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Veröffentlicht am 24.10.2025

Der erste Oxford-Krimi

Die Oxford-Tragödie
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Francis Wheatley Winn, Dozent und Vizepräsident des St. Thomas-College in Oxford genießt das Abendessen zusammen mit den Kollegen. Heute nimmt ein Besucher aus Österreich, Ernst Brendel, Anwalt und Gastdozent, ...

Francis Wheatley Winn, Dozent und Vizepräsident des St. Thomas-College in Oxford genießt das Abendessen zusammen mit den Kollegen. Heute nimmt ein Besucher aus Österreich, Ernst Brendel, Anwalt und Gastdozent, daran teil. Die angenehme Atmosphäre des anschließenden geselligen Beisammenseins wird jäh zerstört, als im Büro des Dekans ein ermordeter Kollege aufgefunden wird.

„Die Oxford-Tragödie“ wurde von John Cecil Masterman 1933 geschrieben und ist jetzt auch auf Deutsch erhältlich. Meine Erwartungen an einen Kriminalroman aus dem „Goldenen Zeitalter“ wurden voll erfüllt.

Der Anwalt Ernst Brendel ist ein begeisterter Amateurdetektiv, der bereits bei einigen Kriminalfällen mitgearbeitet hat. Mit dieser Erfahrung ist er dazu prädestiniert, im vorliegenden Fall zu ermitteln, zumal sich der durchaus fähige Inspektor Cotter in der geschlossenen Gemeinschaft des Colleges schwertut. Francis Winn unterstützt Brendel als eine Art Dr. Watson bei den Ermittlungen. Die Geschichte wird aus seiner Perspektive erzählt. Aufschlussreich sind Finns Gedanken über die geladene Waffe auf dem Schreibtisch des Dekans, die der geselligen Runde nach dem Abendessen als Thema diente. Oder über die Fragen, die Brendel zu seinen Mordermittlungen gestellt wurden. Seine Selbstreflexionen habe ich gern gelesen. Wenn er grübelt, ob er sich angemessen verhalten hat oder sich wegen seiner Entscheidungen, die er (meist nicht) getroffen hat, grämt. Seine Reaktionen auf das Geschehen, das die Welt, in der er seit 40 Jahren lebt, in den Grundfesten erschüttert, und seine Versuche, damit klarzukommen, werden eindrücklich geschildert. Dadurch ist die Atmosphäre nach der Entdeckung des Mordes eher düster.

Masterman hat einen traditionellen Whodunit-Krimi geschrieben, der in einer nahezu geschlossenen Gemeinschaft spielt und einen überschaubaren Kreis an Verdächtigen aufweist. Sein Schreibstil wirkt etwas altmodisch, wie erwartet, aber gut lesbar und passend.
Neben Winn verfügt nur der Charakter Ernst Brendel über Tiefe, die übrigen Protagonisten sind eher als typische Vertreter ihrer Rollen angelegt.

Warum einen Krimi lesen, der bereits 1933 geschrieben wurde? Zunächst hat mich die beeindruckende Biografie des Autors John Cecil Masterman neugierig auf seine Erzählung gemacht. Zudem war ich gespannt auf den Roman, der als erster Oxford-Krimi überhaupt gilt. Viele sollten folgen. Von Autoren wie Michael Innes oder Edmund Crispin bis hin zur aktuellen Oxford-Krimireihe von Simon Mason. Außerdem liebe ich alte Krimis, vor allem britische. Mich interessiert daran vor allem die Zeitgeschichte. Hier das Universitätsleben in den 1930er Jahren. Da Masterman selbst Dozent in Oxford war, beschreibt er das Setting perfekt.

Der Fall wird nach einigem Rätseln und der Erläuterung mehrerer Hypothesen restlos aufgeklärt. Das Ende zieht sich ein wenig, aber das stört nicht besonders. Für Freunde von actionreichen Krimis mag der Roman eher langweilig sein, ich fand ihn dagegen sehr unterhaltsam. Es ist schade, dass der Autor, der auch Mitglied im legendären Detection Club war (wie Agatha Christie, Dorothy L. Sayers u.a.) nur zwei Kriminalromane geschrieben hat.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Nichts ist, wie es scheint

Der Wortschatz des Todes
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Als Konstantin seine Schwester, die Privatdetektivin Irina, um Hilfe für seinen Freund Oleksi bittet, ahnt diese nicht, worauf sie sich einlässt. Der Versuch, die Unschuld des jungen Ukrainers zu beweisen, ...

