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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.10.2025

Verletzte Kinderseele

Was man nicht sieht, ist doch da
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Es ist das Jahr 1954: Ohne Vorwarnung wird der zehnjährige Hans in Tirol dem Elternhaus entrissen und aufgrund "sittlicher Verfehlungen" in eine sogenannte Erziehungsanstalt verbracht. Um die täglichen ...

Es ist das Jahr 1954: Ohne Vorwarnung wird der zehnjährige Hans in Tirol dem Elternhaus entrissen und aufgrund "sittlicher Verfehlungen" in eine sogenannte Erziehungsanstalt verbracht. Um die täglichen Drangsalierungen, gefolgt von allerhärtesten und unmenschlichen Methoden, ertragen zu können, legt er sich sich gedanklich eine zweite Identität zu, die er lediglich mit seinem Nachnamen Dakosta benennt.

Die Autorin erzählt uns hier ungeschönt und eindringlich die Abläufe eines Heimalltags, in dem noch alte Nazi-Strukturen herrschen. Die kurzen Kapitel und die klare prägnante und sachliche Sprache sind hier meines Erachtens bestens gewählt, um das Leiden von Hans zu transportieren, dessen Eltern einer ethnischen Minderheit, der Volksgrupe der Ladiner, entstammen. Denunziantentum ist hier ebenfalls ein Thema, es scheint, wer sich zuerst meldet, dem wird geglaubt.

Das Buch ist trotz des geringen Umfangs keine leichte Kost, oftmals musste ich den Inhalt gedanklich sacken lassen. Umso wichtiger ist es, dass auch hier mit deutlichen Aussagen dem unendlichen Kindesleid, das kurz nach dem Kriegsende in sogenannten "Bewahranstalten" herrschte, ein Forum gegeben wird. Ich spreche daher eine absolute Leseempfehlung aus!

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Winter an der Adria

Alle weg
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Wer den Vorgängerband "Meine Bar in Italien" gerne gelesen hat, wird auch dieses Buch mögen! Diesmal befinden wir uns außerhalb der Touristensaison im Herbst/Winter, Pinos legendäre Bar auf def Insel Grado ...

Wer den Vorgängerband "Meine Bar in Italien" gerne gelesen hat, wird auch dieses Buch mögen! Diesmal befinden wir uns außerhalb der Touristensaison im Herbst/Winter, Pinos legendäre Bar auf def Insel Grado an der Adria ist fest in der Hand der Einheimischen. Es wird getrunken, diskutiert, Anekdoten ausgetauscht, man ist unter sich.

Mit einer guten Prise Humor erzählt uns der Autor in dieser autobiografischen Geschichte, wie es sich als eingeheirateter Deutscher (oder vielleicht doch als Österreicher?) anfühlt, unter Einheimischen zu leben, seine neue Heimat anzunehmen und doch eigene Gebräuche beizubehalten. Die einzelnen Szenen sind dabei so plastisch dargestellt, dass man sich so manches Mal mit unter den Bewohnern Grados fühlt. Essen und Trinken ist dabei wieder ein zentrales Thema, das von den Italienern seit je her mit der ganzen Familie zelebriert wird.

Ich habe einen unterhaltsamen Einblick in die italienische Lebenskultur erhalten, sehr gerne habe ich einige amüsante Lesestunden an der winterlichen Adria verbracht!

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Weihnachten am See

Der Weihnachtssee
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Die junge Erzieherin Jana hat mit ihrer Familie das Weihnachtsfest in ihrer Heimat im Bayrischen Wald vorgefeiert, weil die Eltern gemeinsam mit der Schwester und Nichte über die Feiertage verreisen wollen. ...

Die junge Erzieherin Jana hat mit ihrer Familie das Weihnachtsfest in ihrer Heimat im Bayrischen Wald vorgefeiert, weil die Eltern gemeinsam mit der Schwester und Nichte über die Feiertage verreisen wollen. Auf der Rückfahrt in ihren jetzigen Wohnort München beleibt Jana nach wenigen Kilometern mit dem Auto im Schneesturm stecken. Zu Fuss erreicht sie ein abseits an einem kleine See gelegenes Haus und bittet dort um Einlass. Erstaunt stellt sie fest, dass sie den Bewohner Toni aus früheren Zeiten kennt. Dieser kümmert sich dort um seinen vierjährigen Neffen Finn, der gerade seine Mutter - Tonis Schwester - verloren hat. Als weitere vier Personen, die ebenfalls stecken geblieben sind, auch bei Toni Unterschlupf suchen, ist eine turbulente (Vor)-weihnachtszeit vorprogrammiert, zumal unter den Gästen Janas Ex-Freund ist.

