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Veröffentlicht am 25.10.2025

Über die Kraft unserer Gedanken

SUPER SYNCHRONICITY - Tritt ein in die Frequenz der glücklichen Zufälle
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Susanne Kos zeigt in ihrem Buch "Super Synchronicity" die Kraft der Visualisierung, Manifestation und zielgerichteten Gedanken auf. Es handelt sich um ein sehr praxisnah und zugänglich gestaltetes Buch, ...

Susanne Kos zeigt in ihrem Buch "Super Synchronicity" die Kraft der Visualisierung, Manifestation und zielgerichteten Gedanken auf. Es handelt sich um ein sehr praxisnah und zugänglich gestaltetes Buch, der Ton ist herzlich und persönlich, die Worte überzeugend. Hier schreibt eine Frau, die persönlich erlebt hat, dass die von ihr vorgestellte Methode funktioniert und die sich damit diverse, vor allem materielle und berufsbezogene, Ziele manifestiert hat. Es ist im Kern die gleiche Methode wie in "The Secret" und vielen weiteren bekannten Manifestationsbüchern.

Schritt für Schritt und mit vielen Übungen führt die Autorin anschaulich durch die Methode und alle Lesenden, die diesem Weg folgen möchten, können das tun, werden dabei an der Hand genommen und durchgeleitet. Schon im Buch selbst kann man einige Übungen ausfüllen und findet dafür den nötigen Platz, begleitend dazu stellt die Autorin außerdem auf ihrer Website ein Arbeitsbuch zum Ausfüllen zur Verfügung, das man sich kostenlos runterladen kann.

Man spürt, dass der Autorin viel daran liegt, die Methode anschaulich zu vermitteln und auch auf mögliche Hindernisse und Widerstände bei der Umsetzung einzugehen.

Ich persönlich habe allerdings gespürt, dass diese Methode und die dahinter stehende Weltanschauung meiner persönlichen Spiritualität, meinem Glauben, meinen Werten und der Art und Weise, wie ich in der Welt sein, mich bewegen und etwas bewirken möchte, aber auch meiner Haltung von Vertrauen in etwas Höheres, Dankbarkeit und Demut gegenüber dem, was ich mit meinem menschlichen Gehirn nicht erkennen kann, in vielen Punkten fundamental entgegen steht.

Das ist kein Zweifel am Funktionieren der Methode, sondern an der Ethik dahinter und an den spirituellen Konsequenzen, resultierend aus meiner persönlichen Weltsicht. Ich möchte auch nicht in jeder freien Minute daran denken, mir aus dem Kopf irgendein - meist materielles und ich-bezogenes - Ziel zu manifestieren, wie es im Buch vorgeschlagen wird, sondern diese lieber mit einer Haltung von Dankbarkeit, Liebe und Vertrauen für die vielen Geschenke in meinem Leben füllen und auf den Weg vertrauen, auf dem ich mich von etwas Höherem geführt fühle und den ich nicht in jedem Detail kennen und selbst manifestieren muss.

Diese prinzipielle Kritik an der Methode ist aber nicht der Autorin anzulasten und eine Frage der persönlichen Haltung, Weltsicht und Spiritualität, deshalb ziehe ich dafür keine Sterne ab und gebe insgesamt 5 Sterne für ein sehr gut gestaltetes Buch, bei dem jede und jeder selbst entscheiden muss, ob die Methode einem entspricht. Wenn das so ist, dann ist es jedenfalls ein empfehlenswertes Buch, das diese Methode anschaulich, praxisnah und mit viel Herzblut vermittelt.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Rauhnächte psychologisch betrachtet

Rauhnächte – 12 Tage nur für dich
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Bücher und Materialien zu den Rauhnächten gibt es mittlerweile unzählige, das Thema scheint in den letzten Jahren ein richtiger Trend geworden zu sein. Deshalb fokussiere ich mich bei dieser Rezension ...

Bücher und Materialien zu den Rauhnächten gibt es mittlerweile unzählige, das Thema scheint in den letzten Jahren ein richtiger Trend geworden zu sein. Deshalb fokussiere ich mich bei dieser Rezension speziell darauf, was dieses Buch von anderen zum gleichen Thema unterscheidet, denn da gibt es hier tatsächlich einiges:

Die Rauhnächte sind die Zeit "zwischen den Jahren", zwischen Weihnachten und Dreikönigstag. Es gibt viele uralte spirituelle Traditionen, die damit verbunden sind, und auch die moderne Esoterik beschäftigt sich schon lange damit. Das ist für Menschen interessant, die zu diesen Themen eine Verbindung führen, kann aber für andere, die eher eine bodenständig-wissenschaftlich-rationale Weltsicht haben, abschreckend sein.

Deshalb sei schon an dieser Stelle gesagt: auch diejenigen, die von Esoterik absolut nichts halten und an nichts Übersinnliches glauben, können mit diesem Buch einen wertvollen psychologischen Begleiter zur Reflexion des eigenen Lebens finden und sind hier in bester Gesellschaft: die Autorin ist Psychologin, ebenfalls skeptisch gegenüber dem Esoterikbereich und hat damit auch ein psychologisches Rauhnächtebuch verfasst. Hier muss man an nichts glauben, man muss nichts als Orakel oder Wahrsagemethode sehen - es geht einfach um eine Gelegenheit zur tiefgehenden Reflexion des eigenen Lebens: einmal im Jahr zu den Rauhnächten tiefgehender und einmal im Monat überblicksmäßig.

Das wunderschön und einladend gestaltende Buch geht zuerst kurz auf die historischen Hintergründe und Traditionen der Rauhnächte ein, um dann Reflexionsfragen und Rituale für jede Rauhnacht und den damit verbundenen Monat vorzustellen. Jeder Tag/Monat ist dabei einem psychologischen Thema gewidmet, zu dem es inspirierende Texte und Fragen gibt, beispielsweise geht es am 25.12., der für den Januar steht, um Klarheit, am 1. Januar um Entscheidungen oder am 4. Januar um Wandlung.

Hier ein Buchzitat aus dem Kapitel Wandlung: "Die Energie der elften Rauhnacht ist dem November zugeordnet. Wie kein anderer Monat steht er für das Abschiednehmen. Wobei in jedem Abschied auch immer ein Neubeginn steckt. So weit denken wir aber leider nicht. Das Bewusstwerden der Vergänglichkeit gibt uns die Möglichkeit, uns eine wesentliche Frage zu stellen: Was ist es, was mein Leben ausmacht und sinnstiftend ist?" (S. 111)

Passende Handlungsideen dazu sind dann etwa eine Dankbarkeitsliste oder auch eine Laudatio über das eigene Leben und die eigenen Fähigkeiten und ein Rückblick vor dem Hintergrund der Frage "Wozu war etwas gut", um darauffolgend loslassen und in eine gute Zukunft gehen zu können. Auch systemische Themen werden mit einbezogen, z.B. mit folgender Reflexionsfrage: "Welche Eigenschaften deiner Familie und früherer Generationen helfen dir, dich auf dich selbst zu besinnen und deinen ganz persönlichen Lebensweg zu gehen?" (S. 113)

Besonders wertvoll finde ich auch, dass es im letzten Teil des Buches - anschließend an die Übungen für die Rauhnächte selbst - für jeden tatsächlichen Monat im neuen Jahr eine Rückschauanleitung gibt, mittels der man sich nochmal an die während den Rauhnächten behandelten Themen erinnern kann, die eigenen Notizen dazu durchschauen kann und überprüfen kann, wie sehr man noch dem Weg, den man für sich für dieses Jahr gewünscht hat, folgt, und wo man Anpassungen vornehmen möchte.