Als Konstantin seine Schwester, die Privatdetektivin Irina, um Hilfe für seinen Freund Oleksi bittet, ahnt diese nicht, worauf sie sich einlässt. Der Versuch, die Unschuld des jungen Ukrainers zu beweisen, der einen Mord gestanden hat, löst eine rasante Kette von Ereignissen aus, die Irina schließlich in Lebensgefahr bringt. Mit „Wortschatz des Todes“ hat Martin von Arndt den spannenden Auftakt seiner neuen Reihe mit der ehemaligen BKA-Ermittlerin Irina geschrieben. Mich hat der aktuelle Polit-Thriller schnell in seinen Bann gezogen und bis zur letzten Seite gefesselt.

Irina Starilenko war Ermittlerin beim BKA, hat aber diesen Job inzwischen an den Nagel gehängt. Künftig will sie ihre Brötchen als Wirtschaftsdetektivin verdienen. Als ihr kleiner Bruder mal wieder in der Klemme steckt, ist sie wenig begeistert. Doch Konstantin kann Irina überreden, seinem Freund zu helfen, weiß er doch mit absoluter Sicherheit, dass Oleksi unschuldig ist. Zur Tatzeit des Mordes hat er gemeinsam mit ihm einen Brandanschlag auf das leere Haus einer rechtsradikalen Gruppe verübt. Da Konstantin aber noch auf Bewährung ist, kann er keine Zeugenaussage machen. Irina trifft mit Oleksis Pflichtverteidiger eine Übereinkunft und beginnt zu ermitteln.

Irina wirkt trotz ihres ausgeprägten Familiensinns wie eine einsame Wölfin, die taff und unbeirrbar ihren Weg geht. Schon der früh verstorbene Vater hat ihre Stärke gesehen und ihr die Verantwortung für Mutter und jüngeren Bruder übertragen. Irina ist mutig, intelligent und hat sich ein Netzwerk aus nützlichen Kontakten geschaffen. Auch die anderen Charaktere wirken authentisch. Der eher leichtsinnige Konstantin, der sich treiben lässt, aber in entscheidenden Momenten durchaus Verantwortung übernimmt. Der ambitionierte Anwalt Julian Bergmann, der sich für Oleksi einsetzt und der sehr gut mit Irina zusammenarbeitet. Oleksi, der innerlich zerrissene Ukrainer, hat schon viel erlebt. Falsch verstandene Loyalität veranlasst ihn zu einer folgenschweren Falschaussage.

Martin von Arndts Sprache ist flüssig, direkt, schnörkellos. Manchmal blitzt ein Funken Humor darin auf. Die gute Recherche des Autors vermittelt historische Fakten zur Vorgeschichte des Ukraine-Krieges. Stichworte wie Tschernobyl, Maidan, Holodomor, Asow, wären hier zu nennen. Nicht zu vergessen das hitzige Streitgespräch zwischen Irina und Laura, in dem die Argumente beider Kriegsparteien zur Sprache kommen. Die Fülle an Information stoppte immer wieder meinen Lesefluss, weil ich selbst recherchieren wollte. Das ist eine spannende Art, einen Thriller zu lesen, finde ich.

„Wortschatz des Todes“ ist ein temporeicher Polit-Thriller, der bis zur letzten Seite spannend bleibt und mich gefesselt hat. Der Showdown war etwas zu knapp, da haben mir ein paar Seiten gefehlt. Doch der Fall wird logisch aufgeklärt und alle meine Fragen sind beantwortet. Von mir bekommt der Thriller 4, 5 von 5 Sternen. Ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen mit Irina und meinem persönlichen Favoriten Shun.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Was ist los im Himmelreich?

Entführung im Himmelreich
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Björn Kupernikus und Hundedame Pinguin haben sich gut in die Campergemeinschaft des „Himmelreichs“ eingelebt. Als plötzlich Bäckermeister Mauske verschwindet, haben der Amateurdetektiv und seine Freundin ...

Björn Kupernikus und Hundedame Pinguin haben sich gut in die Campergemeinschaft des „Himmelreichs“ eingelebt. Als plötzlich Bäckermeister Mauske verschwindet, haben der Amateurdetektiv und seine Freundin Annabelle einen neuen Fall.
Mit „Entführung im Himmelreich“ geht die Cosy Crime-Reihe von Andreas Winkelmann in die zweite Runde. Mich hat auch das neue Abenteuer gut unterhalten, obwohl mir dieses Mal ein klein wenig die Spannung gefehlt hat.

Im „Himmelreich“ fällt das gemütliche Frühstück aus, da Bäcker Mauske nicht wie gewohnt leckere Brötchen geliefert hat. Auf dem Weg zu Freundin Annabelle entdeckt Kupernikus den verlassenen Bäckerwagen mitten im Wald - von Mauske keine Spur. Nur seine Schuhe stehen verlassen am Ufer des Schwielowsees.

Mord, Entführung oder Suizid? Kommissar Fass fühlt sich einmal mehr überfordert. Gerade noch hat ihm seine Freundin, die taffe Rechtsmedizinerin Dr. Sabrina Petrich, Unterricht im Stand-up-Paddling gegeben. Jetzt sieht er sich mit einem neuen kniffeligen Fall konfrontiert. Während der Kommissar noch den möglichen Tatort inspiziert, rast ein Streifenwagen Richtung „Himmelreich“. Eine der Camperinnen wurde auf ihrem Hausboot überfallen. Platzeigner Roger Groß und die Dauercamper mögen Björn, doch sie erinnern sich, dass es vor seiner Ankunft deutlich ruhiger im „Himmelreich“ zuging.

Es ist wie heimkommen. Kaum zaubert Kaffee-Sommelier Björn ein spektakuläres Heißgetränk, dass er mit Annabelle genießt, geht es auch schon los mit den drei Fragen, die die Ermittlung vorantreiben sollen. Im Fall des verschwundenen Bäckers gibt es einige Verdächtige und bald auch einen Toten ...

Der Mikrokosmos Campingplatz nebst ländlicher Umgebung bildet den passenden Rahmen für unsere Hobbydetektive. Neben dem verhinderten „Tatort“-Kommissar Kupernikus, der jetzt nachholt, was ihm als Schauspieler verwehrt blieb, und seinem Dr. Watson, Annabelle, die unglaubliche Dinge weiß und vorzüglich kochen kann, überzeugen auch die anderen Charaktere wie Roger Groß und seine vorwitzige Tochter Henriette, oder die taffe Rechtsmedizinerin Sabrina Petrich. Besonders ins Herz geschlossen habe ich Kommissar Edgar Fass. Er hat zwar sein Ziel erreicht und Sabrina erobert, aber dieser Erfolg setzt ihn so sehr unter Druck, dass Mutter Fass eingreift. Sie versucht ihren Sohn mit obskuren Nahrungsmitteln zu unterstützen.

Neben Schauplatz und Protagonisten gefallen mir der flüssige, direkte Schreibstil und der Humor des Autors. Der etwas tollpatschige und unsichere Kommissar wird öfters zur Zielscheibe. Sei es Pinguin, die knurrt, sobald sie seinen Namen hört oder Annabelle, die sich über die Kleidsamkeit von Neoprenanzügen auslässt. Aber auch die Esoterikszene bekommt ihr Fett weg.

In einem amüsanten Showdown während der Halloween-Party im „Himmelreich“ wird der Fall logisch aufgeklärt und der Frieden auf dem Campingplatz und den angrenzenden Ortschaften wieder hergestellt.

Ich habe Interessantes über natürliche psychotrope Substanzen erfahren und mein Wissen bezüglich Horrorfilmklassiker der letzten Jahrzehnte aufgefrischt. Beim hoffentlich nächsten Fall werde ich wieder dabei sein und das Ermittlerteam unterstützen.

