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Veröffentlicht am 15.03.2026

Der Junge im Taxi

Der Junge im Taxi
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Der Roman „Der Junge im Taxi“ stammt aus der Feder von Sylvain Prudhomme. In diesem Werk wird das Thema der Besatzungskinder in den Vordergrund gerückt. Es ist ein eigenständiger Roman, welcher ohne Vorkenntnisse ...

Der Roman „Der Junge im Taxi“ stammt aus der Feder von Sylvain Prudhomme. In diesem Werk wird das Thema der Besatzungskinder in den Vordergrund gerückt. Es ist ein eigenständiger Roman, welcher ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann.

Klappentext:
Wer ist dieser M., über den die Familie nicht reden will? Auf der Beerdigung seines Großvaters erfährt Simon von dessen verleugnetem Sohn. Am Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland gezeugt und zurückgelassen, ist M. nicht mehr als eine Leerstelle, eine vage Erinnerung. Simon, selbst mit dem Ende seiner Beziehung konfrontiert, lässt der Gedanke an diesen deutschen Jungen nicht los. Was für ein Leben hat er gelebt, war er einsam, verlassen, frei? Ist er es noch? Die Suche treibt Simon von Südfrankreich an den Bodensee, wo sich vergessene Spuren mit den seinen kreuzen und ein neues Bild ergeben.

Nur durch Zufall bin ich auf diesen Roman aufmerksam geworden. Ich persönlich hatte mich gefragt, was hinter dem Titel wohl stecken könnte und habe mir mit dieser Frage im Hinterkopf den Klappentext näher angeschaut. Dieser hat mich neugierig gemacht, wie dieser das Thema der Besatzungskinder aufgreift und umsetzt.
Zu Beginn des Romans gibt es im Prolog eine kurze Rückblende zum damaligen Geschehen. Der Leser ist dabei, als ein französischer Soldat auf einem Hof in Deutschland beherbergt wird. Wir erfahren auch, wie eine junge Frau auf einem Fest von eben jenen Soldaten zum Tanz aufgefordert wird und wie sich daraus eine kurze heftige Affäre mit Folgen entwickelt. Im nächsten Kapitel sind wir auf einer Beerdigung. Bei dieser hat die Geschichte aus dem Prolog Wellen geschlagen. Simon, der Enkel von diesem französischen Soldaten, hat erfahren, dass sein Großvater damals in Deutschland einen Sohn gezeugt hat, welcher aber in der Familie verleugnet wird. Nach der Besatzungszeit hat er die junge Frau und auch sein ungeborenes Kind zurückgelassen und nie anerkannt. Auch durfte in der Familie nicht darüber geredet werden. Und auch auf der Beerdigung des Großvaters darf über dieses Thema nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen werden. Simon ist von dieser Tatsache schockiert und möchte den verleugneten Sohn ausfindig machen. Lediglich sein Onkel redet über dieses sensible Thema. Aber auch nur im Flüsterton, er erzählt eher im Geheimen von diesem vergangenen Kapitel. Während der Suche kommen neue Informationen ans Licht und es hat Spaß gemacht, der Suche nach dieser Person mitzuverfolgen. Es hat sich wie ein Puzzle angefühlt, auf jeder Seite ergibt sich ein neues Stück und man kommt der Lösung dabei immer näher. Als Leser wird man sofort mitten in die Handlung reingeworfen und Stück für Stück setzt sich die Geschichte zusammen, man erkennt immer neue Fragmente, sowohl zur Vergangenheit als auch zur Gegenwart. „Der Junge im Taxi“ wird aus der Ich- Perspektive von Simon erzählt, dadurch kann man gut seine Gedankengänge nachvollziehen, was ich persönlich sehr gekonnt umgesetzt fand. Simon selbst befindet sich gerade in Trennung und abwechselnd kümmern sie sich um die beiden gemeinsamen Jungs. Ich fand die Gedankengänge und Gefühle von Simon hier sehr eindringlich. Er selbst macht sich viele Gedanken, auch weil er selbst Vater ist und gleichzeitig in der Situation ist, dass er ein Sohn von seinem Vater ist. Er kann beide Seiten verstehen, aber er kann nicht verstehen, warum in seiner Familie nie darüber geredet wird. Für ihn ist es nicht begreiflich, dass ein Familienmitglied komplett ignoriert und verleugnet wird. Er möchte diesen verleugneten Sohn ausfindig machen und bezieht auch seine eigenen Söhne in die Suche mit ein. Interessant ist hier auch, dass die Ex- Partnerin hier nur mit A abgekürzt wird. Dadurch entsteht eine gewisse Distanziertheit und der Charakter bleibt eher blass. Anders bei dem verleugneten Sohn, welcher nur mit M abgekürzt wird. Dies hat auf mich eher geheimnisvoll gewirkt und hat diese ominöse Person noch sagenumwobener gemacht, hat eher meine Neugier gesteigert.
Positiv konnte mich auch der Schreibstil überzeugen. Dieser ist auf der einen Seite sehr eindringlich, findet direkte Worte. Auf der anderen Seite ist dieser poetisch und feinfühlig. Gekonnt werden hier Gefühle beschrieben und eine dichte Atmosphäre erschaffen. Der Stil ist lebendig und schafft es, dass eine Sogwirkung entsteht. Dabei habe ich den poetischen Stil sehr genossen und habe mich von den Emotionen tragen lassen.
Thematisch fand ich „Der Junge im Taxi“ auch gekonnt umgesetzt. Das Thema der Besatzungskinder finde ich hier interessant umgesetzt. Es gibt viele Kinder, welche am Ende des zweiten Weltkrieges zurückgelassen worden und nicht oft wird über diese geredet. Dies ist ein Roman, welcher den Leser melancholisch zurücklässt und nachklingt. Man beschäftigt sich mit diesem Thema und es hat mich so schnell nicht losgelassen. Ich fand die Botschaft von diesem Roman wichtig, mich hat dies berührt.

