Profilbild von nimona

nimona

Lesejury-Mitglied
offline

nimona ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit nimona über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.04.2024

Verwandlung

Was das Meer verspricht
0

In der ersten Hälfte des Buches passiert nicht viel und doch geschieht so einiges. Vida wird innerlich aufgerührt durch die Freundschaft zum Neuzugang auf der Insel, auf der sie ihr gesamtes Leben verbracht ...

In der ersten Hälfte des Buches passiert nicht viel und doch geschieht so einiges. Vida wird innerlich aufgerührt durch die Freundschaft zum Neuzugang auf der Insel, auf der sie ihr gesamtes Leben verbracht hat. Einer Insel, auf der die Jahre einander gleichen, alle Aufgaben und Rollen verteilt sind und auf der jeder seinen Platz kennt. Auch man selbst hat schnell den Eindruck, die Insel und seine Bewohner und Bewohnerinnen zu kennen.

Die Geschichte selbst ist in fünf Akte gegliedert. Vidas Gefühlsleben gerät mit jedem Teil mehr ins Wanken, bis es letztlich zur Katastrophe kommt. Alexandra Blöchls Worte ziehen einen dabei in den Bann; die Geschichte, die sie erzählt, ist ein qualvolles Erlebnis von Liebe und dramatischen Konsequenzen aus Missverstehen, Eifersucht und Egozentrik, aber auch der Wut darüber, das ganze Leben lang das Leben eines anderen aus falscher Verantwortung heraus übernommen zu haben.

Die leiseren Töne des Romans haben mir (hauptsächlich aber aus falscher Erwartungshaltung heraus) besser gefallen als die steigende Dramatik, auch wenn der Zauber von Marie nicht ganz auf mich übergesprungen ist, da sie zu lange zu mysteriös war. Alles in allem aber ist „Was das Meer verspricht“ eine eindrucksvolle Geschichte und Alexandra Blöchl eine Autorin, die man ruhig auf dem Schirm haben sollte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.10.2025

Starkes Thema mit Schwächen

Monstergott
0


Ich hab zwar bisher noch nichts von Caroline Schmitt gelesen, war aber sofort begeistert von ihrer Art zu Schreiben - eindringlich, anschaulich und authentisch. Selbst den beliebten, hippen Pfarrer hab ...


Ich hab zwar bisher noch nichts von Caroline Schmitt gelesen, war aber sofort begeistert von ihrer Art zu Schreiben - eindringlich, anschaulich und authentisch. Selbst den beliebten, hippen Pfarrer hab ich sofort abgekauft. Dabei baut Monstergott durchweg eine subtile, unbequeme Vorahnung auf und man liest die zunächst so harmlos und grundsätzlich harmonisch erscheinende Geschichte von Ben und Esther mit einem komischen Gefühl. Und natürlich ist am Ende auch nicht alles, wie es scheint.

Die Stärke des Romans lag für mich definitiv darin, dass wir die beiden Geschwister mit ihrer inneren Zerrissenheit, dem Wunsch nach Zugehörigkeit und der Sehnsucht nach Selbstbestimmung, hier begleiten und nicht nur einen von ihnen.

Dann wiederum - und das wurde auch schon von anderen angemerkt - sind viele Dinge auch vorhersehbar. Charaktere und Charakterentwicklungen, Wendepunkte und auch die Denkanstöße, die das Buch liefern möchte. Aber auch wenn der Geschichte ein wenig an Sogkraft fehlt, hat es mir gut gefallen. Es ist mutig und gut erzählt, aber greift mir ein bisschen zu kurz und ist zu vorhersehbar.

Veröffentlicht am 19.09.2025

Nicht ganz, was der Klappentext verspricht

Die Verlorene
0

Ich lese üblicherweise kaum historische Romane und war die ersten 100-200 Seiten sehr begeistert von "Die Verlorene". Miriam Georg schreibt bildhafte Szenen und authentische Dialoge. Es werden Geheimnisse ...

Ich lese üblicherweise kaum historische Romane und war die ersten 100-200 Seiten sehr begeistert von "Die Verlorene". Miriam Georg schreibt bildhafte Szenen und authentische Dialoge. Es werden Geheimnisse angedeutet und obwohl eine sehr melancholische bis traurige Grundstimmung das Buch durchzieht, war ich sehr gespannt, mehr von den Familienmysterien zu erfahren und darüber, welche Auswirkungen die Vergangenheit der Großmutter vielleicht sogar auf das Leben der Tochter und Enkelin hat. Besonders haben mir daher zunächst die Rückblenden in das Schlesien der 1940er gefallen, während die Spurensuche in der Gegenwart für mich vor allem am Ende leider irgendwie bedeutungslos blieb. Laura scheint laut Klappentext die Protagonistin der Geschichte zu sein, aber eigentlich dient nur ihre Neugier dazu, die Vergangenheit ihrer Großmutter Änne in den Fokus zu rücken. Über Laura selbst erfährt man wenig.

