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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.12.2025

Sanfte Einschlafhilfe mit spirituellem Ansatz

Einschlafrituale für dein Kind
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Schlaf – ein immer wiederkehrendes Thema unter Eltern. Das schmale Büchlein möchte dabei helfen, das Einschlafen zu erleichtern. Nicht bei den Eltern, die oft im Stehen einschlafen könnten, sondern für ...

Schlaf – ein immer wiederkehrendes Thema unter Eltern. Das schmale Büchlein möchte dabei helfen, das Einschlafen zu erleichtern. Nicht bei den Eltern, die oft im Stehen einschlafen könnten, sondern für die Kleinen, die zum Teil erst abends so richtig munter werden...
Nach einigen einleitenden Worten zum Aufbau und zur Funktion des Schlafrhythmus ist das Büchlein in die jeweiligen Altersgruppen unterteilt (Baby, Kleinkind, Grundschulalter,...). Dabei greift die Autorin meines Erachtens sehr gut die Besonderheiten der jeweiligen Altersgruppe auf und betont die Notwendigkeit ausgeglichener Eltern, was das Einschlafen für die Kinder deutlich erleichtert. Ganz hübsch fand ich die beschriebene Meditation für die Eltern. Inwieweit es allerdings Eltern abends im allgemeinen Trubel noch gelingt, eine Meditation durchzuführen, wage ich als Mutter von drei Kindern etwas zu bezweifeln. Trotzdem fand ich die Idee bemerkenswert, Einschlafprobleme nicht allein beim Kind zu verorten, sondern auch als Elternteil die eigene innere Verfassung zu reflektieren.
Es gibt immer wieder praktische Tipps (z.B. Monsterspray mit Lavendelduft), und überhaupt ist das Büchlein Kindern gegenüber ausgesprochen wohlwollend, warm und behütend geschrieben. Für mich sind die ganz großen Aha-Momente beim Lesen allerdings ausgeblieben. Persönlich schwierig fand ich die zum Teil spirituell-esoterischen Verknüpfungen (Stichwort Rudolf Steiner). Zudem spürt man beim Lesen eine ganz klare Haltung der Autorin, z.B. gegenüber Stillen, Familienbett etc. Hier hätte ich mir eine etwas offenere Haltung gegenüber verschiedenen familiären Lebenssituationen gewünscht.
Zusammenfassend war es für mich ein nettes Büchlein, von dem ich für uns allerdings in der Praxis wenig umsetzen kann. Eltern, deren Kinder unter ernsthaften Einschlafschwierigkeiten leiden, könnten eventuell sogar deprimiert sein, da alles so einfach dargestellt wird und unrealistische Erwartungen erzeugt werden. Der Druck, es „richtig" zu machen, erhöht sich dadurch nur noch mehr. Eltern, die gegenüber Spiritualität und den Lehren Rudolf Steiners offen sind, finden hier in jedem Fall ein warmes und Geborgenheit vermittelndes Buch.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Ein eindringlicher Blick in die Abgründe der Bipolarität

Haus zur Sonne
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Bei dem Buch „Haus zur Sonne" von Thomas Melle hat mich die Frage interessiert: Was wäre wenn? Was passiert, wenn ein Mensch, dessen Leben bedingt durch die intensiven Wechsel zwischen tiefsten Depressionen ...

Bei dem Buch „Haus zur Sonne" von Thomas Melle hat mich die Frage interessiert: Was wäre wenn? Was passiert, wenn ein Mensch, dessen Leben bedingt durch die intensiven Wechsel zwischen tiefsten Depressionen und überbordender Manie in Scherben liegt, in eine Art Kur kommt – eine Kur, in der er sich alles wünschen kann, unter der einzigen Bedingung, dass er zum Ende sterben wird? Wie verändert sich die Einstellung? Was macht das mit einem Menschen?
Der Autor Thomas Melle spricht aus eigener Erfahrung. Der Text ist eindringlich und intensiv. Zum Teil ist es schmerzhaft zu lesen, mit welcher Realität psychisch Erkrankte zu kämpfen haben:
„Verarschung, Verarschung, Verarschung, so sortierte ich einen nach dem anderen aus: Rechtsanwälte, die einem angeblich beim Bürgergeld helfen wollten, Weiterbildungsstätten, die nur die Zuschüsse absahnen würden, Köder nach Köder für die Verzweifelten" (S. 45)
Man blickt tief in die Seele eines Menschen mit einer bipolaren Störung:
„Es gibt tatsächlich auch in einer schweren Depression Abstufungen. Manchmal lastet alles auf und vor allem in einem, man kann nur da sitzen und die Hände vors Gesicht schlagen, und nicht einmal die Frage nach dem Warum kommt auf. Es ist einfach nichts mehr da, nur Grauen. Dann gibt es leichtere Tage, die aber gleichwohl noch tiefer ins Gemüt schneiden können, da der Geist etwas heller erkennt, was gerade mit ihm passiert: der Dauerangriff auf sich selbst, und das Sekunde für Sekunde." (S. 76)
Immer wieder blitzt eine Spur von Humor und Situationskomik durch. Vom Stil her habe ich den Roman gerne gelesen. Das hilft aber leider alles nichts, wenn man sich letztendlich durch den Roman durchkämpfen muss.
Schwierig für mich war, wie viel das Gedankenkreisen um die eigene Situation und das innere Erleben Raum eingenommen hat – und dabei durchaus redundant ist. Naturgemäß kommt da bei der Thematik einer bipolaren Störung wenig Freude auf. Die Beziehungen nach außen bleiben oberflächlich und leblos. Obwohl es hervorragend geschrieben ist, blieb der Roman letztendlich ein zähes Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 01.11.2025

Bleibt etwas an der Oberfläche

Einfach Weike - Nicht perfekt, aber genau richtig
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"Einfach Weike" ist ein Kinderbuch für 10–12-Jährige und wurde von unserer 12jährigen Tochter gelesen, daher gibt die Rezension vor allem ihre Meinung wider.
Weike zieht eher unfreiwillig aus der Großstadt ...