Von mir gibt es 4,5 Sterne. Fans von Cosy und Camping-Krimis werden bestens unterhalten.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Die Vergangenheit ruht nicht

Mörderische Brise - Der Tote am Sandstrand
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Polizeihauptkommissarin Hannah Bülow steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Vor neun Monaten hat sie ihren Mann durch einen Unfall verloren. Da ihre Töchter längst flügge sind und sie in Münster alles ...

Polizeihauptkommissarin Hannah Bülow steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Vor neun Monaten hat sie ihren Mann durch einen Unfall verloren. Da ihre Töchter längst flügge sind und sie in Münster alles an den toten Malte erinnert, hat Hannah das Jobangebot ihrer Freundin Constanze angenommen. Künftig wird sie in der Polizeiwache Ostersande als Dienstgruppenleiterin arbeiten. Kurz nach ihrer Ankunft wird ein Toter aufgefunden. Wurde er ermordet oder ist er Opfer eines Unfalls?
Nach etwas langatmigem Beginn gewinnt der Krimi allmählich an Fahrt. Bald konnte mich die Geschichte packen und mit Hannah auf eine spannende Tätersuche schicken.

Jan F. Wielpütz hat den Auftaktband seiner neuen Ostsee-Krimireihe nach Grundidee und Konzept der 2020 verstorbenen Autorin Nina Ohlandt realisiert.

Hannah startet in Ostersande mit einem Knöllchen und trifft dabei ihren Jugendfreund Philip wieder. Ihr Vater Uwe empfängt seine Tochter wenig begeistert. Infolge eines großen Unglücks hat Hannah ihren Heimatort vor 32 Jahren verlassen. Der Unfall hat damals ihr Verhältnis zum Vater beschädigt und dabei ist es bis heute geblieben. Zudem befürchtet Uwe, dass ihn seine Tochter kontrollieren und bevormunden will. In Hannah weckt die Rückkehr verdrängte Schuldgefühle und Zweifel an ihrer Entscheidung. Wird sie die Vergangenheit hier wieder einholen? Ein verdächtiger Todesfall beendet diese Grübelei und ruft sie zurück an die Arbeit. Der Tote ist ausgerechnet Philip Langmar, ihr Jugendfreund, der als Psychotherapeut in der angesehenen Klinik Ostersande-Wismar arbeitete. Ist er unglücklich gestürzt oder wurde er ermordet? Hannah wird von ihrer Chefin Constanze als Kontaktperson für die Kripo Wismar ausgewählt. Gemeinsam mit Hauptkommissar Grewe und seiner Kollegin Mara Steyn, versucht sie die Umstände, die zu Philips Tod führten, aufzuklären. Trotz verschiedener Spuren erscheint bald klar, dass die Geschehnisse der Vergangenheit eine wichtige Rolle für den Fall spielen könnten.

Hannah mit ihrer direkten Art war mir bald sympathisch. Anfangs konnte ich nicht verstehen, was sie nach Ostersande zurückgeführt hat, aber Uwes Situation hat das erklärt. Auch die anderen Charaktere überzeugen. Ob der von privaten Problemen leicht überforderte Greve, die forsche Mara, Philips charmanter Kollege Henry oder der auf seine Unabhängigkeit bedachte Uwe, sie alle wirken authentisch. Die Sprache des Autors ist flüssig und direkt. Die Region fand ich anschaulich beschrieben, ebenso Hannahs Heimatort, wo zeitweise der Tourismus dominiert und wo die Umweltschützer oft einen schweren Stand haben.

