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Veröffentlicht am 16.08.2025

Oh mein Gott, was war das denn bitte?

Die Probe
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„Die Probe“ klingt nach allem, was ich liebe: klug, sprachlich stark, viele interessante Gedanken über Kunst, Identität und Wahrnehmung. Katie Kitamura hat definitiv einen Blick für Details, die gleichzeitig ...

„Die Probe“ klingt nach allem, was ich liebe: klug, sprachlich stark, viele interessante Gedanken über Kunst, Identität und Wahrnehmung. Katie Kitamura hat definitiv einen Blick für Details, die gleichzeitig auf der Handlungsebene und auf einer Metaebene funktionieren.

Im Zentrum steht eine gefeierte Schauspielerin, die mitten in den Proben für eine Premiere steckt. Bei einem Mittagessen in Manhattan trifft sie auf Xavier, einen jungen Mann, der eine verstörende Behauptung aufstellt und damit eine Kette von Ereignissen auslöst, die ihre Realität ins Wanken bringt.

Am Anfang war ich auch wirklich drin. Ich mochte, wie beiläufig Themen wie kulturelle Rollenbilder, Zugehörigkeit oder das Selbstverständnis als Künstlerin auftauchen. Manche Sätze waren so großartig formuliert, dass ich sie zweimal lesen musste. Man merkt, dass Kitamura Atmosphäre kann und dass jedes Wort sitzt.

Aber irgendwann war ich raus. Mir fehlte durchgehend ein roter Faden, etwas, das mich durch den Text zieht. Stattdessen blieb alles bewusst offen, Szenen endeten einfach, vieles wurde nicht aufgelöst. Das kann man literarisch spannend finden, mich hat es eher müde gemacht.

Der Roman will, dass man sich in den Lücken bewegt, Bedeutungen zusammensetzt, Symbole deutet. Für mich fühlte es sich irgendwann an wie ein Kunstfilm, der mehr über das Zuschauen erzählt als über das, was man sieht. Wer auf abstrakte, meta-orientierte Literatur steht, wird das vermutlich feiern. Ich hatte eher das Gefühl, ich arbeite mich an etwas ab, das mir am Ende nicht genug zurückgibt.

Wäre das Buch doppelt so lang gewesen, hätte ich wahrscheinlich abgebrochen. Dass ich es zu Ende gelesen habe, lag an der Kürze und daran, dass die Sprache selbst dann interessant bleibt, wenn mich die Handlung nicht mehr mitnimmt.

Mein Fazit: Sprachlich stark, konzeptionell spannend, aber für mich zu offen, zu abstrakt und zu wenig greifbar. Für Fans von experimenteller Literatur sicher ein Highlight, für mich am Ende eher anstrengend als bereichernd.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Wie ein Song ohne Refrain

Deep Cuts
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Ein Roman über eine Studentin, die Songs auseinandernimmt, als wären sie Anatomie, und über einen Typen, der ihr Talent sofort erkennt. Es geht um Musik, um eine Liebe und um die frühen 2000er. Das klingt ...

Ein Roman über eine Studentin, die Songs auseinandernimmt, als wären sie Anatomie, und über einen Typen, der ihr Talent sofort erkennt. Es geht um Musik, um eine Liebe und um die frühen 2000er. Das klingt hart nach Leidenschaft und Nostalgie, aber für mich hat es nicht funktioniert.

Schon nach den ersten Kapiteln wusste ich, dass ich emotional nicht andocken kann. Percy blieb mir fremd. Ich sah sie in Bars über Jukebox-Hits reden und Songs zerlegen, aber ich habe nichts dabei gespürt. Die Gespräche über Akkorde und Bridges waren mir zu spezifisch und irgendwann einfach zäh. Ich habe sogar die Playlist parallel gehört, um näher ranzukommen, aber es hat nichts verändert.

Manche Gedanken über Songs waren ganz spannend, ja, manchmal auch fast augenöffnend, und genau da habe ich kurz gemerkt, was dieses Buch hätte sein können. Aber insgesamt gingen diese Momente unter, weil Figuren und Story für mich nicht genug Tiefe hatten. Percy sollte verletzlich wirken, doch das kam bei mir nicht an. Auch die Beziehung zu Joe blieb blass, ohne Knistern, und ich konnte emotional einfach nicht mitgehen.

Ich sehe, was die Autorin erzählen wollte, trotzdem hat die Geschichte für mich keine Wirkung entfaltet. Ich habe bis zum Ende durchgehalten, in der Hoffnung auf einen Moment, der mich packt. Aber er kam nicht. Ein paar Radiohead-Zeilen bleiben hängen, und einzelne Gedanken über Musik fand ich spannend, aber im Gesamtbild war es zu wenig für mich.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Marnies Suche, die mich nicht gefunden hat

Crushing
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Ich hatte Erwartungen. Ein wunderschönes Cover, ein spannendes Thema - eine Frau auf der Suche nach Identität. Aber schon nach den ersten Kapiteln ahnte ich, dass das für mich kein Match wird.

Worum geht’s? ...

Ich hatte Erwartungen. Ein wunderschönes Cover, ein spannendes Thema - eine Frau auf der Suche nach Identität. Aber schon nach den ersten Kapiteln ahnte ich, dass das für mich kein Match wird.

Worum geht’s? Marnie, die sich selbst als Serien-Monogamistin bezeichnet, beschließt nach vielen gescheiterten Beziehungen: Es reicht. Keine verzweifelten Versuche, die perfekte Partnerin zu sein. Endlich frei. Aber dann tritt Isaac in ihr Leben - ein Mann, der sie wirklich versteht, allerdings vergeben ist. Und während die Freundschaft zu ihm wächst, steht für Marnie die eigentliche Frage im Raum: Wer ist sie wirklich, und was will sie vom Leben, wenn sie nicht gerade in einer Beziehung steckt?

Das klingt nach einer spannenden Ausgangslage. Aber die Umsetzung hat für mich nicht funktioniert. Statt einer echten Suche nach Identität hatte ich eher das Gefühl, dass sie stark von anderen Menschen abhängig bleibt und sich kaum alleine behaupten kann. Sie will unabhängig sein, aber gleichzeitig kann sie keine Sekunde allein sein und der ständige Griff zum Alkohol wird immer wieder wie eine Lösung präsentiert, was ich eher problematisch fand.

Mit dem Schreibstil bin ich ebenfalls nicht warm geworden. Der sarkastische Ton hat zwar hin und wieder für witzige Momente gesorgt, wirkte auf mich insgesamt aber eher angestrengt. Dadurch bin ich nie richtig in die Geschichte hineingekommen. Viele Szenen wirkten vorhersehbar und die Handlung bot für mich kaum Überraschungen.

Fazit:
Am Ende habe ich mich eher durch die knapp 400 Seiten gekämpft, als sie wirklich genossen. Ich hatte mir von der Identitätssuche mehr Tiefe und weniger Partyexzesse, One-Night-Stands und Selbstmitleid erhofft. Das ist schade, weil das Thema an sich unglaublich spannend ist. Für mich war es einfach nicht das richtige Buch.

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