Insgesamt ist es ein wertvolles Buch zu den Rauhnächten, dass eine erfrischende neue, humorvolle und persönliche Perspektive einer Psychologin auf das Thema bietet, und, wie erwähnt, auch für Menschen abseits der traditionellen Zielgruppe spiritueller Bücher wertvolle Inspirationen bieten kann.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Dieses Buch spricht mir aus der Seele

UNIversal gescheitert?
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Vor kurzem habe ich "UNIversal gescheitert?" von Lisa Niendorf fertig gelesen und ich bin voll der Bewunderung für dieses großartige Buch einer mutigen Frau, die so vieles von dem, was ich und viele meiner ...

Vor kurzem habe ich "UNIversal gescheitert?" von Lisa Niendorf fertig gelesen und ich bin voll der Bewunderung für dieses großartige Buch einer mutigen Frau, die so vieles von dem, was ich und viele meiner Kolleginnen und Kollegen im Laufe der Jahre als Studierende und Mitarbeitende auf unterschiedlichen Universitäten erlebt haben, offen ausspricht. Wie die Autorin das am Anfang ihres Buches anspricht, gibt es in den Köpfen vieler Menschen immer noch ein überhöhtes, idealistisches Bild von Universitäten und Wissenschaft, als ob das ein heiliger Raum wäre, in dem keine Missstände herrschen würden.

Wer aber näher mit diesem System in Berührung kommt, ob als Studierende oder später vielleicht als hoffnungsvolle Doktorandin oder wissenschaftlicher Projektmitarbeiter, wird oft bitter desillusioniert von all den Missständen, die es da gibt und gegen die man sich oft so machtlos fühlt. Denn kaum jemand unterhalb der ordentlichen Professuren - die nur von ganz wenigen privilegierten Menschen und wenn überhaupt, meist erst frühestens im mittleren Erwachsenenalter erreicht werden - hat kaum jemand eine gut abgesicherte Position auf einer Universität, die es erlaubt, offen Kritik zu üben, ohne die eigene Vertragsverlängerung zu gefährden.

Ich schätze die Ehrlichkeit der Autorin, mit der sie zugibt, selbst eine der wenigen zu sein, die im akademischen Mittelbau einen unbefristeten Vertrag erhalten haben, und wie das ihr dabei hilft, sich zu trauen, so ein mutiges Buch zu schreiben, das viele Widerstände so deutlich offen legt.

Um welche Missstände geht es in dem Buch? Um stark unterfinanzierte Universitäten, marode Gebäude, überfüllte Studiengänge. Um ein extrem hierarchisches System, in dem, wie oben beschrieben, alle unterhalb der allerhöchsten Positionen auch bei exzellenten Leistungen und noch so viel Fleiß und Anstrengung ständig um ihre Stelle zittern müssen, und das strukturell zu Machtmissbrauch regelrecht einlädt.

Denn es handelt sich bei näherer Betrachtung um ein System, das Ausbeutung und Missbrauch nicht nur verleugnet, sondern teilweise regelrecht fördert: denn Karriere macht etwa, wer die meisten Publikationen aufweisen kann. Und wer dafür abhängige wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausnützt, ihnen viele unbezahlte Überstunden aufbrummt, sie fast die ganze Arbeit alleine machen lässt und dann aber ausschließlich den eigenen Namen auf die Publikationen schreibt, der hat auf dem Papier eine längere und eindrucksvollere Publikationsliste vorzuweisen. Ehrlichkeit, Redlichkeit und insbesondere die Qualität der eigenen Lehre oder gar besonderes Engagement für Studierende zählen hingegen kaum etwas für das Vorankommen im akademischen Bereich, können sogar hinderlich sein.

