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Veröffentlicht am 03.11.2025

Gwin und das Herz des Drachen

Gwin und das Herz des Drachen (Band 1)
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„Gwin und das Herz des Drachen“ bildet den Auftakt der märchenhaften Fantasy-Reihe von Verena Maier, erschienen am 12. Juni dieses Jahres im Loewe-Verlag. Auf 350 Seiten lädt die Autorin nicht nur jüngere ...

„Gwin und das Herz des Drachen“ bildet den Auftakt der märchenhaften Fantasy-Reihe von Verena Maier, erschienen am 12. Juni dieses Jahres im Loewe-Verlag. Auf 350 Seiten lädt die Autorin nicht nur jüngere Leser zum Träumen ein und eröffnet ihnen eine ganz neue, geheime Welt, die direkt vor ihren Augen verborgen liegt.
Wir begleiten unsere 10-jährigen Protagonistin Gwin Erlstein, die von zuhause wegläuft, als ihre Eltern sie wieder einmal zurücklassen, um in den Urlaub zu fahren. Ihre Tochter wollen sie auf keinen Fall dabeihaben – soll doch die scheußliche Tante Edith sich um sie kümmern! Aber ohne Gwin. Kurzerhand verschwindet sie, nur um kurz darauf zu bemerken, dass es sich ohne Geld auf der Straße nicht gut leben lässt. Zum Glück taucht der sprechende Kater Nerowitz auf und spricht eine außergewöhnliche Einladung aus: Gwin kann fürs Erste in Madame Manous geheimem Zauberladen unterkommen. Hier gibt es alles, was sich ein ausgehungertes, unglückliches Mädchen wünscht und noch einiges mehr! Dass Madame Manous Kundschaft fast ausschließlich aus magischen Wesen besteht, erkennt sie schnell. Doch im Keller des Ladens versteckt sich noch eine ganz andere Kreatur, die schon seit Jahrhunderten darauf wartet, aus ihrem papiernen Gefängnis befreit zu werden. Wer konnte schon ahnen, was Gwin damit losgetreten hatte…

Das Buch richtet sich in erster Linie an jüngere Leser, worauf einerseits das Alter der Protagonistin hindeutet, andererseits allerdings auch die relativ große Schrift, die bei Kinderromanen üblich ist. Dennoch hat die Geschichte durchaus Potenzial, auch Jugendliche oder sogar Erwachsene zu begeistern, denn es gibt reichlich Magie zu entdecken. Besonders Fantasy-Fans, die sich eine Geschichte ohne romantische Beziehungen und ohne Spice wünschen, werden hier fündig. Die Autorin überrascht außerdem mit einigen Handlungsfäden, die erst am Ende der Geschichte zusammenlaufen, sodass ein für dieses Genre ungewöhnlicher Spannungsbogen entsteht. Erst am Ende des Abenteuers setzen sich die Puzzleteile endgültig zusammen, und alle Zusammenhänge ergeben ein großes Bild der Zauberwelt, der Madame Manous Laden angehört. Gerade dieser Umstand macht das Buch auch attraktiv für ältere Leser, die Lust haben, tief in eine fantastische Welt einzutauchen und Stück für Stück zu entdecken, aus welchen Elementen sich diese zusammensetzt.
Auf einigen Seiten finden sich auch aufwendig gestaltete Illustrationen in Schwarz-Weiß, die mit dem Zeichenstil des Covers übereinstimmen und den Lesespaß noch verstärken.
Darüber hinaus werden sowohl ältere als auch jüngere Leser gleichermaßen angesichts einiger humorvoller Szenen schmunzeln, wenn wieder einmal Flüche wie „Du Sparflamme!“ oder „Dummschuppe!“ ausgesprochen werden.

Junge Leser werden sich mit Gwin identifizieren können, da diese sich, ähnlich wie viele Kinder in diesem Alter, von ihren Eltern missverstanden fühlt und sich eine Welt wünscht, in der sie alles tun und lassen kann, wie es ihr gefällt. Auf der Suche nach einem Ort, der sie nicht einschränkt, wächst sie über sich hinaus und lernt die Bedeutung echter Freundschaft zum ersten Mal kennen. Dabei gelingt ihr nicht alles beim ersten Versuch – aber ihr eiserner Wille und Mut zahlen sich letztendlich aus.
Ab und an werden lautmalerische Elemente verwendet (Glocke: Dong! Dong! Dong!) und das ein oder andere Klischee bedient – so ist der Kellner in Madame Manous Laden natürlich ein Vogel, wenn auch ein Storch und kein Pinguin. Auch das Motiv des Bösewichts ist kindgerecht: er handelt, wie die meisten Schurken, aus Hass und Neid heraus.

„Gwin und das Herz des Drachen“ ist eine Geschichte, die für alle Altersklassen geeignet ist. Sie erzählt von Freundschaften, die stärker sind als alle Vorteile und die jedes Risiko wert sind. Außerdem zeigt sie uns eindrücklich auf, dass man seine Familie auch finden kann, genau wie Gwin es im Auftakt dieser Fantasyreihe getan hat. Mit viel Witz und Spannung zieht die Autorin uns in ihren Bann und lädt uns ein, den Alltag für ein paar schöne Lesestunden zu vergessen, um mit Gwin auf Reisen zu gehen. Eine klare Empfehlung für alle, die sich ein kurzweiliges, herzerwärmendes Abenteuer mit innovativen Fantasyelementen wünschen, das von Beginn an seine Magie entfaltet.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Odins Ruf

Odins Ruf - Verblasste Erinnerung
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Du kannst ihr alles nehmen, aber nicht den Instinkt, zu wissen was sie ist.
„Odins Ruf – Verblasste Erinnerung“ von Juliana Alt, erschienen am 17. Februar diesen Jahres im Dunkelstern-Verlag, besticht ...

Du kannst ihr alles nehmen, aber nicht den Instinkt, zu wissen was sie ist.
„Odins Ruf – Verblasste Erinnerung“ von Juliana Alt, erschienen am 17. Februar diesen Jahres im Dunkelstern-Verlag, besticht mit einer großzügigen Anzahl an Illustrationen, inspiriert durch die nordische Mythologie und einer keineswegs vorhersehbaren Erzählung darüber, was geschehen kann, wenn man vergisst, was – nicht wer - man schon immer gewesen ist.
Das Buch ist liebevoll gestaltet und weist bei jedem neuen Beginn eines Kapitels eine schöne Rabendarstellung und eine entsprechende Feder in den Seitenecken auf. Außerdem befinden sich im unteren Teil durchgehend schwarze Polarsterne, die das Gesamtbild noch zusätzlich aufwerten. Vorne im Buch finden wir einen Hinweis auf eine Contentwarnung, die sich auf den letzten Seiten befindet – so kann jeder für sich entscheiden, ob er oder sie im Vorhinein einen Einblick erhalten oder lieber blind in die Geschichte einsteigen möchte. Darüber hinaus wurde auch exklusiv für das Buch eine Playlist erstellt, was für zusätzliche Immersion zu erlauben. Auf 243 Seiten erzählt die Autorin die Geschichte von Hester, lässt aber ab und an auch die Perspektive einiger Nebencharaktere zu. Die Kapitel sind mit zwischen einer und 29 Seiten unterschiedlich lang, jedoch in der Regel eher kurz.

Hester Lind erfährt auf ungewöhnlichem Wege vom Tod ihres Bruders, zu dem der Kontakt allerdings schon vor Jahren abgebrochen ist. Dennoch macht sie sich auf den Weg in die Stadt, in der er zuletzt gelebt hat, um sich ihm nahe zu fühlen und zu trauern. Sie trifft auf Skadi, seine Freundin, die felsenfest davon überzeugt ist, dass Malviks Tod kein Unfall gewesen sein kann. Hester sieht sich das Zimmer an, das er gemietet hatte und wird vom sympathischen Eigentümer Erik gleich eingeladen, für die Dauer ihres Aufenthaltes dort zu bleiben. Erleichtert nimmt sie das Angebot an und beginnt mit der Recherche. Allerdings dauert es nicht lange, bis die ersten sonderbaren Beweise auftauchen und unsere Protagonistin realisiert, dass etwas mit ihrem Gedächtnis nicht stimmt… Wir befinden uns im modernen Schweden, aber viele Menschen glauben noch immer an die Sagen der nordischen Mythologie und verehren dessen Götter. Hester ist skeptisch – für sie sind das alles bloß Geschichten, auch wenn sie eventuell ein Körnchen Wahrheit enthalten. Bald schon sieht sich Hester allerdings mit verschiedenen mystischen Wesen konfrontiert und muss einsehen, dass die Geschichten vielleicht nicht ganz so erfunden sind, wie sie gedacht hatte. Gleichzeitig kommt sie auch Erik immer näher, obwohl sie den Eindruck nicht abschütteln kann, ihn schon länger zu kennen.


