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lili_an

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.10.2025

Menschlichkeit im Bürgerkrieg

Der brennende Garten
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Auf eine ganz eigene, einfühlsame Weise, nimmt uns V. V. Ganeshananthan mit in die Zeit des Bürgerkriegs auf Sri Lanka.

Doch es geht nicht "nur einfach" um den Bürgerkrieg, wie er entstand und wie er ...

Auf eine ganz eigene, einfühlsame Weise, nimmt uns V. V. Ganeshananthan mit in die Zeit des Bürgerkriegs auf Sri Lanka.

Doch es geht nicht "nur einfach" um den Bürgerkrieg, wie er entstand und wie er ablief. Wir begleiten die Protagonistin Sashi ab ihrer Jugend durch ihr Leben. Wir lernen ihren Alltag und den ihrer Familie vor den Konflikten kennen, sehen durch ihre Augen wie sich die Lage der tamilischen Bevölkerung zuspitzt, wie alles außer Kontrolle gerät - und zwar nicht unbedingt aus politischer Sicht, sondern ganz praktisch von und für die Menschen. Durch Sashis Brüder, Freunde, Schul- und später Universitäts-Freunde, Professoren und Kollegen sehen wir aber noch so viel mehr Perspektiven als die einer jungen Hernwachsenden.
Ich bin beeindruckt, wie natürlich sich die vielen Sichtweisen und Erfahrungen der Charactere in diesem Buch zusammenfügen. Über Brüder, die sich dem Kampf gegen die politische Unterdrückung voll und ganz verschreiben, Familienmitglieder, die einfach nur überleben wollen und Rebellen, die weder die Gräueltaten der Regierung noch der Tamil Tigers dulden können lernen wir die vielen Facetten dieses Kriegs kennen.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen! Die Handlung über den Bürgerkrieg ist sowohl interessant als auch lehrreich. Die vielen verschiedenen Charactere sind sehr gut ausgearbeitet und zeigen den Krieg in all seinen Facetten. Wir sehen nicht nur die Brutalität und das Leid des Krieges, sondern auch die Paranoia in der Bevölkerung aber auch die Stärke, die Freundschaft und Familie mit sich bringt und wie dadurch Hoffnung die Kraft zum Widerstand liefert.

[Ich durfte ein Vorabexemplar dieses Buches [ARC] über vorablesen.de lesen – unbezahlt und im Gegenzug für diese ehrliche Rezension.]


Lieblingszitate:

Ein Krieg wird nicht an einem Tag begonnen. Der Konflikt baut sich allmählich auf, wie Aasvögel, die sich um ein schwaches Tier versammeln, bis es so viele sind, dass
man vor lauter Geiern das Aas nicht mehr sieht. In der wachsenden Menge derer, die dich töten würden, siehst du dich irgendwann selbst nicht mehr.

Ich wollte die Geschichte nicht hören. Ich wollte eine simplere Geschichte, eine, in der wir alle gut waren.

Meine Mutter hätte argumentiert, dass Rituale ein Weg seien, mit der Trauer umzugehen. Ich weiß nur, dass wir mit oder ohne Rituale die Zeit markieren, dass wir lernen, dass die Zeit weitergeht, auch wenn wir sie am liebsten anhalten würden.

Niranjan hatte mich immer ermahnt, mir selbst ein Bild von der Welt zu machen. Und ich wollte mehr, als die Welt nur zu sehen – ich wollte etwas tun.

Wir dachten, die Regierung wäre unser Gegner und das ist sie auch. Aber das hier sind unsere eigenen Leute. Sie wissen, wo wir wohnen und was wir machen; sie sind in unseren Tempeln und unseren Schulen. Sie beobachten uns. Bald wird je-
mand wissen, was ich zu meinen Brüdern gesagt habe, in unseren eigenen vier Wänden. Wahrscheinlich sind es meine Brüder, die mich verraten. Vielleicht sind es meine Brüder, die sie schicken, um mich zu töten, oder schlimmer, um mich mitzunehmen.

Sie hatte Angst, genau wie du. Sie war enttäuscht, verunsichert. Und dann hat sie sich vorgenommen, beim nächsten Versuch nicht die Prüfer, sondern ihre Angst zu besiegen.

Obwohl ich zu denen gehörte, die für die Tigers arbeiteten, hatte ich Angst vor ihnen. Wir wurden überall beobachtet, und schlimmer noch, sie brachten uns bei, uns gegenseitig zu beobachten.

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Veröffentlicht am 21.05.2024

Gebäck, Bücher und Freundschaft

Bücher und Barbaren
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Wer Legends and Lattes kennt, weiß schon dass es sich auch in diesem Prequel um einen richtig gemütlichen wohlfühl Fantasy-Roman mit Spannungsbogen handelt.

Kaum hat Viv es endlich in ihre Kampftruppe ...

Wer Legends and Lattes kennt, weiß schon dass es sich auch in diesem Prequel um einen richtig gemütlichen wohlfühl Fantasy-Roman mit Spannungsbogen handelt.

Kaum hat Viv es endlich in ihre Kampftruppe geschafft, wird sie verwundet und muss in einem Provinzdorf ausharren, bis sie wieder Gesund ist und ihr Trupp sie auf dem Rückweg einsammeln kann. Während ihre Kollegen einer Nekromantin nachjagen, macht es sich Viv in Murk so gemütlich wie möglich.
Untätigkeit ist nichts für sie und so entschließt sie sich den Buchladen "Disteldorn" mit auf Vordermann zu bringen und entdeckt dabei nicht nur ihre Liebe zum Lesen sondern auch zahlreiche tiefe Freundschaften - ihre "found family". Wie es das Schicksal so will ist aber natürlich nicht so einfach und die Dorfidylle wird von der umtriebigen Nekromantin in Mitleidenschaft gezogen.

Baldree hat es mal wieder geschafft ein Werk zu entwerfen, dass sich so cozy gemütlich wie die heimatliche Couch anfühlt und dabei so spannend ist, dass man es nicht weglegen möchte.
In dieser Vorgeschichte zu Legends and Lattes stehen eher die "Nebencharaktere" im Vordergrund und Viv als "Hauptcharakter" der Geschichte dient eher als Augen und Ohren des Lesers. Das hat mir gut gefallen, da man so sowhwohl Vivs Vorgeschichte kennenlernt und die Geschichte gleichzeitig vielfäliger und lebendiger wird.
Ich weiß nicht was ich sagen soll, außer: absolute Lese-Empfehlung für alle auf der Suche nach comfy-cozy Fanatsy die sich sowohl für junge als auch erwachsene Leser eignet.

Lieblingszitate:
Es fühlte sich an, als würde sie klein beigeben, wenn sie auch nur in Erwägung zog, das Buch zu lesen. Als würde sie das verweichlichen. Schwach machen, ihren Kampfgeist lähmen. Jemand der lieber faulenzte und studierte, statt in die Schlacht zu ziehen und zu siegen. Viv schlug die erste Seite auf.

„Vielleicht ist das also das Problem? […] Ich meine … die Dinge immer weiter auf dieselbe Weise zu tun. […] Wenn du etwas ändern könntest, was wäre das?“
„Sehr viel. […] Ich bin so mit den großen Problemen beschäftigt, dass ich gar nicht an die kleinen Dinge denke.“

Eigentlich sollte das alles immer ziemlich offensichtlich sein, aber die Charaktere in den Büchern irren sich ständig. Zum Teufel, die Autoren irren sich. Vielleicht steht das in der Geschichte, die die geschriebenen Worte erzählen, aber wenn du über das Ende hinaus lesen könntest? Die Worte lesen könntest, die nicht geschrieben wurden? Vielleicht endet es dann ganz anders.

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Veröffentlicht am 24.04.2024

"der Schwarm" trifft "Ich und die Menschen"

Die Stimme der Kraken
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4.5/5 Sterne

Der Mensch hat das Ökosystem an den Rand gedrängt. Auf einer Insel in Vietnam wurden jedoch Anzeichen dafür entdeckt, dass eine Krakenart sowohl Intelligenz als auch eine Kultur entwickelt ...

4.5/5 Sterne

Der Mensch hat das Ökosystem an den Rand gedrängt. Auf einer Insel in Vietnam wurden jedoch Anzeichen dafür entdeckt, dass eine Krakenart sowohl Intelligenz als auch eine Kultur entwickelt hat. Wissenschaftler versuchen, den Kontakt zu ihnen herzustellen und sie vor der menschlichen Gier zu schützen.
Alles in allem ist dies ein erstaunlicher Roman über menschliche Werte und was es bedeutet, ein Mensch zu sein.
Dies ist wie eine schnellere, schlankere Version von Der Schwarm (Schätzing), vermischt mit Ich und die Menschen (Haig) - beides absolute Meisterwerke, die ich nur empfehlen kann.
Die Stimme der Kraken verbindet den Öko-Thriller Aspekt und die Unterwasserwelt von "Der Schwarm" mit der Erforschung der menschlichen Werte und der Ethik von "Ich und die Menschen". Das ist sehr gut gelungen. Es ist eine schnelle, leichte, unterhaltsame und berührende Lektüre. Außerdem regt es zum Nachdenken darüber an, welche Prioritäten man im eigenen Leben setzen sollte.
Außerdem: Dieses Buch ist einfach SO schön.

Trigger-Warnungen:
Entführung, Versklavung, Zwangsprostitution, Menschenhandel, Mord, Brutalität, Selbstverletzungen, (ÖkTerrorismus, Erwähnung von Krieg

Lieblingszitate:
Sinn ist keine neuronale Berechnung im Gehirn, keine sorgfältig aufgetragenen Tintenkleckse auf einem Blatt Papier und auch keine dunklen und hellen Bereiche auf einem Bildschirm. Sinn hat keine Masse und keine Ladung. Er nimmt keinen Raum ein- und trotzdem kann ein Sinngehalt zu globalen Veränderungen führen.

