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Veröffentlicht am 22.10.2025

Raben, Runen und richtig viel Rambazamba

Kreuzweg der Raben
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Es riecht nach kaltem Stahl, altem Blut und nassem Leder – und mittendrin steht er: Geralt, der wohl wortkargste Charmebolzen, den die Fantasy je gesehen hat. Sapkowski hat es mal wieder geschafft, mich ...

Es riecht nach kaltem Stahl, altem Blut und nassem Leder – und mittendrin steht er: Geralt, der wohl wortkargste Charmebolzen, den die Fantasy je gesehen hat. Sapkowski hat es mal wieder geschafft, mich in seine düster-verrückte Welt zu saugen. Und das, obwohl der Anfang eher nach „Hexer-Bootcamp“ klingt. Junge Hexer, harter Drill, ein Mentor mit mehr Geheimnissen als ein dunkler Magierturm – und schon ist man drin im Sumpf aus Monstern, Intrigen und Schwertgeklirre.

Was mir besonders gefällt: Dieser Band kratzt an Geralts Ursprüngen, ohne zu sehr in Selbstmitleid oder Heldentum zu verfallen. Stattdessen gibt’s deftige Sprüche, absurde Situationen und die Art von Magie, die nicht glitzert, sondern beißt. Preston Holt ist ein Mentor, den man gleichzeitig umarmen und erschlagen möchte, und Vrai Natteraven? Eine Mischung aus Schachspielerin, Sirene und wandelnder Katastrophe.

Sapkowski schreibt wie ein alter Hexer mit zu viel Met im Blut – lakonisch, bissig, mit einem Augenzwinkern. Es gibt Absätze, bei denen ich lachen musste, während gleichzeitig jemand den Kopf verliert (im wahrsten Sinne). Aber zwischen all dem Blut und Chaos steckt eben auch Philosophie: Was bedeutet es, ein Monster zu sein – oder das Monster zu jagen?

Kleine Schwäche: Einige Kapitel wirken etwas zerhackt, als hätte der Autor selbst mitten im Kampf kurz eine Pause gebraucht. Doch unterm Strich ist das wieder feinster Witcher-Stoff – roh, rau, mit Herz und Hieb. Der Großmeister zeigt, dass er’s noch draufhat, auch wenn die Serie dagegen plötzlich ziemlich blass wirkt.

Ein düsteres, dreckiges Vergnügen, das nach Metall schmeckt und nach mehr schreit.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Zwischen zwei Welten und keinem Zuhause

Wohin du auch gehst
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Ein stilles, aber intensives Buch, das leise unter die Haut geht. Fonthes erzählt mit poetischer Klarheit von Migration, Identität und dem zarten Aufbegehren gegen familiäre und kulturelle Zwänge. Bijoux ...

Ein stilles, aber intensives Buch, das leise unter die Haut geht. Fonthes erzählt mit poetischer Klarheit von Migration, Identität und dem zarten Aufbegehren gegen familiäre und kulturelle Zwänge. Bijoux ist eine Figur, die sich vorsichtig aus der Enge ihrer Herkunft löst – und doch nie wirklich ankommt. Zwischen London und Kinshasa, zwischen Vergangenheit und Zukunft, sucht sie nach einem Ort, an dem sie einfach sie selbst sein darf.

Was mich besonders berührt hat, war die Zerrissenheit zwischen Schuld und Sehnsucht, Liebe und Verlust. Der Roman entfaltet seine Kraft nicht in lauten Momenten, sondern in den Zwischentönen – in Blicken, Erinnerungen und ungesagten Worten. Fonthes schreibt mit einer Sensibilität, die fast weh tut, und gleichzeitig mit der Dringlichkeit einer jungen Frau, die wissen will, wer sie wirklich ist.

Manchmal blieb mir der Text etwas zu zurückhaltend, fast zu behutsam, wo ich mir mehr emotionale Wucht gewünscht hätte. Doch gerade diese Zurückhaltung macht ihn auch glaubwürdig und echt. „Wohin du auch gehst“ ist kein Roman, den man einfach weglegt. Er begleitet einen – wie das Gefühl einer Stadt, die nie ganz zur Heimat wurde, oder einer Liebe, die zu gefährlich war, um sie auszusprechen.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Magie, Machtspiele und ein bisschen Mordlust

House of Bane and Blood (Order and Chaos, Band 1) – Packende Rivals to Lovers Romantasy
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Ein Hoch auf toxische Chemie, gefährliche Deals und Magie, die man lieber nicht anfassen sollte! „House of Bane and Blood“ hat mich direkt in die dunklen Gassen von Lynchaven geschleudert – eine Stadt, ...

Ein Hoch auf toxische Chemie, gefährliche Deals und Magie, die man lieber nicht anfassen sollte! „House of Bane and Blood“ hat mich direkt in die dunklen Gassen von Lynchaven geschleudert – eine Stadt, in der man nie weiß, ob man geküsst oder erdolcht wird. Camilla und Nicolai sind das perfekte Katastrophen-Duo: Sie hasst ihn mit jeder Faser ihres Körpers, er spielt mit ihr wie ein Schachmeister – und trotzdem knistert’s zwischen den beiden so heftig, dass selbst Stromausfälle neidisch würden.

Die Welt ist gritty, voller Geheimnisse, Mafiavibes und Magie, die irgendwo zwischen Alchemie und Chaos taumelt. Ich liebe, wie Alexis L. Menard diese düstere Atmosphäre mit einem Funken Wahnsinn würzt. Die Dialoge sind scharf wie Rasierklingen, der Humor schwarz wie Espressobohnen, und wenn’s zur Sache geht – ja, spicy enough to make your tea boil.