Der Autorin gelingt es, überzeugend und anhand von vielen Beispielen und einer fundierten Analyse des Aufbaus des wissenschaftlichen Systems, zu zeigen, dass die vielen Missstände in diesem Bereich eben keine Ausnahmefälle sind, sondern mit der Struktur dieses Systems zusammenhängen, welche zum Teil aktiv und bewusst aufgebaut wurde und geschützt wird, um die Interessen der Mächtigen zu vertreten. Da ist es auch kein Wunder, dass mit jeder Hierarchieebene auf den Universitäten mehr weiße heterosexuelle Männer aus sozioökonomisch privilegierten Milieus vertreten sind und alle, die in einer oder mehreren Kategorien davon abweichen, weil sie etwa Frauen, queer, migrantisch, mit Betreuungspflichten oder aus Arbeiterfamilien sind, sich schwer tun, hier ihren Platz zu finden und ihn zu behalten. Denn Menschen fördern meist die, die ihnen ähnlich sind, und auch Themen wie Rassismus, Diskriminierung, Ausbeutung und sexualisierte Gewalt sind nicht nur in der Gesamtgesellschaft, sondern auch auf Universitäten weit verbreitet, wie die Autorin eindrucksvoll anhand von aktuellen Zahlen und Beispielen belegt.

Sprachlich ist das Buch sehr zugänglich und gut verständlich geschrieben und die Autorin hat sich große Mühe gegeben, sich nicht hinter akademischer Sprache zu verschanzen, sondern das Buch für eine breite Menge an Interessierten lesbar zu machen und alle nicht allgemein bekannten Konzepte zu erklären.

Ich wünsche diesem Buch von Herzen, dass es viele Leserinnen und Leser findet, in der allgemeinen Bevölkerung, aber auch unter jenen in Machtpositionen, bei denen es vielleicht ein Umdenken bewegen möge, um eine wissenschaftliche Landschaft zu gestalten, die gerade die engagiertesten und klügsten Köpfe aus der gesamten Bevölkerung nicht frustriert und vertreibt, sondern wertschätzt und ihnen einen Raum gibt, sich einigermaßen abgesichert zu entfalten und damit zum Wohle aller zur Vielfalt der Perspektiven im wissenschaftlichen Bereich beizutragen. Das würde den aktuellen und zukünftigen Studierenden, der Forschung und der Gesamtgesellschaft sehr zugute kommen. Danke für dieses mutige Buch!

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Wo die Fallwinde die Berge hinab Richtung Meer sausen...

Noatun
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... da sind wir in Noatun: in der neuen Heimat mutiger, eigensinniger und individualistischer Menschen, die sich tapfer allen Widrigkeiten von Wind und Wetter entgegen stellen, um hier ein bescheidenes, ...

... da sind wir in Noatun: in der neuen Heimat mutiger, eigensinniger und individualistischer Menschen, die sich tapfer allen Widrigkeiten von Wind und Wetter entgegen stellen, um hier ein bescheidenes, unabhängiges neues Leben aufbauen zu können.

Die Geschichte spielt auf den Färöer-Inseln, in einer eher unwirtlichen Gegend mit langen, harten, dunklen Wintern und nur kurzen, hellen Sommern, voll von Stürmen und mitten im Meer. Hier gibt es einen bisher unbesiedelten Ort, der Unheil verheißend Dodmandsdal (ja, das heißt übersetzt "Totmannstal") genannt wurde und an dem sich nun eine Gruppe von Menschen neu niederlässt.

Das Land muss erst von Steinen befreit und urbar gemacht werden, Häuser müssen erst gebaut werden und jedes Mal, wenn man den Ort verlassen will, um in einer größeren Ortschaft etwas zu erledigen, muss man einen von zwei gefährlichen Wegen auf sich nehmen: zu Fuß über die unwirtlichen Berge, den starken Winden ausgesetzt, auf jeden Tritt achtend, um nicht in die Tiefe zu stürzen. Oder mit einem kleinen Boot über das aufgeschäumte und unruhige Meer.

Für die langen, harten Winter müssen vorausschauend Vorräte an Nahrung und Heizmaterial angelegt werden, die doch in manchen Zeiten nur ganz knapp reichen. Und auch von so manchen Krankheiten und sonstigen Unglücken bleibt die neue tapfere Gemeinschaft nicht verschont.

Nein, Noatun ist kein Ort für bequeme, faule oder ängstliche Menschen! Doch wer fleißig und arbeitsam ist und sich einbringen möchte, der wird in dieser Gemeinschaft herzlich willkommen geheißen und aufgenommen.

Damit kommen wir zu den Menschen in dieser ungewöhnlichen neuen Siedlung: allesamt interessante Originale. Da gibt es den alten Angelund, seine Frau und seine erwachsenen Kinder samt Enkeln. Die junge Sara, die früh verwitwet wird, nachdem ihr Mann auf See tödlich verunglückt. Ihr Schwager, der Bruder ihres verstorbenen Mannes, der auf einmal nach Noatun kommt, sich um Sara kümmern will und sehr mysteriös wirkt. Tilda, die eine kinderlose Ehe mit ihrem Mann führt, erst einmal klar zu wissen scheint, was gut und was schlecht sei, und im weiteren Verlauf des Buches dann in so einigem überrascht. Einen Bauern, der die Siedlung aus der Ferne mit Skepsis beobachtet. Einen Kaufmann und einen Rechtsanwalt im nächstgrößeren Ort. Einen kognitiv leicht zurückgebliebenen, dafür körperlich umso härter arbeitenden Feldarbeiter, der sich nach langen Jahrzehnten des Ausgenutzt-Werdens bei einem Bauern nun dieser Gemeinschaft anschließt, jeden Tag hart arbeitet, aber auch seine persönlichen Grenzen setzt, und am Ende auch für seine ältere Schwester einen Platz dort findet. Und noch so einige mehr.

Abwechselnd werden die Geschichten all dieser Menschen und ihre Beziehungen zueinander erzählt, als eine Art Kollektivroman. Mir hat diese Erzählweise sehr gefallen, weil ich das Gefühl bekommen habe, wirklich einen umfassenden Einblick in die Lebensbedingungen nach einer Landnahme auf den Färöer-Inseln in den 1930er-Jahren zu bekommen (das Buch wurde im Original 1938 veröffentlicht und nun neu übersetzt).

Es ist eine sehr interessant erzählte Geschichte und die darin porträtierten Menschen und ihre Gemeinschaft haben mir viel an Bewunderung abgerungen in Bezug auf die Stärke und den Mut, mit denen sie den harten Umweltbedingungen trotzen, sich mit Eigensinn und Liebe ihren eigenen Ort aufbauen, aber gleichzeitig mit viel Herzlichkeit und Offenheit auch Neuankömmlinge bei sich aufnehmen und integrieren.

Insgesamt ist es ein Buch, mit dem ich sehr gerne verweilt bin, weil es gerade durch die liebenswerten Charaktere so viel Hoffnung in sich trägt und zeigt, wie Menschen auch unter herausfordernden Bedingungen sich für das, was ihnen wichtig ist, einsetzen, dabei ihren Individualismus bewahren und gleichzeitig in einer Gemeinschaft sich gegenseitig unterstützen können.

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Veröffentlicht am 10.10.2025

In der Seele endet der Krieg nie...

Blinde Geister
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Eigentlich gab es in Mitteleuropa viele Jahrzehnte der Friedenszeiten nach dem 2. Weltkrieg. Doch bei vielen, die den Krieg erlebt haben, ist das in der Seele nie angekommen und die Traumata werden auch ...

Eigentlich gab es in Mitteleuropa viele Jahrzehnte der Friedenszeiten nach dem 2. Weltkrieg. Doch bei vielen, die den Krieg erlebt haben, ist das in der Seele nie angekommen und die Traumata werden auch über Erziehung und familiäre Bindungen und Muster an die jüngeren Generationen weitergegeben.

Das zeigt "Blinde Geister" von Lina Schwenk, das meiner Ansicht nach völlig zu Recht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2025 gelandet ist, sehr eindringlich. In vielen kleinen Szenen wird eine Familie porträtiert, nicht immer in chronologischer Form und nicht notwendigerweise einem klaren Muster folgend, aber immer die Angst und den Schmerz der Traumatisierung aufzeigend.

