Profilbild von walli007

walli007

Lesejury Star
offline

walli007 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit walli007 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.10.2025

Favoritin

The Belles
0

Camille will Favoritin werden. In Orléans sind nicht alle schön, aber viele wollen schön sein. Und die Herrscherfamilie hat die Macht, den Menschen und auch sich selbst dazu zu verhelfen. Aus jeder Generation ...

Camille will Favoritin werden. In Orléans sind nicht alle schön, aber viele wollen schön sein. Und die Herrscherfamilie hat die Macht, den Menschen und auch sich selbst dazu zu verhelfen. Aus jeder Generation der Belles wird eine Favoritin gekürt. Camille ist eine der Belles und sie hat die Schönheitsarbeit geübt, sie will diese Position. Doch sie wird nur zweite und kann es nicht fassen. Wie froh ist sie als die begehrte Position doch noch bekommt. Sofia, die Prinzessin hat dafür gesorgt. Doch sie ist nicht die eigentliche Thronfolgerin. Ihre Schwester Caroline liegt jedoch seit Jahren in einem tiefen Schlaf.

Mit diesem Band einer bisher dreiteiligen Reihe, von der allem Anschein nach zwei übersetzt sind. Der dritte Band scheint einen anderen Ansatz zu haben, so dass es sich in Bezug auf Camille und ihre Erlebnisse wohl eher um eine zweibändige Geschichte handelt. Camille hat die besonderen Fähigkeiten einer Belle, mit ihren Kräften kann sie Menschen nach deren Wünschen verschönern. Die Wünsche der Menschen sind mannigfaltig und sie sind bereit Schmerzen in Kauf zu nehmen. Auch Prinzessin Sofia hat Wünsche, die leider nicht immer zum Wohle ihrer Untertanen ausfallen. Camille beginnt sich zu fragen, ob ihr Traumjob wirklich so toll ist.

Als Hörspiel in der ARD Aufiothek macht dieses Buch einiges her. Die Handlung ist liebevoll umgesetzt und die einzelnen Sprecher sind gut ausgesucht. Manchmal ist die Geräuschkulisse etwas im Vordergrund, aber grundsätzlich passt alles sehr gut zusammen.

Die Geschichte von Camille und ihren Belle-Schwestern ist spannend. Wie werden die Belles zu Belles? Und wieso lässt ihre Kraft irgendwann nach? Was führt Prinzessin Sofia im Schilde? Und gibt es einen Liebsten für eine Belle, die gleichzeitig Favoritin ist? Gefesselt erlebt man, wie Camille nach und nach entdeckt, dass in Orléans nicht alles so ist, wie der schöne Schein vorspielt. Durch hartnäckige Frage und wohlwollend hingegebene Informationen von Freunden kann sich Camille ein Bild zusammenreimen, dass so gar nicht zu ihrer Vorstellung von ihrer Position als Favoritin passt. Kann es einen Ausweg aus der doch etwas vertrackten Situation geben? Man darf gespannt sein.

Veröffentlicht am 01.10.2025

Sicht von Innen

Heimatland
0

Die Eltern der Autorin sind aus Anatolien über Istanbul nach Deutschland eingewandert. In ihrer Heimat hatten sie keine Chance voranzukommen. Ihre Kinder sollten es besser haben, sie sollten eine ordentliche ...

Die Eltern der Autorin sind aus Anatolien über Istanbul nach Deutschland eingewandert. In ihrer Heimat hatten sie keine Chance voranzukommen. Ihre Kinder sollten es besser haben, sie sollten eine ordentliche Schulbildung bekommen, auch die Mädchen. Den größten Teil ihrer Kindheit verbringt die Autorin in ihrem Berliner Kiez. Dort lebte sie eine gewisse Form von Multikulti, die allerdings auch Einschränkungen hatte. Im Viertel wohnten eher die ärmeren Leute, seien es Deutsche oder Eingewanderte. Auf der Straße ging es manchmal rau zu. Und doch durfte die Autorin alles, was die Jungs auch durften.

Mit warmen Worten beschreibt die Autorin wie sie aufgewachsen ist, dass zwar nicht immer alles Gold war, dass es aber doch so eine Hoffnung auf einen Aufstieg gab. Leiber scheiterten auch viele, aber einige boxten sich durch. Doch dann beschreibt sie, wie die Mädchen aus dem Straßenbild ihres Viertels verschwanden. Eine Entwicklung, die sich bis heute fortsetzt und die zu Rückschritten führt, weil niemand einschreitet. Was die Autorin im kleinen Umfeld erlebt hat, lässt sich auch auf größeren Rahmen projizieren.

Durch einen Artikel im Spiegel auf das Buch aufmerksam geworden, wird man neugierig mal die Sichtweise von jemandem zu erfahren, der aus einer Einwandererfamilie kommt. Wie hat die Autorin es erlebt, hier aufzuwachsen? Wie ist ihre Entwicklung verlaufen? Wie hat sich ihr Umfeld verändert? Und wenn etwas schief gelaufen ist, wo sieht sie eine Möglichkeit, die Situation für alle zu verbessern. Gerade der persönliche Ansatz macht das Buch auch für Laien sehr gut lesbar. Sie zeigt Probleme sehr anschaulich auf und gibt auch Hinweise, wo sie Lösungsansätze sieht. Die Gesetze, das Grundgesetz gilt halt für alle, die hier leben. Das müssten sich alle vor Augen halten. Dieses Buch kann zwar kein allgemein gültiges Rezept liefern, aber man bekommt Denkansätze, für die sich auch die Politik interessieren könnte.

Veröffentlicht am 20.09.2025

Das Schweigen

Blinde Geister
0

Olivia geht in den 1960ern zur Schule, ihre Schwester Martha ist vier Jahre älter als sie. Die Eltern der Beiden, Rita und Karl haben den Krieg überlebt. In ihnen sitzt aber immer noch die Angst vor dem ...

Olivia geht in den 1960ern zur Schule, ihre Schwester Martha ist vier Jahre älter als sie. Die Eltern der Beiden, Rita und Karl haben den Krieg überlebt. In ihnen sitzt aber immer noch die Angst vor dem nächsten Krieg. Besonders Karl, der nichts erzählt, überkommt manchmal die Angst. Dann geht es in den Keller, in dem Vorräte gelagert sind. Am Radio wird nachgehorcht, ob die vermeintliche Gefahr vorüber ist. Rita erkennt, dass diese Ausflüge in den Keller den Kindern nicht guttun. Und Martha seilt sich auf gewisse Art ab, indem sie irgendwann einfach nicht mehr mitkommt. Doch Olivia hat die Angst gepackt.

Besonders Olivia hat die Ängste der Eltern mit aufgenommen. Rita muss sie förmlich aus dem elterlichen Haus rausschmeißen, um sie vor der familiären Umklammerung zu schützen. Doch gerade das nimmt Olivia nicht gut auf. In ihrer kleinen Wohnung findet sie sich überhaupt nicht zurecht. Die Balance zwischen Klammern und Freiheit will sich nicht einstellen. Olivia fällt ein wenig auseinander. Sie findet nirgends Halt. Und die Eltern suchen weiterhin Schutz im Keller. Diese ungewisse Angst will nicht aus Olivias Leben weichen, Der Kontakt zu Martha ist nicht besonders eng. Martha hat einen anderen wohl weniger angstbesetzten Weg gesucht.

Mit Spannung hat man, durch die Longlist des Deutschen Buchpreises auf den Roman aufmerksam geworden, mit der Lektüre begonnen. Vielleicht hat man im Vorfeld auch kleine Parallelen zur eigenen Jugend gesehen. Doch zum Glück ist die eigene Jugend, wenn auch nicht in jedem Moment prickelnd, doch günstiger verlaufen. Eine große Angst hat man nicht empfangen. So wäre vielleicht interessanter gewesen, was Martha zu sagen gehabt hätte, die sicher nicht völlig unbeeindruckt war, aber doch anders reagiert hat. In Olivia leben die Ängste fort. Das überschattet ihr ganzes Leben. Das ist tragisch zu lesen und man freut sich, dass Olivia später wieder mit ihrer Schwester zusammenfindet. Auch wenn man persönlich nicht so den Erkenntnisgewinn hat, ist es wichtig und herausragend, dass die Autorin das Schweigen anspricht. Das ist etwas, was man selbst gut kennt.

Veröffentlicht am 17.09.2025

Nicknames

Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum
0

Eigentlich wollten die Ex-Kanzlerin Angela Merkel und ihre Familie Weihnachten mit den Obamas am Strand verbringen. Angela merkt aber, das ist nicht das Richtige für sie und Achim. Sie kehren zurück nach ...

Eigentlich wollten die Ex-Kanzlerin Angela Merkel und ihre Familie Weihnachten mit den Obamas am Strand verbringen. Angela merkt aber, das ist nicht das Richtige für sie und Achim. Sie kehren zurück nach Deutschland und werden zum ersten Mal ein Weihnachtsfest in Klein Freudenstadt verbringen. Die vorweihnachtliche Stimmung wird jedoch jäh getrübt als sie einen toten Weihnachtsmann finden, der kopfüber in ihrem Kamin steckt, Das ist schon etwas schockierend. Aber nur ein wenig, insgeheim freut sich Angela, dass sie wieder ermitteln kann. Nie hätte sie gedacht, dass sie das so erfüllend finden würde. Der Tote war allerdings nicht der einzige Weihnachtsmann, der zu dieser Zeit Geschenke im Ort ausliefert.

Zum fünften Mal bekommen die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, ihr Mann Achim und Bodyguard Mike es unerwartet mit einem Todesfall zu tun. Doch auch der Täter oder die Täterin werden auf dem linken Fuß erwischt, war doch damit zu rechnen, dass der Tote erst viel später gefunden wird. Und nun werden Angela und Achim nicht nur mit Toten konfrontiert, nein, jemand fängt auch noch damit an, seine Freundin Puffeline zu nennen. Das ist Achims Angela vorbehalten. Müssen sie sich jetzt etwas was anderes einfallen lassen? Vorrang hat natürlich die Lösung des Rätsels um den toten Weihnachtsmann.

Dieses weihnachtliche Hörbuch wird wie immer ganz hervorragend gelesen und in Szene gesetzt von Nana Spier. Man freut sich auf und über Miss Merkel.

In diesem Band wird Miss Merkel ihrem Ruf als Wissenschaftlerin gerecht, sie muss sich wahrlich in die Sache hineindenken, um neue Möglichkeiten zu finden. Und gleichzeitig bekommt sie es gewissermaßen mit dem Geist der Weihnacht zu tun. Sie kann nichts dafür, dass Achim manchmal ein wenig leiden muss. Das Setting ergibt einige wirklich erquickliche Hörerlebnisse, die einen zum Schmunzeln bringen und gute Laune verbreiten. Ob man den kleinen Ausflug in andere Sphären für Miss Merkel als hundertprozentig passend empfindet, kann so eine Sache sein. Auch wirkt der Roman mit knapp zweihundert Seiten und das Hörbuch mit etwas über vier Stunden im Vergleich mit den anderen Bänden eher schnell dahin geschrieben. Doch natürlich bietet er sehr gute Unterhaltung mit einigen sehr lustigen Szenen. Man möchte Miss Merkel und ihre Lieben nicht mehr missen.

Veröffentlicht am 15.09.2025

Das Vermächtnis

Die blaue Stunde
0

Die Künstlerin Vanessa Chapman hat einer Stiftung ihre Kunstwerke und Aufzeichnungen vermacht. Allerdings haben die Verwalter der Stiftung den Verdacht, dass nicht alles übergeben wurde, worauf sie eigentlich ...

Die Künstlerin Vanessa Chapman hat einer Stiftung ihre Kunstwerke und Aufzeichnungen vermacht. Allerdings haben die Verwalter der Stiftung den Verdacht, dass nicht alles übergeben wurde, worauf sie eigentlich einen Anspruch geltend machen könnten. Dann äußert auch noch ein Ausstellungsbesucher die Vermutung, die Künstlerin habe in einem ihrer Werke etwas verarbeitet, das wie ein menschlicher Knochen aussieht. Es wird beschlossen, dass Kurator James Becker die Gezeiteninsel, auf der Chapman lebte, besuchen soll, um die dort lebende Ärztin und Gefährtin der Verstorbenen um weitere Informationen zu bitten. Diese lebt allerdings sehr zurückgezogen und ist von dem Gedanken an Gesellschaft nicht begeistert.

In welcher Beziehung standen Grace und Vanessa genau? Immerhin lebten sie auf Eris Island bis Vanessa starb und die Künstlerin hat ihrer Freundin das Haus vererbt. Wieso aber hat sie die Kunstwerke der Stiftung vermacht, wenn sie sich mit dem inzwischen verstorbenen Stifter überworfen hatte? Und was ist mit den angeblich nicht übergebenen Arbeiten? Fragen, die sich auch James Becker stellt. Der werdende Vater möchte seine hochschwangere Frau eigentlich nicht alleine lassen. Und doch wegen des mutmaßlichen Knochenfundes muss einfach Klarheit geschaffen werden. Und Becker scheint einen Draht zu Grace zu haben und sie gibt ihm einige Unterlagen und Tagebücher.

Mit diesem Mix aus erzählten Passagen, Tagebucheinträgen und manchen Zeitungsausschnitten erhält dieser Thriller viel Tempo. Darüber kommen vielleicht einige Erzähl-Ansätze zu kurz. Interessant ist die Schilderung von Vanessas Leben als Künstlerin. Sie wirkt wie eine mondäne Kreative, die sich in der Gesellschaft bewegen kann, selbige aber über hat. Grace erweckt den Eindruck als sei sie wie eine Nebenhandlung im Leben, unscheinbar und ohne ausgeprägten Kunstsinn. Man fragt sich wieso die Frauen so zusammengeschweißt waren. Auch James Becker fühlt sich als Kurator nicht wohl. Zwar hat er Intelligenz und Kunstverständnis, aber seine einfache Herkunft steht ihm vor allem bei der Frau des Stifters im Weg. Es entwickelt sich ein vielschichtiger Thriller mit kleinen Ecken und Kanten, der eine sehr kurzweilige Lektüre bietet.