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Ullap

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.10.2025

Frauen an die Macht!

Die Frau der Stunde
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Wir befinden uns Ende der 70er Jahre im politischen Bonn, der damaligen Bundeshauptstadt. Der amtierende liberale deutsche Außenminister stolpert über eine Frauengeschichte und muss schweren Herzens zum ...

Wir befinden uns Ende der 70er Jahre im politischen Bonn, der damaligen Bundeshauptstadt. Der amtierende liberale deutsche Außenminister stolpert über eine Frauengeschichte und muss schweren Herzens zum Wohle der Koalition zurücktreten. Als vermeintlich geschickter Schachzug wird die ambitionierte Außenpolitikerin Catharina Cornelius als erste deutsche Frau mit dem Ministerposten betraut. Manchen männlichen Politikern gefällt nun so gar nicht, dass Catharina ihre Sache mehr als gut macht und frischen Wind in das Amt bringt.

Was für eine großartige Geschichte! Die Autorin verwebt hier geschickt Realität und Fiktion in einer seinerzeit sehr männerdominierten politischen Welt. Als Leser macht man sich wiederholt Gedanken, welche realen Politiker sich hinter den Figuren verbergen. Tatsächliche eingeflochtene weltpolitische Geschehnisse lassen die Geschichte mehr als lebendig erscheinen. Mit viel versteckter Ironie und einer großen Prise Wahrheit erleben wir hier ein Jahrzehnt, in dem sich die politisch aktiven Frauen (leider) erst noch beweisen mussten, oft mit mehr Leistung als ihre männlichen Gegenüber, aber auch mit einem gewissen Grad an Rafinesse.

Eine sehr gelungener Roman, bei demir auch einige der weiblichen Nebenfiguren sehr ans Herz gewachsen sind!

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Liebe, die Jahre überdauert

Zwei Leben: Das Versprechen
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Nachdem Juna durch ein burn-out beruflich lahmgelegt ist, engagiert sie sich ehrenamtlich als Alltagsbegleiterin. Hier trifft sie den über 90jährigen etwas verschroben wirkenden Vincent, der sich ihr nach ...

Nachdem Juna durch ein burn-out beruflich lahmgelegt ist, engagiert sie sich ehrenamtlich als Alltagsbegleiterin. Hier trifft sie den über 90jährigen etwas verschroben wirkenden Vincent, der sich ihr nach anfänglichen Schwierikeiten öffnet. Juna hört die Geschichte eines alten Mannes, der als Diamantschleifer in Antwerpen seiner großen Liebe begegnet ist und diese zeitlebens nicht vergessen konnte.

Das Buch wird in zwei Zeitebenen erzählt: In der Gegenwartsebene mit dem alten Vincent und Juna, in der Vergangenheit lernen wir die junge Jüdin Esther im zweiten Weltkieg kennen, die Schlimmes erleben musste, aber auch auf Menschen traf, die nur die junge Frau in ihr sahen und ihr helfen wollten.

Dies ist das zweite Buch der Autorin unter dem Obertitel "Zwei Leben", die Figuren beider Geschichten haben aber tatsächllich nichts miteinander zu tun, beide Romane können daher unabhängig voneinander gelesen werden.

Wiederum gelingt es Astrid Korten, den Leser mit einem spannenden Plot und einer Reise in die Vergangenheit des 2. Weltkriegs zu faszinieren. Unmenschliches aber auch Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft liegen hier nah beieinander und haben mich so tief in die Erzählung hineingezogen, dass ich den Roman fast in einem Rutsch gelesen habe. Tastächlich diente hier die eigene Familiengeschichte der Autorin als Vorlage, eine großartige Leistung, dies in der Geschichte so authentisch herüberzubringen!

Ich mag den fesselnden Schreibstil der Autorin sehr, so dass ich auch dies Buch wieder uneingeschränkt empfehlen kann!

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Die Schatten der Vergangenheit

Zwei Leben
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Nach der Trennung von ihrem Mann und dem Tod ihrer Grossmutter findet Nora beim Aufräumen auf dem Speicher eine Holzschatulle, deren Inhalt das Leben und die Vergangenheit der Großmutter womöglich in einem ...