Auch haben die vielen Andeutungen auf die Geheimnisse und die tragischen Geschehnisse irgendwann mehr davon abgehalten, mich in das Buch zu vertiefen als weiterlesen zu wollen. Einen richtigen Draht konnte ich auch zu keiner der Figuren herstellen, was aber in meinen Augen auch gar nicht immer der Fall sein muss. Alles in allem fand ich also vor allem die Perspektive auf die historischen Ereignisse der Zeit interessant, die Miriam Georg hier liefert und ich mag auch ihre Art zu schreiben und zu beschreiben sehr. Ein richtiger Pageturner war "Die Verlorene" aber leider nicht für mich. Vielleicht bin ich da dann aber auch doch einfach die falsche Zielgruppe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.05.2024

Debütroman mit Potential

Das Gegenteil von Erfolg
0

Die Autorin Eleanor Elliott Thomas platziert die Lesenden in ihrem Debütroman "Das Gegenteil von Erfolg" mitten in einen turbulenten Tag im Leben zweier Freundinnen, Lorrie und Alex. Was sich anfangs tatsächlich ...

Die Autorin Eleanor Elliott Thomas platziert die Lesenden in ihrem Debütroman "Das Gegenteil von Erfolg" mitten in einen turbulenten Tag im Leben zweier Freundinnen, Lorrie und Alex. Was sich anfangs tatsächlich vielversprechend und - wie die Inhaltsangabe verspricht - frisch, cool und schlau liest, wird leider trotz (oder vielleicht wegen) der Vielzahl an Thematiken, die hier in die sehr kompakte Prämisse hineingewebt wurden, stellenweise langatmig und auch etwas unglaubwürdig. Das ist schade, denn eigentlich bieten die Protagonistinnen, die sich hier durch das moderne Alltagschaos kämpfen und mit ihren Handlungssträngen gute Gegengewichte zueinander bilden, auch einiges an Identifikationspotential.

Auch wenn mich "Das Gegenteil von Erfolg" letztlich nicht ganz abgeholt hat, mochte ich die Ideen, den Humor und auch den Schreibstil der Autorin. Vor allem die Idee, dass sich die Geschichte an einem einzigen Tag abspielt, fand ich super, nur haben die vielen Rückblenden und die fehlende Kurzweiligkeit beim Lesen das Ganze leider etwas mühsam gemacht. Alles in allem handelt es sich aber trotzdem um ein interessantes Debüt, das mal ganz anders war als die Romane, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.05.2024

Wenig Chemie, viel Oberflächlichkeit

The Idea of You
2

"The Idea of You" ist - was der Titel schon anklingen lässt - eine Fantasie. Eine Fantasie von Liebe/Anziehung auf den ersten Blick und davon, mit einem gleichermaßen berühmten wie begehrten Popstar zusammenzusein. ...

"The Idea of You" ist - was der Titel schon anklingen lässt - eine Fantasie. Eine Fantasie von Liebe/Anziehung auf den ersten Blick und davon, mit einem gleichermaßen berühmten wie begehrten Popstar zusammenzusein. Aber es gibt ein Problem, nämlich den Altersunterschied zwischen der 40-jährigen Protagonistin Solène Marchand und dem 20-jährigen Boyband-Mitglied Hayes Campbell.

Und da setzt für mich schon einer der größten Kritikpunkte an. Natürlich muss man bei so einem Altersunterschied erwarten, dass dieser thematisiert wird. Aber die Art und Weise, wie das hier geschieht, ist langweilig, stellenweise sehr unangenehm (denn der Altersunterschied ist sehr groß), gleichzeitig aber oberflächlich und ohne wirklichen Nachhall. Auch schafft Robinne Lee es bis zuletzt nicht, mich wirklich davon zu überzeugen, dass die beiden sich lieben (bei der einen Person noch weniger als bei der anderen). Beim Lesen der Dialoge habe ich mir häufig fassungslos an den Kopf gefasst (reden hier wirklich erwachsene Menschen miteinander?), meistens geht es aber ohnehin nur um Körperlichkeiten und Sex.

Oben drauf konnte ich mich mit Solène auch nicht wirklich identifizieren und mich auch nicht in sie hineinversetzen. Da wäre mir persönlich selbst ein "Girl Next Door"-Klischee lieber gewesen, als von einer gut betuchten französischen Galeristin zu lesen, deren Gerede über Kunst in mir leider so gar nicht das Bedürfnis auslöst, mich auch damit zu beschäftigen. Auch hat sie sich stellenweise als sehr oberflächliche Person entpuppt, die extrem auf das Aussehen ihrer Mitmenschen fixiert ist und in mir manchmal ein Gefühl der Fremdscham ausgelöst hat.

Das interessanteste Thema, das die Geschichte hergab, war für mich daher definitiv der Umgang mit freiwilliger und unfreiwilliger Berühmtheit. Alles in allem kann ich mir aber trotzdem gut vorstellen, dass "The Idea of You" eine klassische "liebt man oder hasst man"-Geschichte ist und ich wahrscheinlich einfach nur nicht zur Zielgruppe gehöre.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl