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Veröffentlicht am 17.12.2025

Ein eindringlicher Blick in die Abgründe der Bipolarität

Haus zur Sonne
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Bei dem Buch „Haus zur Sonne" von Thomas Melle hat mich die Frage interessiert: Was wäre wenn? Was passiert, wenn ein Mensch, dessen Leben bedingt durch die intensiven Wechsel zwischen tiefsten Depressionen ...

Bei dem Buch „Haus zur Sonne" von Thomas Melle hat mich die Frage interessiert: Was wäre wenn? Was passiert, wenn ein Mensch, dessen Leben bedingt durch die intensiven Wechsel zwischen tiefsten Depressionen und überbordender Manie in Scherben liegt, in eine Art Kur kommt – eine Kur, in der er sich alles wünschen kann, unter der einzigen Bedingung, dass er zum Ende sterben wird? Wie verändert sich die Einstellung? Was macht das mit einem Menschen?
Der Autor Thomas Melle spricht aus eigener Erfahrung. Der Text ist eindringlich und intensiv. Zum Teil ist es schmerzhaft zu lesen, mit welcher Realität psychisch Erkrankte zu kämpfen haben:
„Verarschung, Verarschung, Verarschung, so sortierte ich einen nach dem anderen aus: Rechtsanwälte, die einem angeblich beim Bürgergeld helfen wollten, Weiterbildungsstätten, die nur die Zuschüsse absahnen würden, Köder nach Köder für die Verzweifelten" (S. 45)
Man blickt tief in die Seele eines Menschen mit einer bipolaren Störung:
„Es gibt tatsächlich auch in einer schweren Depression Abstufungen. Manchmal lastet alles auf und vor allem in einem, man kann nur da sitzen und die Hände vors Gesicht schlagen, und nicht einmal die Frage nach dem Warum kommt auf. Es ist einfach nichts mehr da, nur Grauen. Dann gibt es leichtere Tage, die aber gleichwohl noch tiefer ins Gemüt schneiden können, da der Geist etwas heller erkennt, was gerade mit ihm passiert: der Dauerangriff auf sich selbst, und das Sekunde für Sekunde." (S. 76)
Immer wieder blitzt eine Spur von Humor und Situationskomik durch. Vom Stil her habe ich den Roman gerne gelesen. Das hilft aber leider alles nichts, wenn man sich letztendlich durch den Roman durchkämpfen muss.
Schwierig für mich war, wie viel das Gedankenkreisen um die eigene Situation und das innere Erleben Raum eingenommen hat – und dabei durchaus redundant ist. Naturgemäß kommt da bei der Thematik einer bipolaren Störung wenig Freude auf. Die Beziehungen nach außen bleiben oberflächlich und leblos. Obwohl es hervorragend geschrieben ist, blieb der Roman letztendlich ein zähes Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 01.11.2025

Bleibt etwas an der Oberfläche

Einfach Weike - Nicht perfekt, aber genau richtig
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"Einfach Weike" ist ein Kinderbuch für 10–12-Jährige und wurde von unserer 12jährigen Tochter gelesen, daher gibt die Rezension vor allem ihre Meinung wider.
Weike zieht eher unfreiwillig aus der Großstadt ...

"Einfach Weike" ist ein Kinderbuch für 10–12-Jährige und wurde von unserer 12jährigen Tochter gelesen, daher gibt die Rezension vor allem ihre Meinung wider.
Weike zieht eher unfreiwillig aus der Großstadt auf's Land, wo sie erst ihren Platz mit Freunden und Zugehörigkeit finden muss. Jedes Kapitel wird mit einer passenden Illustration eingeleitet, die die Handlung widerspiegeln. Inhaltlich streift das Buch viele Themen, die eigentlich viele Kinder kennen und wiedererkennen wie Freundschaft, authentisch sein, Selbstfindung, Mut. Das könnte durchaus unterhaltsam sein, erweckt hier jedoch irgendwie einen oberflächlichen Eindruck. Immer wieder gibt es originelle Szenen mit einem charmanten Humor. Allerdings bleiben die Charaktere – inklusive Weike – blass und schemenhaft.
Für Kinder in Umbruchphasen oder mit Fragen zum Dazugehören kann "Einfach Weike" durchaus inspirierend sein. Unsere Tochter konnte das Buch jedoch nicht wirklich packen. Alles in allem ein nettes Kinderbuch, das man aber vielleicht nicht unbedingt gelesen haben muss.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Werwolfgeschichte in der Hörbuchversion nicht überzeugend gelesen

Bite Risk – Kein Entkommen
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In der Vollmondnacht verwandeln sich die Erwachsenen in aggressive Werwölfe, müssen zum Schutz aller einzeln hinter dicken Gittern eingesperrt werden und die Kinder übernehmen Patrouillenläufe und sorgen ...

In der Vollmondnacht verwandeln sich die Erwachsenen in aggressive Werwölfe, müssen zum Schutz aller einzeln hinter dicken Gittern eingesperrt werden und die Kinder übernehmen Patrouillenläufe und sorgen in der Nacht für Schutz und Ordnung. Wir haben die Geschichte auf einer langen Autofahrt gehört. Unsere Kinder (9 und 12) fanden die Story spannend erzählt. Sie liefert zunächst einiges an Klischees zum Thema Werwolf, um es später neu zu ordnen. Wem darf man noch trauen? Was wird eigentlich gespielt?
Neben dem Werwolfthema geht es um Freundschaft und dem Gefühl von Zugehörigkeit. Dabei bleibt die Geschichte stets unterhaltsam, teils gruselig, teils witzig. Eine Geschichte, die man lesen/hören kann, aber nicht muss. Uns hat sie die Autofahrt in jedem Fall verkürzt.
Ein Nachtrag der sich auf die Hörbuchversion bezieht: die Stimme hat uns leider nicht gefallen. Stellenweise klang sie wie von einer KI eingesprochen, was mir deutlich mehr aufgefallen ist als den Kindern. Aber selbst die waren an einigen Stellen irritiert ("klingt ja wie von einem Roboter").

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Facettenarmes Bild von Frauen mit (un)erfülltem Kinderwunsch

Im Leben nebenan
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Die Grundidee des Buches hat mich anfänglich sehr begeistert und neugierig gemacht: eine Frau mit unerfülltem Kinderwunsch wacht plötzlich in einem Parallelleben "nebenan" auf - in ihrem alten Heimatdorf, ...

Die Grundidee des Buches hat mich anfänglich sehr begeistert und neugierig gemacht: eine Frau mit unerfülltem Kinderwunsch wacht plötzlich in einem Parallelleben "nebenan" auf - in ihrem alten Heimatdorf, verheiratet mit ihrer Jugendliebe und der frisch geborenen kleinen Tochter Hanna im Eigenheim lebend. Als Leser erfährt man abwechselnd aus beiden Leben und bekommt nach und nach Antwort auf die Frage "Was wäre gewesen, wenn...?".
Das Cover mit der Frau, der das Wasser mehr als über dem Halse hinaus steht, ist einladend. Die Sprache ist lebendig und insgesamt liest das Buch sich sehr flüssig. Allerdings hat mich der larmoyante Grundton zunehmend gestört. Das Leben von Frauen (mit unerfülltem/erfülltem Kinderwunsch) scheint laut Anne Sauer eines der härtesten zu sein. Besser gar keinen Kinderwunsch haben und völlig autark sein Leben ohne Kinder leben (Ironie Ende).
Ich lese gerne Bücher, die die Rollenbilder und die unterschiedlichen Erwartungen an die Geschlechter in der Gesellschaft hinterfragen. Anne Sauer sagt selber zu ihrem Buch: "Es geht um Selbstbestimmtheit, um Entfremdungsgefühle, es geht um Partnerschaft, um Familie, um Heimat, ein Zuhause finden". Für mich blieb der Roman dabei aber facettenarm und die Figuren im Selbstmitleid verhaftet. Hinsichtlich Selbstbestimmtheit, gar -ermächtigung habe ich wenig herauslesen können.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Denkanstöße zu gesellschaftlichen Verantwortung und Möglichkeiten von Medien

Gesellschaftsspiel
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Das Cover ist klar gestaltet und zeigt die 3 Hauptfiguren des Romans - die beiden Schwestern Isabelle und Annika, sowie deren Tante Dagmar. Die 3 verbindet am Anfang wenig. Erst der Tod deren Mutter bzw. ...

Das Cover ist klar gestaltet und zeigt die 3 Hauptfiguren des Romans - die beiden Schwestern Isabelle und Annika, sowie deren Tante Dagmar. Die 3 verbindet am Anfang wenig. Erst der Tod deren Mutter bzw. Schwester führt sie wieder zusammen. Parallel zu diesem Handlungsstrang möchte ein großer Tech-Investor und Spieleentwickler in deren Heimatstadt Weimar eine App einführen, die den Bewohner mehr politische Mitbestimmung und Einflussnahme ermöglicht.
Der Roman ist nah an den aktuellen politisch-gesellschaftlichen Themen dran. Zwischen den Kapiteln gibt es immer wieder Einschübe aus diversen Medien, die sehr gut den zum Teil aufgepeitschten, in der Anonymität des Internets radikal formulierten Ton wiedergeben. Wie gehen die beiden Stränge am Ende zusammen auf? Für mich tatsächlich leider nicht ganz. Vermutlich bin ich mit anderen Erwartungen in den Roman gestartet, z.B. wie sich die Frauen in einer möglichen Utopie/Dystopie weiterentwickeln.
Annika arbeitet in der Tech-Branche, Isabelle ist Lehrerin für Politik und Dagmar unterrichtet Soziologie an der Hochschule. So hatte ich bei manchen Dialogen oft den Eindruck eher ein Sachbuch zu lesen. Die Figuren und deren Beziehungsleben blieben für mich kühl und irgendwie blass. So sitzen die 3 Frauen wenige Tage nach dem Tod der Mutterin/Schwester in der Sauna zusammen und diskutieren die gesellschaftliche Neuordnung und sind am Ende froh, wieder zueinander gefunden zu haben. Ahja... vieles bleibt im Kopf, wird aber wenig fühlbar. Die Auseinandersetzung mit der zu erwartenden Trauer, möglicherweise auch Ambivalenz gegenüber der Verstorbenen und insgesamt eine emotionale Tiefe in der Figurenzeichnung wird man beim Lesen eher wenig finden.
Andererseits merkt man dem Roman die Expertise der Autorin mit der Tech-Branche und Medien sowie ihre intensive Auseinandersetzung mit deren gesellschaftlichen Verantwortung/Möglichkeiten an. Wenn man es so liest, wird man als Leser mit vielen Denkanstößen belohnt und bekommt einiges an Diskussionsstoff.

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