Insgesamt hat der Autor Sylvain Prudhomme mit seinem Roman „Der Junge im Taxi“ gekonnt ein wichtiges Thema in den Fokus gerückt. Mich hat dieses nachdenklich zurückgelassen. Gefallen hat mir hier der Erzählstil und auch die Geschichte an sich konnte mich überzeugen. Hierfür möchte ich 4 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 02.12.2025

With you and the Rain

With you and the Rain 1
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Der Manga „With you and the rain“ stammt aus der Feder von Ko Nikaido. Ich habe hier zum Auftakt gegriffen und war gespannt, was mich erwartet.

Klappentext:
An einem regnerischen Tag entdeckt eine junge ...

Der Manga „With you and the rain“ stammt aus der Feder von Ko Nikaido. Ich habe hier zum Auftakt gegriffen und war gespannt, was mich erwartet.

Klappentext:
An einem regnerischen Tag entdeckt eine junge Frau zufällig ein einsames Tier, das ganz vielleicht ein Hund sein könnte, in einer kleinen Box. Völlig durchnässt und der Kälte ausgeliefert, bittet das kleine Wesen um Unterschlupf. Ein Ding der Unmöglichkeit, da zu widerstehen! Und so nimmt die schicksalhafte Begegnung zwischen einer jungen Frau und einem Tanuki, der ganz vielleicht ein Hund ist, ihren Lauf.

Bei diesem Manga habe ich mich mal aus meiner Komfortzone herausgewagt, lese ich doch sonst eher Bücher. Aber hier hat mich einfach dieser total niedliche Tanuki interessiert. Ich wollte einfach wissen, was es mit ihm auf sich hat – hatte ich bisher mit Mangas noch nicht allzu viele Berührungspunkte gehabt. Voller Vorfreude habe ich mich in dieses Abenteuer gestürzt und habe mich auf die Geschichte rund um den kleinen Tanuki gefreut.
Zunächst einmal möchte ich den wunderbaren Zeichenstil hervorheben. Dieser hat mir wirklich gut gefallen. Man merkt diesem Manga an, dass es mit viel Liebe gezeichnet wurde. Liebevolle Details dominieren den Stil und man kann sich richtig in den Zeichnungen fallen lassen, entdeckt immer wieder neue Details. Und dabei sind die Zeichnungen total niedlich und einfach etwas fürs Herz. Mir hat es Spaß gemacht, in diesem Manga zu blättern, habe ich mich sehr an den Zeichnungen erfreut. Der Manga selbst in recht kurze Episoden unterteilt, welche aber aufeinander aufbauen. Wir haben hier Anteil am Alltag von den beiden und erleben mit ihnen zusammen recht gewöhnliche Situationen, welche eine cozy Atmosphäre ausstrahlen.
Die Handlung selbst ist schnell zusammengefasst. An einem regnerischen Tag findet eine junge Frau ein Tier in einem Pappkarton. Sie nimmt dieses Tier auf und ist der Meinung, dass sie einen Hund gefunden hat. Sie möchte für ihn sorgen und zwischen den beiden entsteht eine liebevolle Beziehung. Es ist eine wunderschöne cozy Geschichte, bei der man den Alltag um sich herum vergessen kann.
Die junge Frau ist eher eine Einzelgängerin und meidet große Gesellschaften. Sie ist eher alleine und geht auch nicht sooft aus den Haus. Verwunderlich fand ich es, dass man über die komplette Länge des ersten Bandes nicht ihren Namen erfährt. Durch die Gesellschaft ihres neuen Gefährten traut sie sich mehr, geht öfters raus und begibt sich in neue Situationen. Sie wird offener und geht auch mal aus ihrer Komfortzone heraus. Dies gefällt mir, sie wächst durch diese neuen Situationen. Die Gesellschaft von dem Tanuki tut ihr gut und ich finde, dass die beiden ein gutes Team abgeben.
Der kleine Tanuki ist ein cleveres Kerlchen, welches weiß, was es möchte. Es kann für sich einstehen und auch mitteilen, was es möchte. Dennoch strahlt es viel Charme aus und ist sehr liebevoll. Ich mochte die gerissene Art und wie es sich durchsetzen kann. Dabei lässt es die junge Frau denken, dass es ein Hund ist. Dies hat mir das ein oder andere Mal ein Schmunzeln ins Gesicht gerufen. Mit seinem Blatt auf den Kopf ist es total niedlich und es hat mir Freude bereitet, zu erfahren, wie es sich bei dieser jungen Frau heimisch fühlt. Die Beziehung zwischen den beiden hat mir wahrlich gefallen. Interessant fand ich auch das Miteinander von dem Tanuki und dem Vater der jungen Frau. Dies hat meiner Meinung nach den Manga bereichert und für einige humorvolle Szenen gesorgt.
Allgemein würde ich mir jedoch noch ein paar mehr inhaltliche Informationen und Details wünschen. Einfach mehr über das Leben der jungen Frau erfahren und auch das Zwischenspiel zwischen den beiden ist interessant und ich bin schon auf weitere Episoden mit den beiden gespannt, sie haben gut miteinander harmonisiert.

Insgesamt konnte mich Ko Nikaido mit „With you and the rain“ gut unterhalten und mir hat dieser cozy Manga gut gefallen. Der Zeichenstil ist wirklich schön anzusehen und es war ein richtiger Wohlfühlmanga. Von mir gibt es 4 Sterne.

Veröffentlicht am 10.11.2025

Blood over bright haven

Blood over bright haven
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Die Autorin M.L. Wang hat mit ihrem Fantasytitel „Blood over bright haven“ einen Einzelband geschrieben, was in diesem Genre eher ungewöhnlich ist. Dennoch hat man hier definitiv nicht das Gefühl, dass ...