Trotz der übersichtlichen Zahl an Verdächtigen habe ich lange gerätselt und war mir bis zum Schluss nicht über das Tatmotiv im Klaren. Der Autor schafft es mühelos, die Spannung mithilfe von überraschenden Wendungen bis zum Schluss hochzuhalten. Ein besonders kluger Schachzug war der rätselhafte Prolog, der mich lange grübeln ließ. Die Zusammenarbeit zwischen der Kripo Wismar und der Polizeiwache Ostersande schien mir nicht immer realistisch zu sein. Aber das habe ich als literarische Freiheit akzeptiert. Zuletzt wird der Fall überzeugend aufgeklärt und alle offenen Fragen beantwortet. Am Buchende kündigt eine gerade aufgefundene Leiche Hannahs nächsten Fall an. Ich werde bei den Ermittlungen wieder dabei sein und hoffe, dass die Wismarer Kripo dann wieder zum Team gehört.

Für den Auftaktband der neuen Ostsee-Krimireihe, der mich überzeugen konnte, vergebe ich 4,5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung für alle Fans dieses Genres.

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Ein Fest mit schrecklichem Ende

Post, Mord und Provinzgeflüster - Tod an einem stillen Ort
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Familie Flammang lädt zur Feier des 500-jährigen Jubiläums ihres Anwesens ein. Sogar Tochter Jou, Rose Tochter und Sullys Jugendschwarm, reist extra aus Norwegen an. Das Fest ist in vollem Gange als Serges ...

Familie Flammang lädt zur Feier des 500-jährigen Jubiläums ihres Anwesens ein. Sogar Tochter Jou, Rose Tochter und Sullys Jugendschwarm, reist extra aus Norwegen an. Das Fest ist in vollem Gange als Serges Kollege Pol tot aufgefunden wird. Ausgerechnet Jou gerät in den Fokus der Ermittler. Wird Sully den wahren Täter finden? Auch Jill Kaltenborns dritter Fall hat mich gefesselt.

Jou findet Pol während der Feier tot im Haus. Zunächst ist unklar, wie er ums Leben kam. War es ein Herzinfarkt oder ein Verbrechen? Als sich herausstellt, warum Pol gestorben ist, gerät Jou unter dringenden Tatverdacht. Als Ärztin hatte sie das für die Tötung erforderliche Wissen und außerdem war da noch eine Rechnung zwischen ihr und dem Opfer offen.

Es menschelt wieder sehr in diesem Krimi und das gefällt mir ausgezeichnet. Sully hat Probleme, sich auf seine Ermittlung zu konzentrieren, weil ihm der nötige Abstand fehlt. Er hält es für völlig ausgeschlossen, dass Jou zu einem Mord fähig wäre. Rose hat dieses Mal keine Lust, Detektiv
zu spielen. Es ist rührend, wie sie Sully um Hilfe bittet. Rose fürchtet, dass ihre Tochter wegen der Anschuldigungen der Polizei, Luxemburg für immer den Rücken kehren wird. Claires unsympathischer Kollege Hoffmann scheint versessen darauf zu sein, Jou zu verhaften. Leider sprechen auch die Indizien gegen sie. Folglich ist der radelnde Detektiv gefragter denn je.

Der Fall erweist sich als verzwickt. Bis kurz vor Schluss war ich auf einer völlig falschen Spur und verdächtigte einen wenig sympathischen Unschuldigen. Spannend, dass mich ausgerechnet der demente Nachbar Kremer auf die richtige Lösung brachte.

Sully kann den Tod von Pol restlos aufklären. Die Lösung war für mich überraschend, aber logisch. Mir gefällt an Kaltenborns Krimis besonders, dass es sich bei den Fällen ihres Amateurdetektivs nicht immer um Morde handelt.

Sully denkt zum ersten Mal darüber nach, Wiesbaden hinter sich zu lassen und sich endgültig in Luxemburg niederzulassen. Noch fühlt sich das wie ein Verrat an der toten Sara an, aber ein Anfang ist gemacht. Hat das damit zu tun, dass sich die zarten Bande zwischen Claire und Sully allmählich zu verstärken scheinen?

Es bleibt weiterhin spannend. Jill Kaltenborn versteht es ausgezeichnet, die Leser an der Entwicklung ihres sympathischen Ermittlers teilhaben zu lassen. Das führt zu der Frage, was wird Sully künftig machen? Ich bin jedenfalls neugierig, wie es mit dem Detektiv und seiner Luxemburger Familie weitergeht.

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