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Veröffentlicht am 09.10.2025

Spannender Ausflug in die Welt der Kryptowährung

Bis zum Mond
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Eun-song, Ji-song und Da-hae sind Freundinnen, seit sie am gleichen Tag ihre Arbeit bei einem der führenden Snack-Hersteller Koreas aufgenommen haben. Da sie aber nicht von einer Eliteuniversität oder ...

Eun-song, Ji-song und Da-hae sind Freundinnen, seit sie am gleichen Tag ihre Arbeit bei einem der führenden Snack-Hersteller Koreas aufgenommen haben. Da sie aber nicht von einer Eliteuniversität oder aus einem der Programme des Unternehmens rekrutiert wurden, steckt ihre Karriere fest – ohne die Chance, jemals weiter aufzusteigen. Da erzählt Eun-song eines Tages, dass sie digitale Währungen für sich entdeckt und begonnen hat, in Ethereum zu investieren. Ji-song und Da-hae reagieren ablehnend, doch Eun-songs Gewinn wächst vor ihren Augen. Kann das wirklich der Ausweg aus ihrem begrenzten Leben sein?

„Bis zum Mond“ ist der erste, auf Deutsch erschienene Roman der südkoreanischen Autorin Jang Ryujin. Sie war 7 Jahre in der IT-Branche tätig, bevor sie sich Vollzeit dem Schreiben widmete. Die deutsche Übersetzung verfasste Jan Henrik Dirks. Die Geschichte spielt im Jahr 2017 und umfasst knapp 1,5 Jahre. Erzählt wird aus der Perspektive von Da-hae, die im Kreis der Freundinnen eine eher vermittelnde Position hat. Während Eun-song die Mutige ist, die sich in die neue Investition stürzt, lehnt Ji-song dieses „virtuelle Geld“ rigoros ab. Da-hae ist neugierig, will aber auch ihr hart erarbeitetes Vermögen nicht aufs Spiel setzen.

Im Zentrum des Romans steht das Thema der Klasse. Für die drei Freundinnen gibt es kaum eine Möglichkeit, ihr begrenztes Leben zu verlassen, eine größere Wohnung zu mieten oder gar ein Auto zu kaufen. Sie sind nicht wirklich arm, aber bei Weitem auch nicht reich. Eine Ausflucht wäre eigentlich nur eine Heirat, was für keine der drei so richtig in Frage kommt. Kryptowährung bietet Ihnen die Chance, endlich zu Geld zu kommen, doch sehen sich die drei auch Streitereien, fallenden Kursen und moralischen Dilemmas gegenüber. Ist es eigentlich anständig, mit „so etwas“ sein Geld zu verdienen?

„Bis zum Mond“ war mein erster Roman, der sich mit virtuellen Währungen beschäftigt und mir gefällt besonders gut, dass alle drei Protagonistinnen Frauen sind, für die das Geld auch Emanzipation bedeutet. Dennoch gelingt es der Autorin gut, auch die Schattenseiten solcher Investitionen zu beleuchten.

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Eine widersprüchliche Frau

Peggy Guggenheim
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Im Molden Verlag erscheint seit 2019 die Reihe „Reihenweise kluge Frauen“, in der Biografien von Frauen veröffentlicht werden – ausschließlich geschrieben von Autorinnen. Die Gestaltung der bunten Bände ...

Im Molden Verlag erscheint seit 2019 die Reihe „Reihenweise kluge Frauen“, in der Biografien von Frauen veröffentlicht werden – ausschließlich geschrieben von Autorinnen. Die Gestaltung der bunten Bände ist aufeinander abgestimmt, so dass sie einheitlich wirken und im Regal einen wahren Regenbogen ergeben. „Peggy Guggenheim“ ist bereits der 10. Band der Reihe. Verfasst wurde er von der promovierten Kunsthistorikerin Mona Hardcastle, die auch bereits Band 1 und 3 über Margarete Schütte-Lihotzky und Josephine Baker schrieb. Seit 2016 arbeitet sie als freie Autorin und Kuratorin.

Peggy Guggenheim (1898-1979) war eine berühmte Kunstsammlerin und Mäzenin und hier liegt sicherlich auch der Fokus der Biografie, die in ein Intro, 6 inhaltliche Kapitel, ein Nachwort und einen Anhang mit Anmerkungen, Bildnachweisen sowie einem Literatur- und Personenverzeichnis aufgeteilt ist. Die eingebundenen Fotos unterstützen den Text, könnten – meiner Meinung nach – manchmal aber etwas ausführlicher beschrieben sein.

Als Tochter der jüdischen Elite New Yorks muss Peggy sich nie Sorgen um Geld machen. Doch schon bald versucht sie, aus dem goldenen Käfig auszubrechen und landet nach verschiedenen Aushilfsjobs schließlich bei der Kunst. Sie schließt zwei Ehen, hat zwei Kinder und lebt in Paris, Südfrankreich und London, bis sie vor den Nationalsozialisten in die USA fliehen muss. Hier eröffnet sie eine Galerie und hält in fünf Jahren mehr als 50 Ausstellungen ab. Sie fördert Künstler wie Chagall, Klee, Kandinsky oder Dalí und streitet sich mit der Witwe von Jackson Pollock um dessen Nachlass.

