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Veröffentlicht am 12.10.2025

Wendepunkte

Die drei Leben der Cate Kay
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Cate Kay ist eine berühmte Autorin, die mit ihrer Roman-Trilogie ein Millionenpublikum erreicht hat. Wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt, weiß allerdings kein Mensch. Beinahe jedenfalls, denn bestimmte ...

Cate Kay ist eine berühmte Autorin, die mit ihrer Roman-Trilogie ein Millionenpublikum erreicht hat. Wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt, weiß allerdings kein Mensch. Beinahe jedenfalls, denn bestimmte juristische und logistische Aufgaben müssen übernommen werden. Cate beginnt sich an ihre Vergangenheit zu erinnern und sie fragt sich, ob es nicht langsam an der Zeit ist, die wirkliche Person hinter dem Künstlernamen der Öffentlichkeit vorzustellen. Wie ist die kleine Annie erst zu Cass und dann zur großartigen, aber mysteriösen Cate geworden. Zwar ist in ihrem Leben nicht alles so gekommen, wie erträumt, doch gerade das könnte erzählt werden.

Zu beginn des Lebens glaubt man, dass die Welt einem offen steht. Und so geht es auch der kleinen Annie. Zwar ist ihr Elternhaus nicht das Schönste, aber es gibt gute Momente. Und als Annie in der Grundschule eine beste Freundin findet, hellt sich alles auf. Diese Beiden sind ein besonderes Team und so entwickeln sie sich bis zum Schulabschluss weiter. Aber wieso lässt Annie ihre Träume hinter sich und wieso ist sie plötzlich eine Bestsellerautorin, deren Vergangenheit niemand kennt. Doch eines Tages will Cate Kay ihre Geschichte erzählen und alles, was ihr auf der Seele liegt, wird an die Öffentlichkeit kommen.

Wenn man das auffällig, lebendig und farbenfroh gestaltete Cover sieht, denkt man zwar, da gibt es ein Geheimnis, aber man vermutet eine eher leichte Erzählung. Das kommt dann doch ein wenig anders. Nachdem man sich in die Handlung hineingefunden hat, entwickelt die Story richtigen Drive. Die Freundschaft der Mädchen, von denen eine in späteren Jahren merkt, dass sie mehr möchte. Und dann verläuft das Leben ganz anders. Nicht nur durch eigenes Handeln. Für Cate ist das Schreiben ein Ausweg, eine Möglichkeit, ihre Erlebnisse zu verarbeiten und ihren Schmerz auszudrücken. Der Erfolg kommt unerwartet und führt zu Reaktionen. Wie hier eins ins andere greift, ist toll geschildert. Wenn die Lebensentwürfe auch nicht den eigenen entsprechen, bekommt man doch einen spannenden Einblick in das Leben sympathischer Menschen, deren Träume und Gefühle. Manchmal nimmt das Schicksal einfach seinen Lauf und man kann dankbar dafür sein. Ein Roman, der zwar anders ist als gedacht, der vielleicht gerade deswegen fesselt.

Veröffentlicht am 06.10.2025

Die Bande

Das Haus am Gordon Place
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Im Jahr 1948 ist auch Wien in Besatzungszonen aufgeteilt. Und natürlich belauern sich die Besatzer. Die Stadt wimmelt vor Spionen. Im Untergrund Wiens haben die Briten Abhörtunnel eingerichtet. In der ...

Im Jahr 1948 ist auch Wien in Besatzungszonen aufgeteilt. Und natürlich belauern sich die Besatzer. Die Stadt wimmelt vor Spionen. Im Untergrund Wiens haben die Briten Abhörtunnel eingerichtet. In der Gegenwart wird Professor Hunt am Flughafen von New York in Gewahrsam genommen. Er hat eigentlich nichts gemacht, oder? Als die Britin Emma Spencer in befragt, vermutet er, sie sei Konsularbeamtin und wolle ihm helfen. Welch ein Irrtum. Es erweist sich, dass die Dame gewissermaßen bei der Polizei ist. Sie erzählt ihm, ihn seiner Wohnung am vornehmen Gordon Place in London ist sein älterer Nachbar umgebracht worden und er, Hunt, ist der erste Verdächtige.

Eine Spionagegeschichte aus der Nachkriegszeit kann tatsächlich noch Auswirkungen bis lange Zeit in die Zukunft haben. Wann Hunts Gegenwart genau stattfindet, bleibt unklar. So ist auch das Alter einiger Beteiligter nicht ganz klar. Emma Spencer stellt schnell fest, dass Hunt aus zeitlichen Gründen nicht der Täter sein kann. Also nimmt sie kurzerhand seine Erfahrungen als Historiker in Anspruch, um einen anderen Blickwinkel zu dem Mord zu bekommen. In der Vergangenheit lernen sich verschiedene Menschen kennen, die für den britischen Geheimdienst arbeiten. Trotz ihrer unterschiedlichen Aufgaben bilden sie ein eingeschworenes Team.