Nach der Trennung von ihrem Mann und dem Tod ihrer Grossmutter findet Nora beim Aufräumen auf dem Speicher eine Holzschatulle, deren Inhalt das Leben und die Vergangenheit der Großmutter womöglich in einem ganz anderen Licht darstehen lässt. Zusammen mit dem Journallisten Andreas macht sich Nora auf den Weg nach Russland, um den Spuren ihrer Familie, vor allem denen aus der Jugendzeit ihrer Großmutter, nachzugehen.

Wir erleben die Geschichte von Nora und der Großmutter in wechselnden Zeitperspektiven, wobei hier für mich die Erlebnisse der Großmutter klar im Vordergrund stehen. Schließlich will nicht nur Nora der Vergangenheit auf die Spur gehen, auch beim Leser versteht es die Autorin bestens, große Spannung zu erzeugen. Die Geschichte einer tapferen jungen Frau, die sich für ihr Land einsetzt, dabei Familie und Weggefährten verliert und doch nie den Glauben verliert, ist hier sehr einfühlsam und intensiv dargestellt, das Buch konnte ich kaum aus der Hand legen. Die Autorin war mir bisher nicht bekannt, ihre tolle Schreibweise und spannende Handlung macht mich jedoch neugierig auf weitere Bücher von ihr.

Eine ganz klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Verletzte Kinderseele

Was man nicht sieht, ist doch da
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Es ist das Jahr 1954: Ohne Vorwarnung wird der zehnjährige Hans in Tirol dem Elternhaus entrissen und aufgrund "sittlicher Verfehlungen" in eine sogenannte Erziehungsanstalt verbracht. Um die täglichen ...

Es ist das Jahr 1954: Ohne Vorwarnung wird der zehnjährige Hans in Tirol dem Elternhaus entrissen und aufgrund "sittlicher Verfehlungen" in eine sogenannte Erziehungsanstalt verbracht. Um die täglichen Drangsalierungen, gefolgt von allerhärtesten und unmenschlichen Methoden, ertragen zu können, legt er sich sich gedanklich eine zweite Identität zu, die er lediglich mit seinem Nachnamen Dakosta benennt.

Die Autorin erzählt uns hier ungeschönt und eindringlich die Abläufe eines Heimalltags, in dem noch alte Nazi-Strukturen herrschen. Die kurzen Kapitel und die klare prägnante und sachliche Sprache sind hier meines Erachtens bestens gewählt, um das Leiden von Hans zu transportieren, dessen Eltern einer ethnischen Minderheit, der Volksgrupe der Ladiner, entstammen. Denunziantentum ist hier ebenfalls ein Thema, es scheint, wer sich zuerst meldet, dem wird geglaubt.

Das Buch ist trotz des geringen Umfangs keine leichte Kost, oftmals musste ich den Inhalt gedanklich sacken lassen. Umso wichtiger ist es, dass auch hier mit deutlichen Aussagen dem unendlichen Kindesleid, das kurz nach dem Kriegsende in sogenannten "Bewahranstalten" herrschte, ein Forum gegeben wird. Ich spreche daher eine absolute Leseempfehlung aus!

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Winter an der Adria

Alle weg
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Wer den Vorgängerband "Meine Bar in Italien" gerne gelesen hat, wird auch dieses Buch mögen! Diesmal befinden wir uns außerhalb der Touristensaison im Herbst/Winter, Pinos legendäre Bar auf def Insel Grado ...

Wer den Vorgängerband "Meine Bar in Italien" gerne gelesen hat, wird auch dieses Buch mögen! Diesmal befinden wir uns außerhalb der Touristensaison im Herbst/Winter, Pinos legendäre Bar auf def Insel Grado an der Adria ist fest in der Hand der Einheimischen. Es wird getrunken, diskutiert, Anekdoten ausgetauscht, man ist unter sich.

Mit einer guten Prise Humor erzählt uns der Autor in dieser autobiografischen Geschichte, wie es sich als eingeheirateter Deutscher (oder vielleicht doch als Österreicher?) anfühlt, unter Einheimischen zu leben, seine neue Heimat anzunehmen und doch eigene Gebräuche beizubehalten. Die einzelnen Szenen sind dabei so plastisch dargestellt, dass man sich so manches Mal mit unter den Bewohnern Grados fühlt. Essen und Trinken ist dabei wieder ein zentrales Thema, das von den Italienern seit je her mit der ganzen Familie zelebriert wird.

Ich habe einen unterhaltsamen Einblick in die italienische Lebenskultur erhalten, sehr gerne habe ich einige amüsante Lesestunden an der winterlichen Adria verbracht!

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