"Einfach Weike" ist ein Kinderbuch für 10–12-Jährige und wurde von unserer 12jährigen Tochter gelesen, daher gibt die Rezension vor allem ihre Meinung wider.
Weike zieht eher unfreiwillig aus der Großstadt auf's Land, wo sie erst ihren Platz mit Freunden und Zugehörigkeit finden muss. Jedes Kapitel wird mit einer passenden Illustration eingeleitet, die die Handlung widerspiegeln. Inhaltlich streift das Buch viele Themen, die eigentlich viele Kinder kennen und wiedererkennen wie Freundschaft, authentisch sein, Selbstfindung, Mut. Das könnte durchaus unterhaltsam sein, erweckt hier jedoch irgendwie einen oberflächlichen Eindruck. Immer wieder gibt es originelle Szenen mit einem charmanten Humor. Allerdings bleiben die Charaktere – inklusive Weike – blass und schemenhaft.
Für Kinder in Umbruchphasen oder mit Fragen zum Dazugehören kann "Einfach Weike" durchaus inspirierend sein. Unsere Tochter konnte das Buch jedoch nicht wirklich packen. Alles in allem ein nettes Kinderbuch, das man aber vielleicht nicht unbedingt gelesen haben muss.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Werwolfgeschichte in der Hörbuchversion nicht überzeugend gelesen

Bite Risk – Kein Entkommen
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In der Vollmondnacht verwandeln sich die Erwachsenen in aggressive Werwölfe, müssen zum Schutz aller einzeln hinter dicken Gittern eingesperrt werden und die Kinder übernehmen Patrouillenläufe und sorgen ...

In der Vollmondnacht verwandeln sich die Erwachsenen in aggressive Werwölfe, müssen zum Schutz aller einzeln hinter dicken Gittern eingesperrt werden und die Kinder übernehmen Patrouillenläufe und sorgen in der Nacht für Schutz und Ordnung. Wir haben die Geschichte auf einer langen Autofahrt gehört. Unsere Kinder (9 und 12) fanden die Story spannend erzählt. Sie liefert zunächst einiges an Klischees zum Thema Werwolf, um es später neu zu ordnen. Wem darf man noch trauen? Was wird eigentlich gespielt?
Neben dem Werwolfthema geht es um Freundschaft und dem Gefühl von Zugehörigkeit. Dabei bleibt die Geschichte stets unterhaltsam, teils gruselig, teils witzig. Eine Geschichte, die man lesen/hören kann, aber nicht muss. Uns hat sie die Autofahrt in jedem Fall verkürzt.
Ein Nachtrag der sich auf die Hörbuchversion bezieht: die Stimme hat uns leider nicht gefallen. Stellenweise klang sie wie von einer KI eingesprochen, was mir deutlich mehr aufgefallen ist als den Kindern. Aber selbst die waren an einigen Stellen irritiert ("klingt ja wie von einem Roboter").

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Facettenarmes Bild von Frauen mit (un)erfülltem Kinderwunsch

Im Leben nebenan
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Die Grundidee des Buches hat mich anfänglich sehr begeistert und neugierig gemacht: eine Frau mit unerfülltem Kinderwunsch wacht plötzlich in einem Parallelleben "nebenan" auf - in ihrem alten Heimatdorf, ...

Die Grundidee des Buches hat mich anfänglich sehr begeistert und neugierig gemacht: eine Frau mit unerfülltem Kinderwunsch wacht plötzlich in einem Parallelleben "nebenan" auf - in ihrem alten Heimatdorf, verheiratet mit ihrer Jugendliebe und der frisch geborenen kleinen Tochter Hanna im Eigenheim lebend. Als Leser erfährt man abwechselnd aus beiden Leben und bekommt nach und nach Antwort auf die Frage "Was wäre gewesen, wenn...?".
Das Cover mit der Frau, der das Wasser mehr als über dem Halse hinaus steht, ist einladend. Die Sprache ist lebendig und insgesamt liest das Buch sich sehr flüssig. Allerdings hat mich der larmoyante Grundton zunehmend gestört. Das Leben von Frauen (mit unerfülltem/erfülltem Kinderwunsch) scheint laut Anne Sauer eines der härtesten zu sein. Besser gar keinen Kinderwunsch haben und völlig autark sein Leben ohne Kinder leben (Ironie Ende).
Ich lese gerne Bücher, die die Rollenbilder und die unterschiedlichen Erwartungen an die Geschlechter in der Gesellschaft hinterfragen. Anne Sauer sagt selber zu ihrem Buch: "Es geht um Selbstbestimmtheit, um Entfremdungsgefühle, es geht um Partnerschaft, um Familie, um Heimat, ein Zuhause finden". Für mich blieb der Roman dabei aber facettenarm und die Figuren im Selbstmitleid verhaftet. Hinsichtlich Selbstbestimmtheit, gar -ermächtigung habe ich wenig herauslesen können.

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