Profilbild von brenda_wolf

brenda_wolf

Lesejury Star
offline

brenda_wolf ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit brenda_wolf über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.10.2025

Mensch oder Tier

Ehrenwerte Affen
0


Michael Köhlmeier vereint in seinem Buch „Ehrenwerte Affen“ siebzehn meisterhaft erzählte Sagen und Märchen.

Ich kenne ja schon einige Bücher dieses Autors. Deshalb war ich gespannt auf seine Interpretation ...


Michael Köhlmeier vereint in seinem Buch „Ehrenwerte Affen“ siebzehn meisterhaft erzählte Sagen und Märchen.

Ich kenne ja schon einige Bücher dieses Autors. Deshalb war ich gespannt auf seine Interpretation alter unbekannter Sagen und Märchen aus der Tierwelt. Und ich bin nicht enttäuscht worden. Michael Köhlmeier Tiere agieren zutiefst menschlich, weisen sowohl positiven wie negativen Facetten auf, sind gierig, greifen nach Macht, überfallen andere, es gibt ungerechte Könige, aber auch liebende Eltern. Köhlmeiers Sprache ist wie gewohnt auf den Punkt und voller feiner Ironie. Er erzählt mit einer Leichtigkeit, die an klassische Fabeln erinnert, aber stets mit einem modernen Unterton. Die Geschichten sind kurz, aber tiefgründig – ideal zum Nachdenken, Vorlesen oder einfach zum Genießen. Köhlmeier hält dem Leser den Spiegel vor.

Fazit: 17 Erzählungen, die aus dem Rahmen fallen, aber uns allen doch sehr bekannt vorkommen. Eine Lektüre, die nachdenklich stimmt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2025

Der weiße Elefant

Sonnenaufgang Nr. 5
0


Ich verrate es gleich: „Sonnenaufgang Nr. 5“ von Carsten Sebastian Henn ist ein Lese-Highlight. Nach seinem SPIEGEL-Bestsellers »Der Buchspazierer« war ich so gespannt auf dieses Buch und ich wurde nicht ...


Ich verrate es gleich: „Sonnenaufgang Nr. 5“ von Carsten Sebastian Henn ist ein Lese-Highlight. Nach seinem SPIEGEL-Bestsellers »Der Buchspazierer« war ich so gespannt auf dieses Buch und ich wurde nicht enttäuscht.

Der 19-jährige Jonas hat sein Germanistikstudium gerade geschmissen. Sein Vater möchte, dass Jonas im Restaurant hilft. Jonas hat andere Pläne. Er will als Ghostwriter anderen helfen, ihre Lebensgeschichten festzuhalten. Seine erste Klientin ist die exzentrische alte Filmdiva Stella, die in ihrer Autobiografie ihr Leben glücklich und erfüllt darstellen will. So als hätte sie nur richtige Entscheidungen getroffen. In ihrem Haus voller Bücher beginnt eine Reise durch Erinnerungen, die Stella auf unzähligen Zetteln festgehalten hat – mal geschönt, mal schmerzhaft ehrlich. Gemeinsam lernen die beiden, dass man jeden Tag so leben muss, als sei es der letzte. Damit man ein Leben führt, das unvergesslich ist.

Carsten Sebastian Henns Schreibstil geht unter die Haut. Seine Erzählweise ist einfühlsam, warmherzig und klug. Seine Figuren sind glaubwürdig und vielschichtig. Ich mochte nicht nur die Hauptcharaktere, auch die Nebenfiguren Bente, die in der Bushaltestelle auf ihren Mann wartet, oder Paul mit seinem Hund Guter Junge, der Stella jeden Tag um einen Tanz bittet, und die Zwillingsschwestern Britta und Imke. Jeder von ihnen hat ein Leben das erzählenswert erscheint. Besonders berührend ist die Symbolik des „weißen Elefanten“, den Stella vorschiebt, um unangenehme Wahrheiten zu verbergen.
Mich hat der Roman tief berührt.

Hier noch ein paar Zitate aus dem Roman:
- Sammeln Sie viele schöne Erinnerungen, sie wärmen im Alter.
- Leben Sie jeden Tag so, als sei es der letzte. Dann werden sie ein Leben führen, dass
unvergesslich ist.
- Jeder kann tanzen, Jonas. Es braucht nur die richtige Partnerin.

Fazit: Ein zauberhafter Roman, der zum Nachdenken anregt und lange nachhallt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.10.2025

Kein Wohlfühlroman

Was man nicht sieht, ist doch da
0


Der Autorin Margit Weiß gelingt mit Was man nicht sieht ein eindringlicher historischer Roman der den Leser mitnimmt in die Nachkriegszeit.

Tirol, 1954: Der zehnjährige Hans Dakosta wird ohne das Wissen ...


Der Autorin Margit Weiß gelingt mit Was man nicht sieht ein eindringlicher historischer Roman der den Leser mitnimmt in die Nachkriegszeit.