Mona Hardcastle zeichnet in „Peggy Guggenheim“ das Bild einer widersprüchlichen Frau, die ihre Exzentrik in ihrem letzten Wohnort Venedig mit Gondelfahrten auslebte. Die ihre Kinder oft abschob und vielleicht ihre „Babies“, also ihre Hunde, mehr geliebt hat. Die die Literatur mehr liebte, als die Kunst, sie aber nicht zum Beruf machen konnte. Mit dem Schlagwort „Femme Fatale“ auf dem Cover bin ich allerdings nicht einverstanden: eine typisch männliche Zuschreibung für eine Frau, die - in meinen Augen - einfach nur geliebt werden wollte.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Sehr emotionaler, Trost spendender Roman

Die Buchhandlung der Erinnerungen
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Sieben Jahre nach dem Tod ihrer Mutter fühlt Jiwon sich noch immer nicht, wie sie selbst. Sie ist depressiv, hat Schlafstörungen, Alpträume und das Atmen fällt ihr schwer. Der Arzt, den sie daraufhin aufsucht, ...

Sieben Jahre nach dem Tod ihrer Mutter fühlt Jiwon sich noch immer nicht, wie sie selbst. Sie ist depressiv, hat Schlafstörungen, Alpträume und das Atmen fällt ihr schwer. Der Arzt, den sie daraufhin aufsucht, antwortet ihr ganz lapidar, dass diese Trauerphase ja nun schon wirklich etwas lang dauere und verschreibt ein Schlafmittel. Aber wie soll das Jiwon weiterhelfen, wenn sie jeden Tag noch die Schwere der Trauer in sich spürt? Doch dann flüchtet sie sich vor dem Regen in eine Buchhandlung, in der ihr ein besonderes Angebot gemacht wird.

„Die Buchhandlung der Erinnerungen“ ist der erste Roman der Selfpublisherin Yu-jeong Song und war in Korea so erfolgreich, dass er schließlich von einem Publikumsverlag erneut veröffentlicht wurde. Die Geschichte beruht, so die Autorin in ihrem Nachwort, auf eigenen Erfahrungen und dem Wunsch, nach einem solchen Wunder, wie es Jiwon zuteil wird. Sie verspricht keine Heilung, sondern will lediglich zeigen, dass auch die Leser*innen mit ihren Verlusten nicht allein sind. Die deutsche Übersetzung verfasste Philipp Haas.

Die Buchhandlung im Roman hält genau das, was der Titel verspricht. Sie bewahrt alle Erinnerungen einer Person auf und die Buchhändlerin macht Jiwon ein Angebot: insgesamt drei Mal kann sie zu einem Moment in der Vergangenheit zurück reisen und versuchen, etwas an der Gegenwart zu ändern. Dafür muss sie jedoch mit ihrer noch verbleibenden Lebenszeit bezahlen. Jiwon willigt natürlich ein und entwickelt eine wahre Obsession für den Gedanken, den Tod ihrer Mutter verhindern zu können.

„Die Buchhandlung der Erinnerungen“ ist ein sehr emotionaler Roman, dessen Protagonistin ihre Verzweiflung und tiefe Trauer mit uns teilt. Der Wunsch, ihre Mutter vor dem Tod zu retten, entspringt aus Schuldgefühlen und Einsamkeit. Dennoch sind die Zeitreisen, die sie im Buch unternimmt, nicht einfach nur eine Möglichkeit, um Vergangenes ungeschehen zu machen. Sie helfen ihr auch, sich mit der Gegenwart auszusöhnen und das eigene Leben wieder als lebenswert zu empfinden. Eine schöne, Trost spendende Geschichte!

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Schöner Auftakt einer Trilogie

Die Bibliothek meines Großvaters
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Von ihrem Großvater hat die junge Lehrerin Kaede ihre Liebe zu Büchern geerbt, besonders die zu klassischer Kriminalliteratur. Vor einiger Zeit hat dieser jedoch die Diagnose Lewy-Körper-Demenz erhalten ...

Von ihrem Großvater hat die junge Lehrerin Kaede ihre Liebe zu Büchern geerbt, besonders die zu klassischer Kriminalliteratur. Vor einiger Zeit hat dieser jedoch die Diagnose Lewy-Körper-Demenz erhalten und somit mal bessere und mal schlechtere Tage. An seinen besseren Tagen bittet Kaede ihn regelmäßig, mit ihr gemeinsam kleinere und größere Kriminalfälle zu lösen, über die sie in ihrem Alltag stolpert. Doch bald scheint es, als wäre auch Kaede selbst in einen dieser Fälle verwickelt.

