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Veröffentlicht am 20.10.2025

✎ Claudia Martin - Wie kommt der Popel in die Nase?

Wie kommt der Popel in die Nase?
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Kindersachbücher sind ein heikles Terrain, wenn man sein Kind dort abholen möchte, wo es gerade steht, und ihm zugleich ein bisschen mehr zutrauen möchte, ohne es zu überfordern. „Wie kommt der Popel in ...

Kindersachbücher sind ein heikles Terrain, wenn man sein Kind dort abholen möchte, wo es gerade steht, und ihm zugleich ein bisschen mehr zutrauen möchte, ohne es zu überfordern. „Wie kommt der Popel in die Nase? Das passiert in deinem Körper“ von Claudia Martin schmiegt sich solide an diese Idee: Es ist gut strukturiert und aufgebaut und liefert faktenreiche Einblicke in den menschlichen Körper.

Man erfährt zum Beispiel, was im Alltag im Körper läuft, was sich im Lauf der Jahre verändert und wie etwa Zellen funktionieren oder welcher der größte Knochen ist. Auch Sinne, Gefühle und Schutzfunktionen werden berücksichtigt. Das Buch zielt auf breites Körperwissen, welches sich lebendig und zugänglich entfaltet.

Jede Doppelseite widmet sich einem Thema, was den Einstieg erleichtert und das Lesen überschaubar macht. Die Illustrationen sind bemerkenswert: divers, realitätsnah, detailliert – verschiedene Lebensrealitäten werden abgebildet und das macht das Werk aus meiner Sicht kindgerecht und hochwertig.

Im Glossar werden Fachbegriffe erklärt, was ich als großen Vorteil sehe, denn damit entsteht ein Nachschlagewerkcharakter. Ich hätte mir vielleicht noch Seitenzahlen gewünscht, damit Kinder schneller nachlesen können.

Der Titel selbst ist sehr reißerisch und spricht sowohl Kinder als auch Erwachsene an. „Wie kommt der Popel in die Nase?“ weckt Aufmerksamkeit, wird im Endeffekt jedoch mit keinem Wort beantwortet. Zwar kommt auf Seite 41 kurz zur Sprache, woher der Rotz kommt, aber ein wirkliches, ausführliches Eintauchen in das Thema Popel, wie man es vom Titel erwarten könnte, findet nicht statt.

Insgesamt eignet sich das Buch - wie vom Verlag vorgesehen - gut als Einstieg für wissbegierige Kinder ab etwa fünf Jahren: kurze Texte, große Bildflächen, klarer Themenfokus.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 08.10.2025

✎ Amia von Arenberg und Malte Zierden - Malte & Oßkar 2 und der Lauf der Dinge

Malte & Oßkar und der Lauf der Dinge
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Letzte Woche mussten wir einen guten Freund zu Grabe tragen. In solch einer Phase greift man nach Büchern, die den Lauf der Dinge in Worte fassen - und genau da erschien mir dieses Werk gerade richtig. ...

Letzte Woche mussten wir einen guten Freund zu Grabe tragen. In solch einer Phase greift man nach Büchern, die den Lauf der Dinge in Worte fassen - und genau da erschien mir dieses Werk gerade richtig. Es geht um Trauer, Verlust, Verlustangst, Trost, Erinnerungen und den Mut, aktiv um Hilfe zu bitten. Alles wichtige Themen - zu viele auf einmal vielleicht, zumindest für mein Empfinden.

Das Buch spricht so viele Aspekte an, dass man leicht überfordert sein kann. Für mich waren es zu viele Impulse zugleich, sodass nicht alle gleich stark bei mir ankamen. Trotz meiner Offenheit für solche Inhalte konnte ich mich nicht mit jedem Abschnitt hundertprozentig verbunden fühlen.

Visuell hat mich die Farbgebung meist beeindruckt. Viele Illustrationen nutzen schöne Farbkontraste und reichlich Details laden zum Verweilen ein. Doch mitunter dominieren sehr dunkle Töne. Insbesondere abends fällt es dann schwer, alles klar zu erkennen.

Was ich besonders gelungen fand, ist die Betonung von Individualität: wie Phias Kleidung, Maltes Hobbys oder die Darstellung der Krankheit eines Tieres gezeigt werden. Solche Details sind nicht ausgeführt als zentrale Themen, aber sie sind sichtbar und geben Tiefe. Das macht das Buch auch nahbar, nicht nur weil die großen Themen behandelt werden, sondern weil Leben mit all seinen Eigenheiten sichtbar wird.

Ich weiß nicht, ob mein kürzlicher Verlust mich besonders empfänglich gemacht hat - wahrscheinlich schon. Trotzdem hat mich dieses Buch nicht in jedem Augenblick vollständig abgeholt. Es spendet jedoch Trost und das in einer Weise, die sich echt und authentisch anfühlt. Es erlaubt Trauer, zeigt, dass sie sein darf und dass Erinnerungen wichtig sind. Ich fand vieles inspirierend: die Art, wie Verlusthaftes benannt wird, ohne zu dramatisieren und wie Trost sich leise einschleicht.

Wenn ich reflektiere, was dieses Buch für mich leistet, kann ich ganz klar sagen, dass es ein Begleiter in einer schwierigen Zeit ist. Es bietet Gedanken, Bilder, Gefühle, Zugang zum Nachfühlen. Nicht zum schnellen Verstehen, aber manchmal ist das genau das, was man braucht.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 29.09.2025

✎ Christine Schlitt - Little hearts, Big feelings: Mein Gefühle-Journal

Little Hearts - Big Feelings - Mein Gefühle-Journal
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Ich habe ein Kind, das nicht gern über Gefühle redet - weder über die erfreulichen noch über die schwereren. Als ich auf „Little Hearts, Big Feelings: Mein Gefühle-Journal“ gestoßen bin, dachte ich sofort ...

Ich habe ein Kind, das nicht gern über Gefühle redet - weder über die erfreulichen noch über die schwereren. Als ich auf „Little Hearts, Big Feelings: Mein Gefühle-Journal“ gestoßen bin, dachte ich sofort an sie und hoffte, dieses Büchlein könne ihr helfen, sich selbst besser kennenzulernen und vor allem anzunehmen.

Das Äußere und die Gestaltung haben uns von Anfang an angesprochen. Zu Beginn werden sechs Gefühle eingeführt - Freude, Liebe, Wut, Angst, Kummer und Überraschung - und jeweils sehr liebevoll auf vier Doppelseiten dargestellt. Von diesen vier Seiten sind bei drei bereits Schreibimpulse eingebaut, sodass mein Kind direkt mitgestalten kann. Jedes Gefühl ist farblich gekennzeichnet und die Auswahl der Farben passt gut zu ihr - wobei ich mir vorstellen kann, dass andere Kinder vielleicht andere Farbtöne bevorzugen würden.

Im Journal gibt es einen „Gefühlscheck“, der das Kind über 25 Wochen begleitet - plus einen Monatsrückblick nach jeweils vier Wochen. So ist das Ganze als sechsmonatige Begleitung der Gefühlswelt angelegt. Das Konzept sieht vor, dass man das Buch am Ende jeder Woche zur Hand nimmt und die Erfahrungen einträgt. Wir haben stattdessen vereinbart: Mein Kind nutzt das Journal immer dann, wenn sie es braucht. War etwas Besonderes dabei oder war sie auf etwas wütend? Dann schreibt sie es sofort nieder. Denn oft treten Dinge im Alltag in den Hintergrund und am Ende der Woche erinnert man sich womöglich nicht mehr an alles.

Der beigefügte Zauberstift, dessen Tinte sich nach einiger Zeit quasi „auflöst“, hat ihr besonders gefallen. Leider haben wir keinen Ersatzstift gefunden - das wäre sicher eine sinnvolle Ergänzung.
Ich als Mama bin zwiegespalten, was den Zauberstift betrifft. Wenn man alle Gefühle mit einem normalen Stift aufschreibt, hätte man zu einem späteren Zeitpunkt immer einen Gesprächsanlass. Man könnte schauen: In welchen Situationen treten bestimmte Gefühle auf? Wie haben sich die Gefühle verändert? Wie bin ich mit ihnen umgegangen? Was habe ich gelernt?

Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich leider auch.
Der Platz für das Niederschreiben eines „blöden Gefühls“ ist ziemlich klein - oft kleiner als die erläuternde Anleitung dazu. Auch wenn das Layout insgesamt sehr ansprechend und abwechslungsreich ist, reicht der Raum zum Eintragen manchmal nicht aus.
Auf Seite 29 heißt es, Wut trinke gern „extrastarke Energie-Limo.“ Das finde ich problematisch für ein Buch ab etwa acht Jahren, denn ein Kind könnte das wörtlich nehmen und es als Getränketipp verstehen.
Und auf Seite 43 wird ein Verweis auf Harry Potter gemacht. Idealerweise kennen Kinder in diesem Alter die Bücher / Filme noch nicht, da sie erst ab etwa zehn Jahren empfohlen werden.

Mir als Mama hat das Buch auf den ersten Blick gefallen. Ob es meiner Tochter tatsächlich hilft, wird sich mit der Zeit zeigen. Aber genau das finde ich so schön: Es gibt Raum für das Experimentieren mit Gefühlen, ohne Druck. In dieser Lebensphase kann das ein ganz wertvoller Begleiter sein - zum Stillwerden, Nachdenken und Stück für Stück ins Gespräch kommen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 19.09.2025

✎ Peter Härtling - Oma

Oma
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Von Peter Härtling kenne ich einige Titel, aber gelesen hatte ich bisher nur „Ben liebt Anna“ & „Das war der Hirbel“. Ein paar seiner Bücher stehen noch ungelesen im Regal und diesmal war „Oma“ an der ...

Von Peter Härtling kenne ich einige Titel, aber gelesen hatte ich bisher nur „Ben liebt Anna“ & „Das war der Hirbel“. Ein paar seiner Bücher stehen noch ungelesen im Regal und diesmal war „Oma“ an der Reihe.

Beim Aufschlagen habe ich gemerkt, dass meine Ausgabe wohl schon älter ist und als Schullektüre diente: alte Rechtschreibung und einige Stellen waren unterstrichen.

Inhaltlich zeigt Härtling eindrucksvoll, wie eine enge Beziehung zwischen Enkel und Großmutter entstehen kann, obwohl sie aus völlig unterschiedlichen Lebenswelten stammen. Gerade diese Nähe zwischen Kalle und seiner Oma ist etwas, das mich berührte, weil ich mich dabei oft an meine eigene Kindheit und die Zeit mit meiner Uroma und Oma erinnert habe.

Trotzdem bin ich an manchen Stellen ins Stolpern geraten. Vor allem die Art, wie die Oma über Kalles Mutter spricht, konnte ich schwer ertragen. Sie äußert sich sehr abwertend über eine Frau, die nicht nur verstorben, sondern eben auch Kalles Mutter ist. Das wirkt nicht nur geschmacklos, sondern zerstört für mich auch etwas von der Wärme, die die Beziehung zwischen Oma und Enkel eigentlich ausmacht.

Was die Spannung angeht, war das Buch für mich manchmal ein wenig zäh. Es gibt kleine Momente, in denen man neugierig ist, wie es weitergeht, aber insgesamt plätschert die Handlung dahin. Gerade weil das Buch relativ kurz ist, hatte ich erwartet, schneller durchzukommen und doch fiel es mir nicht immer leicht, dranzubleiben. Zu wenig Dynamik, zu viel Alltag.

Auf der anderen Seite gelingt es Härtling sehr gut, ein Stück Zeitgeschichte einzufangen. Der Alltag, die Erziehungsmethoden, die Art, wie Kinder damals groß wurden - all das wirkt authentisch. Gleichzeitig sind diese Themen für heutige Kinder nicht unbedingt leicht zugänglich. Besonders die Erfahrungen mit Tod, Krankheit und strengen Erziehungsstilen können junge Lesende überfordern, wenn niemand da ist, der das Gespräch dazu sucht. Ich halte es daher für wichtig, dass Erwachsene das Buch begleiten und die schwierigen Aspekte mit den Kindern besprechen.

Eine Stelle hat mich besonders beeindruckt: Als Kalle von seinen Mitschülern als Türke beschimpft wird, reagiert die Oma erstaunlich klar und direkt. Sie nimmt ihren Enkel ernst, benennt Vorurteile und hält ihm den Rücken frei. Diese Szene zeigt, wie stark Härtling gesellschaftliche Fragen in eine scheinbar einfache Geschichte einfließen lässt - und gerade das macht das Buch auch heute noch relevant.

