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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.10.2025

Kampf um Frauenrechte im Sport

Aufgeben können die anderen
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In "Aufgeben können die anderen" begleiten wir die leidenschaftliche Sportlerin Alice in ihrem Kampf Sport allgemein für Frauen zugänglicher zu machen und vor allem die Olympischen Spiele in allen Disziplinen ...

In "Aufgeben können die anderen" begleiten wir die leidenschaftliche Sportlerin Alice in ihrem Kampf Sport allgemein für Frauen zugänglicher zu machen und vor allem die Olympischen Spiele in allen Disziplinen auch für Frauen zu öffnen.

Obwohl ich mich eigentlich nicht wirklich für Leistungssport generell oder die olympischen Spiele interessiere, hat mir dieser historische Roman trotzdem gut gefallen. Der Schreibstil war sehr angenehm und schnell zu lesen.
Trotz meines Interesses für feministische Themen und die Geschichte der Frauenbewegung, war mir nicht klar wie weit Frauen wirklich eingeschränkt waren in ihren Möglichkeiten sich in der Freizeit zu bewegen und der Roman hat mir einen guten Blick in diese Realität damals gegeben. Generell ist diese Zeit um die Jahrhundertwende sehr spannend, da sich so viel für die Frauen verbessert hat, es aber immense Unterschiede zwischen den Ländern gab, was auch super im Roman dargestellt wird. Ich finde Romane wie diesen immer noch sehr wichtig, damit auch besonders jungen Frauen wie mir gezeigt wird, dass so ziemlich alle Rechte, die wir haben, sehr bitter erkämpft wurden von damals als "radikal" gesehenen Feministinnen. Selbst so einfache Dinge wie Hosen tragen, Mitglied eines Sportvereins zu sein oder durch den Park joggen zu dürfen. All dies ist nicht selbstverständlich, weshalb es auch heute extrem wichtig ist sich weiter für Gleichberechtigung aller Menschen einzusetzen und die schon erkämpften Rechte zu schützen.
Mir hat nur teilweise ein bisschen emotionale Tiefe gefehlt und Alice war als Charakter ein bisschen unrealistisch, weil sie kaum Fehler und Schwächen hat.

Alles in allem kann ich das Buch aber allen empfehlen, die Lust auf einen leichten, historischen Roman über den Kampf für die Gleichberechtigung im Sport haben.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Spannende Generationengeschichte

Die Verlorene
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"Die Verlorene" beginnt im Jahr 2019, wo Laura nach dem Tod ihrer Großmutter Änne, die zu den Vertriebenen aus Schlesien gehörte, einige Sachen findet, die sie dazu bringen, Nachforschungen der Familiengeschichte ...

"Die Verlorene" beginnt im Jahr 2019, wo Laura nach dem Tod ihrer Großmutter Änne, die zu den Vertriebenen aus Schlesien gehörte, einige Sachen findet, die sie dazu bringen, Nachforschungen der Familiengeschichte anzustellen und dafür sogar selbst in die ehemalige Heimat ihrer Großmutter zu fahren. Da ihre Großmutter nie davon erzählen wollte, möchte sie wissen, was damals passiert ist. Es wird immer gewechselt zwischen dem Handlungsstrang 2019, wo Laura mehr und mehr über die Vergangenheit ihrer Großmutter herausfindet und zwischen der Geschichte ihrer Großmutter und deren Familie 1943-1946 auf ihrem Gutshof in Schlesien.

Obwohl der Roman 500 Seiten hat, war er tatsächlich die ganze Zeit über spannend und durch den angenehmen Schreibstil sehr schnell zu lesen. Beide Handlungsstränge waren interessant und gut geschrieben. Ich wusste vorher tatsächlich nicht so viel über die Geschichte der Ostgebiete des Deutschen Reiches, sodass ich beim Lesen auch einiges gelernt habe, obwohl ich schon viele Romane, die in dieser Zeit spielen, gelesen habe. Die Geschichte hat zwar aufgrund des Themas viele traurige und tragische Momente, ist aber durch die Erzählweise distanziert genug, sodass es trotzdem emotional erträglich ist und gleichzeitig werden die furchtbaren Sachen angemessen behandelt und aufgearbeitet. Das hat mir wirklich gut gefallen.
Teilweise finde ich aber einige Wendungen der Geschichte ein bisschen vorhersehbar bzw. klischeehaft und nicht wirklich glaubwürdig, was schade ist, da das Buch auch ohne diese Wendungen spannend und wirkungsvoll/ dramatisch genug wäre. Das ist aber mein einziger Kritikpunkt und ich werde auf jeden Fall nach weiteren Romanen der Autorin Ausschau halten.