Da gibt es den Vater Karl, der im Krieg war und diesen in den Jahrzehnten danach mit seiner Familie nachinszeniert: bei den kleinsten Anlässen muss in den feuchten, dunklen Keller geflüchtet werden, um sich vor einer vermeintlichen Gefahr zu schützen, zu einer Zeit, in der längst Frieden herrscht. Doch er ist nicht der einzige: Tochter Olivia wird im Turnunterricht regelrecht gedrillt und muss sich dort paramilitärischen Übungen unterziehen, die erst nach Elternprotesten etwas abgemildert werden. Ob und was der Mutter Rita, die "den Krieg am Land zu Hause sitzend abwarten konnte" während dieser Zeit passiert ist, darüber wird nicht gesprochen. Jedenfalls macht sie bereitwillig mit, wenn ihr Mann Karl mit der ganzen Familie seine Kellerübungen abzieht, und beginnt erst spät, diese vor den Töchtern zu hinterfragen.

Eine der Folgen all dieser Störungen in der Familie: die erwachsene Tochter Rita wird psychotisch, hört Stimmen und muss immer wieder in die geschlossene Psychiatrie eingeliefert werden, während ihre Schwester es zumindest an der Oberfläche schafft, ein normal wirkendes, angepasstes Leben zu führen.

Es ist ein relativ kurzes Buch, das aber aufgrund der nicht-chronologischen Erzählweise nicht ganz einfach zu erschließen ist und durchaus seine Zeit braucht. Die Autorin findet viele bemerkenswerte und eindringliche Sprachbilder, die die beklemmende Atmosphäre des Aufwachsens mit einem kriegstraumatisierten Vater sehr spürbar machen, hier ein paar Beispiele:

"Karl lehnte sich immer nur irgendwo an und rief nach Rita. Wenn es nichts zum Anlehnen gab, griff er nach seinen Hosenträgern wie nach einem schweren Rucksack." (S. 23)

"Ich konnte schon morgens spüren, wie der Tag werden würde, an der Art, wie Karl in die Küche kam." (S. 33)

"Ich bin jetzt erwachsen. Ich wasche meine Kleidung selbst und regele meine Arzttermine. Meine Pullis habe ich dieses Frühjahr gespendet. Es war so kalt. Sogar den Mantel habe ich abgegeben, dabei steht der wirklich niemandem. Ich konnte nicht ertragen, dass so viele da draußen frieren." (S.47)

"Du kannst meistens hören, ob du sicher bist", hatte Karl mir bei einem der seltenen Waldspaziergänge erklärt. "Lausche einfach ganz genau, sei geduldig, atme ruhig, und wenn du die Geräusche nicht kennst, warte ab." (S. 58)

"Trotzdem gibt es Dinge, die habe ich ihm nicht erzählt. Dass man einen Keller braucht. Dass es nicht falsch ist, eine gepackte Tasche im Schrank zu haben, mit Büchern und Batterien. Dass es mit Kind schwieriger wird, sich zu verstecken." (S. 91)

"Sie wusste, für Karl war Sicherheit entweder vier geschlossene Wände unter der Erde oder ein komplett freier Himmel über dem Land." (S. 155)

Mich hat das Buch sehr berührt und mich an vielen Stellen daran erinnert, auf wie viele Weisen auch mein Familiensystem nach wie vor von den Kriegstraumata der Vorgenerationen berührt wird, dabei bin ich, wie die Autorin dieses Buches, in den 1980er Jahren geboren. Kurz thematisiert das Buch auch sehr aktuelle Themen wie den momentanen Krieg in der Ukraine, und wie durch diesen alte Traumata wieder hochkommen können.

Es ist insgesamt ein sehr wichtiges Buch, das ich einer breiten Leserschaft empfehlen kann, sofern man im eigenen Leben gerade auch psychisch und emotional genug Raum findet, sich auf dieses schwere Thema einzulassen.

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