Für mich bleibt „Oma“ also ein Buch, das durchaus seine Stärken hat, das berührt und wichtige Themen anspricht, aber nicht ohne Schwächen ist. Als Schullektüre oder im Familienkreis mit begleitenden Gesprächen kann es seinen Wert entfalten. Ob es Kinder von heute noch genauso fesselt wie frühere Generationen, bleibt offen, aber genau das macht die Auseinandersetzung damit vielleicht so spannend.

©2025 Mademoiselle Cake

Zitat:

»Warum hast du ihnen nicht gesagt, daß du ein Türke aus dem Ruhrgebiet bist?
Mein Gott, die Kinder sind schon so dumm wie ihre Eltern.
Die glauben, daß ein Türke ein schlechter Mensch ist, nur weil er ein Türke ist.« (S. 18)

Veröffentlicht am 16.09.2025

✎ Bodil Bredsdorff - Unter Brüdern

Schlagschatten
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„Unter Brüdern“ von Bodil Bredsdorff habe ich zufällig in der Fundkiste unserer Schulbibliothek entdeckt. Es war aussortiert, aber der Klappentext klang so besonders, dass ich es einfach mitnehmen musste. ...

„Unter Brüdern“ von Bodil Bredsdorff habe ich zufällig in der Fundkiste unserer Schulbibliothek entdeckt. Es war aussortiert, aber der Klappentext klang so besonders, dass ich es einfach mitnehmen musste. Ich versprach mir eine emotionale Geschichte.

Der Jugendroman liest sich für Erwachsene recht schnell, und doch bleibt er lange im Kopf. Der Spannungsbogen verläuft recht flach, da die Handlung sich oft von einem Tag zum nächsten bewegt. Wir begleiten zwei Jungen, die zunächst Nachbarn sind und im Laufe der Geschichte zu engen Freunden werden. Ihr Alltag wirkt unscheinbar, und doch ist er geprägt von Armut, Alkoholismus und Gewalt. Dazu kommen Schlaganfall, Eifersucht, Freundschaft und das wachsende Vertrauen zwischen den beiden, das ihnen in schwierigen Momenten Halt gibt. Auch die Nachbarschaft entwickelt sich zu einem wichtigen Netz aus gegenseitiger Hilfe, was dem Roman eine hoffnungsvolle Note verleiht.

Oft empfand ich die Schilderungen als bedrückend. Mehr als einmal hatte ich selbst einen Kloß im Hals, vor allem in den Schulszenen. Sie machen wütend, weil sie so realistisch sind und uns mit der Ungerechtigkeit konfrontieren, die Kinder oft aushalten müssen. Gerade deshalb sehe ich in dem Buch großes Potenzial, Diskussionen anzustoßen.

Bei der Altersfrage bin ich vorsichtig. „Unter Brüdern“ ist als Jugendbuch konzipiert und ich persönlich würde es niemandem unter 12 Jahren empfehlen. Vieles wird nicht direkt ausgesprochen, sondern steckt zwischen den Zeilen. Das erfordert ein hohes Maß an Empathie und Einfühlungsvermögen, sonst droht man, an der Schwere der Themen zu scheitern. Die Charakterisierung erfolgt nicht durch Beschreibungen, sondern allein durch Handlungen - ein literarischer Kniff, der Erwachsene fasziniert, Kinder aber fordern kann.

Besonders beeindruckend fand ich, wie Bodil Bredsdorff Frauen und Männer zeichnet, die stark wirken und dennoch scheitern dürfen. Sie löst das starre Bild von Familie auf, ohne ins Überzeichnete abzudriften. Genau diese Vielschichtigkeit macht das Buch auch als Schullektüre spannend. Es bietet reichlich Stoff zum Diskutieren und Interpretieren, gerade weil die Autorin vieles unausgesprochen lässt.

Ursprünglich erschien der Roman unter dem Titel „Unter Brüdern“, 2013 wurde er jedoch neu aufgelegt und trägt seither den Namen „Schlagschatten“. Ein kleines Buch, das große Fragen stellt und dabei lange nachwirkt.

©2025 Mademoiselle Cake