Die Autorin M.L. Wang hat mit ihrem Fantasytitel „Blood over bright haven“ einen Einzelband geschrieben, was in diesem Genre eher ungewöhnlich ist. Dennoch hat man hier definitiv nicht das Gefühl, dass etwas fehlt. Das Buch wirkt in sich stimmig und kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Klappentext:
Seit zwanzig Jahren widmet Sciona jeden wachen Moment dem Studium der Magie, angetrieben von dem wahnsinnigen Wunsch, das Unmögliche zu erreichen: die erste Frau zu sein, die jemals zum Hohen Magisterium der Universität für Magie und Industrie zugelassen wird. Als Sciona endlich ihr Ziel erreicht und eine Hochmagierin wird, stellt sie fest, dass die Herausforderungen gerade erst begonnen haben. Ihre neuen Kollegen sind entschlossen, ihr das Gefühl zu geben, nicht willkommen zu sein – und stellen ihr statt einer qualifizierten Laborassistentin einen Hausmeister zur Seite. Weder Sciona noch ihre Kollegen wissen, dass ihr schweigsamer Assistent nicht immer Hausmeister war. Vor zehn Jahren war er ein nomadischer Jäger, der seine Familie auf der gefährlichen Reise von den wilden Ebenen in die Stadt verlor. Aber jetzt sieht er die Gelegenheit, die Kräfte zu verstehen, die seinen Stamm dezimiert und ihn aus seiner Heimat vertrieben haben, um die Privilegierten an der Macht zu halten. Zunächst herrscht zwischen Magier und Außenseiter ein zerstrittenes Verhältnis. Doch gemeinsam decken sie ein uraltes Geheimnis auf, das den Lauf der Magie für immer verändern könnte – wenn sie nicht vorher getötet werden.

Ich persönlich habe noch kein Werk aus der Feder von M.L. Wang gelesen, dafür habe ich aber schon einige positive Meinungen zu ihren Büchern gehört. Daher hatte ich relativ große Erwartungen an dieses Buch und diese wurden nicht enttäuscht.
Der Schreibstil ist bildhaft und lässt sich angenehm lesen. Gekonnt schafft es die Autorin hier eine dichte Atmosphäre zu erschaffen. Es gibt einige spannende Situationen und auch viele unerwartete Wendungen. Der Spannungsbogen wird permanent hochgehalten und auf vielseitge Art und Weise wird Spannung erzeugt – sei es situationsbedingt oder auch durch die Charaktere hervorgerufen. Überzeugen konnte mich ebenfalls das umfangreiche Worldbuilding, welches mich ebenfalls überzeugen konnte. Sehr gelungen fand ich hier auch das einzigartige Magiesystem. Es gibt einige interessante Einblicke und auch die Ausführungen hinsichtlich der Details finde ich gelungen. Die vielseitigen Aspekte der Magie konnte mich überzeugen und nur zu gerne habe ich die Ausführungen dazu gelesen.
Dennoch ist dies kein Buch für zwischendurch. Es gibt einige brisante Themen, welche nicht immer leicht zu verdauen sind. Ein paar wichtige Themen werden angesprochen, zum Beispiel werden Rassismus oder auch Frauenfeindlichkeit angesprochen. Diese Welt ist eine männerdominierende Welt, welche die Macht haben und das Sagen haben. Nicht immer sind die Themen leicht verdaulich und mir gefällt dieser tiefgründige Aspekt des Buches sehr gut.
Etwas zäh fand ich jedoch den Einstieg. Zu Beginn lernt man das Volk der Kwen kennen. Sie haben kein einfaches Leben und daher haben sie sich entschlossen, die Querung anzutreten. Sie wollen in sichere Gefilde aufbrechen. Wer außerhalb der Stadt lebt, lebt in Gefahr – draußen geht der Feuerbrand umher, viele Menschenopfer hat dies schon eingefordert. Daher wollen sie ein Leben in Tiran wagen, wissen aber, dass der Weg dorthin kein leichter ist. Hat man sich an dieses Volk gewöhnt, wird man im nächsten Kapitel in die Stadt Tiran katapultiert und lernt diese männerdomminierte Stadt kennen. In dieser muss Sciona sich behaupten. Sie ist eine schlaue und starke Frau, welche sich in dieser Welt behaupten möchte, ihre Prüfung im Hohen Magisterium steht an. Sie möchte eine Hochmagierin werden und ihren Weg gehen. Eine Revolution der Sicherung der Stadt soll bewältigt werden und die neuen Hochmagier sollen sich dieser Aufgabe annehmen. Leider akzeptieren die männlichen Kollegen Sciona nicht, sodass diese sich alleine behaupten muss. Doch dies ist sie gewohnt, daher macht sie sich sogleich an die Arbeit. Sie bekommt einen Assistenten an die Seite gestellt – Thomil. Dieser ist ein cleverer Mann, welcher kluge Fragen stellt. Er ist ein Flüchtling aus der Außenwelt und hat ganz andere Erfahrungen in seinem Leben machen müssen im Vergleich zu Sciona. Die beiden müssen sich erst aneinander gewöhnen. Aber ihre Dialoge haben dieses Buch sehr bereichert und es hat mir große Freude gemacht, den Schlagabtausch der beiden mitzuverfolgen. Dabei gerät das Weltbild von Sciona ordentlich ins Wanken und sie muss umdenken. Thomil hat daran einen wesentlichen Anteil, aber auch er lernt viel von Sciona und zusammen geben sie ein tolles Team ab. Das Weltbild wird komplett überworfen und die neuen Erkenntnisse für Sciona nicht leicht zu verdauen. Ein immer tieferer Strudel entsteht und die Handlung nimmt so richtig Fahrt auf. Es wird richtig packend und man kann das Buch kaum noch aus der Hand legen. Immer neue Erkenntnisse werden offenbart und so langsam erkennen die Protagonisten und auch der Leser selbst die Zusammenhänge. Die Umsetzung fand ich hier sehr gelungen und konnte mich in ihren Bann ziehen.
Am Ende gibt es noch ein Glossar - eine Taschenfibel der magischen Grundbegriffe. Wichtige Aspekte der Magierwelt werden erklärt und helfen besonders zu Beginn den Überblick zu bewahren.

Insgesamt konnte mich die Autorin M. L. Wang mit ihrem Fantasyroman „Blood over bright haven“ mit einer ganz besonderen Geschichte in ihren Bann ziehen. Wahrlich wichtige Themen finde hier Raum und auch die Charaktere konnten mich überzeugen. Lediglich der Einstieg und damit der Zugang zum Buch ist mir auf den ersten Seiten etwas schwer gefallen. Daher möchte ich 4 Sterne vergeben und ich möchte auch eine Leseempfehlung aussprechen.

Veröffentlicht am 31.10.2025

Was die Nacht verschweigt

Was die Nacht verschweigt: Die Fortsetzung von WAS DIE TOTEN BEWEGT – Eine packende und atmosphärische Erzählung in der Tradition von Edgar Allan Poe
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T. Kingfisher ist eine preisgekrönte und bekannte Autorin, welche mit „Was die Nacht verschweigt“ die Fortsetzung zu „Was die Toten bewegt“ geschrieben hat. Meiner Meinung nach ist es jedoch nicht zwingend ...

T. Kingfisher ist eine preisgekrönte und bekannte Autorin, welche mit „Was die Nacht verschweigt“ die Fortsetzung zu „Was die Toten bewegt“ geschrieben hat. Meiner Meinung nach ist es jedoch nicht zwingend erforderlich, dass man den ersten Band gelesen haben muss. Auch ohne Vorkenntnisse kann man den Zusammenhängen folgen. Jedoch ist das Lesevergnügen viel größer, wenn man die Handlung des ersten Bandes kennt und daher die Andeutungen besser versteht.

Klappentext:
Alex Easton möchte der guten Miss Potter, einer Freundin, einen Gefallen tun und reist nach Gallazien. Dort findet Alex ihr Haus allerdings leer vor und der Hausmeister ist tot und über allem hängt eine unheimliche Stille. Die Einheimischen wollen nicht darüber sprechen, was passiert ist. Und keiner von ihnen will einen Fuß auf das Gelände setzen. Die Dorfbewohner flüstern etwas von einer unheimlichen Kreatur aus dem gallazischen Volksglauben. Easton weiß, dass nicht allzu viel Wert auf den Aberglauben der Einheimischen gelegt werden sollte, aber als beängstigende Visionen für schlaflose Nächte sorgen und sich die seltsamen Ereignisse häufen, bleibt keine Wahl, als sich dem dunklen Schatten zu stellen, der über dem Haus hängt …

Ich habe bereits den ersten Band „Was die Toten bewegt“ gelesen und fand diese Neuinterpretation von „Der Untergang des Hauses Usher“ recht ansprechend und gekonnt umgesetzt. Daher habe ich mich sehr auf die Fortsetzung „Was die Nacht verschweigt“ gefreut und habe mich zusammen mit Alex wieder in ein Horrorabenteuer gewagt.
Auch dieses Mal finde ich die Gestaltung wieder recht ansprechend und passt auch wieder ganz gut zum Inhalt der Novelle, dieses Werk ist wahrlich ein Blickfang. Und jeder, der diese Novelle gelesen hat, wird nachvollziehen können, wie passend dieses Cover für den Inhalt des Buches ist.
Der Schreibstil von T. Kingfisher ist etwas gewöhnungsbedürftig. Ich kannte ihren Stil bereits aus „Was die Toten bewegt“ und wusste, worauf ich mich einlasse. Der Schreibstil besticht durch kurze und schnörkselfreie Sätze – dennoch schafft es die Autorin gekonnt, dass die Emotionen zwischen den Zeilen spürbar sind. Der Erzählstil von Kingfisher ist eher langsam. Temporeiche Sequenzen oder actiongeladene Szenen sucht man hier vergebens. Dennoch wird langsam aber stetig Spannung aufgebaut. Die Bedrohung verdichtet sich immer mehr und gebannt hängt man an den Seiten und als Leser möchte man wissen, wie es weitergeht. Auch wird gekonnt eine düstere und bedrohliche Atmosphäre geschaffen. Man merkt auf jeder Seite, dass eine Bedrohung in der Luft liegt und sich irgendetwas übernatürliches anbahnt.
Der Einstieg ist direkt und ziemlich nahtlos schließt „Was die Nacht verschweigt“ an seinen Vorgänger an. Als Leser wird man sofort wieder in das Geschehen hineingeworfen und befindet sich an der Seite von Alex Easton. Man befindet sich wieder in Gallazien und es gibt auch dieses Mal wieder ein paar Ausführungen zu diesem Land und seinen speziellen Gegebenheiten. Dieses Mal haben sich diese Details meiner Meinung nach besser in den Inhalt eingefügt und war nicht so dominant.
Die Novelle wird aus der Perspektive von Alex erzählt, sodass man die Gedankengänge von der Protagonistin besser nachvollziehen kann. Außerdem kommt der Leser dadurch öfters in den Genuss von Alex‘ sarkastischen Humor. Diese bereichern meiner Meinung nach dieses Werk und führen auch zur düsteren Atmosphäre bei. Alex ist mit ihrem Burschen Angus nach den Geschehnissen im Hause Usher in Gallazien unterwegs. Davor haben sie sich eine Auszeit gegönnt, um die Vorkommnisse zu verarbeiten. In der Jagdhütte von Alex wollen sie sich mit der Mykologin Miss Potter treffen, welche die Flora und Fauna von Gallazien erkunden möchte. Doch leider ist der Verwalter der Jagdhütte unter mysteriösen Umständen verstorben. Daher muss Alex zusammen mit Angus Ersatz finden, doch keiner aus dem Dorf möchte diese Stelle antreten – es scheint verflucht zu sein. Leider denken die Dorfbewohner, dass ein Fluch auf dem Posten liegt. Es ist nicht einfach, doch am Ende finden die beiden eine verzweifelte Frau samt Enkel, welche diese Position übernehmen.
Ich mochte die Art, wie Alex das Problem angeht und auch die Gedankengänge. Sie möchte alles klären und hinterfragt dabei auch gewisse Tatsachen. Schade fand ich jedoch, dass Miss Potter leider in den Hintergrund gerät. Ich mochte sie schon im ersten Band, in der Fortsetzung ist sie leider nur ein kleiner Nebencharakter. Auch der Enkel Bors ist gut dargestellt und auch dieser Charakter war mir sympathisch. Man fiebert mit dem Schicksal von Bors mit und hofft, dass es für ihn ein gutes Ende nimmt. Als Leser hängt man daher gebannt an den Seiten und zusammen mit Alex geht man dem Problem auf den Grund und versucht die Hintergründe zu erfahren und dann dagegen anzugehen.

Insgesamt konnte mich die Autorin T. Kingsfisher mit ihrer neuen Novelle „Was die Nacht verschweigt“ wieder zum Schauern bringen. Die Grundidee wurde gekonnt umgesetzt und dank einer düsteren und bedrohlichen Atmosphäre entsteht eine überzeugende Horrorgeschichte. Hierfür möchte ich 4 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 21.10.2025

A dark and secret magic

A Dark and Secret Magic
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Mit dem fantastischen Roman „A dark and secret magic“ hat Wallis Kinney ein Buch geschrieben, welches wunderbar in den Herbst passt. Dies ist (bisher) ein eigenständiges Werk und kann sich daher ohne Vorkenntnisse ...

Mit dem fantastischen Roman „A dark and secret magic“ hat Wallis Kinney ein Buch geschrieben, welches wunderbar in den Herbst passt. Dies ist (bisher) ein eigenständiges Werk und kann sich daher ohne Vorkenntnisse lesen lassen.

Klappentext:
Kate hat sich in ihrem abgelegenen Hexenhaus ein ruhiges Leben eingerichtet – doch als ihre Schwester sie bittet, das jährliche Halloween-Treffen ihres Zirkels auszurichten, beginnt ihr wohlgeordnetes Dasein zu wanken. Dann taucht Matthew auf, ein Mann aus ihrer Vergangenheit, der ein dunkles Geheimnis verbirgt: Er ist ein Anhänger der verbotenen Magie. Als Kate ein rätselhaftes Buch mit einer verstörenden Nachricht ihrer verstorbenen Mutter findet, steht sie vor der wichtigsten Entscheidung ihres Lebens: Wem kann sie wirklich vertrauen?

Bei diesem Buch fand ich den Klappentext ansprechend – eine Hexe, welche mit ihrem Kater in einem abgelegenen Hexenhaus lebt – dazu eine geheimnisvolle magische Vergangenheit und dunkle Geheimnisse. Dies klang für mich vielversprechend und passt dazu noch sehr gut in die Herbstzeit. Daher habe ich mich voller Vorfreude in dieses Buch gestürzt, ohne jegliche Erwartungen.
Schon die Gestaltung des Buches fand ich ansprechend. Es stimmt den Leser auf das Buch und das darin enthaltene Herbstfeeling ein. Am Ende des Werkes sind ein paar Rezepte beigefügt worden, welche zum Ausprobieren einladen, auch stimmen sie einen auf das Buch ein bzw. runden das Gesamtwerk ab.
Der Schreibstil ist angenehm, sodass sich das fantastische Buch flüssig lesen lässt. Bildhaft wird hier eine magische Geschichte erzählt. Besonders sticht hier die cozy Halloween- Stimmung hervor. Dies ist wirklich ein Roman, welcher perfekt in die regnerische Herbstzeit passt. Die Stimmung ist eher cozy und gemächlich, auch wenn am Ende diese etwas düsterer wird. Es kommt eine gemütliche Stimmung auf, welche durch den dichten Erzählstil gekonnt transportiert wird. Auf unterschiedliche Weise wird hier Spannung erzeugt, und auch wenn dies kein actionreiches Buch ist, so hat es sich dennoch zügig lassen und hat sich durch seine Atmosphäre zu einem Pageturner entwickelt. Innerhalb der Story gibt es die ein oder andere unerwartete Wendung, andere sind etwas vorhersehbarer. Dennoch wird der Spannungsbogen permanent hochgehalten und dies auf verschiedene Art und Weise. Interessant fand ich hier auch das magische Setting. Es gibt einige interessante Ansätze und das Magiesystem hat definitiv einiges zu bieten. Jedoch wirkt es auf mich eher unausgereift. Mir persönlich haben hier einige Details gefehlt, auf mich wirkt es unvollständig. Es gibt ein paar ansprechende Ideen, so sind die unterschiedlichen Hexenarten und ihre verschiedenen magischen Fähigkeiten spannend. Jedoch hätten die Ausführungen zu dem Magiesystem ruhig mehr Raum im Buch haben sollen. Viele Details werden nur kurz angesprochen und dann nicht weiter vertieft. Hier wird meiner Meinung nach definitiv Potential verschenkt.
Auch bei der Charakterdarstellung sind meiner Ansicht nach ein paar Schwachpunkte erkennbar. Der Fokus wird hier lediglich auf die Hauptcharaktere gelegt. Die Nebencharaktere wirken auf mich wahrlich blass und unausgereift. Sie sind eher Mittel zum Zweck und erfüllen eine Aufgabe, danach wird ihre Geschichte nicht weiter vertieft. Kate ist die weibliche Protagonistin und eine Besonderheit in ihrem Hexenzirkel, denn sie ist eine Heckenhexe. Dies ist eine besondere Art der Magie und eigentlich hat Kate niemanden, der ihr diese Magie richtig beibringen kann. Kate ist sympathisch, aber auch eher naiv und fühlt sich mit ihren eingeschränkten Einsichten und Wissen zu ihrer Magie recht wohl. Leider stellt sie eher wenig Fragen und gibt sich mit ihrem Leben so zufrieden. Auch als Matthew ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellt, hinterfragt sie eher nichts und vertraut blind einem fremden Menschen. Ich hätte mir gewünscht, dass sie nicht so blauäugig ist und auch mal ihren Kopf benutzt und sich selbst eine Meinung bildet. Schwierig fand ich auch das Verhältnis zu ihren Schwestern. Die Beziehung fand ich persönlich eher toxisch und dabei leider nicht wirklich harmonisch.
Matthew ist hier der männliche Gegenpart zu Kate. Er gehört einem anderen Hexenzirkel an und hat eher eine düstere Magie. Auch umgibt ihn eine geheimnisvolle Atmosphäre. Matthew steckt voller Geheimnisse. Seite für Seite ergibt sein Verhalten immer mehr Sinn, man lernt ihn besser kennen und versteht auch eher seine Beweggründe. Die Lovestory, welche sich zwischen den beiden entwickelt, verbindet sich gut mit der Hauptstory. Jedoch fand ich es etwas fragwürdig, dass Matthew solche starken Gefühle für Kate hat, obwohl er sie lediglich vor einigen Jahren nur kurz kennen gelernt hat. Dies fand ich etwas befremdlich. Dennoch finde ich, dass sich die Lovestory gut entwickelt und sich harmonisch die Story ergänzt.
Das Ende konnte mich leider auch nicht vollstündig überzeugen. Mir persönlich war es etwas undurchsichtig und zu abrupt. Aber dies ist Geschmackssache. Für mich hat sich das Finale jedoch nicht harmonisch angefühlt.

Wallis Kinney hat mit „A dark and secret magig“ einen magischen und cozy Herbstroman gelesen. Meiner Meinung nach, kommt es bei diesem Werk darauf an, was man davon erwartet. Es ist ein leichtes Buch, wenn man hier nicht allzu viel Tiefgang erwartet, dann kann man diese wunderbare Atmosphäre genießen und in dem magischen Setting abtauchen. Ich habe diesen fantastischen Roman wohl zum richtigen Zeitpunkt gelesen. Ich möchte hierfür 4 Sterne vergeben.