Tirol, 1954: Der zehnjährige Hans Dakosta wird ohne das Wissen der Eltern von der Schule abgeholt und aufgrund „sittlicher Verwahrlosung“ in eine Erziehungsanstalt gebracht. Der Bub weiß gar nicht wie ihm geschieht. Seine Eltern können ihn trotz aller Bemühungen nicht zurückholen. Sie sind Ladiner und staatenlos und haben in Österreich einen schlechten Stand.

Das Leben in der Anstalt wird für Hans zu einem Alptraum. Mir tut das Herz beim Lesen weh. Wenn man bedenkt, der Junge ist erst 10 Jahre alt und hat doch nichts verbrochen. Hans ist dem Heim der Gewalt der Erzieher ausgesetzt. Die damaligen Erziehungsmethoden stammen noch aus der Nazizeit. Der Wille der Kinder musste gebrochen werden. Zum Glück hat Hans wenigstens den Gärtner auf seiner Seite.

Der Schreibstil der Autorin ist klar und knapp. Dieses Stilmittel macht die Härte des Schicksals von Hans und seiner Familie umso greifbarer. Die Atmosphäre beschreibt sie als sehr beklemmend. Die kurzen und prägnanten Kapitel werden aus der Perspektive von verschiedenen Personen erzählt.

Fazit: „Was man nicht sieht, ist doch da“ ist ein bewegendes Stück Zeitgeschichte, dass mich fassungslos zurückgelassen hat und das noch lange in mir nachklingt. Dennoch meine absolute Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.09.2025

Skurill und witzig

Über die Toten nur Gutes
0


Hinter Andreas Izquierdos neuestem Werk Über die Toten nur Gutes verbirgt sich ein charmant-skurriler Kriminalroman, der sich wohltuend vom klassischen Genre abhebt. Er bildet zugleich den Auftakt zur ...


Hinter Andreas Izquierdos neuestem Werk Über die Toten nur Gutes verbirgt sich ein charmant-skurriler Kriminalroman, der sich wohltuend vom klassischen Genre abhebt. Er bildet zugleich den Auftakt zur neuen Reihe Ein Trauerredner ermittelt.
Der Held dieses Buches ist der Trauerredner Mads Madsen. Ein ungewöhnlicher Name, ein ungewöhnlicher Beruf. Beides bringt den jungen Mann nicht selten blöde Kommentare ein. Nun steht er vor der Aufgabe, für seinen Jugendfreund Patrick eine Trauerrede zu halten. Doch was zunächst wie ein tragischer Unfall wirkt, entpuppt sich bald als Mordfall. Mads beginnt zu recherchieren und stößt auf immer mehr offene Fragen und bringt sich damit selbst in Gefahr.
Andreas Izquierdos Schreibstil gefällt mir sehr. Gut lesbar, witzig, skurill und doch bleibt die Handlung durchweg spannend. Die Protagonisten sind gut gezeichnet. Ich erkenne sie in meinem Bekanntenkreis wieder. Es sind Menschen mit kleinen und größeren Macken, die doch jeden von uns so unverwechselbar und sympathisch machen. Da ist der Hauptprotagonist selber, sein Faible für besonderen Anzüge und exzellente Schuhe. Mads ist eine liebenswerte Mischung aus altmodisch und jung, naiv und detektivisch. Zum Schreien komisch, sein schrulliger Vater, der ihn zu Bingo-Veranstaltungen mitschleppt. Seine Geschwister, sein Bestatter-Freund Fietje. Alle auf ihre Art liebenswert. Man schließt sie sofort ins Herz.

Gleich zu Anfang musste ich herzhaft lachen, die Bestattung zur Probe hat mich amüsiert. Aber es gibt auch Szenen, da stockt einem der Atem. Die Dialoge geben den Charakter der Figuren gut wieder.

Insgesamt hat ein Krimi Spaß macht. Ich kann ihn guten Gewissens weiterempfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.09.2025

Zuhause

Spät am Tag
0

„Spät am Tag“ von Kristin Vego ist ein wundervolles leises, poetisches Buch.

Nach ihrer Scheidung zieht die Schriftstellerin Johanne in ein abgelegenes Haus auf dem Land. Sie sucht Ruhe und Inspiration ...

„Spät am Tag“ von Kristin Vego ist ein wundervolles leises, poetisches Buch.

Nach ihrer Scheidung zieht die Schriftstellerin Johanne in ein abgelegenes Haus auf dem Land. Sie sucht Ruhe und Inspiration zum Schreiben. Ihr Vermieter Mikael hat ebenfalls eine gescheiterte Ehe hinter sich. Johanne und Mikael werden ein Paar. Doch Ex-Frau und Tochter leben in der Nähe und beanspruchen viel Platz in Mikaels und Johannes Leben.

Ich liebe den Schreibstil von Kristin Vego. Sie erzählt unaufgeregt und leise von Johannes Leben, deren Gefühle zu Mikael und dessen Tochter, aber auch von der Ambivalenz zu Mikaels Ex-Frau. Ihre Sprache ist sehr intensiv. Ich habe mich an vielen Stellen wiedergefunden. Es geht um Erinnerung und Verlust, um das Alter und das Alleinsein und ganz viel um die stille Kraft der Natur und die Schönheit des Augenblicks.

Von mir absolute Leseempfehlung. Ein schmales Buch, dass tief berührt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere