Empty Nest und Freundschaft
Zeit der FreundinnenJulia ist Goldschmiedin und wohnt mit Mann und ihrem Sohn aus erster Ehe im Münchner Stadtteil Haidhausen. Ihr Sohn ist gerade dabei den Schulabschluss zu machen und das familiäre Nest zu verlassen. Gleichzeitig ...
Julia ist Goldschmiedin und wohnt mit Mann und ihrem Sohn aus erster Ehe im Münchner Stadtteil Haidhausen. Ihr Sohn ist gerade dabei den Schulabschluss zu machen und das familiäre Nest zu verlassen. Gleichzeitig zieht Julias frühere Studienfreundin wieder zurück nach München. Sie lassen ihre Freundschaft langsam wieder aufleben, doch irgendwas schwebt dennoch über den Freundinnen.
„Zeit der Freundinnen - Wundertütentage“ von Tanja Huthmacher ist der erste Band der „Zeit der Freundinnen“-Reihe.
Es handelt sich hier um einen Gegenwartsroman, der geprägt ist von den drei Freundinnen Julia, Sophie und Helen. Julia ist in diesem Band der Hauptcharakter.
Alle drei Freundinnen haben ein Kind bzw. Helen Zwillinge. Die vier Kinder verlassen gerade ihre Elternhäuser, um eine Lehre durchzuführen, zu studieren oder die Welt zu entdecken. Diese Tatsache ist der Angelpunkt der Geschichte. Ich fand diese Thematik am Anfang gut, da ich denke, dass viele Frauen mit diesem Schritt ihrer Kinder in die Selbstständigkeit haben - das Empty Nest Problem. Leider kaut die Autorin auf diesem Thema so doll herum, dass es für mich auf Dauer zu viel des Guten war.
Die Freundschaft zwischen Julia und Sophie ist ausgelassen und ehrlich und die Tatsache, dass sie auch Schwägerinnen sind, macht diese Freundschaft umso tiefer. Als aber Helen dazustößt, wurde es für mich schwierig. Die Freundschaft zwischen Helen und Sophie wächst schnell, während Julia als drittes Rad am Wagen fungiert. Zwischen Helen und Julia empfand ich auch die ganze Zeit eine Distanz, sodass ich bis zuletzt nicht mit Helen warm wurde.
Überhaupt muss ich sagen, dass ich am Anfang gut in das Buch reinkam, aber je weiter die Geschichte voranging, desto weniger konnte mich die Autorin mitnehmen. Die Geschichte plätschert vor sich hin. Immer, wenn ich dachte, jetzt kommt das Highlight, wurde es wieder weich gespült und noch weicher.
Auch habe ich den Fakt der tiefen Freundschaft vermisst. Oberflächlichkeit war hier an der Tagesordnung.
Hinzukommt, dass Julia im Laufe der Geschichte beginnt, ihren Vater zu suchen. Hier werden immer mal Details eingestreut, dann verliert es sich wieder, dann wirkt es, als ob es erwähnt werden muss, damit es in der Geschichte verbleibt, aber so richtig Tiefe kommt auch in diesen Zweig der Geschichte nicht rein.
Fazit: Ein netter Versuch, über Freundschaft und familiäres Loslassen zu berichten, aber leider fehlt Tiefe, Spannung und ein gewisser Funken Ehrlichkeit.
Daher gebe ich dem Buch 3,5 Sterne.