Trotz allem, was wir dem Meer angetan haben, trotz allem, was wir dieser Welt angetan haben, bahnt sich das Leben seinen Weg.

Was tun wir Menschen denn überhaupt, das diesem Lebewesen kein Gefühl der Bedrohung vermittelt? Und die Antwort ist – so gut wie nichts. […] Seine Erfahrung mit den Menschen ist geprägt von Gewalt und Bedrohung. […] Wir sind ihre Nemesis. Wir sind der Feind.

Ich wollte die Freiheit haben, die Welt durch andere Augen zu sehen. Augen, die irgendwo anders waren. Überall. Ich wollte mich aus dem Gefängnis des Fleisches befreien, aus diesem geschlossenen Nervensystem, in dem ich gefangen war.

Ich habe mich auf die Unterschiede zwischen uns konzentriert. Dabei habe ich vergessen, wie viele Gemeinsamkeiten wir haben.

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Veröffentlicht am 05.09.2023

Liebe& Hoffnung versus Unterdrückung

Morgen und für immer
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Liebe und Hoffnung gegen Regime und Unterdrückung.

Kajan nimmt uns mit auf eine Reise aus dem Albanien der 1940er Jahre, über Ost- und Westberlin, Amerika und schließlich wieder in seine Heimat. Er und ...

Liebe und Hoffnung gegen Regime und Unterdrückung.

Kajan nimmt uns mit auf eine Reise aus dem Albanien der 1940er Jahre, über Ost- und Westberlin, Amerika und schließlich wieder in seine Heimat. Er und seine Familie haben viel unter dem Krieg und fast noch mehr unter der folgenden politischen Unterdrückung der Sowjets zu leiden. Schließlich muss Kajan mit nichts als seiner Musik im Herzen in die westliche Welt fliehen und alles und jeden zurück lassen. Doch auch dann noch bleibt ihm die Hoffnung auf Glück und Freiheit erhalten. Und so bringt Kajan mit seinem Klavier ein bisschen Licht in den dunklen Alltag... Morgen und für immer.

Liebevoll erzählt Ermal Meta aus den Leben seiner Charaktere, die so von Unterdrückung gepägt sind, und doch definiert sie die Liebe und Zuversicht.

Trotz des doch eher düsteren, sehr politischen Themas gelingt es Meta der Erzählung durch die Charactere eine große empathische Tiefe mit einem liebe- und hoffnungsvollen O-Ton zu verleihen.
Wie bei einem Brombeerstrauch - die Geschichte hat ebensoviele Dornen wie süße Früchte. Am Ende trägt man den ein oder anderen emotionalen Kratzer davon, aber der süße Nachgeschmack ist es allemal Wert!

Lieblingszitate:
"Der Krieg entsteht zuerst in einigen wenigen Köpfen, dann in vielen Köpfen, von den Köpfen wandert er in die Hände und Beine und von dort in die Augen. Und dort, in den Augen, bleibt er, auch nachdem er vorbei ist. Halte dich vom Krieg fern, Kajan, sieh nie hin, der Krieg ist furchtbar."

"Wer schubst, denkt, er brächte einen zu Fall, doch er weiß nicht, dass es manchmal genau dieser Anstoß ist, der einen fliegen lässt."

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Wolf im Schafspelz

Minnesota
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Von Jo Nesbø kennt man ja schon einige Werke und auch mit Minnesota enttäucht er uns nicht.
Im Wechselspiel zwischen mehreren Characteren werden wir mitgenommen in eine Geschichte aus grausigen Morden. ...

Von Jo Nesbø kennt man ja schon einige Werke und auch mit Minnesota enttäucht er uns nicht.
Im Wechselspiel zwischen mehreren Characteren werden wir mitgenommen in eine Geschichte aus grausigen Morden. Allerdings liegt der Mordserie eine ethische Agenda zugrunde die einen schon zum Nachdenken bringt.
Hauptsächlich durch die Augen des geknickten "Anti-Hero" Ermittlers Bob Oz erleben wir den Fall mit. Aber nicht nur Bob hat eine Vergangenheit und persönliche Geschichte, sondern auch der Täter.
Ich finde es beeindruckend, wie Nesbø gleichzeitig eine spannende Mordserie verfolgt aber auch beiden Seiten der Ermittlung persönlichen Tiefgang und eine Character-Entwicklung zukommen lässt.
Mir persönlich waren die Verstrickungen zwischen Ermittler und Serienmörder eine Spur zu dick. Leider hat zwischendurch auch mein Audioplayer auf shuffle geschaltet und mir dadurch einen dicken Spoiler verpasst, der mir viel von der Spannung genommen hat.

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