Für Fans von historischen Romanen ist "Die Verlorene" auf jeden Fall absolut zu empfehlen!

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Allgemeinwohl vs. Individuelle Freiheit

Die Spur der Vertrauten
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"Die Spur der Vertrauten" ist ein dystopischer Roman über eine sehr strikte und hierarchische Welt, in der jeder mit einem bestimmten Instinkt geboren wird und das Allgemeinwohl, bzw. Das Wir, über allem ...

"Die Spur der Vertrauten" ist ein dystopischer Roman über eine sehr strikte und hierarchische Welt, in der jeder mit einem bestimmten Instinkt geboren wird und das Allgemeinwohl, bzw. Das Wir, über allem steht. Auf einmal verschwinden immer mehr Schüler ohne Spur und die Protagonisten Claire und Goliath machen sich auf die Suche nach ihnen, wobei sie auf ein noch viel größeres Geheimnis stoßen.

Ein sehr interessanter Roman! Das Worldbuilding hat mir sehr gut gefallen und die Welt ist generell sehr originell und komplex. Die Hauptcharaktere gehen durch eine spannende Charakterentwicklung im Laufe des Buches, besonders Goliath. Das Gesellschaftskonzept des Romans wirft viele interessante philosophische Fragen auf dazu wie Gesellschaft funktioniert, zu dem Verhältnis von Allgemeinwohl und individueller Freiheit sowie von Instinkt und freier Wille. Die ganze Geschichte regt sehr zum Nachdenken an.
Die Handlung generell ist originell, besonders für ein Jugendbuch, und hat mich tatsächlich an vielen Stellen überrascht.

Am Anfang muss man sich erst einmal in die Geschichte und die Welt hineinfinden und durch die vielen Begriffe ist es zu Beginn ein bisschen verwirrend, doch dann wird es schnell spannend.
Leider muss ich sagen, dass mir der erste Teil des Buches sehr viel besser gefallen hat, da es viel spannender und verständlicher war. Dann nimmt das Buch eine unerwartete Wendung und danach hat es ein bisschen nachgelassen und wurde langatmiger, besonders das letzte Drittel des Buches. Das Ende hat leider ein paar Fragen offen gelassen und war ein bisschen verwirrend und nicht so ganz überzeugend für mich. Insofern finde ich, dass das Potenzial der Geschichte nicht ganz ausgeschöpft wurde, denn die Idee ist super.

Ich würde das Buch trotzdem allen empfehlen, die Lust auf eine originelle dystopische Welt haben, die zum Nachdenken anregt und die ein bisschen Geduld mitbringen, um der Handlung zu folgen.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Beeindruckendes Debüt über Politik, Macht und Solidarität unter Frauen

Die Frau der Stunde
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In "Die Frau der Stunde" begleiten wir die fiktive Spitzenpolitikerin Catherina im Bonn der 70-er Jahre, die relativ plötzlich die erste Außenministerin wird. Es geht um Misogynie, patriarchale Strukturen, ...

In "Die Frau der Stunde" begleiten wir die fiktive Spitzenpolitikerin Catherina im Bonn der 70-er Jahre, die relativ plötzlich die erste Außenministerin wird. Es geht um Misogynie, patriarchale Strukturen, politische Machtspielchen, Einfluss der Medien, internationale Konflikte und starke Frauen.