Die Beziehung zwischen Hester und Erik entwickelt sich in einem guten Tempo und zwischen den beiden sprühen reichlich Funken. Es gibt keine typische „Closed Door“-Situation, allerdings auch keine explizite Beschreibung, weshalb ich den Spice-Level mit einer bis 1,5 Chilischoten bewerten würde.
Der eigentliche Plot entwickelt sich dagegen etwas langsam. Erst gegen Ende beginnen die Puzzleteile, sich zusammenzusetzen und die Rätsel klären sich ab einem bestimmten Buch sehr schnell auf. Trotzdem fehlt es „Odins Ruf“ keineswegs an Spannung und an unvorhersehbaren Wendungen, die der Geschichte ihre düstere Atmosphäre verleihen. Schließlich finden sich auch einige dramatische Elemente, die den Ausklang auf epische Art und Weise abrunden.
Den Charakteren fehlt es dagegen etwas an Tiefe. Trotz der langen Suche, auf die wir Hester begleiten, gelingt es nicht wirklich, sich in sie hineinzuversetzen, obwohl ihr Verhalten logisch und ihre Gefühle nachvollziehbar sind. Die Nebencharaktere konnten leider auch nicht besonders überzeugen. Beim Lesen kamen keine starken Empfindungen auf, stattdessen folgt man einfach dem Lauf des Buches, ohne aber wirklich daran teilzuhaben. Da die Geschichte sich aber mit der Frage nach Malviks Trod beschäftigt, hätten zusätzliche Slice of Life Momente den Plot nur noch zusätzlich in die Länge gezogen.
Es handelt sich um einen in sich abgeschlossenen Einzelband. Die Fragen, die im Laufe der Geschichte aufgeworfen wurden, werden beantwortet, sodass keine Fortsetzung zu erwarten ist. Auch der Verlag hat in diese Richtungen keine Andeutungen gemacht.  


Alles in allem ist „Odins Ruf – Verblasste Erinnerung“ ein gelungenes Abenteuer, für allem für Kenner der nordischen Mythologie, die mit den erwähnten Sagen und mystischen Kreaturen bereits vertraut sind. Diese werden aber allesamt vorgestellt, sodass Vorwissen in diesem Bereich nicht nötig ist, um der Geschichte folgen zu können. Auch wenn die Charaktere nicht vollständig überzeugen konnten, steht hier auch nicht die Beziehung zwischen den Figuren im Fokus, sondern die nordische Mythologie als sagenumwobene Inspirationsquelle. Somit empfehle ich das Buch für alle, die Lust auf ein etwas anderes Fantasyabenteuer haben und in die mysteriöse Welt der nordischen Mythologie eintauchen möchten.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Blossoms of Fire

Blossoms of Fire
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Der Fantasy-Roman „Blossoms of Fire“ von Cosima Lang überzeugt als alleinstehender Band vor allem mit seinem malerischen Setting: Vor der Küste Schottland liegt die Vulkaninsel Rùm, die nicht nur einen ...

Der Fantasy-Roman „Blossoms of Fire“ von Cosima Lang überzeugt als alleinstehender Band vor allem mit seinem malerischen Setting: Vor der Küste Schottland liegt die Vulkaninsel Rùm, die nicht nur einen einzigen, sondern gleich einen ganzen Drachenclan zu bieten hat. An der Seite von Kräuterhexe Briar kommen wir ihrem einzigartigen Geheimnis auf die Spur.

Das Buch erschien am 25. April 2025 im Loomlight Verlag und umfasst 396 Seiten.

Formal fällt zunächst die Triggerwarnung ins Auge, auf die gleich zu Beginn hingewiesen wird. Die potentiell aufwühlenden Elemente werden auf der letzten Seite des Buches aufgelistet, sodass der Leser selbst frei entscheiden kann, ob er Spoiler in Kauf nehmen möchte, oder lieber gleich mit der Lektüre beginnt.

Jedes Kapitel trägt den Namen eines Heilkrautes oder einer Pflanze, welches im Laufe des Abschnitts eine Rolle spielt. So lernt man ganz beiläufig einige ihrer Anwendungsbereiche kennen. Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass das Verkaufen von Waldmeister Kopfschmerzen lindern kann? Hieraus ergibt sich eine völlig neue, informative Komponente der Geschichte, die mich besonders fasziniert hat. Die Länge der Kapitel ist dabei ideal für eine kurze Kaffee- oder Teepause: im Schnitt enthalten die Abschnitte zwischen 7 und 15 Seiten.

Die Orte, die in der Geschichte benannt werden, existieren tatsächlich, was sicherlich dem ein oder anderen Anreiz für einen Kurztrip bietet. Die Erzählung beginnt zunächst im traumhaften Edinburgh und führt uns später auf eine raue Insel westlich von Schottland.

Was das Genre betrifft, mischt die Autorin romantische und fantastische Elemente, um diese kunstvoll miteinander zu verstricken. Dabei beschränkt man sich nicht nur auf die Existenz von Drachen, sondern trifft auch Zwerge und selbstverständlich Hexen an. Jedoch würde ich das Buch auf der Skala etwas weiter Richtung Roman verorten, da das Element der fantastischen Wesen zwischenzeitlich nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Unsere Protagonistin, Briar Delga, dürfte den meisten Lesern sympathisch sein: Ein starker, weiblicher Charakter, der sich nicht den Mund verbieten lässt. Im Umgang mit anderen Charakteren zeigt sie sich extrovertiert und selbstbewusst. Am Rande wird außerdem beschrieben, dass sie keine Modelmaße hat, ihren Körper aber schön findet, so wie er ist. Das immer noch aktuelle Thema Body Positivity wird somit im Roman aufgegriffen. Darüber hinaus tritt im Verlauf der Geschichte auch ein lesbischer Nebencharakter auf, was die Erzählung inklusiv und LGBTQIA+-freundlich macht. Trotzdem benennt Briar auch einige ihrer Schwächen, was ihr wiederum Menschlichkeit verleiht und sie als Figur greifbar macht: Im Rahmen eines Festes gibt sie zu, dass die bevorstehende soziale Interaktion ihr Angst macht und sie „planen muss, damit [sie sich] entspannen kann“ (vgl. S. 198).

Darragh bildet als angeblicher Draufgänger zuerst einmal das genaue Gegenstück. Muskulös gebaut und mit nautisch anmutenden Tattoos auf dem Oberkörper füllt er sicher das Klischee eines Schotten, den so leicht nichts aus der Bahn werfen kann, zur Gänze aus. Umso bedeutungsvoller erscheint dadurch die Offenbarung, dass auch ihn Ängste und der ein oder anderen unausgefochtene Zwist mit seinem Bruder Basil plagen. Die Vergangenheit der beiden erklärt die Motive hinter ihren Handlungen und gibt beiden Charakteren die nötige Tiefe.

Darüber hinaus kann natürlich keine Hexe, die etwas auf sich hält, ohne tierischen Begleiter auskommen. Um was, beziehungsweise um wen genau es sich handelt wird hier noch nicht verraten, es sei aber gesagt, dass es sich um eine eher unkonventionelle Verbündete handelt, die der Handlung einerseits viel Witz und andererseits eine mystische Nuance verleiht.

Positiv aufgefallen sind mir die durchweg ungewöhnlichen Namen der Charaktere, welche ihre Persönlichkeiten jedoch gut widerspiegeln. Gleichzeitig handelt es sich, soweit ich das beurteilen kann, um altenglische Namen, die das Setting des Romans respektieren.

Die Dynamik zwischen den beiden Protagonisten ist ebenfalls bemerkenswert: Besonders scheinbar nebensächliche Momente, die die Gewohnheiten und Traditionen im Drachenclan näher beschreiben, überzeugen mit ihrer Immersionskraft. Trotzdem ist anzumerken, dass das Buch sich definitiv nicht für ein jüngeres Publikum eignet – wie die Triggerwarnung bereits vorbringt gibt es einige sehr explizite Szenen.

Stellenweise wirkt die Entwicklung der romantischen Beziehung und auch die Handlung selbst leider etwas gehetzt: wichtige Momente wie der erste Kuss finden im Roman relativ früh statt. So steigen wir auch nach wenigen Seiten sofort mit einem großen Ereignis in den eigentlichen Plot ein. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist dies allerdings dem Umstand geschuldet, dass die Autorin ein in sich geschlossenes Leseerlebnis bieten wollte und eine ausführlichere Beschreibung einen Anschlussband verlangt hätte.

Dennoch kommt die Spannung in den letzten Zügen der Geschichte nicht zu kurz, da nach Abschluss der Haupthandlung noch ein letztes Rätsel auf unsere Kräuterhexe wartet, das sie um jeden Preis lösen muss. Allerdings sollte man hier nicht aus ein komplexes Gespinst aus Intrigen und ineinander verworrenen Lügen hoffen: Der Fokus der Erzählung liegt bis zum Schluss auf der Beziehung zwischen den Hauptfiguren und nicht darauf, den Leser in die Irre zu führen, wie es in so manchem Kriminalroman sicherlich der Fall gewesen wäre. Für meinen Geschmack fiel die finale Auflösung deshalb leider ein wenig antiklimaktisch aus.

Alles in allem hat sich „Blossoms of Fire“ als Romantasy-Erzählung, die den Mut hat, vieles anders zu machen als es im Genre üblich ist, definitiv einen Platz auf meinem Bücherregal erkämpft. Die Handlung spricht eine Vielzahl von Interessenkreisen an – sei es Hexen oder Magie im Generellen, Drachen oder auch Kräuterkunde. Trotzdem kommt die Erzählung ohne einen zweiten oder dritten Band aus, was heutzutage eher die Ausnahme bildet. Auch wenn die Konflikte, die die Geschichte bietet, etwas zu schnell aufgelöst werden, kommt dennoch etwas Spannung auf.

Wer ein Buch mit Charakteren sucht, die einem schnell ans Herz wachsen und eine Handlung, die eine gewisse Gemütlichkeit ausstrahlt, aber dennoch nicht auf fantastische Wesen verzichtet, der ist hier genau richtig. Für Romanleser, die ins Romantasy-Genre hineinschnuppern wollen, ist „Blossoms of Fire“ ebenfalls eine echte Empfehlung.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Anima Daemonis

Anima Daemonis
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Der Fantasy-Roman „Anima Daemonis“ von Mandy Rauch, erschienen Ende letzten Monats im Phantorion-Verlag bei Ludwigswinkel, wartet mit dem größten Plottwist seit George Orwell auf, der noch lange nachhallt. ...

Der Fantasy-Roman „Anima Daemonis“ von Mandy Rauch, erschienen Ende letzten Monats im Phantorion-Verlag bei Ludwigswinkel, wartet mit dem größten Plottwist seit George Orwell auf, der noch lange nachhallt. Die Geschichte entführt uns auf 297 Seiten in die tiefsten Abgründe der Hölle, wo Dämonen menschliche Seelen unermüdlich läutern um ihnen eine Wiedergeburt zu erlauben. Jedoch ist unsere Protagonistin keineswegs eines natürlichen Todes gestorben oder gar ermordet worden. Nein, sie hat sich ganz bewusst dazu entschlossen, sich das Leben zu nehmen, um in der sagenumwobenen Unterwelt nach einem ganz besonderen Dämon zu suchen.