Auf sehr fesselnde Weise sind hier Vergangenheit und Gegenwart verknüpft. Die Spionagetätigkeit der einzelnen Geheimdienste, hier der britischen, würde unter normalen Umständen wie eine Mär aus fernen Zeiten klingen. Was damals wie ein spannendes Abenteuer wirke, ist heute leider nicht verschwunden, sondern in seiner technisierten Form mindestens ebenso gefährlich, wenn nicht schlimmer. Wie unterschiedliche Einflüsse die Menschen aufeinander hatten und dazu noch die Einbindung eines bekannten Films, das ist einfach gut gelungen. Die Geschichte wird einem nahegebracht, sowohl indem man sie quasi miterleben kann und auch mit dem historischen Blickwinkel. Ein besonderer Aufhänger ist auch die Anfangssequenz, von dem man nicht möchte, dass sie einem selbst widerfährt, die aber sehr aberwitzig und damit auch lustig zu lesen ist. Ein sehr empfehlenswerter Kriminalroman mit historischem Bezug.

Veröffentlicht am 02.10.2025

Favoritin

The Belles
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Camille will Favoritin werden. In Orléans sind nicht alle schön, aber viele wollen schön sein. Und die Herrscherfamilie hat die Macht, den Menschen und auch sich selbst dazu zu verhelfen. Aus jeder Generation ...

Camille will Favoritin werden. In Orléans sind nicht alle schön, aber viele wollen schön sein. Und die Herrscherfamilie hat die Macht, den Menschen und auch sich selbst dazu zu verhelfen. Aus jeder Generation der Belles wird eine Favoritin gekürt. Camille ist eine der Belles und sie hat die Schönheitsarbeit geübt, sie will diese Position. Doch sie wird nur zweite und kann es nicht fassen. Wie froh ist sie als die begehrte Position doch noch bekommt. Sofia, die Prinzessin hat dafür gesorgt. Doch sie ist nicht die eigentliche Thronfolgerin. Ihre Schwester Caroline liegt jedoch seit Jahren in einem tiefen Schlaf.

Mit diesem Band einer bisher dreiteiligen Reihe, von der allem Anschein nach zwei übersetzt sind. Der dritte Band scheint einen anderen Ansatz zu haben, so dass es sich in Bezug auf Camille und ihre Erlebnisse wohl eher um eine zweibändige Geschichte handelt. Camille hat die besonderen Fähigkeiten einer Belle, mit ihren Kräften kann sie Menschen nach deren Wünschen verschönern. Die Wünsche der Menschen sind mannigfaltig und sie sind bereit Schmerzen in Kauf zu nehmen. Auch Prinzessin Sofia hat Wünsche, die leider nicht immer zum Wohle ihrer Untertanen ausfallen. Camille beginnt sich zu fragen, ob ihr Traumjob wirklich so toll ist.

Als Hörspiel in der ARD Aufiothek macht dieses Buch einiges her. Die Handlung ist liebevoll umgesetzt und die einzelnen Sprecher sind gut ausgesucht. Manchmal ist die Geräuschkulisse etwas im Vordergrund, aber grundsätzlich passt alles sehr gut zusammen.

Die Geschichte von Camille und ihren Belle-Schwestern ist spannend. Wie werden die Belles zu Belles? Und wieso lässt ihre Kraft irgendwann nach? Was führt Prinzessin Sofia im Schilde? Und gibt es einen Liebsten für eine Belle, die gleichzeitig Favoritin ist? Gefesselt erlebt man, wie Camille nach und nach entdeckt, dass in Orléans nicht alles so ist, wie der schöne Schein vorspielt. Durch hartnäckige Frage und wohlwollend hingegebene Informationen von Freunden kann sich Camille ein Bild zusammenreimen, dass so gar nicht zu ihrer Vorstellung von ihrer Position als Favoritin passt. Kann es einen Ausweg aus der doch etwas vertrackten Situation geben? Man darf gespannt sein.

Veröffentlicht am 01.10.2025

Sicht von Innen

Heimatland
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Die Eltern der Autorin sind aus Anatolien über Istanbul nach Deutschland eingewandert. In ihrer Heimat hatten sie keine Chance voranzukommen. Ihre Kinder sollten es besser haben, sie sollten eine ordentliche ...

Die Eltern der Autorin sind aus Anatolien über Istanbul nach Deutschland eingewandert. In ihrer Heimat hatten sie keine Chance voranzukommen. Ihre Kinder sollten es besser haben, sie sollten eine ordentliche Schulbildung bekommen, auch die Mädchen. Den größten Teil ihrer Kindheit verbringt die Autorin in ihrem Berliner Kiez. Dort lebte sie eine gewisse Form von Multikulti, die allerdings auch Einschränkungen hatte. Im Viertel wohnten eher die ärmeren Leute, seien es Deutsche oder Eingewanderte. Auf der Straße ging es manchmal rau zu. Und doch durfte die Autorin alles, was die Jungs auch durften.

