auch abseits ihrer Überfälle auf die englische Küste hatten und dass es sogar mehrere Dänen auf dem englischen Thron gab. Dabei fand ich vielleicht weniger die Könige an sich in diesem Buch spannend als vielmehr Königin Emma, die zweimal die Frau eines Königs war und zweimal deren Mutter. Dies alleine zeigt schon ihren großen Einfluss auf die Zeit, die sich indirekt zumindest auch auf die normannische Eroberung ausgewirkt hat.

Doch es sind vor allem die Charaktere, die keinen historischen Hintergrund haben, die das Buch ausmachen. Aelfric habe ich schon direkt zu Beginn des Buches in mein Herz geschlossen, weil er sich für seine Ideale einsetzt und sich weigert, diese zu verraten, selbst wenn er sich dadurch immer wieder das Leben schwer macht. Ein noch viel wichtigerer Punkt für mich war aber, wie sehr er seine Kinder und vor allem Penda liebt. Er stellt deren Wohl über alles andere, ist immer ehrlich zu ihnen und setzt sich dafür ein, dass sie glücklich sind, selbst wenn er dafür ungewöhnliche Entscheidungen treffen muss. Er wird dafür zwar oft von anderen belächelt, aber das hält ihn nicht davon ab, seinen Weg so weiterzugehen. Auch Penda, den man als sechsjährigen Jungen kennenlernte, hat es sehr schnell geschafft, dass ich ihn liebgewonnen habe. Zu Beginn ist er ein kluges Kind, das erstaunlich viel mitbekommt und erfassen kann, der mich immer wieder zum Lächeln gebracht hat. Ich mochte, dass er auch als Erwachsener immer jemand ist, der eher zu viel als zu wenig Vertrauen zu Menschen hat. Das ist ihm durchaus bewusst, aber obwohl es ihm mehr als einmal auf die Füße fällt, will er es nicht ändern, sondern glaubt lieber an das Gute in Menschen. Damit stellt er ein gutes Gegenstück zu Prinz Edward (dem späteren Edward dem Bekenner) dar, der der Welt eher skeptisch gegenübersteht und dem es hilft, wenn Penda ihn manchmal daran erinnert, dass nicht jeder schlechte Absichten hat.

Auch wenn ich vor allem Aelfric und Penda gerne mochte, hatte ich mit den anderen Personen manchmal so meine Probleme. Zwar konnte ich Königin Emma und auch ihre Söhne Edward und Alfred nach einer Weile recht gut einschätzen, aber bei vielen anderen Personen war das nicht so. Durch die zum Teil sehr großen Zeitsprünge hatte ich oft das Gefühl, zwar zu wissen, wer die Person war, aber sie nicht wirklich zu kennen. Am auffälligsten war das bei Aelfrics Familie, bei der ich abseits von Penda immer wieder darüber nachdenken musste, wer nochmal wer war. Das lag auch daran, dass sich die politischen Verhältnisse in dieser Epoche oftmals innerhalb kürzester Zeit drastisch geändert haben und Personen, die zuvor einen gewissen Einfluss hatten, diesen dann wieder verloren haben. Ich hatte da oft das Gefühl ein bisschen hinterher zu hinken und nicht immer einen vollständigen Überblick zu haben, wer gerade welche Agenda verfolgt und wer im Streit mit wem liegt. Dadurch habe ich deutlich mehr als sonst historische Ereignisse nachgeschlagen, um mir einen besseren Überblick zu verschaffen und nichts zu übersehen. Das ist nicht unbedingt schlecht, schließlich habe ich dadurch noch einmal deutlich mehr über diese Zeit des Mittelalters gelernt, auch in Bezug auf Dänemark und Norwegen, aber es hat mich in gewisser Weise natürlich auch gespoilert, weil ich dadurch viele historische Ereignisse schon kannte.

Alles in allem mochte ich das Buch gerne, besonders weil Rebecca Gablé eben einfach eine besondere Art hat, mich für historische Ereignisse (vor allem in England) zu begeistern und ich habe mich sehr darüber gefreut, eine gewisse Vorgeschichte zu den Helmsbys zu bekommen, aber gleichzeitig war es manchmal schwer in dieser chaotischen Epoche den Überblick zu halten. Ich hatte dadurch hin und wieder das Gefühl, dem ganzen nicht richtig folgen zu können und im Gegensatz zu anderen Büchern keine so starke persönliche Bindung zu den historischen Charakteren aufbauen zu können.

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