Auf den ersten Seiten des Buches finden wir gleich eine Triggerwarnung, denn Teile der Handlung könnten potenziell verstörend wirken und negative Emotionen auslösen. Darunter fällt sicherlich auch der Selbstmord der Protagonistin. Eine sinnvolle Neuerung, die von immer mehr Autoren und Autorinnen aufgegriffen wird und neuerdings auch vorne im Buch positioniert wird, statt ganz hinten, wo sie leicht übersehen werden könnte. Von der Handlung wird dennoch nichts verraten, weshalb man sich keine Gedanken um Spoiler machen muss.
Das Buch wartet mit einem schönen mehrfarbigen Farbschnitt auf und auch die ungewöhnliche Schriftart wirkt sehr wertig. Jedoch scheint das Hauptmotiv auf dem Cover etwas unglücklich positioniert, da leicht nach links verschoben. Bei genauerem Hinsehen sind auch Positionierungsmarkierungen sichtbar. Es könnte sich bei meinem vom Verlag zur Verfügung gestellten Exemplar jedoch auch um einen Fehldruck handeln.
Unsere Protagonistin ist Änlin, jedoch wechseln wir hin und wieder auch zur Perspektive von Mephisto: dem Dämon, den sie hofft, zu finden. Der Name über dem Kapitel gibt jeweils an, wessen Sichtweise behandelt wird. Die Abschnitte sind etwa 10 Seiten lang und damit weder zu lang noch zu kurz für eine kurze Pause oder einen ruhigen Moment vor dem Schlafen. Dabei deutet ein kleines Emblem jeweils an, wann wir die Gegenwart für einen kurzen Rückblick verlassen, was der Geschichte die nötige Struktur verleiht. Über diese Flashbacks erschließt sich Stück für Stück die Vergangenheit der Charaktere. Trotz der vielen Persönlichkeiten mit teils eigensinnigen Namen fällt es trotzdem nicht schwer, der Handlung zu folgen. Ein schönes Extra wäre allerdings eine Karte der Hölle gewesen, sodass man sich Änlins Weg noch besser hätte vorstellen können.

Der Roman spielt mit unserem Verständnis des Lebens nach dem Tod und der Wesen der Unterwelt. Denn in „Anima Daemonis“ sind keineswegs die Dämonen die verachtenswerten Gestalten, getrieben nur von Boshaftigkeit und Sünde, sondern die Menschen. Seelen, die sich versündigt haben, bleibt bekanntlich der Eingang zum Paradies verwehrt und sie fahren stattdessen zur Hölle. Doch dass es mitunter die Dämonen sind, die sich vor diesen dunklen Seelen fürchten, die sie eigentlich rehabilitieren sollen, ist ein eindeutig weniger Häufig behandelter Umstand. Ein spannender Gedanke, der uns während der gesamten Lektüre weiterhin begleitet. Das Buch scheint außerdem von einer oder mehreren Mythologien inspiriert zu sein, die aber nicht namentlich genannt werden und damit schwer zu identifizieren sind.
Über einen direkten Einstieg starten wir gleich ins Geschehen und begleiten Änlin auf ihrer ereignisreichen Reise; sehen durch ihre Augen wie Seelen bestraft werden und welche moralischen Abgründe sich auftun. Und eben diese sollen auch für unsere Hauptcharaktere von zentraler Bedeutung werden. Mit der Königin der Hölle, Morwen, schließt Mephisto ein Wette ab. Wird Änlin es schaffen, zu ihm zu kommen, ohne dabei ihre Reinheit einzubüßen?
Im weiteren Verlauf bietet das Buch zahlreiche starke, weibliche Charaktere, die für Spannung sorgen. Schließlich will man auch wissen, ob die Protagonistin ihr Ziel tatsächlich erreichen wird oder ob sie doch aufgeben muss. Dabei liegt der Fokus jedoch eher auf dem Plot als auf den Figuren, die stellenweise doch etwas emotionslos und hölzern wirken.
Erst gegen Ende offenbart die Geschichte allerdings ihre Vielschichtigkeit und zeigt, was sie so lesenswert macht. Fans von Thrillern sollten hier allein schon aufgrund des Elements des Mysteriösen auf ihre Kosten kommen. Alle Fäden kommen schließlich an einem Punkt zusammen und alle Fragen werden beantwortet – in einer Wendung, die weder ich, noch irgendjemand unserer Lesegruppe kommen gesehen hat.
Eine Fortsetzung der Geschichte ist wohl eher ausgeschlossen, denn Änlins Geschichte ist erzählt, es sei denn, etwas verändert sich. Dann wäre die Möglichkeit für eine Romanze mit Mephisto da, jedoch halte ich dies eher für unwahrscheinlich.
Alles in allem hat mich „Anima Daemonis“ trotz anfänglicher Startschwierigkeiten letztendlich doch voll und ganz überzeugt. Ein weiterer Beweis dafür, dass auch kleinere Verlage mitunter echte Juwelen veröffentlichen und es nicht immer der neueste Dark Fantasy Roman von Piper oder Bastei Lübbe sein muss. Die Geschichte ist vielschichtig und verworren, jedoch klar erzählt, sodass es sogar empfehlenswert ist, das Buch noch ein zweites Mal zu lesen, nachdem man erst einmal über den enormen Plottwist Bescheid weiß. Eine klare Empfehlung von mir, auch für Genrefremde, denn hier kommen viele verschiedene Elemente zusammen, die dafür sorgen, dass der Leser ein echtes Abenteuer erleben kann.