Mit warmen Worten beschreibt die Autorin wie sie aufgewachsen ist, dass zwar nicht immer alles Gold war, dass es aber doch so eine Hoffnung auf einen Aufstieg gab. Leiber scheiterten auch viele, aber einige boxten sich durch. Doch dann beschreibt sie, wie die Mädchen aus dem Straßenbild ihres Viertels verschwanden. Eine Entwicklung, die sich bis heute fortsetzt und die zu Rückschritten führt, weil niemand einschreitet. Was die Autorin im kleinen Umfeld erlebt hat, lässt sich auch auf größeren Rahmen projizieren.

Durch einen Artikel im Spiegel auf das Buch aufmerksam geworden, wird man neugierig mal die Sichtweise von jemandem zu erfahren, der aus einer Einwandererfamilie kommt. Wie hat die Autorin es erlebt, hier aufzuwachsen? Wie ist ihre Entwicklung verlaufen? Wie hat sich ihr Umfeld verändert? Und wenn etwas schief gelaufen ist, wo sieht sie eine Möglichkeit, die Situation für alle zu verbessern. Gerade der persönliche Ansatz macht das Buch auch für Laien sehr gut lesbar. Sie zeigt Probleme sehr anschaulich auf und gibt auch Hinweise, wo sie Lösungsansätze sieht. Die Gesetze, das Grundgesetz gilt halt für alle, die hier leben. Das müssten sich alle vor Augen halten. Dieses Buch kann zwar kein allgemein gültiges Rezept liefern, aber man bekommt Denkansätze, für die sich auch die Politik interessieren könnte.

Veröffentlicht am 20.09.2025

Das Schweigen

Blinde Geister
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Olivia geht in den 1960ern zur Schule, ihre Schwester Martha ist vier Jahre älter als sie. Die Eltern der Beiden, Rita und Karl haben den Krieg überlebt. In ihnen sitzt aber immer noch die Angst vor dem ...

Olivia geht in den 1960ern zur Schule, ihre Schwester Martha ist vier Jahre älter als sie. Die Eltern der Beiden, Rita und Karl haben den Krieg überlebt. In ihnen sitzt aber immer noch die Angst vor dem nächsten Krieg. Besonders Karl, der nichts erzählt, überkommt manchmal die Angst. Dann geht es in den Keller, in dem Vorräte gelagert sind. Am Radio wird nachgehorcht, ob die vermeintliche Gefahr vorüber ist. Rita erkennt, dass diese Ausflüge in den Keller den Kindern nicht guttun. Und Martha seilt sich auf gewisse Art ab, indem sie irgendwann einfach nicht mehr mitkommt. Doch Olivia hat die Angst gepackt.

Besonders Olivia hat die Ängste der Eltern mit aufgenommen. Rita muss sie förmlich aus dem elterlichen Haus rausschmeißen, um sie vor der familiären Umklammerung zu schützen. Doch gerade das nimmt Olivia nicht gut auf. In ihrer kleinen Wohnung findet sie sich überhaupt nicht zurecht. Die Balance zwischen Klammern und Freiheit will sich nicht einstellen. Olivia fällt ein wenig auseinander. Sie findet nirgends Halt. Und die Eltern suchen weiterhin Schutz im Keller. Diese ungewisse Angst will nicht aus Olivias Leben weichen, Der Kontakt zu Martha ist nicht besonders eng. Martha hat einen anderen wohl weniger angstbesetzten Weg gesucht.

Mit Spannung hat man, durch die Longlist des Deutschen Buchpreises auf den Roman aufmerksam geworden, mit der Lektüre begonnen. Vielleicht hat man im Vorfeld auch kleine Parallelen zur eigenen Jugend gesehen. Doch zum Glück ist die eigene Jugend, wenn auch nicht in jedem Moment prickelnd, doch günstiger verlaufen. Eine große Angst hat man nicht empfangen. So wäre vielleicht interessanter gewesen, was Martha zu sagen gehabt hätte, die sicher nicht völlig unbeeindruckt war, aber doch anders reagiert hat. In Olivia leben die Ängste fort. Das überschattet ihr ganzes Leben. Das ist tragisch zu lesen und man freut sich, dass Olivia später wieder mit ihrer Schwester zusammenfindet. Auch wenn man persönlich nicht so den Erkenntnisgewinn hat, ist es wichtig und herausragend, dass die Autorin das Schweigen anspricht. Das ist etwas, was man selbst gut kennt.