Der Autorin ist es gelungen einen interessanten und unterhaltsamen Roman zu schreiben, bei dem ich persönlich, als jemand der diese Zeit nicht miterlebt hat, auch einiges gelernt habe. Der Schreibstil ist leicht zu lesen und überzeugt besonders mit Beschreibungen und Details, die einen in die Zeit zurückversetzen.
Besonders gut hat mir gefallen, wie die Solidarität unter Frauen im ganzen Roman im Mittelpunkt steht. Nicht nur zwischen den drei Freundinnen Catherina, Azadeh und Suzanne, sondern auch zwischen Mutter und Tochter, zwischen Kolleginnen, zwischen politischen Rivalinnen, zwischen Vorgesetzen und ihren Angestellten sowie zwischen internationalen Frauen. Es ist wirklich das zentrale Thema des Romans und sehr gut umgesetzt, denn wir sehen viele unterschiedliche und komplexe Frauencharaktere sowie ihre komplexen Beziehungen untereinander. Besonders der letzte Teil über die Revolution im Iran hat mich sehr bewegt.
Es ist ein Porträt einer sehr spannenden Zeit, in der es viel Fortschritt und Veränderung gab, aber auch viel Widerstand dagegen.
Ich habe mit Überraschung festgestellt, dass tatsächlich Anna-Lena Baerbock 2021 unsere allererste Außenministerin wurde, was mir noch einmal mehr nach der Lektüre zu denken gegeben hat.

Ich würde das Buch jedem empfehlen, der ein Interesse an Geschichte und Politik hat und sich besonders mit der Frauenrolle in dieser Zeit beschäftigen möchte. Ohne ein Interesse an Politik könnte das Buch allerdings vielleicht ein bisschen trocken sein.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Glaube, Identität und Selbstverwirklichung

Monstergott
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In "Monstergott" geht es um die Geschwister Esther und Ben, die in einer strengen, konservativen Freikirche aufgewachsen sind und als junge Erwachsene nun aus unterschiedlichen Gründen mit den Regeln ...

In "Monstergott" geht es um die Geschwister Esther und Ben, die in einer strengen, konservativen Freikirche aufgewachsen sind und als junge Erwachsene nun aus unterschiedlichen Gründen mit den Regeln dieser Gemeinschaft ringen.
Esther hat vor allem Probleme mit dem sehr traditionellen Rollenbild der Frau in der Gemeinde und hätte gerne eine leitende Position. Ben währenddessen leidet unter einem Geheimnis, das er nicht einmal seiner Schwester anvertrauen kann, obwohl er ihr sehr nahesteht. Er versucht krampfhaft alles in seinem Leben nach Gottes Willen zu richten, aber kämpft mit Gefühlen, Bedürfnissen und seiner Sexualität, die seiner Meinung nach nicht mit seinem Glauben vereinbar sind.

Ein sehr interessantes und kritisches Buch über ein komplexes Thema, welches nicht Religion oder den Glauben an sich kritisiert, sondern die teilweise wirklich gefährlichen, extremen und sektenartigen Gemeinden, die es ja von jeder Religion und Glaubensrichtung gibt. Die Autorin schafft es die Komplexität dieses Themas wunderbar aufzuarbeiten. Sie zeigt wunderbar die schönen Seiten dieser Art von Gemeinden, so wie die enge Gemeinschaft, die Verbundenheit, die Jugendarbeit etc., die natürlich ihren Reiz für viele Leute haben. Gleichzeitig zeigt sie die Schattenseiten dieses dogmatischen Glaubens, wie die strengen und altmodischen Regeln und Rollenbilder und dass man sofort ausgestoßen werden kann, wenn man sich nicht in diesem Sinne verhält. Besonders gut wird die Scheinheiligkeit und Doppelmoral aufgezeigt.

Als jemand, der noch nie viel mit solchen Freikirchen zu tun hatte, hat mir dieses Buch sehr viele Sachen verständlich gemacht und in mir viel Empathie und Mitgefühl für Leute, die in so einer Gemeinschaft aufwachsen, erweckt. Außerdem sehr viel Respekt für den Mut und die Kraft aus solchen Gemeinschaften auszubrechen. Obwohl ich anders als die beiden aufgewachsen bin, konnte ich mich durch den Schreibstil und die Charakterisierung gut in Esther und Ben hineinversetzen.
Generell haben mir die Charaktere sehr gut gefallen, denn es gibt eigentlich niemand, der wirklich "böse" ist, sondern alle versuchen nur, ihren Glauben auszuleben, so wie sie es für richtig halten. Somit ist das Buch sehr realistisch und gibt die Komplexität des Themas wieder.

Dieser Roman hat mich sehr berührt und zum Nachdenken gebracht. Ich denke es ist eine sehr gute Auseinandersetzung mit dem Thema Glaube und Glaubensgemeinschaft und ich würde es sowohl Atheisten, als auch gläubigen Christen empfehlen. Es behandelt allerdings auch sehr schwere Themen und ist keine leichte Kost.

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