„Die Bibliothek meines Großvaters“ ist der erste Roman einer geplanten Trilogie des japanischen Schriftstellers Masateru Konishi, der Teile der Handlung nach seinen eigenen Erfahrungen mit einem demenzkranken Vater formte. Die deutsche Übersetzung stammt von Peter Aichinger-Fankhauser. Die Handlung wird aus der Perspektive von Kaede erzählt und enthält immer wieder Skizzen, die die entsprechenden Kriminalfälle illustrieren. Neben Kaede und ihrem Großvater, arbeiten manchmal auch ihr Kollege Iwata und dessen Freund Shiki an den Fällen mit.

Die Lewy-Körper-Demenz des Großvaters führt einerseits zu parkinsonartigen Symptomen, auf der anderen aber vor allem zu Halluzinationen. So sieht und hört er regelmäßig Dinge, Tiere und Menschen, die gar nicht im Raum sind. Für Kaede ist der Umgang mit ihm daher nicht leicht, sie versucht aber, in einem gewissen Maß auf ihn einzugehen und sich seine immer noch starken Kombinationsfähigkeiten zunutze zu machen. Gemeinsam lösen die beiden so einige Kriminalfälle, zum Beispiel den einer verschwundenen Lehrerin oder einen Mordfall in einer Bar, auch Iwata und Shiki werden darin verwickelt.

Im Zentrum der Geschichte steht für mich klar die Beziehung zwischen Enkelin und Großvater, die sich durch die fortschreitende Demenz verändert. Die beiden bleiben aber durch ihr gemeinsames Hobby verbunden und finden so immer eine Kommunikationsebene, der die Krankheit nichts anhaben kann. Die eigentlichen Fälle werden nur durch reine Deduktion und Überlegungen gelöst. Es gibt keine Ermittlungen im eigentlichen Sinn und oft auch keine Beweise, was die Auflösung manchmal etwas willkürlich erscheinen lässt.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Emotionale Milieustudie

Das gelbe Haus
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Als Hana durch Zufall über einen Zeitungsbericht stolpert, ist das wie eine Zeitreise in ihre Vergangenheit. Als 17-Jährige eröffnete sie mit der älteren Kimiko eine Bar und begann den Abstieg ins kriminelle ...

Als Hana durch Zufall über einen Zeitungsbericht stolpert, ist das wie eine Zeitreise in ihre Vergangenheit. Als 17-Jährige eröffnete sie mit der älteren Kimiko eine Bar und begann den Abstieg ins kriminelle Milieu. Eben diese Kimiko soll nun in ihrer Wohnung eine Frau festgehalten und sie misshandelt haben. Hana versucht, ihre Freundinnen von damals zu kontaktieren und denkt zurück an ein Leben voller harter Arbeit, ständiger Rückschläge und finanzieller Sorgen.

„Das gelbe Haus“ ist der neuste Roman der Autorin Mieko Kawakami; die deutsche Übersetzung verfasste Katja Busson. Der Titel bezieht sich auf ein Haus, in das Hana, Kimiko und Hanas Freundinnen Ran und Momoko im Verlauf der Handlung gemeinsam einziehen. Es ist ein Symbol für einen sicheren Hafen und einen Platz im Leben, auch wenn sich dort nicht immer nur Positives abspielt. Im Fokus der Geschichte steht Protagonistin Hana, aus deren Ich-Perspektive in der Vergangenheitsform erzählt wird.

Hanas Einstieg ins Rotlichtmilieu scheint unvermeidbar, denn auch ihre Mutter arbeitet als Hostess in einer Snackbar und unterstützt ihre Tochter kaum. Anders fühlt sich alles bei Kimiko an, einer Bekannten der Mutter, die Hana wahrnimmt, etwas mit ihr unternimmt und mit der sie dann gemeinsam ins Bargeschäft einsteigt. Dabei befindet Hana sich in einem echten Teufelskreis: sie ist minderjährig und hat keinen Ausweis – wo soll sie sonst arbeiten, wenn nicht im Milieu? Doch einmal dort angelangt, scheint der Ausstieg unmöglich.

„Das gelbe Haus“ ist auf der einen Seite eine Geschichte über eine Wahlfamilie, die sich gegenseitig Halt gibt, die aber auch von der Realität des Lebens regelmäßig auf die Probe gestellt wird. Auf der anderen Seite geht es um das Rotlichtmilieu, das vielen Menschen Arbeit gibt, die anderswo keine finden würden. Dafür bezahlen sie mit ihrer Sicherheit, erleiden Gewalt durch Kunden, müssen sich vor der Yakuza in acht nehmen und scheinen in einem endlosen Hamsterrad gefangen – ohne Aussicht auf Erfolg. Mieko Kawakami ist hier eine emotionale Milieustudie gelungen, wenn es auch lange dauert, den Bogen zum Zeitungsartikel am Anfang zu schlagen.

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