Die Autorin hat uns hier wieder eine Weihnachtsgeschichte vom allerfeinsten präsentiert, die auch bereits im Herbst festliche Stimmung aufkommen lässt. Eine sehr ans Herz gehende Story mit so manchen Gefühlsausbrüchen, positiver als auch negativer Art, lässt mein Leserherz wieder höher schlagen. Es werden so unterschiedliche Charaktere präsentiert, die auch nach anfänglichen Schwierigkeiten alle zum Gelingen des kurzen aber auch intensiven Zusammenlebens beitragen, dass es eine wahre Freude ist. Der kleine Finn sowie ein Kätzchen namens Fleck sind die heimlichen Stars dieses Romans, den ich jedem Anhänger von weihnachtlichen Wohlfühlgeschichten wärmstens ans Herz legen kann!

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Erinnerungen des Lebens

Der Himmel trägt ein goldenes Herz
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In diesem kleinen Büchlein erleben wir die Erinnerungen eines alten Mannes an seine verstorbene Frau. Mit kleinen Briefen führt sie ihn an Orte, die in ihrer beider Leben eine Rolle gespielt haben und ...

In diesem kleinen Büchlein erleben wir die Erinnerungen eines alten Mannes an seine verstorbene Frau. Mit kleinen Briefen führt sie ihn an Orte, die in ihrer beider Leben eine Rolle gespielt haben und nun die Erinnerungen wieder erwecken sollen.

Der Sprachstil ist hier ganz wunderbar gelungen, sanft wie eine Umarmung, feinfühlig und leise kommt die Geschichte daher. Man fühlt sich in den Zeilen geborgen und gewärmt. Das Buch kann gut als Trauerbegleitung für betroffene Leser dienen, aber auch ansonsten als tolle Botschaft gelten, dass Erinnerungen nie sterben und geliebte Menschen immer irgendwie unter uns weiterleben.

Ich habe mit großer Entspannung ein wunderbares Buch gelesen, dass Wärme und Hoffnung vermittelt, ich kann es nur jedem ans Herz legen. Die wunderschönen Zeichnungen sind hier zusätzlich eine ganz gekonnte Zugabe!

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Eindringliche Geschichte

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Als kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs ein etwa 4jähriger namenloser Junge aufgegriffen wird, geben die Behörden ihm den Namen Hartmut und brigen ihn in einem Heim unter, wo die Kinder aus "Vereinfachungsgründen" ...

Als kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs ein etwa 4jähriger namenloser Junge aufgegriffen wird, geben die Behörden ihm den Namen Hartmut und brigen ihn in einem Heim unter, wo die Kinder aus "Vereinfachungsgründen" alle nur eine Nummer erhalten und als solche auch behandelt werden. Im Heim lernt er das ein wenig ältere Mädchen Margret kennen, die fortan auf ihn aufpasst, so gut es geht. Ihre Wege verlieren sich, später finden sie durch einen Zufall wieder zueinander.

In der Gegenwartsebene sind Margret und Hartmut, genannt Hardy, ein seit langem verheiratetes Ehepaar. Keiner aus der Familie kennt ihre ursprüngliche Geschichte, bis die bei ihnen lebende jugendliche Urenkelin Emily Fragen stellt und beginnt, in der Familienhistorie nachzuforschen.

Schon lange hat mich kein Buch mehr so mitgenommen wie dieser Roman von Susanne Abel. Gut recherchiert und ungeschönt berichtet sie von unhaltbaren Zuständen im Kinderheim, bei denen unvorstellbare Grausamkeiten an den Kindern begangen werden, die sich offenbar tief in deren Seelen eingebrannt haben und ihre Auswirkungen bis in die Gegenwartsebene zeigen. Das Gelesene musste ich dabei so manches Mal sacken lassen und verarbeiten. Der Wechsel der Zeitebenen und der Perspektiven ist der Autorin dabei sehr gut gelungen und bringt einiges an Hintergrundinformationen, die den Figuren in der Gegenwart momentan noch fehlen.

Eine sehr tiefgehende Geschichte, die ich jedem ans Herz lege und dafür gerne die volle Punktzahl vergebe!

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