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Veröffentlicht am 15.06.2025

Die Totenbändiger

Unheilige Zeiten
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Was, wenn die Seelen derjenigen Menschen, die dem Leben gewaltsam entrissen wurden, nicht friedlich ins Jenseits dahingleiten, sondern als Geister Jagd auf die Lebensenergie anderer machen?
„Die Totenbändiger ...

Was, wenn die Seelen derjenigen Menschen, die dem Leben gewaltsam entrissen wurden, nicht friedlich ins Jenseits dahingleiten, sondern als Geister Jagd auf die Lebensenergie anderer machen?
„Die Totenbändiger – Unheilige Zeiten“ bildet auf 490 Seiten den ersten Sammelband der gleichnamigen Urban Fantasy Reihe von Nadine Erdmann. In diesem Jahr erschienen alle Bände als Taschenbücher im Kleinstverlag Kuneli. Die Reihe war zunächst digital in drei Staffeln, zu je acht Kurzbänden veröffentlicht worden. Nun wurden jeweils vier Bände in einem Printexemplar zusammengefasst, sodass Band eins „Unheilige Zeiten“ und Band zwei „Äquinoktium“ gemeinsam die erste Staffel bilden. Darüber hinaus schrieb die Autorin anstelle eines siebten Bandes noch einen zusätzlichen Short. Eine Erweiterung des Totenbändiger-Universums ist für die Zukunft geplant.
Wir folgen gleich mehreren Charakteren der Familie Hunt, die in sich bereits eine außergewöhnliche Struktur aufweist. Mehr als die Hälfte der Mitglieder sind Totenbändiger – Menschen, die mit der Fähigkeit geboren wurden, die Todesenergie von Geistern zu neutralisieren. Diese entstehen wiederum wenn eine Person gewaltsam zu Tode kommt, etwa durch einen Unfall oder Mord. Sky und Jules Hunt, die leiblichen Kinder von Sue, etwa, haben diese Gabe von ihr geerbt. Die Eltern entschieden sich außerdem dazu, Gabriel, Ella und später auch Camren aufzunehmen, welche ebenfalls Geister bändigen können. Lediglich Connor; Sky’s Freund, Großmutter Edna und Phil; Sue’s Ehemann, teilen diese Eigenschaft nicht mit dem Rest der Familie. Camren, dessen Herkunft unklar und düster ist, übernimmt am häufigsten die Rolle des Protagonisten, doch wir lernen auch noch andere Figuren kennen, die weitere Handlungsstränge übernehmen. Wir befinden uns dabei stets in der Gegenwart, in London Hampstead.