Aber klar, es gibt auch kleine Stolpersteine. Manchmal verliert sich die Story etwas in ihrer eigenen Dunkelheit, und der Mittelteil zieht sich leicht wie ein zu lang gezogener Zaubertrank. Trotzdem: Das Zusammenspiel von Macht, Magie und Emotion ist stark – und die Liebesgeschichte hat diesen bittersüßen Geschmack von „Ich hasse dich, aber verdammt, du riechst gut“.

Kurz gesagt: Ein Buch, das Crime, Magie und Emotionen zu einem gefährlichen Cocktail mixt – und mich mit einem frechen Grinsen und leichtem Buchkater zurückgelassen hat. Wer auf düstere Romantasy mit „Enemies with benefits“-Energie steht, sollte hier unbedingt reinschnuppern.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Rost, Rätsel und richtig gute Laune

Landkarten-Rätselreise Lost Places weltweit
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Verlassene Orte, geheimnisvolle Ruinen und halb verfallene Freizeitparks – klingt nach Gruselstimmung und Abenteuerlust pur! Dieses Buch hat mich direkt gepackt, weil es die perfekte Kombi aus Entdecken, ...

Verlassene Orte, geheimnisvolle Ruinen und halb verfallene Freizeitparks – klingt nach Gruselstimmung und Abenteuerlust pur! Dieses Buch hat mich direkt gepackt, weil es die perfekte Kombi aus Entdecken, Staunen und Rätseln liefert. Schon nach den ersten Seiten wollte ich am liebsten selbst in den nächsten Flieger steigen, um irgendwo zwischen Betonstaub und Rostromantik nach Spuren vergangener Zeiten zu suchen. Stattdessen sitze ich gemütlich auf dem Sofa, schlage die nächste Doppelseite auf – und zack, geht’s ab auf Rätselreise.

Was mir besonders taugt: Das Buch ist kein klassischer Bildband, sondern lässt mich mitraten, mitdenken, manchmal sogar laut fluchen (auf die charmante Art). Die Mischung aus Infos, Geschichten und Quizfragen funktioniert super – man lernt tatsächlich was, ohne das Gefühl zu haben, sich durch trockene Geschichtsdaten zu quälen. Manche Fragen sind echt tricky, andere eher zum Durchatmen – die Balance passt.

Natürlich ist nicht jede Seite ein Volltreffer. Ein paar Orte hätte ich gern ausführlicher vorgestellt gesehen, und manchmal wünschte ich mir mehr Rätselvielfalt. Aber das sind Luxusprobleme, wenn man bedenkt, wie schön dieses Buch gestaltet ist. Die Fotos sind stimmungsvoll, die Texte kurzweilig und die Atmosphäre – irgendwo zwischen Entdeckergeist und Gänsehaut.

Für alle, die alte Gemäuer lieben, sich gern auf imaginäre Weltreisen begeben und ein bisschen Kopfkino mögen, ist das Teil ein echter Volltreffer. Kein Kitsch, kein übertriebener Rätselstress – einfach eine Reise durch die Schönheit des Verfalls. Und wer danach nicht wenigstens einmal „Lost Place Urlaub“ googelt, hat eindeutig zu wenig Abenteuerlust im Blut.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Briefe, Biss und britischer Humor

Die Briefeschreiberin
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Wer hätte gedacht, dass das Lesen von Briefen einer 73-jährigen Frau so fesselnd sein kann? Sybil van Antwerp, diese leicht ruppige, aber unfassbar charmante Dame, hat mich beim Lesen durch ein Wechselbad ...

Wer hätte gedacht, dass das Lesen von Briefen einer 73-jährigen Frau so fesselnd sein kann? Sybil van Antwerp, diese leicht ruppige, aber unfassbar charmante Dame, hat mich beim Lesen durch ein Wechselbad der Gefühle geschickt – von herzhaftem Lachen bis zu leisen Momenten, in denen man kurz die Luft anhält. Diese Frau schreibt, wie andere atmen: ehrlich, spitz, manchmal grantig, aber immer voller Leben. Und irgendwie erkennt man sich in ihren Gedanken öfter wieder, als einem lieb ist.

Virginia Evans hat hier einen Briefroman hingelegt, der nach Papier, Tinte und Leben riecht. Zwischen Witz und Wehmut erzählt sie von einer Frau, die alles hatte – und trotzdem auf der Suche blieb. Ich mochte besonders, wie ungeschönt Sybil ist: kein weichgespültes Altersidyll, sondern eine Frau mit Geschichte, Ecken, Macken und Herz. Ein bisschen wie die Lieblingsoma, die einem beim Kaffeeklatsch unbequeme Wahrheiten um die Ohren haut – und genau deswegen unvergesslich bleibt.

Einziger kleiner Wermutstropfen: Zwischendurch verliert der Roman etwas Tempo. Manche Briefe hätten ruhig einen Tick weniger Philosophie und einen Tick mehr Handlung vertragen. Aber dann haut Evans wieder so eine Beobachtung über das Menschsein raus, dass man das Buch grinsend zuklappt und denkt: „Mist, das war echt gut.“

Unterm Strich: Ein leises, kluges und überraschend witziges Buch über das Leben, das Altern und die Kunst, ehrlich zu sich selbst zu sein – und zu denen, die man liebt. Für alle, die Briefe noch mögen, bei denen die Tinte ein bisschen verschmiert und das Herz mitschwingt.

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