Schatten zwischen Traum und Erwachen
A Theory of Dreaming (A Study in Drowning, Band 2)Zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Traum und Realität spannt Ava Reid erneut ein poetisches Netz aus Mythen, Schmerz und Sehnsucht. Effy kehrt nach Llyr zurück, fest entschlossen, ihren Platz in einer ...
Zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Traum und Realität spannt Ava Reid erneut ein poetisches Netz aus Mythen, Schmerz und Sehnsucht. Effy kehrt nach Llyr zurück, fest entschlossen, ihren Platz in einer Welt zu finden, die Frauen noch immer skeptisch beäugt. Ihre inneren Narben sind frisch, die Erinnerungen an vergangene Schrecken allgegenwärtig. Trotzdem geht sie ihren Weg – leise, aber unbeirrbar. Und dann ist da Preston, der selbst droht, in den Tiefen seiner Träume zu ertrinken.
Was Ava Reid hier erschafft, ist keine einfache Fortsetzung, sondern eine tiefgehende Reflexion über Heilung, Identität und die Macht von Geschichten. Ihre Sprache ist so kunstvoll wie ein feiner Schleier, der sich um das Herz legt – melancholisch, aber tröstlich. Immer wieder verschwimmen Traum und Wirklichkeit, und als Leserin weiß man nicht mehr, was real ist und was sich nur im Inneren abspielt. Genau darin liegt die Magie dieses Buches: Es fordert heraus, sich auf das Ungewisse einzulassen.
Trotz der poetischen Stärke trägt die Handlung stellenweise etwas Schwere. Einige Passagen wirken träumerisch entrückt, fast zu sehr, als dass man klar greifen könnte, was geschieht. Doch vielleicht ist genau das beabsichtigt – ein Spiegel der brüchigen Psyche der Figuren. Am Ende bleibt ein Gefühl, als hätte man durch Nebel gelesen: traurig, schön, heilsam. Ein würdiger, wenn auch stiller Abschluss einer außergewöhnlich literarischen Dilogie.