„Die Totenbändiger“ wartet mit sensationellem Worldbuilding auf, dass offensichtlich bis ins allerkleinste Detail durchdacht wurde. Gerade deshalb fällt es leicht, sich auf die Geschichte einzulassen. Die Welt, die Nadine Erdmann beschreibt, wirkt erschreckend realistisch, sodass ein immersives Erlebnis geboten wird. Wir lernen einerseits unterschiedliche Geistertypen kennen, erfahren aber auch, welche Auswirkungen die Existenz von Geistern auf das alltägliche Leben hat. So werden Totenbändiger von der Gesellschaft zwar toleriert, jedoch immer mit Missgunst betrachtet: denn sie können nicht nur die Energie von Geistern in sich aufnehmen, sondern theoretisch auch die der Lebenden. Aus diesem Grund haben sie oft Schwierigkeiten, einen Job oder eine Wohnung zu finden. Da Geister sich von Eisen und Silber fernhalten, werden entsprechende Zäune genutzt und Fäden des teuren Metalls in Westen eingenäht, um „Normalos“, die keinerlei Fähigkeiten besitzen, zu beschützen.
Gekonnt mischt die Autorin verschiedene Elemente unterschiedlicher Genre wie Krimi, Thriller, Fantasy und LGBTQIA+-Roman. Was gewagt klingt, sorgt im Gegenteil für ein abwechslungsreiches Abenteuer, welches auch über den ersten Band hinweg fesselt und Lust auf mehr macht. Dank der hohen Anzahl an Figuren werden sowohl lesbische, schwule, aber auch polyamore Liebe repräsentiert, was selbst im entsprechenden Genre eher selten der Fall ist. Ebenso wenig wird die Diversität im Buch vernachlässigt: Wir lernen im Laufe der Geschichte unter anderem eine Afrobritin und einen Pakistani sowie einen Menschen mit Albinismus kennen.
Die Figuren verwenden alltägliche Umgangssprache inklusive Schimpfwörtern, Anglizismen und sexuellen Andeutungen, weshalb das Buch wohl für Jugendliche ab 16 Jahren zu empfehlen ist. Anzumerken ist allerdings der problematische Aspekt der Selbstverletzung, der mäßig detailliert beschrieben wird. Diesbezüglich wäre eine Triggerwarnung wünschenswert gewesen, da betroffene Personen andernfalls durch die Lektüre von unangenehmen Erinnerungen überrascht werden könnten.

Anzumerken ist außerdem, dass bereits im Laufe des ersten Bandes eine ungewöhnlich große Menge an Charakteren präsentiert werden, sodass man schnell den Überblick über Verwandschaftsverhältnisse verlieren kann, wenn man die Geschichte nicht in kurzer Zeit beendet. Ein Figurenregister oder etwa ein Stammbaum hätte hier für eine Übersicht gesorgt, auf die man bei Bedarf zurückgreifen kann. Sicherlich ist eine gewisse Anzahl an Figuren für einen gelungenen Found-Family-Trope unerlässlich, jedoch teilt sich dadurch auf der Fokus auf, was dazu führt, dass nicht alle Persönlichkeiten so ausführlich beschrieben werden, wie es in anderen Geschichten der Fall gewesen wäre. Anstelle einiger Actionszenen hätte man stattdessen ein paar zusätzliche Slice-of-Life-Momente einstreuen können, um diesem Eindruck entgegenzuwirken. Gegen Ende fiel leider auch ein wenig die Spannung weg, da die unterschiedlichen Charaktere zwar häufig in brenzlige Situationen kommen, sie aber stets in kurzer Zeit Hilfe erhalten und ich ohne bleibende Schäden aus der Situation befreien können. Dadurch fiel es leider auch schwerer, sich mit den Figuren zu identifizieren.

Alles ist allem ist Nadine Erdmann mit ihrer Urban Fantasy Reihe ein innvovativer Mix aus unterschiedlichen Genre gelungen, mit denen sie ein großes Publikum anspricht und dieses auch durch moderne Tropes wie Found Family und LGBTQIA+-Liebe zu begeistern weiß. Mithilfe von überraschenden Plot Twists und regelmäßigen Perspektivwechseln baut sie ein Welt auf, die neugierig macht und mit plausiblen Eklärungen für Fantasy-Elemente für bestmögliche Immersion sorgt.
Trotz der großen Vielzahl an Charakteren macht es Spaß, das düstere London zu erkunden und mit dem Spuk Squad auf Geisterjagd zu gehen. Gelegenheit, die Figuren besser kennenzulernen bieten sicherlich auch die Folgebände. Schließlich handelt es sich bei „Unheilige Zeiten“ nur um den Auftakt zur ersten Staffel.
Aus diesem Grund kann ich das Buch ohne Vorbehalte weiterempfehlen – vor allem für Jugendliche, die im Fantasy-Genre zuhause sind, aber Lust haben, ein bisschen Krimi-Luft zu schnuppern.

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